Gina Kaus

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Gina Kaus
Personenname Kaus, Gina
Abweichende Namensform Eckbrecht, Andreas, Wiener, Regina
Titel
Geschlecht weiblich
GND 118560786
Geburtsdatum 21.10.1893
Geburtsort Wien
Sterbedatum 23.12.1985
Sterbeort Santa Monica, USA
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Schriftstellerin, Drehbuchautorin
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
Letzte Änderung am  23.11.2017 durch DYN\rabus
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Bildname Ginakaus.jpg
Bildunterschrift  Gina Kaus
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv: Fotosammlung, TF-005148
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

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NameVerwandtschaftsgrad
Josef Zirner1. Gatte
Otto Kaus2. Gatte
NameBeziehung
Otto GroßFreund
Franz BleiFreund
Alfred AdlerFreund
Hermann BrochFreund

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Gina Kaus, * 21. Oktober 1893 Wien, † 23. Dezember 1985 Santa Monica, USA, Schriftstellerin.

Biographie

Gina Kaus kam am 21. Oktober 1893 als Spross einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien zur Welt, ihr bürgerlicher Name war Regina Wiener. Sie besuchte das Mädchenlyzeum des Schulvereins für Beamtentöchter und arbeitete zunächst im Laboratorium des Allgemeinen Krankenhauses. 1913 heiratete sie den wohlhabenden Juwelierssohn Josef Zirner, der im Ersten Weltkrieg 1915 fiel. Im Jahr darauf ließ sich Kaus von dem Großindustriellen Josef Kranz adoptieren und lebte als dessen Geliebte in einem Palais in der Liechtensteinstraße.

Kaus verkehrte in Wiener Intellektuellen- und Literatenzirkeln, insbesondere im Café Herrenhof, wo sich Franz Blei, Hermann Broch, Robert Musil und Franz Werfel (der sie in der Figur der Hedda Aschermann im Roman "Barbara oder Die Frömmigkeit" porträtierte) trafen; unter dem Pseudonym Andreas Eckbrecht veröffentlichte sie erste essayistische und literarische Arbeiten. Sowohl ihre Themen und Argumentation als auch die Publikationsorgane, in denen sie ihre Texte unterbrachte, belegen Kaus' Sympathien für sozialistische bzw. kommunistische Konzepte. So veröffentlichte sie beispielsweise den Artikel "Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie" in der Zeitschrift "Sowjet", in der auch ihre Novelle "Der Altar" erschien. Am 19. Oktober 1919 wurde ihr Stück "Diebe im Haus" im Schönbrunner Schlosstheater uraufgeführt. 1920 erschien mit der Novelle "Der Aufstieg" ihre erste selbstständige Buchpublikation, für die sie, unterstützt von Franz Blei, mit dem Theodor-Fontane-Preis ausgezeichnet wurde.

1920 heiratete Kaus den Schriftsteller und Psychologen Otto Kaus, mit dem sie zwei Söhne hatte, von dem sie sich aber 1927 wieder scheiden ließ. Über ihren Mann lernte sie Alfred Adler und dessen individualpsychologische Arbeit kennen, die starken Einfluss auf Kaus’ Schaffen ausübte. Gina Kaus gründete 1924 die pädagogische Zeitschrift "Die Mutter", verfasste wissenschaftliche Texte, etwa "Die seelische Entwicklung des Kindes" für das "Handbuch für Individualpsychologie" (1926), und rief eine Erziehungsberatungsstelle in Wien ins Leben.

Sie schrieb weiterhin sozialkritische Feuilletons, Rezensionen sowie Kurzgeschichten, Novellen und Romane, die in diversen Periodika abgedruckt wurden, ab Mitte der 1920er Jahre insbesondere in jenen des Ullstein-Verlags, darunter die "Vossische Zeitung", die "Berliner Morgenpost" und die "Berliner Illustrirte Zeitung". Ihre beiden ersten Romane erschienen 1928: "Die Front des Lebens" in 81 Folgen in der "Arbeiter-Zeitung" und "Die Verliebten", deren Charakterzeichnung individualpsychologisch geprägt ist, in Buchform bei Ullstein. Gina Kaus war eine gefragte, gut bezahlte Schriftstellerin, wurde aber im Bereich der Belletristik allgemein als gehobene Unterhaltungsschriftstellerin wahrgenommen, was vor allem an dem Roman "Die Überfahrt" (1932) lag.

Kaus’ Schriften schienen auf der Schwarzen Liste "Schöne Literatur" des NS-Bibliothekars Wolfgang Herrmann auf und wurden am 10. Mai 1933 in Berlin verbrannt (was Kaus in ihren Memoiren mit dem Satz "Nie zuvor war ich in besserer Gesellschaft gewesen." kommentierte). Ihre folgenden Bücher, der Roman "Die Schwestern Kleh" (1933) und die international erfolgreiche Biographie "Katharina die Große" (1937) erschienen schließlich beim Exilverlag Allert de Lange in Amsterdam. Kaus verließ Österreich mit ihrer Familie am 12. März 1938, am Tag des Einmarschs von Hitlers Truppen. Die erste Exilstation war Paris, wo sie gemeinsam mit dem Produzenten Arnold Preßburger an mehreren Projekten arbeitete, etwa an der Verfilmung ihres Romans "Die Schwestern Kleh" unter dem Titel "Conflit". Zeitgleich entstand der Roman "Der Teufel von nebenan" (1940). Im September 1939 emigrierte Kaus in die USA und war fortan in Hollywood für verschiedene Filmstudios als Drehbuchautorin tätig, später als Übersetzerin von Filmskripten und Dramen. Über viele Jahre hinweg schrieb Kaus an ihren Memoiren, die 1979 unter dem Titel "Und was für ein Leben ... mit Liebe und Literatur, Theater und Film" in Hamburg erschienen. Kaus starb 1985 in einem Pflegeheim in Santa Monica, Kalifornien.

Werke

  • Gina Kaus: Heute wie Gestern. Gebrochene Herzen, moderne Frauen, mutige Kinder. Kleine Prosa. Ausgewählt, hg. und mit einem Nachwort versehen von Veronika Hofeneder. Hildesheim / Zürich / New York: Olms 2013
  • Gina Kaus: Morgen um Neun. Roman. Mit einem Nachwort von Gerhard Bauer: Hildesheim / Zürich / New York: Olms 2008
  • Gina Kaus: Die Unwiderstehlichen. Kleine Prosa. Hg. und mit einem Nachwort versehen von Hartmut Vollmer. Oldenburg: Igel Verlag Literatur 2000
  • Gina Kaus: Von Wien nach Hollywood. Erinnerungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990 [Neuauflage von "Und was für ein Leben"]
  • Gina Kaus: Und was für ein Leben ... mit Liebe und Literatur, Theater und Film. Hamburg: Knaus 1979
  • Gina Kaus: Der Teufel nebenan. Roman. Amsterdam: De Lange 1940
  • Gina Kaus: Katharina die Große. Amsterdam: De Lange 1937
  • Gina Kaus: Die Schwestern Kleh. Roman. Amsterdam: Allert de Lange 1933
  • Gina Kaus: Die Überfahrt. Roman. München: Knorr & Hirth 1932
  • Gina Kaus: Morgen um Neun. Roman. Berlin: Ullstein 1932
  • Gina Kaus: Der Aufstieg. Eine Novelle. München: Müller 1920

Quelle

  • Wienbibliothek im Rathaus, Tagblattarchiv, Personenmappe Gina Kaus [TP 023755]

Literatur

  • Veronika Hofeneder: Der produktive Kosmos der Gina Kaus. Schriftstellerin, Pädagogin, Revolutionärin. Hildesheim / Zürich / New York: Olms 2013 (Germanistische Texte und Studien, 92)
  • Ingrid Walter: Dem Verlorenen nachspüren. Autobiographische Verarbeitung des Exils deutschsprachiger Schriftstellerinnen. Taunusstein: Driesen 2000
  • Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Zur Kulturpolitik des Nationalsozialismus. [Zusammenstellung der Ausstellung: Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Katalog: Gabriele Koller ... Für den Inhalt verantwortlich: Oswald Oberhuber]. Wien: Zentralsparkasse 1982
  • Werner Röder / Herbert A. Strauss: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International biographical dictionary of Central European émigrés 1933−1945. Hg. vom Institut für Zeitgeschichte München und von der Research Foundation for Jewish Immigration. München [u.a.]: Saur 1980−1999
  • Harry Zohn: Österreichische Juden in der Literatur. Ein bio-bibliographisches Lexikon. Tel Aviv: Olamenu 1969
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei 1951

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