Fritz Lahr

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Personenname Lahr, Fritz
Abweichende Namensform
Titel Major
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 12.05.1890
Geburtsort Salzburg
Sterbedatum 27.03.1953
Sterbeort Wien
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Politiker
Parteizugehörigkeit Heimwehr
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage-NG
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Geschäftsführender Bürgermeister der Stadt Wien11 März 193813 März 1938
Vizebürgermeister der Stadt Wien2 Dezember 193311 März 1938

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Lahr Fritz, * 12. Mai 1890 Salzburg, † 27. März 1953 Wien, Politiker.

Biographie

Fritz Lahr wurde in Salzburg geboren, lebte aber seit seinem sechsten Lebensjahr in Wien. Nach Absolvierung der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt (Ausmusterung 1911) war er im Ersten Weltkrieg zuletzt Kommandant des Feldartillerieregiments Nr. 157, nahm jedoch nach dem Krieg im Rang eines Major seinen Abschied. In weiterer Folge fungierte er als Sekretär der Vereinigung der Züchter und Rennstallbesitzer, wo seine organisatorischen Fähigkeiten auffielen. In seiner Eigenschaft als Generalsekretär der Österreichischen Renn- und Campagnereitergesellschaft (ab 1931) stellte er die Gesellschaft neu auf.

Politisch engagierte sich Lahr ab Anfang 1927 beim Wiener Heimatschutz, avancierte zum Organisationsleiter und 1932 unter Emil Fey zum Landesführer-Stellvertreter von Wien. Im Februar 1934 organisierte er binnen weniger Tage im Rahmen des Heimatschutzes den "Wehrsturm", der in die Kämpfe gegen den sozialdemokratischen Schutzbund eingriff. Nach dem Bürgerkrieg und dem Sturz der demokratisch legitimierten Stadtregierung im Februar 1934 wurde Lahr zum Vizebürgermeister ernannt, wobei er sich im Rathaus neben der Vertretung des Heimatschutzes vor allem dem Kunstressort, aber auch der Entwicklung des wenig ausgebauten Luftschutzes widmete. Seine Bestellung galt als Signal an den deutschnationalen Flügel der Heimwehr. In deren Verbotszeit unterhielt er zu österreichischen Nationalsozialisten enge Beziehungen, die er in den "Anschlusstagen" 1938 geltend machte.

In der Nacht von 11. auf 12. März 1938 besetzte Lahr mit etwa 160 Bewaffneten des SA-Sturmbanns I/99 "Oberland" das Rathaus und zwang die Rathauswache, ihre Waffen niederzulegen. Kurz nach Mitternacht verlautbarte die österreichische Radiostation RAVAG eine der ersten Amtshandlungen des eben erst ernannten nationalsozialistischen Bundeskanzlers Arthur Seyß-Inquart: Er betraue Vizebürgermeister Lahr mit der Führung der Geschäfte des Bürgermeisters von Wien. Der bisherige Bürgermeister Richard Schmitz stand ab sofort unter Hausarrest, wurde am nächsten Tag verhaftet und im Gefangenenhaus am Donaukanal interniert.

Während der nur zwei Tage dauernden Amtszeit Fritz Lahrs begannen personelle Säuberungen in der Magistratsverwaltung. So wurde Rudolf Hießmaneder noch in der Nacht auf 12. März als Magistratsdirektor von Obersenatsrat Rudolf Hornek abgelöst und am 12. März dem Nationalsozialisten Karl Palme das Personalamt übertragen. Lahr ließ am 12. März den Rathausplatz in "Adolf-Hitler-Platz" umbenennen, eröffnete am 13. März die 34. Wiener Internationale Messe und nahm an der "feierlichen Begrüßung" der ersten deutschen Armeeeinheiten am Matzleinsdorfer Güterbahnhof teil. Noch am gleichen Tag wurde er von Hermann Neubacher abgelöst.

Lahrs weitere Spuren verlieren sich (ein Antrag auf Aufnahme in die NSDAP wurde 1939 mit Hinweis auf seine Stellung in der Dollfuß-Schuschnigg-Zeit abgewiesen). Er starb 1953 im Alter von 63 Jahren in Wien.


Literatur

  • Gerhard Botz: Nationalsozialismus in Wien. Machtübernahme, Herrschaftssicherung, Radikalisierung 1938/39. Überarbeite und erweiterte Neuauflage. Wien: Mandelbaum 2008, S. 62 ff.
  • Walter Wiltschegg: Die Heimwehr. Eine unwiderstehliche Volksbewegung? Wien: Verlag für Geschichte und Politik 1985 (Studien und Quellen zur österreichischen Zeitgeschichte 7), S. 114 ff., 229 f., 353
  • Richard Bamberger / Franz Maier-Bruck: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Österreichischer Bundesverlag / Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1966
  • Das neue Wien und seine Bürgerschaft. Eine Darstellung des ständischen Aufbaues in der Stadt Wien. Almanach für die bundesunmittelbare Stadt Wien. Hg. von der Gesellschaft für österreichische Monographien. Wien: L. Beck 1935, S. 48
  • Marcell Klang: Die geistige Elite Österreichs. Wien: Barth 1936
  • Die Wiener Bürgerschaft. Wien: Patria 1936, S. 48