Friedrich Zawrel

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Personenname Zawrel, Friedrich
Abweichende Namensform
Titel
Geschlecht männlich
GND 12311196X
Geburtsdatum 17.11.1929
Geburtsort Lyon
Sterbedatum 20.02.2015
Sterbeort
Begräbnisdatum
Friedhof Wiener Zentralfriedhof
Grabstelle Gruppe 40, Reihe 6, Nr. 21
Ehrengrab ehrenhalber
Beruf
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche
Denkmal
Quelle Gedenktage
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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich2013
Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien2008

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Friedrich Zawrel, * 17.11.1929 Lyon, † 20.02.2015, NS-Überlebender, Zeitzeuge

Biographie

Friedrich Zawrel wurde in Lyon geboren, wo seine Mutter, um der Arbeitslosigkeit in Wien zu entkommen, in einer Spinnerei tätig war. Nachdem sie auch dort ihre Arbeit verloren hatte, musste sie mit ihrem Sohn nach Wien-Kaisermühlen zurückkehren.

Zawrel wuchs in sehr schwierigen sozialen Verhältnissen auf: Der Vater war alkoholkrank, die Mutter wurde delogiert, weil sie die Miete nicht bezahlten konnte. So kamen Friedrich Zawrel und sein Bruder zu Pflegeeltern, dann in ein Erziehungsheim, schließlich kehrte er wieder zu seiner Mutter zurück. Nach dem “Anschluss" kam Zawrel als “schwer erziehbares“ Kind in psychiatrische Kinderabteilungen verschiedener Krankenhäuser. Zwischen 1941 und 1944 war er in einer Einzelzelle der Kinderfachabteilung am Spiegelgrund im Pavillon 17 eingesperrt. Nach Belieben der Ärzte wurde er im Todespavillon 15 Schulungspersonal vorgeführt, um zu demonstrieren, was an ihm lebensunwert war. Der Anstaltsarzt Heinrich Gross stufte Zawrel in einem Gutachten als "erbbiologisch und sozial minderwertig" ein, folterte und quälte ihn mit "medizinischen" Versuchen. Eine Krankenschwester wies ihn auf eine offene Tür hin und ermöglichte ihm so die Flucht. Als Zawrel ein Paket mit Lebensmitteln stehlen wollte, wurde er neuerlich gefangen und in die Justizanstalt Kaiserebersdorf gebracht.

Nach seiner Freilassung arbeitete er als Hilfsarbeiter und heiratete, doch die Ehe scheiterte nach fünf Jahren. Verschiedene Eigentumsdelikte brachten Friedrich Zawrel wiederholt in Konflikt mit dem Gesetz. 1975 sollte ihn Heinrich Gross, der inzwischen als hoch angesehener Facharzt und Gerichtsgutachter Karriere gemacht hatte, im Gefängnis psychiatrisch untersuchen. Von Zawrel mit seiner Vergangenheit konfrontiert, stellte ihm Gross ein vernichtendes Gutachten aus, für das er sogar alte NS-Akten herangezogen hatte, und das Zawrel eine unverhältnismäßig hohe Haftstrafe einbrachte.

1981 wurde Friedrich Zawrel zum letzten Mal aus dem Gefängnis entlassen. Entgegen den Prognosen von Gross gelang ihm der Ausstieg aus der Kriminalität: Er machte den Führerschein, den man ihm lange Zeit wegen seiner Vorstrafen verweigert hatte, und war noch 15 Jahre lang als Auslieferungsfahrer tätig. Unterstützt wurde Zawrel u. a. vom Arzt Werner Vogt (von der Arbeitsgemeinschaft Kritische Medizin) und später vom Journalisten Florian Klenk.

Zawrel wurde zu einem der wichtigsten Zeitzeugen der NS-Verbrechen auf dem Spiegelgrund. Trotz massiver Einschüchterungsversuche berichtete er in den letzten 20 Jahren seines Lebens in Mittelschulen, Berufsschulen, Pflegeanstalten, vor Richtern und Staatsanwälten und auf Psychatriekongressen über seine Erlebnisse mit der NS-Psychiatrie. Zawrel leistete einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Heinrich Gross enttarnt und im Jahr 2000 des Mordes angeklagt wurde. Aufgrund der Demenz des Angeklagten, der 2005 verstarb, wurde Gross nie verurteilt. Zawrel wurde erst im Jahr 2002 rehabilitiert und als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. 2008 wurde er mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien, 2013 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt. Am 10. Mai 2016 beschloss der Gemeinderatsausschuss für Kultur, Wissenschaft und Sport die Umbenennung der NMS 3., Hörnesgasse 12 nach Friedrich Zawrel in "Friedrich-Zawrel-Schule".

Rezeption

2005 zeigte das Volkstheater die Szenenfolge "Spiegelgrund" von Christoph Klimke. Unter dem Titel "In der Psychiatrie ist es nicht so schön..." montierte Stefan Geszti 2007 "33 Short Cuts aus dem Leben des Friedrich Zawrel" zu einem Monolog, der im Theater in der Josefstadt uraufgeführt wurde. Elisabeth Scharang drehte 2005 den Film "Mein Mörder" nach einem Text ihres Vaters. In "Meine liebe Republik" (2006) ließ sie Friedrich Zawrel selbst zu Wort kommen. 2012 zeigte das Schuberttheater das biografische Puppenspiel "F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig".

Quellen

Literatur

Links