Doblinger

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Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Doblinger (Musikverlag, Musikhaus).

Bernhard Herzmansky senior (* 6. Dezember 1852 Rudolfstal-Bahnhof, Pfarre Hohenstadt, Böhmen) erwarb am 1. August 1876 von Ludwig Doblinger die Musikalienhandlung Doblinger (1, Dorotheergasse 10) und begann sogleich mit einer verlegerischen Tätigkeit; den Namen Doblinger behielt er bei. Wien war im 19. Jahrhundert für Musikverlage ein günstiger Boden, weil hier eine Reihe der führenden Komponisten Europas lebte, aber auch Verlage wie Haslinger, Peter Cappi, Anton Diabelli und Artaria eine Tradition begründet hatten. Herzmansky senior († 1921), der für seine Verlagsgründung einen günstigen Zeitpunkt gewählt hatte (am 9. Dezember 1875 hatte die Witwe Carl Haslingers den traditionsreichen Musikverlag "Carl Harslinger quondam Tobias" an den Berliner Verleger Robert Lienau verkauft, sodass für einen neuen Mann Platz war), arbeitete mit einem fest umrissenen Verlagsprogramm, in das er besondere Werke von Carl Michael Ziehrer aufnahm (der für seinen Verlag ähnliche Bedeutung erlangte wie Johann Strauß für Haslinger gehabt hatte) und bald danach auch "ernste" Musik; unter anderem erwarb er den Verlag J. P. Gotthard, in dem zahlreiche Kompositionen Franz Schuberts erschienen waren und der auch für den Umkreis von Johannes Brahms Bedeutung hatte. Herzmansky war auch der bedeutendste Verleger Anton Bruckners zu dessen Lebzeiten.

Ab 1901 war Doblinger einer der wichtigsten Wiener Operettenverlage (Carl Michael Ziehrer, Franz Lehár, Oscar Straus, Leo Fall und andere). Nach dem Tod seines Vaters übernahm Bernhard Herzmansky junior die Firma; unter ihm wurden vor allem Tanzschlager und Wienerlieder (begünstigt durch die neuen Medien Rundfunk und Tonfilm) zu Verkaufserfolgen; Ralph Benatzky und Hermann Leopoldi betonten neben anderen die wienerisch-österreichische Note. Zur Förderung junger Künstler wurden ab 1923 im Barocksaal des Hauses Musikabende veranstaltet (neue Kammermusikkompositionen), Herzmansky wurde zum Mäzen der österreichischen Avantgarde (Ernst Krenek, Arnold Schönberg und Anton Webern, aber auch Paul Hindemith, Maurice Ravel und andere standen auf dem Programm der Musikabende). Außerdem veröffentlichte der Verlag eine Musikzeitschrift, die sich mit österreichischer Gegenwartsmusik beschäftigte ("Musikbote").

Unter dem Nationalsozialismus erhielt Herzmansky Arbeitsverbot in seiner Firma, legte jedoch nach 1945 den eigentlichen Grundstein für den Verlag; neben der Pflege der Unterhaltungsmusik begann der Versuch einer Wiederbelebung der Operette, außerdem rückte die Schaffung eines Katalogs österreichischer Literatur für den Musikunterricht in das Zentrum des Interesses.

Nach Herzmanskys Tod (1954) übernahm Christian Wolff 1955 als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung des Musikverlags und des Musikhauses; seither wurde dieser zum Synonym für die österreichische Musik der Gegenwart. Nach dem Übertritt Wolffs in den Ruhestand übernahm 1980 der Urenkel des Firmengründers, Helmuth Pany, als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung und setzte die traditionsreichen Aktivitäten des für das nationale und internationale Musikgeschehen bedeutenden Unternehmens fort.

Das Notenarchiv des Musikverlags wird in der Wienbibliothek im Rathaus verwahrt, das Verlagsarchiv in der Österreichischen Nationalbibliothek.

Literatur

  • Doblinger - ein Wiener Musikverlag. 1876 - 1976. Wien: Stadt Wien, MA 9 1976 (Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, 177)
  • Otto Biba: Wer war Ludwig Doblinger? In: Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ) 31 (1976), S. 563 f.
  • Herbert Vogg: 100 Jahre Musikverlag Doblinger. 1876 - 1976. Wien [u.a.]: Doblinger 1976
  • "Dorotheergassse 10". Betriebszeitung für die Mitarbeiter 1989

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