Constant von Wurzbach

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Personenname Wurzbach, Constant von
Abweichende Namensform Wurzbach, Constantin von Tannenberg, Wurzbach von Tannenberg, Konstantin
Titel Ritter, Regierungsrat, Dr. phil.
Geschlecht männlich
GND 119532522
Geburtsdatum 11. 04.1818
Geburtsort Laibach (Ljubljana, Slowenien)
Sterbedatum 17.08.1893
Sterbeort Berchtesgaden
Begräbnisdatum
Friedhof Friedhof Ober St. Veit;
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Bibliothekar, Lexikograph, Historiker
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Wurzbachgasse
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
Letzte Änderung am  20.09.2017 durch DYN\krabina
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FunktionFunktion vonFunktion bis
Leiter der administrativen Bibliothek im Ministerium für Inneres18491874
AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Orden der Eisernen Krone dritter Klasse18731873

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NameVerwandtschaftsgrad
Alfred von WurzbachSohn

Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Constant (Konstantin) Wurzbach Ritter von Tannenberg, * 11. April 1818 Laibach (Ljubljana, Slowenien), † 17. August 1893 Berchtesgaden, Bayern, Schriftsteller, Bibliothekar, Lexikograph.

Biographie

Constant Wurzbach war der Sohn eines in Laibach (Ljubljana) ansässigen Advokaten und sollte gleichfalls die Rechtsanwaltslaufbahn einschlagen. Er studierte in Graz Jus, trat aber dann in das Heer ein und diente in Krakau, wo er als 25jähriger Unterleutnant schließlich das philosophische Doktorat erwarb und in Lemberg promovierte. Es war der erste Fall, dass ein aktiver Offizier ein akademisches Studium abschloss. Wurzbach trat bald darauf aus dem Heeresdienst aus und wurde Skriptor an der Lemberger Universitätsbibliothek. 1847 nahm Wurzbach eine Stellung bei der Lemberger Zeitung an, und erlebte so das Revolutionsjahr 1848 als politischer Journalist. Im Herbst desselben Jahres wurde Wurzbach Archivrat und 1849 zum Leiter der administrativen Bibliothek des Ministeriums des Innern ernannt.

In diesen Jahren begannen auch seine bibliographischen, statistischen und biographischen Materialsammlungen. Die erste daraus resultierende Publikation war die "Bibliographisch-statistische Übersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates" (1853-1855). Anschließend gab er ein "Bibliographisches Zentralorgan des österreichischen Kaiserstaates" heraus; die erste periodisch erscheinende Bibliographie in der ganzen Welt überhaupt. Durch den Ministerpräsidenten Alexander von Bach angeregt, begann er auch systematisch die Lebensdaten aller denkwürdigen Personen zu sammeln und schickte sich an, in Nachfolge der "Österreichischen Enzyklopädie" von Franz Gräffer und Johann Jakob Czikann ein umfangreiches biographisches Lexikon vorzubereiten. Im Jahre 1856 erschien der erste Band unter dem Titel "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben".

In rascher Folge erschienen weitere Bände, doch wuchs das Material auch dem sagenhaft fleißigen Wurzbach über den Kopf. Enthält der erste Band noch die Anfangsbuchstaben A-Blumenthal, so sind die um die Zahl 20 herum nummerierten Bände etwa von Po-Pr reichend. Beim 25. Band wurde Wurzbach freigestellt, um das biographische Lexikon vollenden zu können. Das geschah im Jahre 1874, nachdem er bereits 1869 zum Regierungsrat ernannt worden war. Nachdem auch zuerst ein privater Verlag das Lexikon herausgebracht hatte, übernahm dies ab dem 6. Band die Österreichische Hof- und Staatsdruckerei. Im Jahre 1891, nach 40jähriger Arbeit, war das Werk auf 60 Bände angewachsen und wurde abgeschlossen.

Dazu kommt, dass Wurzbach sämtliche Artikel (mit wenigen Ausnahmen, die namentlich bezeichnet sind) selbst schrieb, dazu ein ausführliches Quellenmaterial und eine Ikonographie erarbeitete. Im letzten Band stellt der Verfasser auch die Zahlen zusammen. Das Lexikon enthält nicht weniger als 24.254 Biographien, von denen mehr als 20.000 österreichische Persönlichkeiten betreffen. Darunter sind etwa 771 Dichter, 2.109 Schriftsteller und 1.472 Musiker. Den Vertretern des Adels und der Herrschergeschlechter sind umfangreiche genealogische Tafeln beigegeben. Wurzbach hat dieses riesige Material selbst gesammelt, indem er Zeitungsausschnitte, Broschüren, Flugblätter und sonstige Notizen aufbewahrte.

Diese riesige Materialsammlung (1.453 Kartons) wurde nach seinem Tode von der Wiener Stadtbibliothek (der heutigen Wienbibliothek im Rathaus) erworben, wo sie sich heute noch befindet.

Überdies hat Wurzbach bereits seit 1840 als epischer und lyrischer Dichter eine große Anzahl von Gedichtsammlungen veröffentlicht, darunter "Mosaik" (1840), "Kameen" (1854), "Gemmen" (1855), "Zyklamen" (1873), "Aus dem Psalter eines Poeten" (1874). Freilich sagen uns diese Gedichte heute nur mehr wenig. Sie sind im einfachen Volksliedton geschrieben und erinnern an Anastasius Grün.

Wurzbach ist aber auch als Sprachforscher hervorgetreten und hat auch auf diesem Gebiete publiziert. Darunter sind Arbeiten über die Volkslieder der Polen und Ruthenen, die Sprichwörter der Polen, eine Arbeit "Historische Wörter" (1862), "Glimpf und Schimpf in Spruch und Wort" und schließlich im Schillerjahr 1859 ein "Schiller-Buch", das auch eine Schiller-Bibliographie enthält. Sogar auf kunsthistorischem Gebiet hat Wurzbach gearbeitet. Für manche seiner Publikationen benützte er das Pseudonym W. Constant

1874 wurde Wurzbach mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse (1873) geehrt und infolgedessen in den erblichen Ritterstand erhoben (Constantin Wurzbach Ritter von Tannenberg).

Nach dem Schriftsteller und Lexikograph wurde in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus die Wurzbachgasse benannt.

Literatur

  • Richard Bamberger [Hg.]: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Verlags-Gemeinschaft Österreich-Lexikon 1995
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Elisabeth Lebensaft / Hubert Reitterer: Wurzbach-Aspekte. In: Wiener Geschichtsblätter 47 (1992), S. 32 ff.
  • Manfred Arndorfer: Freunde, Förderer und Gönner der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Eine kleine Danksagung zum 125-Jahr-Jubiläum der Wiederbegründung. Wien: Eigenverlag 1981 (Wechselausstellung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, 193), S. 3
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. Band 4. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1927
  • Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bände. Wien: Verlag der typografisch-literarisch-artistischen Anstalt 1856-1891. Band 59, 1890

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