Burggarten

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Tor zum Burggarten (1971)
Art des Objekts Park
Jahr von 1823
Jahr bis
Name seit 1919
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Neuer k.k. Hofgarten, Hofgarten, Kaisergarten, Garten der Republik
Benannt nach Hofburg
Bezirk 1
Lage
Verkehr
Prominente Bewohner
Besondere Bauwerke Glashaus, Mozartdenkmal, Franz-Joseph-Denkmal, Reiterstatue Franz' I., Bleiskulptur des Herkules
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  27.06.2017 durch WIEN1\lanm08sok
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Bildname Burggarten.jpg
Bildunterschrift  Tor zum Burggarten (1971)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 7101/9
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Burggarten (1; im Vormärz zunächst „Neuer k.k. Hofgarten", dann bis 1919 Hof- oder Kaisergarten, 1919 vorübergehend Garten der Republik genannt).

Nach der Sprengung der Burgbastei durch die französischen Besatzungstruppen (1809), die völlige Beseitigung der gesprengten Festungswerke (1816-1819, Oberleitung Erzherzog Johann als Chef der „Geniedirektion") und die in der Folge realisierte „kleine Stadterweiterung" vor der (alten) Burg kam es zur Anlage des Kaisergartens (Hofgarten; 1818-23) und des Volksgartens (1821-1823; siehe Theseustempel) sowie zum Bau des Neuen Äußeren Burgtors (1821-1824) durch Pietro Nobile.

Der Kaisergarten blieb als Privatgarten dem Kaiserhaus vorbehalten und wurde von den Familienmitgliedern gerne aufgesucht. Er war nach Plänen von Hofbaudirektor Ludwig Gabriel von Rémy durch den Hofgärtner Franz Antoine (dessen zweigeschossiges Haus links vom Glashaus stand) angelegt worden (1818 Geländeanschüttung mit Anlage von Bassins, 1819 Planierung des Grabens, 1823-1826 Glashäuser) und mit der (alten) Burg durch einen unterirdischen Gang verbunden.

1819 wurde die frühklassizistische Reiterstatue Franz' I. (Franz Stephan von Lothringen) von Balthasar Moll (1781) vom Paradeisgartel, in dem sie seit 1797 gestanden war, in den Kaisergarten versetzt; sie ist das älteste Reiterstandbild Wiens.

Am Nordende des Gartens erbaute Remy 1823-1826 mit weitgehender Anwendung von Eisenkonstruktionen und mit Benützung eines Rests der alten Festungsmauern als Rückwand Gewächshäuser, die 1901-1905 durch ein Jugendstilglashaus von Friedrich Ohmann ersetzt wurden (Palmenhaus; Glashaus).

1863 wurde der Burggarten (nach Demolierung der Hornwerkskurtine) in Richtung Goethegasse und Burgring auf sein heutiges Ausmaß vergrößert und mit einem gusseisernen Gitter umgeben (siehe Einfriedungen); durch den Bau der Neuen Hofburg (1881-1913) wurde der Garten wesentlich verkleinert.

Die 1919 in Burggarten unbenannte Parkanlage ist seither Besitz der Republik Österreich und öffentlich zugänglich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1948 die Bleiskulptur des Herkules mit dem steinernen Nemeischen Löwen (um 1800, zuvor im Esterházypark [6]), die auf einem Felssockel inmitten eines flachen Wasserbeckens steht, 1953 das Mozartdenkmal (von Viktor Tilgner, enthüllt 1896 auf dem Albertinaplatz) und im August 1957 ein Franz-Joseph-Denkmal (von Josef Tuch, enthüllt 1903 in Wiener Neustadt) im Burggarten aufgestellt. Unmittelbar außerhalb des Burggartens stehen das Abraham-a-Sancta-Clara-Denkmal und das Goethedenkmal.

Ende der 1970er-Jahre forderten Jugendliche mit dem Slogan "Freiheit für den Burggarten" das Ende des "Rasenverbots" in den öffentlichen Parks Wiens und nahmen ab Mai 1979 mit samstäglichen Rasenbesetzungen den Burggarten symbolisch in Besitz. Wurden die Besetzungen zunächst geduldet, so eskalierte der Konflikt zwischen den BesetzerInnen und der Polizei im September 1979; einzelne BesetzerInnen wurden verhaftet. Teile der "Burggarten-Bewegung" forderten nicht nur ein Ende des Verbots, öffentliche Rasenflächen zu betreten, sondern traten - nach dem Vorbild der ''Arena''-Bewegung 1976 - für die Einrichtung von alternativen Kultur- und Kommunikationszentren ein. Die "Burggarten-Bewegung" war bis zum Frühjahr 1981 mit Demonstrationen aktiv, Teile der Bewegung waren auch an der kurzfristigen Besetzung der ehemaligen Markthalle in der Phorusgasse am 20. Oktober 1979 beteiligt.

Literatur

  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 22 f.
  • Felix Czeike: Wien. Kunst und Kultur-Lexikon. Stadtführer und Handbuch. München: Süddeutscher Verlag 1976, S. 55 f.
  • Richard Perger: Straßen, Türme und Basteien. Das Straßennetz der Wiener City in seiner Entwicklung und seinen Namen. Wien: Deuticke 1991 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 22)
  • Harry Kühnel: Die Hofburg. Wien [u.a.]: Zsolnay 1971 (Wiener Geschichtsbücher, 5), S. 93 ff.
  • Wiens Verschönerung besonders durch das neue Burgthor, den Kaisergarten und den Volksgarten. 1824
  • Hubert Kaut: Wiener Gärten. 1964, S. 40
  • Alfred Auer: Wien und seine Gärten. 1974, S. 63
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 289
  • Andreas Suttner: Die Wiener Hausbesetzungs-Bewegung der 1980er-Jahre. In: Martina Nußbaumer/Werner Michael Schwarz (Hg.): Besetzt! Kampf um Freiräume seit den 1970ern (Ausstellungskatalog Wien Museum). Wien: Czernin Verlag 2012, S. 140-145.
  • Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele: Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Ein belehrendes und unterhaltendes Nachschlag- und Lesebuch in anekdotischer, artistischer, biographischer, geschichtlicher, legendarischer, pittoresker, romantischer und topographischer Beziehung. Wien: [o. V.] 1846
  • Die k.k. Burg in Wien. 1867, S. 89 ff.
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 351, 460
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 84 f.