Bürgerspital (Haupthaus)

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Das Bürgerspital mit der Bürgerspitalkirche auf dem 1778 erschienenen Huber-Plan. Vorne gegen die Kärntner Straße das Chaossche Stiftungshaus.
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1305
Jahr bis 1873
Andere Bezeichnung Bürgerspital zu St. Klara
Frühere Bezeichnung Klarakloster
Benannt nach Bürgerspital
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  26.08.2017 durch WIEN1\lanm08swa
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Bildname Huber_Buergerspital_rot.jpg
Bildunterschrift  Das Bürgerspital mit der Bürgerspitalkirche auf dem 1778 erschienenen Huber-Plan. Vorne gegen die Kärntner Straße das Chaossche Stiftungshaus.
Bildquelle WSTLA
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Kärntner Straße32-34
1Lobkowitzplatz

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt112517701795
Stadt112617701795
Stadt110018211862
Stadt116617951821
Stadt112317701795
Stadt112417701795
Das Bürgerspital am Schweinemarkt auf dem Nagelplan (1773)

Bürgerspital in der Stadt (1, Bereich zwischen Kärntner Straße 28–30, Stadtmauer, Schweinemarkt [heute Lobkowitzplatz] und Klostergasse (1) [heute Gluckgasse]; Konskriptionsnummer 1100).

Übersiedlung des Bürgerspitals in die Stadt

Im Vorfeld der Ersten Osmanischen Belagerung von 1529 wurde der gesamte Gebäudekomplex des Bürgerspitals vor dem Kärntnertor samt Kirche und Friedhof niedergebrannt. Die Spitalinsassinnen und -insassen fanden zunächst wahrscheinlich im Himmelpfortkloster und spätestens Anfang 1530 im verlassenen Clarakloster eine neue Unterkunft. Am 20. Dezember 1539 überließ Ferdinand I. der Stadt das Kloster offiziell zur Nutzung als Bürgerspital[1]. Die bisherige Klosterkirche wurde damit zur Bürgerspitalkirche. Die Baugeschichte des Gebäudekomplexes ist für die Frühe Neuzeit nur in Ansätzen untersucht.

Ferdinand I. übergab am 20. Dezember 1539 der Stadt Wien das ehemalige Klarakloster für die Nutzung als Bürgerspital.

Bauliche Adaptierungen und Veränderungen im 16. und 17. Jahrhundert

Aus der Übergabeurkunde von 1539 geht hervor, dass zu diesem Zeitpunkt bereits bauliche Adaptierungen durchgeführt worden waren, teilweise unter Verwendung von Ziegeln und Steinen des alten Spitals. Unter anderem dürften eine „Pfisterei“ (Backhaus) eingerichtet und Räumlichkeiten für die Grundstube (Verwaltung der Grundherrschaft Bürgerspital) und den Bürgerspitalmeister hergerichtet worden sein. Eine große Veränderung war 1537 die Erbauung eines Trakts neben der Kirche für das Brauhaus, der das ebenfalls 1529 zerstörte Brauhaus vor dem Widmertor ersetzte (1548 nochmaliger Umbau). Bereits kurz nach 1530 war in einem ehemaligen Teil des Klostergartens Richtung Schweinemarkt die von Wolfgang Treu erbaute Pauluskapelle entstanden, die 1543 an das Bürgerspital kam und bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts für andere Zwecken genützt worden sein dürfte.

Dass die vorhandenen Räumlichkeiten teilweise zur Nutzung als Spital wenig geeignet waren, zeigt eine Quelle aus dem Jahr 1539, die die Schaffung von „etlich Stübl unnd Zymer für die armen“ anregte, damit Kranke und Gesunde voneinander getrennt werden könnten.[2] Im weiteren Verlauf fanden bis in die 1660er Jahre immer wieder kleinere Bauarbeiten statt, jedoch scheint es zu keinen weiteren größeren Veränderungen gekommen zu sein. Um 1640 gab es Pläne, im Bürgerspital zur Verhütung von Kindsmord nach dem Vorbild italienischer Spitäler eine Art Babyklappe („Winde“) einzurichten, wozu es jedoch nicht kam. 1652 wurde die Spitalapotheke „Zum heiligen Geist (Apotheke)“ in den Gebäudeteil in Bereich der Kärntner Straße verlegt und startete den öffentlichen Verkauf.

Der Spitalskomplex wird 1547 auf dem Stadtplan von Wolmut von als St. Clarakloster bezeichnet. Vor der Bürgerspitalkirche lag damals der Roßmarkt. Links oben die von Bürgermeister Wolfgang Treu gestiftete Pauluskapelle.
Das Haupthaus des Bürgerspitals mit der Bürgerspitalkirche 1683 auf einer Vogelschau von Daniel Suttinger. Einige Trakte sind erst 2 Stockwerke hoch. Der Vierflügelige Bau am Lobkowitzplatz wurde erst nach dieser Vogelschau errichtet.

Große Umbauphase zwischen den 1660er und 1690er Jahren

Die größte Umbauphase des Spitals in der Frühen Neuzeit fällt in die Zeit zwischen den 1660er und den 1690er Jahren. In diesem Zeitraum wurde in zwei Bauphasen auf Spitalgrund in der Kärntner Straße das Chaossche Stiftungshaus erbaut. Die Spitalapotheke und auch die dortige Trinkstube (später Bierhaus) blieben an ihrem Platz. Zwischen 1677 und 1697 wurden zudem umfangreiche Bauarbeiten am Spital selbst durchgeführt. Die bisher vermutlich nur ein- bis zwei Stockwerke hohen Gebäudeteile dürften erweitert (vor allem im Bereich Richtung Schweinmarkt und Klostergasse) und um einen dritten Stock erhöht worden sein. Im Zug der Umbauarbeiten erhielten die meisten Stuben neue Bezeichnungen, indem sie nun nach Heiligen benannt wurden. In der Folge scheint es wiederum nur zu kleineren baulichen Veränderungen gekommen zu sein.

Auf dem Steinhausen-Plan (1710) ist das Bürgerspital als riesige gebäudegruppe zu erkennen. Das Chaossche Stiftungshaus an der Kärntner Straße ist nicht gesondert ausgewiesen. Rechts oben die Ochsenmühle diente dem Brauhaus zum Mahlen der Gerste.
Die Bürgerspitalkirche mit dem links anschließenden Trakt des Brauhauses. (Zeichnung von Salomon Kleiner, 1724).
Die Fassade des Bürgerspitals zum Schweinemarkt hin, im Hintergrund der Garten des Kapuzinerklosters und St. Stephan (Nach einem Gemälde von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 1758/1761).

Umgestaltung in das Bürgerspitalzinshaus

Da das Haupthaus des Bürgerspitals in der Stadt nach den Reformen Josephs II. ab 1785 nicht mehr als Spital genutzt wurde, erfolgten bereits ab dem Frühjahr 1783 Erwägungen, es zu verkaufen oder in ein Zinshaus umzuwandeln. Noch im selben Jahr fiel die Entscheidung für Letzteres und wahrscheinlich auch der Startschuss für die Umbauarbeiten. Die Bürgerspitalkirche wurde 1784 entweiht. Im Zug des Umbaus erfolgte eine erneute Erhöhung der Gebäude. Das Chaossche Stiftungshaus dürfte erst in den 1790er Jahren in das nun entstandene Bürgerspitalzinshaus einbezogen worden sein.


Abriss in den 1870er und 1880er Jahren

In den 1870er und 1880er Jahren erfolgte der sukzessive Abbruch des gesamten Gebäudekomplexes, das Areal wurde parzelliert, wodurch die Tegetthoffstraße, die Führichgasse und die Maysedergasse entstanden. Gemeinsam mit in der Folge errichteten Neubauten erhielt das Gelände des ehemaligen Bürgerspitals damit ein völlig neues Gepräge.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre


Zu Institution siehe: Bürgerspital


Quellen


Literatur

  • Felix Czeike: Die Kärntner Straße. Wien [u.a.]: Zsolnay 1975 (Wiener Geschichtsbücher, 16), S. 58 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 323 f.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 6, 1. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 79–90
  • Joseph Holzinger: Hausgeschichte des Bürgerspitals zu Wien. Unveröffentlichtes Manuskript 1857–1860 [WStLA, Handschriften: A 240], Teil 2/1, Bogen 9 f., 35 ff., 111 ff.
  • Sarah Pichlkastner: Eine Stadt in der Stadt. InsassInnen und Personal des frühneuzeitlichen Wiener Bürgerspitals – eine Studie anhand exemplarischer Untersuchungszeiträume [in Arbeit befindliche Dissertation an der Universität Wien, geplanter Abschluss 2018]
  • Sarah Pichlkastner / Manuel Swatek: Fürsorge und Ökonomie. Das Wiener Bürgerspital um 1775. Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Reihe B: Ausstellungskataloge, Heft 97, Wien 2017
  • Barbara Schedl: Klosterleben und Stadtkultur im mittelalterlichen Wien. Zur Architektur religiöser Frauenkommunitäten. Innsbruck: Studienverlag 2009 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 51), S. 235 ff., 364 ff., 377, 400 f.


Einzelnachweise

  1. WStLA, Hauptarchiv-Urkunden, U3: Privilegien: 59
  2. Zit. nach Karl Weiß: Geschichte der öffentlichen Anstalten, Fonde und Stiftungen für die Armenversorgung in Wien. Wien: Selbstverlage des Gemeinderathes 1867, S. VIII (Anhang)