Augarten

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Der Augarten 1782 nach den Umgestaltungen unter Joseph II.
Art des Objekts Park
Jahr von 1614
Jahr bis
Name seit
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Bezirk 2
Lage Obere Augartenstraße
Verkehr
Prominente Bewohner Joseph II., Sängerknaben
Besondere Bauwerke Augartenpalais, Wiener Porzellanmanufaktur, Flaktürme
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Letzte Änderung am  25.09.2017 durch WIEN1\lanm08mic
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Bildname WStLA Pläne und Karten Sammelbestand P1 518 1 Ausschnitt.jpg
Bildunterschrift  Der Augarten 1782 nach den Umgestaltungen unter Joseph II.
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 59263/3
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Augarten (2, Obere Augartenstraße 1). Kaiser Matthias hatte 1614 in dem ausgedehnten Augebiet der Donau ein Jagdschlösschen errichten lassen, Ferdinand III. legte einen anfangs nicht sehr umfangreichen Garten an. Um 1677 kaufte Leopold I. ein von den Trautsons um 1654 errichtetes Lustgebäude, ließ es umbauen und legte nach Erwerb von weiteren Besitzungen, nämlich der Dietmanstorff, Braunstorff und Sprinzenstein sowie einer Örtlichkeit, die der Auknecht J. Kauzinger vom Stift Klosterneuburg zur Leibgeding besaß, einen großen Lustgarten an. Die Anlage wurde „kaiserliche Favorita“ genannt (mit der Etablierung der Favorita auf der Wieden wurde die Anlage im Augarten zur „alten Favorita“, siehe auch: Favorita). Bereits 1683 wurde sie durch die Türken verwüstet und die Gebäude in Brand gesteckt. Um 1705 wurde durch Joseph I. auf den Resten des nordöstlichen Seitenfügels des noch nicht wieder aufgebauten Schlosses ein einstöckiger Saalbau errichtet (heute Sitz der Wiener Porzellanmanufaktur). Ab 1708 wurde der Park von Jean Trehet neu gestaltet.

Augarten vor der Zerstörung durch die Türken. Ausschnitt aus Ansicht von Wien, Folbert van Alten-Allen (1683).
Links das Palais Leeb (heute Sitz der Sängerknaben), rechts der Saalbau und der von Canevale gestaltete Eingang zum Augarten. Ausschnitt aus dem Huber-Plan (1773 erschienen, älterer Stand als der unten abgebildete Nagel-Plan)
Links das vom Hof erworbene Palais Leeb, rechts der Saalbau des alten Schlosses. Zwischen beiden das neu errichtete Kaiser-Joseph-Stöckel mit dem Ende der neuen Allee vom Praterstern (heute Klanggasse). Ausschnitt aus dem Nagel-Plan (1773, aber schon neuerer Stand als am früher entstandenen, oben abgebildeten Huber-Plan)
Der Greis im Frühling im Augarten, 1781

Neuerungen durch Kaiser Josef II. – Öffnung für die Allgemeinheit

Joseph II. setzte im Augarten wesentliche Akzente: Zunächst arrondierte er die Anlage um beträchtliche Grundstücke, sodass sich der Augarten bis zur heutigen Castellezgasse erstreckte. So kam auch das heutige Augartenpalais (heute Sitz der Sängerknaben) in den Besitz des Hofes. Dieses Palais war erst Ende 17. Jahrhundert als Gartenpalais Leeb errichtet worden, und zwar in der Art des Johann Bernhard Fischer von Erlach. Am 30. April 1775 machte Josef II. den Augarten der Allgemeinheit zugänglich. Aus demselben Jahr stammt das triumphbogenartige, von Isidore Canevale entworfene Eingangsportal, über welchem die Worte zu lesen sind: „Allen Menschen gewidmeter Erlustigungs-Ort, von Ihrem Schätzer." (Eine Inschrift auf der Rückseite des Tors erinnert an das Hochwasser von 1830: „Wasserhöhe vom 28. Februar auf den 1. März ein Meter 75 Zentimeter"). Da sich Josef II. sehr häufig im Augarten aufhielt, ließ er sich, möglicherweise von Isidore Canevale, ein kleines Gebäude errichten: Das „Kaiser-Joseph-Stöckl" lag zum größten Teil im Garten des ehemaligen Palais Leeb und wurde genau in der Achse der Allee zum Praterstern errichtet (heute Heinestraße).

Papst Pius VI. hielt sich bei seinem Besuch in Wien im Augarten auf. Er segnete am 18. Mai 1782 von der Terrasse des Augartenpalais aus das herbeigeströmte Volk. Im ebenerdigen Saalbau des alten Schlosses führte der Hoftraiteur und bürgerliche Koch Ignaz Jahn eine Vergnügungsstätte. Das Gebäude hatte einen Tanzsaal und ein Billardzimmer. 1782 führte Jahn, der im selben Jahr die Traiteurstelle in Schönbrunn überlassen erhielt, die so genannten „Morgenkonzerte" ein, die ab 1782 Mozart dirigierte und die nicht zuletzt deshalb das erlesenste Publikum anzogen, besonders den hohen Adel. Sie begannen um sieben oder acht Uhr früh. Das Abonnement für die Saison kostete zwei Dukaten. Die Verbindung von Toilettenschau, lukullischen Genüssen und gesellschaftlichen Aspirationen stießen Mozart bald ab und er zog sich zurück. Die Konzerte wurden unter anderer Leitung fortgesetzt, verloren aber bald ihren attraktiven Charakter. Jahn sah sich nach anderen Möglichkeiten um und eröffnete 1792 in der Himmelpfortgasse ein großartiges Restaurant, in welchem hervorragende Tafelmusik gepflegt wurde.

Wichtiger Erholungsort im 19. Jahrhundert

Als der Augarten im 19. Jahrhundert seine Zugkraft als Vergnügungsort zu verlieren begann, wusste Jahn das Interesse durch verschiedene Veranstaltungen zu heben. Durch Marionettentheater, plastische Vorstellungen, Seiltänzer und dergleichen wurde der Besuch seitens der bürgerlichen Volksschichten so lebhaft, dass ein eigener Omnibus („Zwölffensterwagen") den Verkehr von und nach der Stadt vermitteln musste. Nach Jahns Tod (1810) veranstaltete sein Sohn als dessen Nachfolger Sommerfeste, Wettläufe und olympische Spiele. 1812 fand hier die berüchtigte „Fresslotterie" statt. Während des Wiener Kongresses fand im Augarten am 6. Oktober 1814 in Anwesenheit der Alliierten ein Volksfest statt, das ein glänzender Ball beschloss. Nach der Kongresszeit hatte der Augarten den Höhepunkt seiner Beliebtheit überschritten. Mitte der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts veranstaltete zwar Johann Strauß (Vater) beim damaligen Hoftraiteur Heß vielbesuchte Konzerte (1833-1837), sie vermochten aber den Niedergang des Vergnügungsorts nicht aufzuhalten. 1820-1847 fanden die vielbesuchten Erste-Mai-Konzerte statt, 1835-1847 spielte (neben Strauß) auch der Walzerkomponist Bendl zum Tanz auf, 1837 fand vor der Eröffnung der Nordbahnlinie am 10. und 12. September das originelle, vielbesuchte Augartenfest „Die Lustfahrt mit der Eisenbahn" statt, in den 40er Jahren veranstaltete Johann Georg Stuwer Feuerwerke. 1857 sah der Augarten eine Industrieausstellung, 1860 gab es ein Volksfest anlässlich der Westbahneröffnung, und 1864 gab Bürgermeister Andreas Zelinka ein großes Bankett.

Nutzung der Gebäude

Der Augarten am Perspektivplan von 1887.

1867 bezog Obersthofmeister Fürst Konstantin von Hohenlohe das ehemalige Palais Leeb, in welchem nun des öfteren Künstlerabende stattfanden, an denen Gäste wie Richard Wagner, Franz Liszt, Hans Makart und andere teilnahmen. 1897 wurde das Palais aufgestockt und vergrößert und von Erzherzog Otto mit Gattin Maria Josefa und den Söhnen Max und Karl (ab 1916 Karl I.) bewohnt. 1934-1936 wohnte Bundeskanzler Schuschnigg im Palais. 1948 bezogen die Wiener Sängerknaben das wiederhergestellte Palais (ehemals Leeb) als neues Heim.

Im alten Schloss Augarten ist seit 1923 die Wiener Porzellanmanufaktur untergebracht. 1940 begann im Park der Bau von zwei fast 50 Meter hohen Flaktürmen. 1945 musste man schwere Kriegsschäden im ganzen Bereich feststellen. Das Salmstöckl, fast gänzlich zerstört, wurde nicht mehr aufgebaut. 1950 fand ein großes Augartenfest mit Tombola und Feuerwerk zugunsten des Wiederaufbaues des Stephansdoms statt. 1955/1956 wurde im englischen Gartenteil ein Atelier für den Bildhauer Gustinus Ambrosi eingerichtet (Standort der Österreichischen Galerie Belvedere).

Im Augarten (1959, WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 59263/3).

Literatur

  • Felix Czeike: II. Leopoldstadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1980 (Wiener Bezirkskulturführer, 2), S. 30 ff.
  • Die Leopoldstadt. Ein Heimatbuch. Wien: Lehrer-Arbeitsgemeinschaft 1937, S. 58, S. 94 f., S. 186 f., S. 245 f., S. 280
  • Karl Kobald: Klassische Musikstätten. Wien: Amalthea-Verlag 1929, S. 133 ff.
  • Justus Schmidt/ Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 99
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959, S. 116
  • Otto Schneider: Musik im Augarten. In: Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ) 1 (1966), S. 15 ff.
  • Paul Sekora: Augartenfeste und andere Begebenheiten. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1946 - lfd. Band 15,1960, S. 182 ff.
  • Karl Janecek: Lateinische Inschriften an Bauwerken und Denkmälern Wiens. Horn: Berger in Komm. 1956, S. 29 f.
  • Friedrich Reischl: Wien zur Biedermeierzeit. Volksleben in Wiens Vorstädten nach zeitgenöss. Schilderungen. Wien: Gerlach & Wiedling 1921, S. 111 ff.
  • Siegfried Weyr: Wien. Zauber der Vorstadt. Wien [u.a.]: Zsolnay 1968, S. 23 ff.
  • Wilhelm Georg Rizzi: Das Augarten-Palais. Zur Baugeschichte. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 1/2 (1983), S. 12-27
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 87 ff.