Alfred Polgar

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Alfred Polgar (1951)
Personenname Polgar, Alfred
Abweichende Namensform Polak, Alfred
Titel
Geschlecht männlich
GND
Geburtsdatum 17.10.1873
Geburtsort Wien
Sterbedatum 24.04.1955
Sterbeort Zürich
Begräbnisdatum
Friedhof Zürich, Friedhof Sihlfeld
Grabstelle
Ehrengrab
Beruf Schriftsteller, Essayist, Dramatiker, Journalist, Übersetzer
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Verkehrsfläche Polgarstraße
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  13.01.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Alfred Polgar 5111603.jpg
Bildunterschrift  Alfred Polgar (1951)
Bildquelle WStLA, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 51116/8
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

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AuszeichnungVerleihungÜbernahme
Preis der Stadt Wien für Publizistik1951
Art der AdresseBezirkStraßeHausnummer
Geburtsadresse2Untere Donaustraße33

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Alfred Polgar (eigentlich Polak), * 17. Oktober 1873 Wien 2, Untere Donaustraße 33, † 24. April 1955 Zürich, Schriftsteller (Essayist, Dramatiker), Journalist, Theaterkritiker, Gattin (1929) Elise Loewy, Sohn des Musiklehrers Josef Polgar und dessen Gattin Henriette Steiner.

Er entstammte einer jüdischen Familie, wechselte mit seinen Eltern oft die Wohnung (jedoch stets im 2. Bezirk), besuchte die Unterstufe des Gymnasiums in der Zirkusgasse 48 und war 1883/1884, zehn Jahre, nachdem Sigmund Freud an dieser Anstalt maturiert hatte, Schüler des Leopoldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums, das sich damals in der Kleinen Sperlgasse 2c befand.

Er wandte sich frühzeitig der Publizistik zu und interessierte sich zunächst für die literarische Kleinkunst. Als eifriger Besucher, Beobachter und Kritiker des (jüdischen) Kabaretts in Wien begann er mit seinem Freund Egon Friedell Sketches für das Kabarett Fledermaus zu schreiben (am erfolgreichsten blieb „Goethe im Examen" [1908], bekannt wurde auch „Soldatenleben im Frieden" [1910]). Die Arbeiten von Polgar und Friedell beherrschten 1908-1910 die Kabarettprogramme Wiens; da es oft schwierig war, die Anteile der beiden Autoren auseinanderzuhalten, wurden sie von Kritikern als „Polfried AG" belächelt.

Danach fand Polgar als Theaterkritiker und Feuilletonist einen ihm entsprechenderen Wirkungskreis; er galt als „Meister der kleinen Form" und als präziser Beobachter und Analytiker seiner Zeit (von ihm stammt auch die vielzitierte „Theorie des Cafe Central"). Polgar war Stammgast in verschiedenen Kaffeehäusern (Central, Herrenhof, Café Museum, Zartl, Kugel [1, Am Hof 11]) und war Mitarbeiter der humoristischen Wochenzeitschrift „Die Muskete" (Wien 1905 - 1941).

Nach längerem Aufenthalt in Berlin (1925-1933; Tätigkeit für die „Weltbühne" und das „Tagebuch"; Uraufführung seines Theaterstücks „Die Defraudanten", 1932) lebte Polgar in Wien, musste jedoch 1938 über die Schweiz nach Paris und 1941 über Spanien in die USA flüchten (wo er amerikanischer Staatsbürger wurde). Seine Wohnung (1, Stallburggasse 2; 1914-1938) und jene seiner Frau (1, Dorotheergasse 7) wurden beschlagnahmt; zuvor hatte Polgar 1899-1901 1, Universitätsstraße 4, und 1902-1907 9, Borschkegasse 1, gewohnt.

Ab 1949 lebte Polgar überwiegend in der Schweiz; während seiner Wien-Besuche stieg er in Hotels ab (beispielsweise 1949 Hotel Sacher). In der Spielzeit 1954/1955 war er literarischer Berater des Theaters in der Josefstadt.

Friedrich Torberg nannte ihn den „letzten großen Repräsentanten des Wiener Feuilletons". Seine Werke erschienen in Sammelbänden (Kleine Zeit, 1919; Gestern und heute, 1922; Essays, 1928-33, vier Bände; Begegnung im Zwielicht, 1951). Zu seinen kritischen Schriften gehören: An den Rand geschrieben (1926), Orchester von oben (1927), Ich bin Zeuge (1928), Schwarz und Weiß (1929), Hinterland (1929), Bei dieser Gelegenheit (1930), Aussichten (1933), Sekundenzeiger (l937). In der Emigration erschienen: Handbuch des Kritikers (1938), Geschichte ohne Moral (1943). Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien zuletzt „Im Lauf der Zeit" (1954); postum folgten: Auswahl (Prosa), 1968; Sperrsitz, 1980; Kleine Schriften, 1982.

Preis der Stadt Wien für Publizistik (1951). Polgarstraße.


Literatur

  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei 1951
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon [der Ersten und Zweiten Republik]. Wien: Ueberreuter 1992
  • Wilhelm Kosch: Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Band 3: Pallenberg - Singer. Wien: F. Kleinmayr 1992, S. 1781
  • Lebendige Stadt. Almanach. Wien: Amt für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung der Stadt Wien 1954-1963. Jg. 10.1963, S. 190
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Peter Ernst: Wiener Literaturgedenkstätten. Hg. von Felix Czeike. Wien: J & V-Edition Wien-Verlag 1990, S. 100 ff.
  • Ulrich Weinzierl: Alfred Polgar. Eine Biographie. Wien [u.a.]: Löcker 1985
  • Gero von Wilpert [Hg.]: dtv-Lexikon der Weltliteratur. [In 4 Bden.] Band 3: Autoren, Kram - P. München: Deutscher Taschenbuch-Verl. 1971, S. 1063
  • Ulrich Weinzierl: Er war Zeuge. Alfred Polgar. Ein Leben zwischen Publizistik und Literatur. Wien: Löcker und Wögenstein 1978, S. 195 ff., S. 199 ff.
  • Harry Zohn: Österreichische Juden in der Literatur. Ein bio-bibliographisches Lexikon. Tel Aviv: Olamenu 1969, S. 43
  • Harry Zohn: "...ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur...". Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1986, S. 167 ff.
  • Dieter Schmutzer: Wienerisch g'redt. Geschichte der Wiener Mundartdichtung. Wien: Der Apfel 1993, S. 323 f.
  • Milan Dubrovic: Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés. Wien [u.a.]: Zsolnay 1985, Register
  • Herbert Kirnig: Alfred Kerr - Alfred Polgar. Ein Vergleich. Phil. Diss. Univ. Wien. Wien 1950
  • Gerhard Fritsche: Die Kritiken Alfred Polgars in der "Weltbühne" als Spiegel des Wiener Theaters 1906 - 1929. Diss. Univ. Wien. Wien 1964
  • Hilde Spiel: Alfred Polgar, der leise Anarchist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.1982, S. 59
  • Rolf Schneider: Prosa, filigranit. Ein Feuilletonist – und viel mehr: Alfred Polgar und eine liebevolle Edition seiner Werke. In: Die Zeit 16, 10.04.1987, S. 10 f.
  • Rathaus-Korrespondenz. Wien: Presse- und Informationsdienst, 14.04.1980