Adolf Loos

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Adolf Loos (1911)
Personenname Loos, Adolf
Abweichende Namensform
Titel
Geschlecht männlich
GND 11857423X
Geburtsdatum 10.12.1870
Geburtsort Brünn, Mähren
Sterbedatum 24.08.1933
Sterbeort Kalksburg bei Wien
Begräbnisdatum
Friedhof Zentralfriedhof
Grabstelle Ehrengrab, Gruppe 0, Nummer 105
Ehrengrab
Beruf Architekt, Designer
Parteizugehörigkeit
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus / Handschriftensammlung
Verkehrsfläche Adolf-Loos-Gasse, Adolf-Loos-Weg
Denkmal
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Letzte Änderung am  16.01.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Adolfloos.jpg
Bildunterschrift  Adolf Loos (1911)
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Es wurden noch keine Funktionen zu dieser Person erfasst!

Es wurden noch keine Auszeichnungen zu dieser Person erfasst!

Es wurden noch keine Adressen zu dieser Person erfasst!

Es wurde noch keine Familie zu dieser Person erfasst! Es wurden noch keine Beziehungen zu dieser Person erfasst!

Loos Adolf, * 10. Dezember 1870 Brünn, Mähren (Brno, Tschechische Republik), † 24. August 1933 Kalksburg bei Wien, Sanatorium Dr. Schwarzmann (Zentralfriedhof, Ehrengrab, Gruppe 0, Nummer 105), Architekt, Erste Gattin (1902) Lina Obertimpfler (*9. Oktober 1882, † 6. Juni 1950; Trennung 1905; Loos Lina), Lebensgefährtin (1909) Elizabeth (Bessie) Bruce (* 1886, † 1921), zweite Gattin (1920) Elsie Altmann, (* 1899, † 1984), Tänzerin, dritte Gattin Claire Beck (* um 1905 † 1945?), Sohn des Bildhauers und Steinmetzen Adolf Los senior (1830-1879).

Studierte 1887/1888 an der k. k. Staats-Gewerbeschule (Bautechnische Abteilung) in Brünn und nach Ableistung des Militärdiensts 1890-1893 an der Polytechnischen Hochschule in Dresden Architektur. Nach Aufenthalt in den USA (1893-1896) kam Loos 1896 nach Wien und ließ sich hier als Innenarchitekt nieder; in der NFP (Neue Freie Presse) polemisierte er (vom Amerikaaufenthalt geprägt) gegen die Wiener Alltagskultur und die Auffassungen in Architektur und Kunstgewerbe. Vorerst war er 1896/1897 Mitarbeiter des Baumeisters Karl Mayreder, verfasste 1897-1900 auch zahlreiche Aufsätze (die 1921 als Sammelband unter dem Titel "Ins Leere gesprochen" erschienen). 1898 schrieb er in der Zeitschrift der Secession "Ver sacrum" den gegen die damalige Bauweise scharf polemisierenden Aufsatz "Die Potemkinsche Stadt", noch im selben Jahr erfolgte sein Bruch mit den führenden Architekten der Secession.

899 schuf Loos mit dem Café Museum (dem ersten Auftrag, den er in Wien realisierte) einen stilbildenden Bautypus mit sachlich-moderner Innenraum- und Fassadengestaltung (den die Zeitgenossen allerdings wegen der radikal einfachen Gestaltung "Kaffee Nihilismus" nannten). Seine Hauptkritik richtete sich gegen das Ornament am Gebrauchsgegenstand ("Ornament und Verbrechen", 1910). Seine Freundschaft mit dem Möbelfabrikanten Max Schmidt (Besitzer des Schlosses Pötzleinsdorf, 1902 sein Trauzeuge; er war bei der Firma Friedrich Otto Schmidt, 1, Singerstraße 16, die ausschließlich antike Möbel kopierte, einige Jahre als Berater tätig) führte ihn immer wieder nach Währing.

Neben zahlreichen Werken im Ausland schuf Loos in Wien viele Geschäftslokale, Privatvillen, Wohnhausanlagen, Bürohäuser (wobei das sogenannte Looshaus besonders hervorzuheben ist) und Inneneinrichtungen (Loos-Häuser). 1912 begründete Loos eine eigene Bauschule, die allerdings 1914 wegen des Kriegs den regelmäßigen Betrieb einstellen musste. Nach freiwillig geleistetem Kriegsdienst (1917/1918) stellte Loos gemeinsam mit Freunden die 1919 erschienenen "Richtlinien für ein Kunstamt" zusammen. 1920-1922 war er Chefarchitekt des Siedlungsamts der Gemeinde Wien, legte dieses Amt aber enttäuscht zurück. Bei seinen Innengestaltungen stützte sich Loos auf das Konzept eines "Raumplans", bei dem die starren Geschoßebenen aufgehoben und mittels zahlreichen Zwischenniveaus unterschiedlicher Höhen geschaffen werden.

Bis 1927 lebte Loos in Frankreich, 1928 kehrte er kurz nach Wien zurück, reiste aber bald wieder nach Paris und in die Tschechoslowakische Republik, um danach in Niederösterreich zu arbeiten. Ab Herbst 1932 war Loos nicht mehr arbeitsfähig, sein Nervenleiden verschlechterte sich, er wurde am Rosenhügel behandelt und im Juli 1933 ins Sanatorium nach Kalksburg gebracht, wo er starb. Ein Zimmer seiner Wohnung (1, Bösendorferstraße 3, entstanden 1903, benützt während seiner Wiener Aufenthalte bis zu seinem Tod) wurde 1958 im Wien Museum aufgebaut; im selben Jahr wurde auf seinem Grab ein nach seiner eigenen Skizze angefertigter Grabstein errichtet.

Siehe auch: Adolf-Loos-Gasse Adolf-Loos-Weg, Loos-Bar, Looshaus, Loos-Häuser.


Quellen

  • Strafakt zum Strafverfahren gegen Adolf Loos wegen Schändung sowie Verführung zur Unzucht im Wiener Stadt- und Landesarchiv (1928-1929, 1932): WStLA, LGS, A11: 5707/1928


Literatur

  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon [der Ersten und Zweiten Republik]. Wien: Ueberreuter 1992
  • Elsie Altmann-Loos: Adolf Loos, der Mensch. Wien [u.a.]: Herold-Verlag 1968
  • Elsie Altmann-Loos: Mein Leben mit Adolf Loos. Wien [u.a.]: Amalthea 1984
  • Hermann Czech / Wolfgang Mistelbauer: Das Looshaus. Wien: Czech 1968
  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk [u.a.] 1993, Reg.
  • Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte. Hg. von Franz Planer. Wien: F. Planer 1929
  • Geschichte der Stadt Wien. Band 7/3: Geschichte der Architektur in Wien. Wien: Selbstverl. des Vereines für Geschichte der Stadt Wien 1973
  • Franz Glück. Adolf Loos. Paris: Crès 1931 (Collection "Les artistes nouveaux")
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Benedetto Gravagnuolo: Adolf Loos. Theory and works. [Wien]: Löcker 1982
  • Erich Kaessmayer: Adolf Loos in Währing. In: Unser Währing. Vierteljahresschrift des Museumsvereins Währing 2/1990, S. 2-7
  • Karl Kraus: Adolf Loos. Rede am Grab, 25. August 1933. Wien: Lányi 1933
  • Heinrich Kulka. Adolf Loos. Das Werk des Architekten. Wien: A. Schroll & Co. 1931
  • Heinrich Kulka: Adolf Loos 1870-1933. In: Der Aufbau 47 (1958), S. 396
  • Andreas Lehne: Jugendstil in Wien. Architekturführer. Wien: Jugend & Volk ²1990, S. 152 f., Reg.
  • Claire Loos: Adolf Loos privat. Wien: Verlag der Johannes-Presse 1936
  • Sylvia Mattl-Wurm [Zsstellung und Text]: Interieurs. Wiener Künstlerwohnungen 1830-1930. Historisches Museum der Stadt Wien, 1. November 1990 bis 20. Jänner 1991. Wien: Museen der Stadt Wien [1990] (Historisches Museum der Stadt Wien: Sonderausstellung, 138)
  • Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 20
  • Anders V. Munch: Der stillose Stil. Adolf Loos. München: Fink 2005
  • Ludwig Münz: Adolf Loos. (A cura di Massimo Carra). Mailand: Il Balcone 1956
  • Ludwig Münz: Über die Grundlagen des Baustiles von Adolf Loos. In: Der Aufbau 47 (1958), S. 393-395
  • Ludwig Münz / Gustav Künstler: Der Architekt Adolf Loos. Darstellung seines Schaffens nach Werkgruppen. Wien [u.a.]: Schroll 1964 (Neue Sammlung Schroll), S. 390 ff.
  • Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. Band 18. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1972
  • Adolf Opel [Hg.]: Konfrontationen, Schriften von und über Adolf Loos. Wien: Prachner 1988
  • Ornament und Verbrechen. In: * Falter Nr. 6/15, 04.02.2015, S. 22 - 25
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
  • Walter Pollak [Hg.]: Tausend Jahre Österreich. Eine biographische Chronik. Band 3: Der Parlamentarismus und die modernen Republiken. Wien / München: Jugend & Volk 1974, S. 143 ff.
  • Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
  • Gerhart Rindauer [Red.]: Adolf Loos. [Ausstellung] 27. April - 21. Juni 1964. Wien: Museum des 20. Jahrhunderts 1964
  • Burkhardt Rukschcio / Roland Schachel: Adolf Loos. Leben und Werk. Salzburg [u.a.]: Residenz-Verlag 1982 (Graphische Sammlung Albertina: Veröffentlichung der Albertina, 17)
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 86, S. 159
  • Ulrich Thieme / Felix Becker [Hg.]: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bände. Leipzig: Engelmann 1907-1950
  • Traum und Wirklichkeit Wien 1870-1930 [im Künstlerhaus, 28. März - 6. Oktober 1985]. Wien: Museen d. Stadt Wien 1985 (Historisches Museum der Stadt Wien: Sonderausstellung, 93)
  • Ottokar Uhl: Moderne Architektur in Wien von Otto Wagner bis heute. Wien [u.a.]: Schroll 1966, Register
  • Renate Wagner-Rieger: Wiens Architektur im 19. Jahrhundert. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1970, Register
  • Anne-Catherine Simon: Loos, der pädophile Straftäter: Was die Protokolle verraten. URL: Die Presse, 05.02.2015, S. 25

Links