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Mitschrift

Das neue Wiener Spitalskonzept

Liebe Mitarbeiterin, lieber Mitarbeiter des Wiener Krankenanstaltenverbunds. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte. Während Sie sich dieses Video ansehen, bin ich gerade im burgenländischen Rust bei der Klub-Tagung der Wiener SPÖ. Mir ist es wichtig, dass Sie von mir persönlich aus erster Hand erfahren, welchen Weg ich in Wien für die Zukunft des Wiener Spitalswesens vorschlagen werde.
Als MitarbeiterIn des Spitalswesens leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in unserer Stadt. Die Wienerinnen und Wiener können auf die Qualität ihrer Gesundheitsversorgung vertrauen. 365 Tage im Jahr. Rund um die Uhr. In jeder Fachrichtung. Und das ist auch Ihnen zu danken.
Dieser Einsatz verdient Anerkennung und höchsten Respekt. Er verdient außerdem eine Politik, die dafür kämpft, dass die hohe medizinische und soziale Kompetenz in dieser Stadt erhalten bleibt. Dafür trete ich ein.
Dazu gehört auch, die Finanzierbarkeit unserer Spitäler und Pflegewohnhäuser zu sichern. Für mich ist es unvorstellbar, dass die Wiener Spitäler privatisiert werden müssten. Wir sehen bei unseren Nachbarn in Deutschland, wie schnell das geht. Öffentliche Spitäler gehen verloren, während die Zahl privater Krankenhäuser dort seit 1996 um fast 50 Prozent gestiegen ist. Ich bin dagegen, dass so etwas in Wien passiert. Darum haben wir ein Konzept für das Wiener Gesundheitswesen von morgen ausgearbeitet. Ich will dieses Konzept umsetzen - gemeinsam mit Ihnen.
Das neue Wiener Spitalskonzept umfasst acht große Reformpunkte.
Acht Punkte, die wichtige - und oft auch komplexe - Zukunftsfragen beantworten. Sie sind aber auch die Antwort auf eine sehr einfache Frage: Mehr oder weniger? Um mehr zu erreichen, brauchen wir Mut zu weniger in bestimmten Bereichen. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden. Und genau das macht das Wiener Spitalskonzept 2030. Worum geht es also darin?
Erstens: Mehr Qualität, weniger Häuser
Die Qualität der Akutversorgung besteht nicht darin, ein Spital um die Ecke zu haben. Es geht um die Zeit, bis man auf einem OP-Tisch liegt, an dem jemand steht, der einem helfen kann. Mehr Qualität durch weniger Häuser klingt vielleicht paradox, ist aber einfach erklärt: Wir wollen den positiven Weg in Richtung Krankenhaus Nord für das ganze Wiener Spitalskonzept nützen. In das Krankenhaus Nord übersiedeln neben einzelnen Abteilungen ganze Spitalsstandorte: Die Semmelweisklinik, das Krankenhaus Gersthof und das SMZ Floridsdorf. Genauso geschieht das auch mit dem Preyer'schen Kinderspital, das als Teil des Kaiser-Franz-Josef-Spitals bis 2015 neu errichtet und bereits jetzt gemeinsam mit dem künftigen Standort geführt wird. Auch bei Rudolfstiftung und Semmelweisklinik zeigen wir tagtäglich, dass sich unterschiedliche Standorte oft sinnvoller gemeinsam führen lassen. Wir wollen in Zukunft nicht mehr 12 Häuser in Konkurrenz, sondern sieben kooperierende Spitalsorganisationen. Je zwei für den Süden, die Mitte und den Norden Wiens sowie das AKH. Die medizinische Versorgung der WienerInnen wird künftig durch die zentralen Spitalsorganisationen Krankenhaus Hietzing, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wilhelminenspital mit Otto-Wagner-Spital, Rudolfstiftung, Donauspital, Krankenhaus Nord und AKH Wien erbracht. Mit diesen Spitalsorganisationen wird die Akutversorgung einfacher. Eine bessere Organisation bedeutet aber auch, Bestehendes im Hinblick auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Das Kaiserin-Elisabeth-Spital und das Sophienspital bieten nur wenige Versorgungsaspekte an - diese aber in besonders hoher Qualität. Das Sophienspital ist berühmt für seine Akutgeriatrie, die ins Wilhelminenspital übersiedelt. Auch die Physikalische Medizin übersiedelt - entweder in das Wilhelminenspital oder in das Krankenhaus Nord. Das Kaiserin-Elisabeth-Spital in Wien wird zu einem modernen Pflegewohnhaus, das die Pflege aus dem Geriatriezentrum im SMZ Sophienspital weiterführt. Der Schwerpunkt des Kaiserin-Elisabeth-Spitals, die Schilddrüsenchirurgie, wird an der Chirurgie in der Rudolfstiftung noch weiter ausgebaut. Die stolze Organisation des Otto-Wagner-Spitals erfährt durch die Dezentralisierung der Psychiatrie und die Zentralisierung im Westen des Areals einen fundamentalen Bedeutungswandel. Es wird künftig mit dem Wilhelminenspital eine gemeinsame Versorgungsaufgabe übernehmen.
Sie sehen also: Ein gut abgestimmtes Team aus sieben Spitalsorganisationen erreicht mehr als 12, die zur Konkurrenz verdammt sind. Doppelgleisigkeiten und unnötiger Verwaltungsaufwand werden damit abgestellt. Und das ist eine Voraussetzung für meinen zweiten Punkt:
Zweitens: Mehr Investitionen, weniger Betriebskosten
Wir wollen eine modernere Infrastruktur. Durch die Konzentration auf sieben Spitalsorganisationen werden neue Mittel für moderne, effiziente Strukturen frei. Mittel, um woanders investieren zu können. Das ist die Grundvoraussetzung, um das Wilhelminenspital und das Krankenhaus Hietzing vom schönen, aber unpraktischen Pavillonsystem als moderne und effiziente Zentralbauten neu zu errichten. Und das sorgt dafür, dass unser Geld in die PatientInnenversorgung fließt und nicht in unnötige Betriebskosten. Es reicht aber nicht, nur die Hardware zu modernisieren. Wir brauchen auch ein neues Betriebssystem. Das ist der dritte Punkt unserer Ziele für 2030:
Drittens: Mehr Eigenständigkeit, weniger Bürokratie
Wir wollen eine neue Struktur für den KAV, die mehr Handlungsfähigkeit bringt. Der KAV wurde vor etwas weniger als 20 Jahren, am 1. Jänner 1993, gegründet - auf Basis des Wiener Gesundheits- und Krankenanstaltenplans 1990. Mit dem klaren Anliegen, "wie ein Unternehmen weit gehende Selbstständigkeit" zu besitzen. Im November 2000 beschloss der Gemeinderat die Umwandlung des KAV zu einer Unternehmung nach Wiener Stadtverfassung zum 1. Jänner 2002. Das soll auch so bleiben, aber mit einem neuen Statut, dass das "Wie" regelt. Denn unsere Spitäler brauchen nicht mehr Verwaltung, sondern mehr Gestaltung. Darum wird es Zeit, dass es eine noch stärkere Kultur der Verantwortlichkeit im KAV gibt. Es ist die Aufgabe der Eigentümerin Stadt Wien, die strategische Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Darüber hinaus gibt es die Verantwortung des Managements für den Betrieb als Ganzes und für die einzelnen Häuser. Ganz besonders wichtig ist die Verantwortung der Führungskräfte in den einzelnen Häusern für Qualität, für die Kosten, aber auch für die Weiterentwicklung des Betriebs unter ihrer Führung. Der KAV bleibt natürlich im 100%-igen Eigentum der Stadt Wien. Aber mit einer Struktur, die ein selbständigeres, rascheres und wirtschaftlicheres Arbeiten für alle ermöglicht.
Mein vierter Punkt: Mehr Transparenz, weniger Lobbying
Fakten - und nicht Bauchgefühl oder Lobbying - sind die Grundlage einer guten Gesundheitspolitik. Daher wollen wir in allen Bereichen die Qualität messen. Damit wir wissen, wo wir besser werden können. Und damit wir sehen, wer hierfür ein Vorbild sein kann. Das Bessere ist der größte Feind des Guten. Transparenz ist im Interesse des gesamten Systems und aller MitarbeiterInnen. Es geht schließlich auch darum, die Qualität Ihres Arbeitsplatzes zu verbessern. Tatsachen und nicht Lobbyisten sollten Entscheidungen maßgeblich beeinflussen. Und Qualitätsindikatoren sind solche überprüfbaren Tatsachen. Nur so sind wir gewappnet gegen die Lobbyingarbeit verschiedenster Interessengruppen, die uns und der Bevölkerung einreden wollen, dass die öffentliche Gesundheitsversorgung ein Qualitätsproblem hat. Wenn wir Ergebnisqualität messen, wissen wir, wovon wir sprechen, und können mit guten Gründen stolz auf unsere Leistung sein. Das führt mich zu einem weiteren wichtigen Punkt:
Fünftens: Mehr Kostenkontrolle, weniger Sorgen
Wenn wir nicht jetzt handeln und die Kostenentwicklung bremsen, erreichen wir die Grenzen des Leistbaren. Das Budget des Wiener Krankenanstaltenverbunds stieg zwischen 2004 und 2009 jährlich um 5,7%, während das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 2,1% wächst. Der Anteil des KAV an den Gesamtausgaben Wiens ist von rund 10 % 2002 auf 14,45 % im Budget 2011 gestiegen. Das sind fast viereinhalb Prozentpunkte - in nicht einmal 10 Jahren. Wenn die Kosten sich so entwickeln wie von 2004 bis 2009, steuern wir auf ein ernsthaftes Problem zu. Denn dann werden die Kosten in 20 Jahren mehr als doppelt so hoch sein wie heute. Doppelt so hoch - ohne eine einzige Qualitätsverbesserung. Das kann ich nicht zulassen. Denn das ist auch eine Grundsatzfrage: Unwirtschaftlich zu arbeiten, wäre unethisch, weil so das soziale und solidarische Gesundheitswesen unfinanzierbar gemacht und gefährdet wird. Entweder wir sorgen jetzt dafür, dass alle Glieder dieses Systems betriebswirtschaftlich gesund bleiben. Oder wir können uns in 20 Jahren überlegen, welchen Teil wir in einer Notoperation amputieren. Ich bin für die verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Lösung.
Damit bin ich bei meinem 6. Punkt:
Sechstens: Mehr MitarbeiterInnenzufriedenheit, weniger Egoismus
Die Zahl der SpitalsärztInnen im KAV hat sich seit dem Jahr 2005 um über 6 Prozent erhöht, die Zahl des diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonals um über 3 Prozent. Der KAV hat die beste Personalausstattung österreichweit. Keine Mitarbeiterin, kein Mitarbeiter im KAV muss um den Arbeitsplatz fürchten. Aber wir können den MitarbeiterInnenstand nicht beliebig erweitern, das ist nicht leistbar, nicht sinnvoll und auch keine Garantie für höhere MitarbeiterInnenzufriedenheit. Es gibt auch andere, oft bessere Wege zu mehr MitarbeiterInnenzufriedenheit. Es geht um Arbeitszeiten, aber insbesondere auch darum, wie mit Gesundheitsförderung für MitarbeiterInnen oder allgemein Wertschätzung umgegangen wird. Wenn es um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht, sind insbesondere die Führungskräfte auf allen Ebenen gefordert. Zentral ist dabei auch, weniger Verschleuderung von Kompetenz zuzulassen. Dazu machen wir aktuell ein Projekt im Kaiser-Franz-Josef-Spital mit dem sperrigen Titel "Skills and Grade Mix", wo wir uns genau ansehen, ob und wie die Kompetenzen der MitarbeiterInnen im Pflegebereich optimal eingesetzt werden. Viele Aussagen, die wir dazu hören, sind standespolitisch motiviert. Das ist vielleicht aus der Sicht der einen oder anderen Berufsgruppe nachvollziehbar. Doch für das Gesamtsystem ist dieser Egoismus eine große Gefahr. Eine Gefahr für Sie und alle anderen Beschäftigten im KAV. Denn ein Gesundheitssystem kann nur dann erfolgreich funktionieren, wenn alle Berufsgruppen zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten. Weniger Egoismus bedeutet auch mehr wechselseitige Wertschätzung. Es geht darum, Schritt für Schritt die Strukturen zu ändern. Doch wir können damit nicht länger zuwarten. Damit es mehr MitarbeiterInnenzufriedenheit und weniger Egoismus im Gesundheitswesen gibt.
Ein weiterer Punkt:
Siebtens: Mehr Angebot, weniger Überkapazitäten
Wir haben nicht zu wenige Betten im KAV, sondern zu viele Betten am falschen Ort. Das wissen Sie auf Grund Ihrer Erfahrung sehr genau. Wir wollen eine Versorgung mit Spitalsbetten, die die Bedürfnisse der WienerInnen abdeckt. Und weniger Betten, die unzureichend oder falsch ausgelastet sind. Unsere Daten und internationale Vergleiche zeigen uns, dass wir das Bettenangebot reduzieren können. Ohne die Qualität der Versorgung zu verschlechtern. Im Gegenzug können wir deutlich mehr Tages- und Wochenkliniken schaffen. Ein größeres Angebot an Tages- und Wochenkliniken hat viele Vorteile. Sie bringen familienfreundlichere Dienstzeiten für die dort Beschäftigten. Und orientieren sich stärker am tatsächlichen Bedarf der PatientInnen. Im Sinne der Patientinnen und Patienten ist auch der letzte Punkt dieses Reformpakets:
Achtens: Mehr PatientInnenorientierung, weniger Zeitverlust
Wir wollen eine raschere und bessere Versorgung der Erkrankungen. Weniger Zeitverlust, das heißt: PatientInnen sind dort gut aufgehoben, wo ihnen am besten geholfen werden kann. Gäbe es im niedergelassenen Bereich vernünftige Öffnungszeiten während der Nachmittage, Abende und Wochenenden, müssten nur die PatientInnen in die Ambulanzen kommen, die auch wirklich ein Spital brauchen. Mehr PatientInnenorientierung heißt deswegen weniger Zeitverlust bei der Behandlung. Die Ambulanzen könnten dann Notfälle behandeln - und nicht Schnupfen. Es braucht ein Gesundheitswesen, das die Patientinnen in den Mittelpunkt stellt anstatt sie zwischen Abteilungen hin und her zu schicken oder auch zwischen Spital und niedergelassenem Bereich. Mehr PatientInnenorientierung ist ein wichtiger Baustein unseres Konzepts für 2030.
Das sind die acht Eckpunkte auf dem Weg in die Zukunft.
Sie sehen, dass viel Arbeit vor uns liegt. Überlassen wir die Zukunft nicht dem Zufall.
Gestalten wir Sie. Gemeinsam. Für eines der besten Gesundheitssysteme der Welt.

Das neue Wiener Spitalskonzept 2011

Das Gesundheitssystem in Wien zählt zu den besten der Welt. Damit die bestmögliche Versorgung auch in Zukunft gewährleistet und sogar noch ausgebaut wird, müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely stellt das neue Wiener Spitalskonzept vor.

Länge: 18 Min. 52 Sek.
Produktionsdatum: 2011
Copyright: Stadt Wien

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