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Centrope - Das Herz Europas

Das schöne und oft missbrauchte Wort Heimat hat seinen Ursprung im gotischen "Heims". Heims heißt: "Der Ort, wo ich bin." Oder anders gesagt: "Der Ort, wo ich mich wohlfühle." So gesehen, darf es nicht nur eine Heimat geben.
"Willkommen..."
"Mittendrin" Centrope. Das Herz Europas.
Seit Jahrhunderten ist Zentraleuropa ein Schmelztiegel verschiedener Nationen und Religionen und ein Schnittpunkt der wichtigsten Handelswege. Daraus entstand eine gemeinsame Geschichte und Kultur. Und wenn heute oft die Ökonomie im Vordergrund steht ist Wirtschaft nicht alleine das was Heimat schafft. Ein Land kann nur ein guter Wirtschaftsstandort sein, wenn es auch ein guter und menschlicher Standort ist.
2003 hatten die politischen Vertreter die Idee, diese Region- Centrope, zu gründen. Centrope, Zentraleuropa, ist der Name einer der Europaregionen, die aus Westungarn, den slowakischen Landesverbänden Bratislava und Trnava aus Mähren und aus den österreichischen Bundesländern Wien, Niederösterreich und dem Burgenland besteht.
Heute leben hier 7 Millionen Menschen. Nun könnte man meinen, naja, das hatten wir doch schon einmal. Hier wiederholt sich Geschichte. Und doch ist es anders und besser. Es wird nicht die Vergangenheit wiederbelebt, es ist ein neuer Anfang auf gleicher Augenhöhe. Die wirtschaft entwickelt sich in Zentraleuropa dynamischer als in den anderen, neuen Eu-Mitgliedsländern.
Es geht aber nicht nur darum. Die zentrale Idee und auch ihre Chance ist es, Menschen einander wieder näher zu bringen, die Jahrzehnte lang vom eisernen Vorhang getrennt waren.
So sah unsere Grenze gegen Ungarn aus. Schweigen lag über dem Sperrriegel, über den Wachtürmen, dem Stacheldraht. Das Schweigen der Gefahr. Unterbrochen nur, durch die Explosionen der Minen.
Frau: "Ich habe mir nicht gedacht, dass sie auf mich schießen werden."
Mann: "Natürlich war es eine Todesgrenze."
Mann: "Ich hab geschossen und die sind da alle herumgekrochen auf der Erde."
Irena Hankova: "Ich kann mich erinnern, davor sind dort die Soldaten mit den Maschinengewehren herummarschiert und wir haben eigentlich nur den großen Zaun gesehen."
Julia Kaldori, erlebte Kindheit in Ungarn: "Es war eine gewisse Art von Beherrschtheit, in dem man nicht alles sagen durfte in der Öffentlichkeit weil man immer aufpassen musste, wer hört mit, über welche Dinge sprichst du mit wem. Sowohl in der Schule, wie auch im Freundeskreis, wie auch teilweise zu Hause."
Peter Gergely: "Es war nicht erlaubt, einen eigenen Gedanken zu haben."
Irena Hankova, erlebte Kindheit in CSSR: "Als es dann wirklich weg war, der eiserne Vorhang weg war, waren wir als Kinder verwundert, dass es hinter dem Zaun auch was gibt, dass es auch eine Welt gibt in der Nähe."
Wir sind frei!
Mann mit Kind, weinend:
Wir sind bei Mama und Papa.
Der Weg nach Europa und in die Europäische Union war damit frei. Man darf Vieles in der EU durchaus kritisch sehen, aber gibt es zu ihr eine vernünftige Alternative?
Harald Krassnitzer: "Ich vermisse ein bisschen zu soziale Seite, die stärker definiert sein könnte. Aber prinzipiell muss ich sagen, ich bin ein glühender Europäer und ich würde mich durchaus als österreichischer Europäer bezeichnen und lebe das ja auch in meinem Beruf. Wenn ich mir die Eu weiter wünschen, träumen darf, dann wäre es für mich die EU der Regionen. Eine EU, die in den Regionen vielfältig ist und in den Regionen stark ist und die nicht zentralistisch denkt."
Wo früher der kalte Krieg seinen eisernen Vorhang zog, teilen sich heute Österreicher und Ungarn eines der schönsten Naturparadiese, den Nationalpark Lange Lacke Neusiedlersee.
Toni Stricker: "Es hat einmal in Urzeiten das pannonische Meer gegeben. Und die Philosophie meiner Musik oder meiner Denkweise damals, wie ich da wieder her gekommen bin, war die, dass die heutigen Bewohner dieses ehemaligen Meeresbeckens vieles gemeinsam haben und ich habe versucht, diese musikalischen Einflüsse auch auf einen gemeinsamen Nenner und in eine heutige musikalische Ausdrucksform zu bringen. Politische Grenzen habe ich eigentlich nie zur Kenntnis genommen. Möchte aber sagen, dass es gerade bei uns hier im Burgenland die Probleme eigentlich nie gegeben hat, zum Beispiel mit Ortstafeln etc. Also es wäre sehr schade, wenn jetzt irgendwo wieder was aufbrechen würde, wo wir froh waren, dass die Gräben zugeschüttet waren."
Nur 50 Kilometer von Eisenstadt entfernt und auf halbem Weg zwischen Wien und Budapest liegt die Stadt Györ, auf Deutsch Raab. Heute leben hier 130 000 Menschen. In keiner ungarischen Stadt gibt es so viele Baudenkmäler wie in Györ. Für ihre Konstruktion und Renovierung der barocken Altstadt wurde Györ der Europapreis verliehen. In Györ treffen wir auf Peter Gergely. Der ehemalige Hotelangestellte ist heute Sportmanager und liebt und leidet mit seinem Fußballsport. Sei Verein ETO spielt heute ähnlich bescheiden wie die österreichischen Vereine. Daran kann vorerst auch das neue Stadion nichts ändern.
Peter Gergely: "Das leben wurde sicherlich besser, weil wo eine Freiheit ist, das bringt automatisch ein besseres Leben. Also auch in Bewegung viel breitere Möglichkeiten, zum Beispiel ohne Visa in Europa zu fahren das war für uns vor 25 Jahren ein Traum."
So wie in allen anderen Städten gibt es auch hier Einkaufstempel rund um die Stadt. Auch hier haben sich mittlerweile die internationalen Ketten eingemietet. Man kauft Dinge des täglichen Bedarfs aber auch solche, die man eigentlich nicht braucht. Als Kundschaft in Ungarn hat der Name Österreich noch immer einen sehr guten Klang.
Peter Gergely: "Die Österreicher waren sowieso immer beliebt in Ungarn, außer in der Zeit der Monarchie. Weil die Österreicher mehr als 45 Jahre lang viel Geld- alte Schillinge, nach Ungern gebracht. Ungern war billig."
Nun billig ist auch hier nichts mehr. Auf dem Gelände der ehemaligen ungarischen Motorenfabrik entstehen heute Eigentumswohnungen, die sich auch ein österreichischer Durchschnittsverdiener nicht leisten kann. Einen Traum möchte sich Gergely in seinem Leben noch erfüllen: Den alten Fußballklassiker der 50er und 60er Österreich-Ungarn wieder austragen.
Peter Gergely: "Ein Tag in Wien und ein Tag in Budapest. Immer............. Das könnten wir sicher zusammen bringen. Ich werde nicht aufgeben und ich bin sicher, dass wir in diesem schönen Stadion das einmal zusammen bringen könnten."
Unaufdringlich und still liegt nun das Waldviertel vor uns. Es gibt hier außergewöhnliche Plätze, die auch heute noch ihre Geheimnisse bergen. Geheimnisse, für die es keine wissenschaftliche Erklärung gibt. Daran mögen sich Mystiker erfreuen, was aber der Dichter Wilhelm Sabo als der Heimat ärmstes Land beschrieb, ist heute eine auch wirtschaftlich blühende Region. Tee nicht Sri Lanka, Indien oder China. Dieser Tee kommt aus dem Waldviertel. In der Natur sollen ja die besten Rezepte für ein langes und schönes Leben stecken. Das Waldviertler Unternehmen verkauft Tee und Kräuter, alles Bio natürlich, in die ganze Welt. Und noch etwas macht diesen Betrieb zu einem Beispiel gut nachbarlicher Beziehungen. Ob die Mitarbeiter aus Österreich oder Tschechien kommen, es gibt keine Unterschied in der Bezahlung und Sozialleistung.
Die Tschechin Irene Hankova hat in Österreich die Handelsakademie und eine Fachhochschule besucht. Sie spricht mehrere Sprachen und kümmert sich um die ausländischen Kunden.
Irena Hankova: "Der Beitritt zur Europäischen Union hat mir persönlich sicher den Arbeitsplatz gebracht. Ich kann mich viel leichter bewegen hier in Österreich. Für meine Kinder hat es auch einen wahnsinnigen Vorteil, sie können die Kinder von meinen Freunden jetzt mittlerweile schon frei besuchen gehen. Einfach Kontakte, Kontakte, Kontakte."
Brno oder Brünn. Die Hauptstadt Mährens gehört zu den ältesten und bedeutendsten Industriezentren Mitteleuropas. Es gibt vieles zu betrachten in Brno. Hier finden wir unzählige historische Baudenkmäler und Brno ist auch die Geburtsstadt des Jugendstilarchitekten Adolf Loos. Auffallend ist, die Straßen der Stadt sind voll mit jungen Leuten. Kein Wunder. Es gibt hier zahlreiche Hochschulen und von den 500 000 Einwohnern der Stadt sind rund 100 000 Studenten. Mit der neuen Masarykova Universität besitzt Brünn einen Campus der keinen internationalen Vergleich zu scheuen hat.
Übrigens 25 Universitäten und Hochschulen gibt es im gesamten Centrope Raum.
Jana Prokova, Lehrerin: "Die Leute müssen verstehen, dass nur ein Handwerk zu erlernen zu wenig ist. Und die Ansprüche sind gestiegen, wie die Entwicklung."
Die Festung Spielberg galt früher als uneinnehmbar. Das mussten schon die alten Schweden einsehen. Und auch die Brünner Messe hat in der neueren Zeit alle Veränderungen überdauert und veranstaltet bis zu 50 Fachmessen im Jahr.
Nicht so groß und geschäftig wie die Hauptstadt Brünn, dafür aber eine Stadt mit reicher Geschichte ist Znojmo oder Znaim nahe der niederösterreichischen Grenze. Vor den Toren der Stadt beginnt der tschechische Nationalpark Thayatal. Die March-Thayaauen sind eine Schatzkammer der Artenvielfalt. Hier leben und gedeihen rund 500 zum Teil bedrohte Tierarten und Pflanzen. Es ist die größte unzerschnittene Flusslandschaft Mitteleuropas und ein Teil des grünen Bandes das vom Nordkap bis zu Balkan reicht.
Gerhard Egger, WWF: "Ich glaube man muss Natur als eine Chance auch begreifen, wie man gemeinsam agieren kann auch als sag ich einmal. "
3 Länder teilen sich diese Region. Tschechien, Österreich und die Slowakei fast jeweils zu einem Drittel, insgesamt fast 60 000 ha groß und was wir sehen ist, dass dieses grüne Herz auch wenn man so will zwischen Wien, Bratislava und Brünn erhalten bleiben soll. Wo jetzt die Lücke noch klafft ist auf österreichischer Seite und der WWF drängt darauf, dass hier ein Nationalpark, ein Biosphärenpark, auf jeden Fall ein Großschutzgebiet entsteht, ein gemeinsames.
Was wäre die Region Centrope ohne ihren Wein. Unterschiedlichste Böden, von Lehm-Löss-Böden über Urgesteinsböden bis zu sandigen Böden bringen vielfältigste Weine hervor. So vielfältig wie die Region selbst und es ist eine Vielfalt, die einander ergänzt. Der burgenländische Winzer Franz Weninger hat sich im ungarischen Sopron niedergelassen und produziert dort seinen ungarischen Wein.
Franz Weninger: "Die Regionen haben einmal zusammen gehört und auch in dieser Zeit ist sehr viel von diesem traditionellen Weinbau entstanden. Die politischen Grenzen sind uns nicht wichtig, aber wir sind sehr stolz auf die Herkunft. Wir sind sehr stolz, dass man in dieser Region so einen Wein macht, der auch die Region vielleicht über die Grenzen hinaus bewirbt und auch aufzeigt, was möglich ist."
Harald Krassnitzer: "Ich war in Thailand mit meiner Familie bei Dreharbeiten und war dort in einem relativ großen Hotelkomplex und da gab es ein chinesisches Restaurant, ich schlag die Weinkarte auf und auf dieser Weinkarte fand ich zwei sehr renomierte Weingüter aus Österreich mit grünem Weltliner und Riesling vertreten."
Die moderne Kellertechnik sieht zwar äußerlich mehr nach Molkerei aus, dem Wein tut es aber gut.
Franz Weninger: "Wenn wir wirklich vor 1962 aus Österreich herübergekommen sind, da war natürlich ein riesiger technologischer Vorsprung den Österreich hatte. Mittlerweile haben sie sehr aufgeholt. Die Modernisierung hat auch hier Einzug gehalten."
Harald Krassnitzer: "Es gab kaum ein europäisches Land wo unsere Winzer nicht schon längst vertreten sind als Geheimtipp, da hapert es einfach manchmal nur an den Mengen, die sie nicht haben. Aber von der Qualität her können sie alle Male mithalten und insofern sind sie für mich praktizierende Europäer, weil sie mit diesem Land so verbunden sind. Das sind dann ihre Erde, ihre Reben, ihr Keller und diese Verbindung, die liebe ich, die finde ich spannend. Und das macht letztendlich auch den reiz dieses Europas aus und insofern sind die für mich die spannendsten Europäer."
In Wien gab es schon immer ein Kommen und Gehen. Man muss nicht das oft zitierte Wiener Telefonbuch bemühen, um zu wissen, dass es mindestens so viele Swobotas, Nagys, Nowaks, wie Müllers und Meiers gibt. Wie soll man da einen Hauptstädter erkennen, durch den echtes Wiener Blut fließt? Er oder sie vielleicht? Die beiden eher nicht. Naja, man kann ja nie wissen. Er ist aber sicher ein Wiener. Oder vielleicht doch nicht? Aber hier, in der Stadt der Musik bei der Oper! Der junge Mann mit seinem Geigenkoffer, dass muss ein echter Wiener sein! Entschuldigen sie, sie tragen hier eine Geige, sie sind also sicherlich Musiker. Das sind sie aber dann auch Wiener, oder?
Mann: "Überhaupt nicht! Ich komme aus Bratislava."
Apropos Bratislava und slowakisch: Dem Wiener, wer immer das sein mag, sagt man ja nach, er wäre ein bisschen träge um eine Fremdsprachen zu lernen. An der Komensky Schule in Wien, Erdberg werden wir aber eines besseren belehrt.
Lehrerin: "So jetzt noch einmal aber das ganze auf Deutsch!"
Karl Hanzl, Obmann Schulverein: "Die Komensky Schule ist eine Institution mit 140-jähriger Tradition und wenn sie so wollen, so etwas wie die zusammengefasste Centrope Region in einem Gebäude. Das heißt wir bilden die Jugendlichen für das neue Europa aus. Wir versuchen sie so mit den Sprachen vertraut zu machen. Das neueste Experiment heißt Ungarisch, damit sie einfach mit den Sprachmelodien etwas anfangen können und das sie sich zu mindest in 3 Ländern problemlos verständigen können."
Die Twin City Line war eines der ersten Centrope-Projekte. Die beiden Katamarane verkehren zwischen Wien und Bratislava und machen 37 Knoten. Für Landratten: das sind rund 70 Stundenkilometer. Etwas mehr als eine Stunde dauert die Reise und hoch über der Stadt sehen wir auch schön das Wahrzeichen- die Burg. So wie in Wien am Donaukanal, sind es auch von der Anlegestelle in Bratislava nur wenige Schritte in die Altstadt.
Bratislava ist die einzige Hauptstadt der Welt, die mit ihren Auenbezirken an zwei Staaten grenzt. Im Westen Österreich, im Süden Ungarn. Charakteristisch für das Stadtzentrum und seinen Baustil ist der Spätbarock. Kulturell war Bratislava immer schon eng mit Wien verbunden. Mozart, Haydn, Liszt, Bartok, Beethoven, alle sind sie hier aufgetreten. Das alte Nationaltheater hat zwei ausgezeichnete Ensembles für Oper und Ballett. Das Programm der Oper bietet einen Querschnitt von Verdi bis Gluck. Und wenn slowenische Opern aufgeführt werden oder slowakisch gesungen wird, gibt es für sprachunkundige ein spezielles Service: Deutsche Unter- in diesem Fall Übertitel.
Ein Schauspiel der anderen Art ist vor den Toren Bratislavas zu sehen. Mit diesem Lift werden Im VW-Werk die fertigen Autos zur Teststrecke befördert. Neben VW haben sich in der Slowakei noch die Autobauer Peugeot, Citroen und Kia und in Wien Opel nieder gelassen. Sie fertigen 4.000.000 Fahrzeuge im Jahr. Davon profitiert vor allem die Zulieferindustrie im Osten und Süden Österreichs. Ob Centrope oder Zentraleuropa, die Namen sind gleich. Wichtig ist, dass wir an den Vorteil dieser Gemeinsamkeit glauben.
Erika Rozkova, Verbindungsbüro Wien-Bratislava: "Ich glaube, da hätten wir noch Reserven. Da könnte man noch einiges machen. Auch in der gemeinsamen Region Centrope. Die Menschen könnten sich noch ein bisschen mehr treffen und Kontakte knüpfen. Ich glaube, die einfache Bevölkerung muss ein bisschen mehr über diese Region erfahren. Man muss ein bisschen mehr darüber informieren. Nicht nur die Politiker sollen sich treffen, sondern man soll auch die breite Bevölkerung in allen 4 Ländern darüber ein bisschen mehr informieren."
In diesem Punkt ist das niederösterreichische Wolfstal Vorzeigegemeinde. Am Tisch der Familie Schödinger können sich die Eltern mit ihren beiden Söhnen in drei Sprachen unterhalten. Frau Schödinger ist Slowakin mit ungarischen Wurzeln. Herr Schödinger ist heute Polizist und Bürgermeister von Wolfstal. Die Geschichte des Ehepaares Schödinger ist eine nicht alltägliche. Beide waren vor der Wende Zöllner am Grenzübergang Berg. Er auf der österreichischen und sie auf der damals tschechoslowakischen Seite.
Gerhard Schödinger: "Ich machte am 1.Jänner 1990 Dienst und weil jetzt die große Freiheit für uns auch spürbar war, sind ein Kollege und ich auf die damals tschechoslowakischen Seite hinüber gegangen, um unseren Kollegen das erste mal in unserem Leben alles Gute im neuen Jahr zu wünschen. Und wie ich da rüber komme, sitzt da eine wirklich stolze Frau mit den übereinandergeschlagenen Füßen dort und ignoriert uns zur Gänze. Es hat mich schwer in meinem Ego getroffen, weil ich war eigentlich der Meinung, wenn ich als Österreicher jetzt dort rüber komme, dann wird einem jeden das große Aha-Erlebnis passieren und genau das ist nicht geschehen."
Marta Schödinger: "Warum habe ich ihn ignoriert? Weil ich genau das erwartet habe, dass sie glauben, dass sie so interessant sind. Weil sie sind schon interessant natürlich, aber das soll ein Mann nicht wissen, dass er vielleicht interessant ist, weil dann findet er die Frau nicht so begehrenswert."
Gerhard Schödinger: "Wir haben am 1. März ein Zusammentreffen gehabt unter Kollegen also österreichische und damals tschechoslowakische Zollbeamte und ab diesem Zeitpunkt sind wir uns näher gekommen. Eine Woche darauf hatten wir ein Rendezvous und dann hat es wirklich gefunkt. Das Problem war nur die Verständigung."
Was mittlerweile im Familienkreis funktioniert auch im Ort. Den Gemeindekindergarten besuchen auch Kinder aus der Slowakei. Hier spielen und lernen miteinander Deutsch, Slowakisch und Tschechisch sprechende Kinder mit einer Selbstverständlichkeit, wie es eben nur Kinder können.
Gerhard Schödinger: "Ich habe mehrere Jahre dazu gebraucht, um die Leute davon zu überzeugen, dass es für uns kein Nachteil ist, wenn wir genau diesen Weg einschlagen. Wir wollen, dass wir eine prosperierende Gemeinde sind, mit vielen jungen Einwohnern, mit Kindern, mit jungen Familien, nicht ansehend, welchen Pass sie haben und das ist eigentlich relativ gut gelungen."
Bei allen vernünftigen und teilweise an den Haaren herbeigezogenen Diskussionen zum Thema Europäische Union sollte man eines nicht übersehen: Die Europäische Union ist das größte und bedeutendste Friedensprojekt in der Geschichte unseres Kontinents. Die Wolfstaler und ihre slowakischen Nachbarn gehen auf einander zu. Sie wissen, entfremdete Nachbarn sind keine Antwort, weder in der Welt von heute und schon gar nicht in der, von morgen.
Solange du dem Anderen sein Anderssein nicht verziehen hast, bist du noch lange entfernt vom Pfade der Weisheit. (Lao-Tse, chinesischer Philosoph, 6. Jht. V. Chr.)

Centrope - Das Herz Europas

Seit Jahrhunderten ist Zentraleuropa ein Schmelztiegel unterschiedlicher Nationen und ein wichtiger Handelsdrehpunkt. Daraus entstand eine gemeinsame Geschichte und Kultur. 2003 wurde dann die Region "Centrope" gegründet - sie ist das Herz Europas. Weitere Sprachen: slowakisch, tschechisch, ungarisch

Länge: 25 Min. 29 Sek.
Produktionsdatum: 2010
Copyright: Stadt Wien

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