Geschichtlicher Hintergrund - FußgängerInnen-Zone City Wien - realisiertes Bauvorhaben (Archiv)

Geschäfte, Bäume und Bänke in der Kärntner Straße

Die FußgängerInnen-Zone in der Kärntner Straße vor der Umgestaltung 2008/2009

Die ursprüngliche Gestaltung der FußgängerInnen-Zone City Wien war ein typisches Kind der 1970er-Jahre. Der erste Stolz auf die Errungenschaft des Autoverkehrs begann sich langsam zu legen. Den Fußgängerinnen und Fußgängern wurde der öffentliche Raum zum Teil wieder zurückgegeben, aus dem sie der Autoverkehr schon fast vertrieben hatte. Amerikanischem Vorbild folgend war die Kärntner Straße die erste FußgängerInnen-Zone in Wien. Sie entwickelte sich binnen weniger Jahre zur bekanntesten Einkaufs- und Flaniermeile der Stadt.


Bedeutung der Inneren Stadt

Macht man sich in Wien auf den Weg in den 1. Bezirk, so "geht man in die Stadt". 1858 wurde mit der Schleifung der Stadtbefestigungen begonnen. Mit dem Bau der Ringstraße wurde die Trennung der Altstadt von der übrigen Stadt, die sich vor den Stadtmauern zu einer beträchtlichen Größe entwickelt hatte, aufgehoben.

"Die Stadt" ist heute der Bereich der FußgängerInnen-Zone zwischen der Burg, dem Stephansplatz und der Oper. Hier befindet sich ein großer Teil der kulturellen Einrichtungen und touristischen Sehenswürdigkeiten Wiens. Zugleich sind Kärntner Straße, Graben und Kohlmarkt die prominentesten Einkaufsstraßen in der Inneren Stadt.

Mit der Häufung von Dienstleistungszentren und öffentlichen Gebäuden (Ämter, Behörden) stellt der Stadtkern das konzentrierteste Gebiet im ersten Bezirk dar. Die Arbeitsplatzkonzentration im Büro-, Handels- und Dienstleistungssektor ist hoch. Die Wohnbevölkerung ist immer geringer geworden. Auf sechs Beschäftigte im Zentrum kommt eine Bewohnerin beziehungsweise ein Bewohner.

Erschließung durch die U-Bahn

Die Verkehrserschließung der Inneren Stadt wäre ohne U-Bahn nicht zu bewältigen. Sowohl Kärntner Straße als auch Stock-im-Eisen-Platz und Graben können bequem durch die Wiener U-Bahn erreicht werden. Die Kärntner Straße erstreckt sich zwischen zwei Stationen der Linie U1: der Station Karlsplatz mit einem Aufgang vor der Oper und der Station Stephansplatz mit Aufgängen in der Kärntner Straße, am Stephansplatz vor dem Dom und an der Schnittstelle zwischen Stock-im-Eisen-Platz und Graben vor dem Haas-Haus. Diese Station verbindet alle vier Bereiche unterirdisch miteinander. Die Station ist zugleich Kreuzungspunkt der Linien U1 und U3.

Entwicklung der FußgängerInnen-Zone City Wien

Kärntner Straße

Die Kärntner Straße ist neben dem Graben und dem Kohlmarkt Wiens traditionsreichste und seit jeher bedeutendste Geschäftsstraße des gehobenen Bedarfs. Der Straßenzug Kärntner Straße - Stephansplatz - Rotenturmstraße war eine wichtige Durchzugsroute durch die Innere Stadt. Die Verkehrsbelastung nahm infolge der steigenden Motorisierung in den 1950er- und 1960er-Jahren ständig zu.

Für Fußgängerinnen und Fußgänger wurden weite Teile der Inneren Stadt aufgrund des zunehmenden Verkehrs immer unattraktiver. Darunter litt die Vitalität des Stadtzentrums außerordentlich. Die Innere Stadt galt eine Zeit lang als sterbender Bezirk.

Bereits in den 1960er-Jahren wurden verschiedene Planungen für FußgängerInnen-Zonen in der Inneren Stadt diskutiert. Vor allem bei den Geschäftsleuten, die das Ausbleiben ihrer motorisierten Kundinnen und Kunden befürchteten, war die Idee von FußgängerInnen-Zonen sehr umstritten.

Die Chance zur Realisierung kam mit dem U-Bahn-Bau. 1971 wurde der Bereich Graben, Stephansplatz, Kärntner Straße und Bräunerstraße provisorisch zum "Weihnachtskorso". Dieses Provisorium war so erfolgreich, dass es unbefristet verlängert wurde. Zugleich lieferte es wertvolle Erfahrungen, beispielsweise in Hinblick auf die Organisation von Sackgassen.

Die definitive Ausgestaltung der Kärntner Straße zur ersten großen FußgängerInnen-Zone Wiens erfolgte nach Plänen der Architekten Holzbauer und Windbrechtinger im Jahr 1974. Ihr Ziel war es, den Straßenraum gestalterisch seiner neuen Funktion anzupassen. Die Kärntner Straße sollte zum Flanieren, Einkaufen und Verweilen einladen. Dies ist zweifellos gelungen.

Stephansplatz und Stock-im-Eisen-Platz

Der Platz vor dem Stephansdom, dem bedeutendsten Baudenkmal und Wahrzeichen Wiens, besteht in seiner heutigen baulichen Begrenzung erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Ursprünglich waren Stephansplatz, Stock-im-Eisen-Platz und Graben drei eigenständige, durch mehrere Häuser voneinander getrennte Plätze. Heute bilden sie eine eigenständige Raumfolge.

Bis zum Bau der U-Bahn konnte der Stephansplatz von Autos befahren werden. Der U-Bahn-Bau verwandelte den Platz vor dem Dom für Jahre in eine riesige Baugrube. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten erfolgte 1977/78 die Ausgestaltung zur FußgängerInnen-Zone.

Graben

Der Graben war bis ins 19. Jahrhundert vom Stephansplatz getrennt. Er entwickelte sich vom Marktplatz im Mittelalter zum Treffpunkt der eleganten Welt im 18. Jahrhundert und zunehmend zu einer vornehmen Geschäftsstraße.

Die Ausgestaltung des Grabens zur FußgängerInnen-Zone erfolgte ebenfalls im Zuge des U-Bahn-Baues. Ursprünglich wurde auch der Graben von Autos befahren.

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