Die Geschichte der Reichsbrücke

Keine Brücke in Wien ist so bekannt wie die Reichsbrücke. Und um keine Brücke ranken sich mehr Geschichten und Mythen.

Im August 2016 jährten sich zwei Ereignisse rund um diese Brücke. Vor 40 Jahren, am 1. August 1976, stürzte die Reichsbrücke ein. Vor 140 Jahren, am 21. August 1876, wurde sie als "Kronprinz-Rudolf-Brücke" offiziell eröffnet.

Die erste Brücke 1876 bis 1937

Die erste Reichsbrücke - Kronprinz-Rudolf-Brücke

Die erste Reichsbrücke, als Reichsstraßenbrücke begonnen und als "Kronprinz-Rudolf-Brücke" offiziell eröffnet, wurde im Zuge der 1868 begonnenen Donauregulierung als "stabile Brücke" in der Achse Jägerzeile - Schwimmschulallee (heutige Praterstraße und Lassallestraße) auf trockenem Grund errichtet. Die Bauzeit betrug vier Jahre.

Im Bereich der Donau war die Brücke als durchlaufendes eisernes Gittertragwerk konzipiert, im Bereich des Überschwemmungsgebietes als Folge von Gewölbebrücken. Auf dieser Brücke wurde kurz nach Eröffnung im august 1876 die Brückensteuer von 32 Kreuzern eingehoben, was vor allem von den Bewohnerinnen und Bewohnern der "Kolonie Kaisermühlen" als Belastung empfunden wurde.

Die Brücke wurde nach dem 1. Weltkrieg 1919 in "Reichsbrücke" umbenannt. Eine große Bedrohung stellte der Eisstoß 1928/29 dar, den die Brücke aber überstand.

Die zweite Brücke 1937 bis 1976

Die Reichsbrücke von 1936 bis 1976

Aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens und des schlechten technischen Zustandes wurde die Brücke neu gebaut. Die zweite Brücke entstand in der alten Achse der Reichsbrücke. Deshalb wurde die alte Brücke bereits 1934 ausgeschoben. So konnte weiterhin der Verkehr über sie laufen. Das Projekt "Kettenbrücke" wurde als Prestigeprojekt in einer Zeit begonnen, in der das Land innenpolitisch mit Sorgen zu kämpfen hatte. Doch das Projekt ging nicht so voran wie gewünscht. Die alte Reichsbrücke musste ein Jahr länger als geplant die Behelfsbrücke sein. Die Untergrundverhältnisse waren schwieriger als angenommen. Zudem wurde das Projekt von einem akademischen Streit über die Machbarkeit der Brücke überschattet, der im Freitod eines Professors und seiner Gattin endete.

Zweite Reichsbrücke von 1936 bis 1976

Die Errichtung der Kettenbrücke erfolgte an der Stelle der alten Reichsbrücke. Dazu wurden die Pfeiler stromabwärts verlängert und das alte Tragwerk um 26 Meter verschoben. Die neue Brücke konnte so in der Achse der alten gebaut werden. Der Verkehr über die Donau musste daher nicht auf längere Zeit unterbunden werden. Die neue Brücke besaß je zwei Fahrspuren für Autos, zwei Richtungsgleise für die Straßenbahn und Gehwege an beiden Seiten. Die Flutbrücke über das Überschwemmungsgebiet blieb erhalten und wurde nur verbreitert. Die Eröffnung fand am 10. Oktober 1937 statt.

In den Kriegstagen wurde das "Objekt 56", so die Codebezeichnung der Roten Armee für die Brücke, trotz einiger Treffer und heftiger Kämpfe nicht zerstört. Sie war die einzige intakte Donaubrücke Wiens. Die Generalsanierung der Kriegsschäden erfolgte in den Jahren 1948 bis 1952. Bis 1955 trug sie den Namen "Brücke der Roten Armee".

Der 100. Geburtstag der Brücke im Jahr 1976 fiel buchstäblich ins Wasser. Am 1. August versank die Brücke in den frühen Morgenstunden im Wasser. Der Einsturz forderte ein Menschenleben.

Einsturz 1976

Die eingestürzte Reichsbrücke im Jahr 1976

Am Sonntag, dem 1. August 1976, stürzte die Reichsbrücke knapp vor fünf Uhr früh ein.

Die Brücke wurde schon damals zur Hauptverkehrszeit von bis zu 18.000 Fahrzeugen pro Stunde befahren. Am Sonntag um 4.55 Uhr befanden sich jedoch keine Fußgängerinnen und Fußgängerinnen sowie nur zwei Fahrzeuge auf der Brücke. Das eine Fahrzeug war ein städtischer Gelenkbus, der Verkehrsbedienstete abholen und zum Einsatz bringen sollte. Der Bus stand mitten im Strom auf dem im Wasser liegenden Brückenteil. Der Fahrer konnte leicht verletzt geborgen werden. Das zweite Fahrzeug war ein Kombi-Wagen, mit dem ORF-Techniker vom Sender Bisamberg abgeholt werden sollten. Erst am nächsten Tag konnte dieser Wagen unter den Brückentrümmern gefunden werden. Der Lenker war bereits tot.

Eine unabhängige ExpertenInnen-Kommission untersuchte die Katastrophe. Sie sah die Ursache des Einsturzes im ungünstigen Zusammenwirken einer Reihe von Faktoren. Jeder für sich allein wäre ungefährlich gewesen. Dazu gehörten vor allem:

  • die Wahl eines Auflagerostes aus Blechträgern auf einem unbewehrten Betonsockel
  • die Wirkung des "Kriechens" und "Schwindens" des Betons
  • der ungünstige Zusammenfall von Witterungs-, Strömungs- und Temperatureinflüssen

Die dritte Brücke seit 1980

Neubau

Nach dem Einsturz der Reichsbrücke wurden in Rekordbauzeit Ersatzbrücken über die Donau gebaut. Am 16. Oktober 1976 war eine Ersatzbrücke für die Straßenbahn fertig. Am 21. Dezember 1976 erfolgte die Verkehrsfreigabe einer zweispurigen Ersatzbrücke für den Autoverkehr. Durch den Brückeneinsturz hatte sich auch die Möglichkeit ergeben, die neue U-Bahn-Linie U1 innerhalb des Hohlkastens der Brücke über die Donau nach Kagran zu führen. Am 9. November 1980 wurde die Brücke offiziell für den Verkehr freigegeben. Am 3. September 1982 fuhr die erste U-Bahn durch die Reichsbrücke.

Für den Neubau der Reichsbrücke wurde im Dezember 1976 ein einstufiger, internationaler Projektwettbewerb ausgeschrieben. Ende Juni 1977 fiel die Entscheidung zu Gunsten des Projektes "Johann Nestroy" (Popper/Kotz), das eine zweigeschossige Spannbetonbrücke vorsah. Baubeginn war im Jänner 1978.

Seit dem Neubau der Reichsbrücke 1976 bis 1980 wird kolportiert, dass sie "Nestroy-Brücke" heißt. Das ist nicht richtig. Die Brücke heißt weiterhin Reichsbrücke. Die Irritation ist entstanden, da das Siegerprojekt bei der Einreichung "Johann Nestroy" genannt wurde. Der Grund: Die zweigeschossige Lösung mit der U-Bahn-Trasse im Inneren und dem Individualverkehr auf der Brücke ("Zu ebener Erd und im ersten Stock").

1980 bis heute

Die heutige Reichsbrücke

In den Jahren 2003 bis 2005 wurde die Reichsbrücke an die neuen Bedürfnisse jenseits der Donau angepasst. In Kagran und Kaisermühlen stieg die Einwohnerzahl an. Auf der Donauinsel gab es vermehrte Freizeitangebote.

Neue Rad- und Fußwege, die jetzt die Bezirke und die Donauinsel barrierefrei verbinden, neue Busstationen, mehr Licht bei weniger Stromverbrauch und die neue Oberflächengestaltung machen die Reichsbrücke zu einem wahren Prachtstück an der Donau.

Durch ein technisches Messsystem in der Brücke, das gemeinsam mit arsenal research betrieben wird, ist diese Brücke ein Vorzeigeprojekt moderner Brückentechnik. So konnte etwa durch das Messsystem der Mythos entkräftet werden, die Läuferinnen und Läufer des Vienna City Marathon könnten die Brücke zum Einsturz bringen. Ihr Schwingungsverhalten ist insgesamt geringer als die Belastungen durch den laufenden U-Bahn-Betrieb. Zum Abschluss der Bauarbeiten wurde im Juli 2005 im Zuge der Festveranstaltung "25 Jahre Reichsbrücke" die Brücke rundum erneuert der Bevölkerung präsentiert.

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Wiener Brückenbau und Grundbau (Magistratsabteilung 29)
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