Die Geschichte der Reichsbrücke

Reichsbrücke

Keine Brücke in Wien ist so bekannt wie sie - die Reichsbrücke. Um keine Brücke ranken sich mehr Geschichten und Mythen als um sie. Im August 2006 jährten sich zwei Ereignisse rund um diese Brücke. 30 Jahre zuvor, am 1. August 1976, stürzte die Reichsbrücke ein. Und vor 130 Jahren, am 21. August 1876, wurde die "Kronprinz-Rudolf-Brücke" offiziell eröffnet.


Die erste Brücke 1876 bis 1937

Die erste Reichsbrücke - Kronnprinz-Rudolf-Brücke

Die erste Reichsbrücke, als Reichsstraßenbrücke begonnen und als "Kronprinz-Rudolf-Brücke" offiziell eröffnet, wurde im Zuge der 1868 begonnenen Donauregulierung als "stabile Brücke" in der Achse Jägerzeile - Schwimmschulallee (heutige Praterstraße und Lassallestraße) in vierjähriger Bauzeit auf trockenem Grund errichtet. Im Bereich der Donau war die Brücke als durchlaufendes eisernes Gittertragwerk konzipiert, im Bereich des Überschwemmungsgebietes eine Folge von Gewölbebrücken. Die Eröffnung fand am 21. August 1876 statt. Auf dieser Brücke wurde kurz nach Eröffnung der Brücke die Brückensteuer von 32 Kreuzern eingehoben, was vor allem von den Bewohnern der "Kolonie Kaisermühlen" als große Belastung empfunden wurde.

Nach dem 1.Weltkrieg wurde 1919 die Brücke in "Reichsbrücke" umbenannt. Eine große Bedrohung stelle der Eisstoß 1928/29 dar, den die Brücke aber überstand. Aufgrund des gestiegenen Verkehrs und des schlechten technischen Zustandes entschloss man sich, die Brücke neu zu bauen.

Die zweite Brücke 1937 bis 1976

Die zweite Reichsbrücke mit der Kronnprinz-Rudolf-Brücke

Die zweite Brücke entstand in der alten Achse der Reichsbrücke. Aus diesem Grund entschloss man sich, die alte Brücke bereits 1934 auszuschieben, und über sie den Verkehr laufen zu lassen. Das Projekt "Kettenbrücke" wurde als Prestigeprojekt in einer Zeit begonnen, in der das Land innenpolitisch mit großen Sorgen zu kämpfen hatte. Doch das Projekt ging nicht so voran, wie man sich das gewünscht hatte. Die alte Reichsbrücke musste ein Jahr länger die Behelfsbrücke sein, die Untergrundverhältnisse waren auch schwieriger als angenommen. Zudem wurde das Projekt von einem akademischen Streit über die Machbarkeit der Brücke überschattet, der im Freitod eines Professors mit seiner Gattin endete.

Die Errichtung der Kettenbrücke erfolgte an der Stelle der alten Reichsbrücke. Dazu wurden die Pfeiler stromabwärts verlängert und das alte Tragwerk um 26 Meter verschoben. Die neue Brücke konnte so in der Achse der alten gebaut werden. Der Verkehr über die Donau musste daher nicht auf längere Zeit unterbunden werden. Die neue Brücke besaß je zwei Fahrspuren für Autos, zwei Richtungsgleise für die Straßenbahn und Gehwege an beiden Seiten. Die Flutbrücke über das Überschwemmungsgebiet blieb erhalten und wurde nur verbreitert. Die Eröffnung fand am 10. Oktober 1937 statt.

In den Kriegstagen wurde das "Objekt 56" (Codebezeichnung der Roten Armee für die Brücke) trotz einiger Treffer und heftiger Kämpfe nicht zerstört und war die einzige intakte Donaubrücke Wiens. Die Generalsanierung der Kriegsschäden erfolgte in den Jahren 1948 bis 1952. Bis 1955 wurde sie in "Brücke der Roten Armee" umbenannt.

Der 100. Geburtstag der Brücke im Jahr 1976 fiel buchstäblich ins Wasser. Am 1. August versank die Brücke in den frühen Morgenstunden im Wasser. Der Einsturz forderte ein Menschenleben.

Die dritte Brücke 1980 bis heute

Die heutige Reichsbrücke

Nach dem Einsturz der Reichsbrücke wurden in Rekordbauzeit Ersatzbrücken über die Donau gebaut. Bereits im Dezember 1976 wurde die Straßenersatzbrücke dem Verkehr übergeben. Durch den Brückeneinsturz hatte sich auch die Möglichkeit ergeben, die neue U-Bahnlinie U1 innerhalb des Hohlkastens der Brücke über die Donau nach Kagran zu führen. Am 9. November 1980 wurde die Brücke offiziell dem Verkehr übergeben. Am 3. September 1982 fuhr die erste U-Bahngarnitur durch die Reichsbrücke.

Seit dem Neubau der Reichsbrücke 1976-1980 wird immer wieder kolportiert, dass seit diesem Zeitpunkt die Brücke "Nestroy-Brücke" heißt. Das ist natürlich nicht richtig. Die Brücke heißt weiterhin Reichsbrücke. Die Irritation ist aus dem Grund aufgekommen, da das Siegerprojekt bei der Einreichung "Johann Nestroy" genannt wurde, wegen der Lösung der U-Bahn-Trasse im inneren und des Individualverkehrs oben ("Zu ebener Erd und im ersten Stock").

In den Jahren 2003 bis 2005 wurde die Reichsbrücke an die neuen Bedürfnisse jenseits der Donau angepasst. Noch mehr Wohnbevölkerung und noch mehr Freizeitangebote, vor allem durch die neu geschaffene Donauinsel, sind in Kagran und Kaisermühlen anzutreffen. Das Tragwerk der Reichsbrücke ist zwar in Ordnung, äußerlich war aber einiges zu machen.
Neue Rad- und Fußwege, die jetzt die Bezirke und die Donauinsel barrierefrei verbinden, neue Busstationen, mehr Licht bei weniger Stromverbrauch und neue Oberflächengestaltung machen die Reichsbrücke zu einem wahren Prachtstück an der Donau.
Durch ein technisches Meßsystem in der Brücke, das gemeinsam mit arsenal research betrieben wird, ist diese Brücke auch technisch ein Vorzeigeprojekt moderner Brückentechnik. So konnte etwa durch das Meßsystem zum Wienmarathon der Mythos entkräftet werden, die Läufer könnten die Brücke zum Einsturz bringen. Ihr Schwingungsverhalten ist insgesamt geringer als die Belastungen durch den laufenden U-Bahnbetrieb. Zum Abschluss der Bauarbeiten wurde im Juli 2005 im Zuge der Festveranstaltung "25 Jahre Reichsbrücke" die Brücke rundum erneuert der Bevölkerung präsentiert.

Instandsetzung der Reichsbrücke 2003 bis 2005

Im Leistungsbericht 2005 der Abteilung Brückenbau und Grundbau (MA 29) sind die Bautätigkeiten an der Reichsbrücke festgehalten. Auf einer CD wurde die Geschichte der Reichsbrücke dokumentiert. Die Broschüre ist kostenlos zu beziehen:

MA 29 - Brückenbau und Grundbau
16., Wilhelminenstraße 93
Fahrplanauskunft
E-Mail: post@ma29.wien.gv.at

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Wiener Brückenbau und Grundbau (Magistratsabteilung 29)
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