Überplattung A 22 - Donauuferautobahn

Grundlagen

Im Zuge der Planungen für eine Weltausstellung (EXPO 95) in Wien wurde eine Überplattung der A 22 - Donauuferautobahn im Bereich des Vienna International Center vorgeschlagen. Diese sollte sich sowohl für die (EXPO als auch für eine mögliche Nachnutzung und die städtebauliche Entwicklung eignen. Aufbauend auf grundsätzlichen Entwicklungsüberlegungen für den donaunahen Raum wurde an diesem Projekt auch nach der Ablehnung der (EXPO durch die Wiener Bevölkerung (Volksbefragung im Mai 1991) festgehalten. Zum Immissionsschutz und zum Abbau der Barrierewirkung wurde die Donauuferautobahn überdeckt. Dadurch gewann man Bauland für auf dem Tunnel errichtete Gebäude. Durch die Überplattung in den Bereichen Donau-City (stromauf der Reichsbrücke) und Wohnpark Neue Donau (stromab der Reichsbrücke) entstand gemeinsam mit dem schon bestehenden Lärmschutztunnel der 2,15 Kilometer lange durchgehende Tunnel Kaisermühlen.

Bereich Donau-City

Baubeginn für die Überplattung der A 22 - Donauuferautobahn im Vorfeld des Vienna International Center (Stadtentwicklungsgebiet Donau-City) war 1993. Die Überdeckung besteht aus vier parallelen Tunnelröhren: in beiden Fahrtrichtungen jeweils eine für die durchgehenden Hauptfahrbahnen sowie eine für die Nebenfahrbahnen der Ein- und Ausfahrten. Von besonderer Bedeutung für dieses Tunnelprojekt war die dichte Folge von Ein- und Ausfahrtsrampen, die in ihrer Funktion erhalten werden mussten.

Die Überdeckung der A 22 - Donauuferautobahn ist so konstruiert, dass darauf eine Bebauung und adäquate Geländegestaltung möglich ist. Die Überdeckung bildet also das Fundament der Bebauung. Die Tragwerke sind Rahmentragwerke mit Rahmenriegeln aus Stahlbeton-Hohlkästen. Die Hohlräume sind mindestens 2,20 Meter hoch und dienen zum Teil der Tunneltechnik. Sie stehen auch zur Nutzung für die technische Gebäudeausrüstung und für Kellerabteile und Waschküchen der darüber liegenden Bebauung zur Verfügung.

Sämtliche Wohnungen der Donau-City (Donau-City Wohnbau AG) sind über dem Hohlkastentragwerk angeordnet. Das heißt, sie sind durch mindestens zwei Stahlbetonplatten und einen 2,20 Meter hohen Hohlraum (Untergeschoss) vom Verkehrsraum der Donauuferautobahn getrennt.

Erschließungsstraßen

Die Erschließungsstraßen der Donau-City (Donau-City-Straße, Leonard-Bernstein-Straße) liegen im Wesentlichen auf dem Niveau der Donauuferautobahn und sind ebenfalls überdeckt. Die Oberfläche bleibt so dem nicht motorisierten Verkehr vorbehalten. Bei der Überdeckung der Leonard-Bernstein-Straße wurde der vorhandene Niveausprung zwischen der Überdeckungsoberkante und dem bestehenden Gelände im Donaupark für seitliche Belichtungsöffnungen genutzt.

Ver- und Entsorgung

Für die Ver- und Entsorgungsleitungen (Wasser, Fernwärme, Strom, Telefon) wurden erstmals in Wien begehbare Leitungskollektoren errichtet. Sie sind in die Überdeckungstragwerke integriert. Die Leitungen liegen somit im Niveau über den Straßenebenen, jedoch unter der Fußgängerebene. Damit können alle Bauplätze entlang der Leonard-Bernstein-Straße und im Kernbereich beiderseits der Donau-City-Straße im ersten Untergeschoss angeschlossen werden.

Verkehrsleitsystem

Für die Verkehrsteilnehmer musste ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet sein. Dazu wurde ein umfangreiches Verkehrsinformationssystem entwickelt:

  • Leitsystem für die komplexen, in Tunnelstrecken liegenden Verkehrsanlagen der Donauuferautobahn
  • Leitsystem für die Verkehrsanlagen der A 22-Anschlussstellen
  • Leitsystem für die Verkehrsanlagen der überdeckten Erschließungsstraßen

Bereich Wohnpark Neue Donau

Die A 22 - Donauuferautobahn wurde 1994 bis 1996 im Vorland der Wohnbauten des Marshallhofes überdeckt. Einerseits sollte der zwischen dem bestehenden Lärmschutztunnel Kaisermühlen und der Reichsbrücke fehlende Lärmschutz ergänzt werden. Andererseits sollen die so gewonnenen Flächen für die Errichtung von Wohnbauten genutzt werden. Insgesamt konnten rund 50.000 Quadratmeter Bau- und Grünfläche geschaffen werden.

Die Überdeckung besteht aus bis zu vier parallelen Tunnelröhren für die durchgehenden Hauptfahrbahnen und für die Nebenfahrbahnen der Ein- und Ausfahrtsrampen. Die Tragwerke bestehen zum großen Teil aus Stahlbeton-Hohlkästen. Diese müssen eine lichte Höhe von mindestens 2,20 Metern haben. Die notwendigen technischen Ausrüstungen für den Autobahnbetrieb werden in seitlichen Kollektoren geführt. Somit können die Hohlkastenbereiche bis auf wenige technisch notwendige Querverbindungen komplett für die Wohnbebauung als Kellergeschoß genutzt werden. Sie nehmen zum Beispiel Aufzugsschächte und Baumgruben auf.

Im Anschluss an das Überplattungsbauwerk wurde bis zum Marshallhof eine dreigeschossige Garage mit rund 1.000 Stellplätzen gebaut. Überplattung und Garage bilden das Fundament für die Wohnbebauung.

Die Verbindungsstraße von der Schüttaustraße zum Ufer Neue Donau wurde zu einer in beiden Richtungen befahrbaren Stadtstraße umgebaut. So werden die dort bestehenden Nutzungen und die neue Bebauung erschlossen.

Besonderheiten bei den Bauarbeiten

Die Bauarbeiten waren unter ständiger Aufrechterhaltung des Verkehrs durchzuführen. Jeweils zwei Fahrstreifen standen für beide Fahrtrichtungen der Donauuferautobahn zur Verfügung. Die Benutzbarkeit aller Ein- und Ausfahrten wurde gewährleistet. Als Besonderheit erfolgte im September 1994 der Abbruch von drei bestehenden Spannbetonbrücken durch Sprengungen im Rahmen einer Wochenendsperre der A 22 - Donauuferautobahn. Das gewonnene Abbruchmaterial wurde im Baustellenbereich als Hinterfüllungsmaterial wieder verwendet.

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Wiener Brückenbau und Grundbau (Magistratsabteilung 29)
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