Rückblick zu den Veranstaltungen "Wildwuchs - Vom Wert dessen, was von selbst ist" (Aktion 2003)

Verwilderung sichtbar machen

Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) wählte den Aktionismus als eine Form der Präsentation, die Aufmerksamkeit erregt, von den Medien wahrgenommen und vielfach multipliziert wird. Dann so erreicht die Aktion viele Menschen und hat Erlebnischarakter. Dementsprechend sollte das Thema aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und über unterschiedliche Medien (Installation, Plakat, Nachschlagewerk) vermittelt werden. Eine Ausstellung im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Neben geführten Spaziergängen in die Natur selbst - dem Erleben vor Ort - waren es materialisierte Gedankensplitter zum Verhältnis des modernen Stadtmenschen zu sich selbst, den Mitmenschen und zur Natur.

Der Stadtwildnis in all ihren Facetten und Erscheinungsformen widmete die MA 22 im Jahr 2003 die Aktionsreihe "Wildwuchs - Über den Wert dessen, was von selbst ist". Von Juni bis September sollten sich die Wienerinnen und Wiener für die spontane Natur in der Stadt begeistern, sie erleben, spüren und erforschen. Ziel war, das Verständnis für Natur und für Wildnis in der Stadt zu fördern und damit die Bevölkerung zum Handeln anzuregen. Für eine ungeplante, spontane, freche Natur. Weil sie auch in uns existiert, zum Leben dazugehört und es bereichert.

Stadtwildnis auf und hinter Plakatwänden

Das Bild der Stadt wird maßgeblich von großformatigen Werbeflächen geprägt. Oftmals stehen diese Symbole des Konsums zwischen der pulsierenden fortschrittlichen Stadt und stillen, übriggebliebenen Gstätten, Baulücken oder Hinterhöfen. Durch das Hervorholen der versteckten Natur und die Vergrößerung auf die Plakatwände wird Aufmerksamkeit erregt. Für jeden Bezirk wurde eine Fläche ausgesucht. Pflasterritzengrün, Verkehrsrestflächen, verwilderte Böschungen, Baubrachen, Stadtwildnis-Parks oder aufgelassene beziehungsweise wenig genutzte Gewerbeflächen bilden die Sujets.

Alle Plakatwände und ihre Aufstellungsorte: 44 KB PDF17 KB RTF

Wildwuchs-Auftaktveranstaltung

Steinzeugskulpturen "Flammenfrauen"

Steinzeugskulpturen "Flammenfrauen"

Im Auer-Welsbach-Park, auf der Fläche des ehemaligen Kinderfreibades, entwickelte sich durch wenig Pflege und kargen Boden eine andere Pflanzengesellschaft, als sie auf dem kurzgehaltenen Rasen rundherum vorhanden ist. Dieser Umstand konnte genutzt werden, um die Natur in ihrer Lebendigkeit und Vielfalt zu thematisieren und ins Bewusstsein der Parkbesucherinnen und -besucher zu rücken.

Kultur trifft Natur: Die Steinzeugskulpturen "Flammenfrauen" von Charlotte Seidl wurden in eine naturnahe Umgebung gestellt. Sie weisen auf die Notwendigkeit und die Möglichkeit eines Brückenschlags zwischen Natur und Kultur hin. Ihre Anwesenheit macht auf einen möglichen Umgang des Menschen mit der Natur aufmerksam, der nicht mehr selbstverständlich ist: der Mensch, das Kulturwesen, als Teil der Natur.


Stadtwildnis im Arkadenhof des Rathauses

Ein gewohntes Bild im Wiener Rathaus: Eine Ausstellung. Auf einem Gerüst wurde auf Bildern eine Aktion des Auspflanzens, Transportierens, Lagerns, Aufbaus und der Wiedereinpflanzung von einem Stück Natur dokumentiert. Ungewöhnlich ist das Sujet. Es handelte sich nicht um Rollrasen, um Kontainerschmuckpflanzen oder Parkblumen, die da verpflanzt wurden. Wildnis pur, das was von selbst wächst, wurde präsentiert und auf ein Podest gestellt. Zunächst boten sich nur die Spitzen der Gewächse in Augenhöhe der Passantin und dem Passanten an und machten neugierig. Von einer erhöhten Plattform - aus einem anderen Blickwinkel - ließ sich die Stadtwildnis beobachten und erforschen. Durch Vergrößerungsgläser offenbarten sich der Forscherin oder dem Forscher Hirtentäschel, Hungerblümchen, Gänsefuß, Knöterich, Hundskamille, Lattich, Gundelrebe, Reitgras, Disteln, Nesseln, Gerste, Baumkeimlinge, Königskerzen und andere "Wilde". Zusätzlich fanden sich viele Stadtwildnis-Infos - einfach zum Mitnehmen, zum Beispiel in Form von Zitaten, Aphorismen, Bestimmungshilfen und Stadtwildnis-Bauanleitungen.

Mit der Eröffnung der Installation feierte die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) gleichzeitig ihr dreißigjähriges Bestehen.

Pflanzenliste der Gstätten im Arkadenhof: 214 KB PDF31 KB RTF

Die im Arkadenhof ausgestellten Gstättenpflanzen wurden im Schulgarten Kagran untergebracht.

Stadtspaziergänge 2003 zu verschiedenen Verwilderungsflächen

Exkursion am Donaukanal

Exkursion am Donaukanal

Die Spontanität von Natur lässt sich am besten draußen erfahren, in Form von geführten Spaziergängen. Dabei wird über Lebensräume von wilden Stadtpflanzen- und Stadttieren informiert und Eindrücke werden gesammelt. Überlässt man ein Stück Stadt sich selbst, so kehrt die Wildnis zurück. Tiere und Pflanzen mit besonderen Pioniereigenschaften erobern die Stadt. Jede Pflanzenart hat eine spezielle Strategie entwickelt, um dieses karge Leben zu meistern. Manche Samen können 100 Jahre im Boden überleben, andere haben im Samen ein großes Fresspaket mitbekommen, sodass sie sehr rasch groß und damit der Sonne ein Stück näher sein können. Wieder andere sind so leicht, dass sie der Wind weit in noch unbesiedelte Flächen hineinträgt. Die Rede ist von Hirtentäschel ("Frühreife"), Weißem Gänsefuß ("Kraftlackel") und Kanadischem Berufkraut ("Flexible Opportunisten").

An sechs Tagen im September konnten Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer die Stadtwildnis mit Naturschutzexpertinnen und -experten der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) und der Universität für Bodenkultur, Zentrum für Umwelt- und Naturschutz, erleben, spüren und erforschen.

Route Eins verlief über den Rathauspark, den Ring, die Löwelstraße, den Minoritenplatz und wieder zurück zum Rathaus. Route Zwei verlief über die Nußdorfer Straße, den Währinger Park, den Liechtenwerder Platz bis zur Spittelauer Lände beim Donaukanal.

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Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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