"Gutes Gewissen - Guter Geschmack" - Fachtagung 2018

Veranstaltungssaal mit Besucherinnen und Besuchern

Die 5. Fachtagung der Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" fand am 13. November 2018 in den Hertha Firnberg Schulen in der Donaustadt statt. Das Schwerpunktthema dieses Jahres war die nachhaltige Ernährung in Ausbildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche unter dem Titel "Gemeinschaftsverpflegung richtig, gut, günstig - von klein an":


  • Wie lassen sich Umweltschutz, Klimaschutz, Tierwohl und Gesundheit in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen bestmöglich verbinden?
  • Wie kann Bewusstseinsbildung und Lebensmittelkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und deren Betreuungspersonen entwickelt und gestärkt werden?
  • Welche positiven Effekte für Umweltschutz, Klimaschutz, Tierwohl und Gesundheit können wir über die betreffende Gemeinschaftsverpflegung der Stadt Wien erreichen?
  • Wie können andere große Institutionen ebenfalls dazu angeregt werden, die Gemeinschaftsverpflegung als Instrument für die Verbesserung von Umweltschutz, Klimaschutz, Tierwohl und Gesundheit zu nutzen?

Zum Auftakt der Fachtagung präsentierten drei Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus jeweils ihrem Fachbereich Fakten und Denkanstöße: Der Umweltmediziner Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. OA Dr. Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien, die Klimaforscherin O.Univ.Prof.in Dr.inphil. Helga Kromp-Kolb und Univ.Prof. Dr. Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Hans-Peter Hutter: Anlage für spätere Ernährungsgewohnheiten

Der Facharzt und Leiter der Forschungseinheit Child Public Health, Hans-Peter Hutter, betonte: "Ungünstige Ernährungsgewohnheiten, die im Klein- und Schulkindalter erworben werden, bleiben oft das ganze Leben erhalten und können langfristig zu gravierenden Gesundheitsbeeinträchtigungen führen." Das Fazit des Ernährungswissenschaftlers lautet: "Weniger Fleischkonsum bedeutet mehr Gesundheit. Eine ausgewogene Ernährung mit naturverträglich erzeugten Lebensmitteln schützt die Gesundheit der Kinder, beugt späteren Erkrankungen vor und ist gut für die Umwelt."


Helga Kromb-Kolb: "Sieben auf einen Streich"

Laut der Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb bringt "eine kleine Ernährungsumstellung auf Mehr Gemüse und Obst - saisonal, regional und Bio gleich 7 Vorteile":


  1. Wir leben gesünder.
  2. Wir nehmen weniger Gifte und unerwünschte Hormone auf.
  3. Es schmeckt besser, weil saisonale und regionale Produkte an der Sonne reifen können und mehr natürliche Geschmacksstoffe enthalten.
  4. Wir reduzieren Tierleid, weil weniger Tiere zur Fleischerzeugung gehalten werden müssen und weil in der biologischen Landwirtschaft Tiere einen Mindestauslauf haben.
  5. Unsere Böden können gesunden.
  6. Wir unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte, denn gesündere Böden sind unempfindlicher gegen Dürre und Überschwemmungen im Zuge des Klimawandels.
  7. Wir tragen zum Klimaschutz bei, denn Kohlenstoff, der im Boden gespeichert wird, ist nicht als Kohlendioxid in der Atmosphäre klimawirksam.

Sigrid Stagl: Lebensmittelwahl und ökonomische Denkmuster

Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien ergänzte diese Fakten und Thesen durch die wirtschaftliche Dimension einer richtigen Lebensmittelwahl und eröffnete gleichzeitig Möglichkeiten, aus herkömmlichen ökonomischen Denkmustern auszubrechen.

Gutes Zeugnis von Greenpeace und Vier Pfoten

Dass Wien in der Gemeinschaftsverpflegung in Kindergärten und Schulen eine Vorreiterrolle einnimmt, belegten 2 unabhängige Überprüfungen, die von Greenpeace und Vier Pfoten bei der Tagung präsentiert wurden: Ein Bundesländer-Ranking der Umweltschutzorganisation Greenpeace kam zu dem Ergebnis, dass Wien bei der Beurteilung von Kindergarten- und Schulessen deutlich auf Platz 1 landete. Beurteilt wurden dabei die Kategorien "wie hoch der Anteil an biologischen Lebensmitteln ist, wie viel regionale Kost auf den Teller kommt und wie es um die Auswahl an fleischlosen Mahlzeiten steht".

Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten nennt in ihrem jüngsten Bericht zur öffentlichen Beschaffung von Tierprodukten explizit Wien als Positivbeispiel. Neben den Programmen ÖkoKauf Wien und dem nachhaltigen "natürlich gut Teller" wurde hier die "Bio-Offensive Mittagsverpflegung für Kinder" hervorgehoben: In Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen werden täglich 30.000 Mittagsmenüs mit einem Anteil von 50 Prozent biologisch erzeugter Lebensmittel verspeist. Außerdem bekommen 18.000 Schüler in den ganztägig geführten Schulen ein Mittagessen, das zu 40 Prozent aus Bio-Produkten besteht.

Beispiele, Vernetzung und "Marktplatz der Möglichkeiten"

Im Anschluss daran wurden Beispiele aus der Praxis präsentiert, in denen Karl Dwulit vom Wiener Landesverband der Elternvereine, Gudrun Obersteiner von der Universität für Bodenkultur und Martina Liska vom Jugendzentrum Donaustadt über Erfahrungen und Initiativen bei der Gemeinschaftsverpflegung berichteten.

Bei einem "Marktplatz der Möglichkeiten" wurden 12 Initiativen, Institutionen und Best Practice-Beispiele präsentiert und die Möglichkeit zu Kennenlernen, Vernetzung und neuen Anstößen geboten:

Hintergrundgespräch im Jugendtreff Donaustadt

zwei jugendliche Köche im Jugendtreff Donaustadt

Bereits am Vorabend der Fachtagung organisierte die Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" ein Hintergrundgespräch im Jugendtreff Donaustadt, bei der Inhalt sowie Akteurinnen und Akteure der Fachtagung präsentiert wurden.

Für das leibliche Wohl sorgten an diesem Abend die Jugendlichen mit saisonalen Speisen und Snacks sowie Smoothies aus Früchten, die vor dem Wegwerfen gerettet worden waren. Der Jugendtreff Donaustadt hat seit Jahren eine Kooperation mit einem Supermarkt, von dem sie einmal pro Woche Lebensmittel bekommen, die sonst entsorgt würden. Diese werden dann von Jugendlichen für Jugendliche zubereitet.


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