"Gutes Gewissen - Guter Geschmack" - Fachtagung 2017 - Essen in der Gemeinschaftsverpflegung

Professor Hutter präsentiert eine Folie zum Thema "Problemfeld Fleischkonsum"

Am 14. November 2017 lud die Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" zu einer Fachtagung im Donauspital ein.

Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen des Lebensmittelkonsums auf Umwelt, Tier und Mensch aufzuzeigen. Zudem sollen gemeinsam mit Produzentinnen und Produzenten, dem Handel sowie den Konsumentinnen und Konsumenten Lösungsvorschläge für mehr Tier- und Umweltschutz im Umgang mit Lebensmitteln entwickelt werden. Ganz besonders wichtig dabei ist ein fairer und respektvoller Umgang mit Tieren in der Lebensmittelproduktion.

Im Fokus der Tagung 2017 stand die Gemeinschaftsverpflegung. Denn allein die Stadt Wien stellt täglich 100.000 Mahlzeiten bereit. In der Tagung wurden folgende Fragen beantwortet:

  • Wie finden Umweltschutz, Tierwohl und Gesundheit in diesen Mahlzeiten zusammen?
  • Welche positiven Effekte für Gesundheit, Tierwohl und Umweltschutz können wir über die Gemeinschaftsverpflegung der Stadt Wien erreichen?
  • Wie können andere große Institutionen ebenfalls dazu angeregt werden, die Gemeinschaftsverpflegung als Instrument für die Verbesserung von Gesundheit, Tierwohl und Umweltschutz zu nutzen?
  • Wie kann auch in Großküchen das Bewusstsein für einen derart umfassend nachhaltigen Einkauf geschärft werden und welche Vorbilder gibt es dafür bereits?

Gemeinschaftsverpflegung: richtig - gut - günstig

Wissensaustausch, die Präsentation vorbildlicher Groß- und Gemeinschaftsküchen sowie die Vernetzung wichtiger Akteurinnen und Akteure standen im Mittelpunkt der Fachtagung. Zunächst wurde das Thema in Vorträgen von einer Expertin und zwei Experten aufgearbeitet:

  • Gesundheit (Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. OA Dr. Hans Peter Hutter, MedUni Wien)
  • Tierwohl (Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer, Tierarzt)
    Präsentation: 9,5 MB PDF
  • Volkswirtschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeit (Univ.Prof. Dr. Sigrid Stagl, WU Wien)
    Präsentation: 1,1 MB PDF

Professor Hans-Peter Hutter erläuterte die gesundheitlichen Aspekte des Fleischkonsums. Demnach könne laut einer Studie durch eine Fleischreduktion im Lebensmittelmix die Gefahr vorzeitiger Sterbefälle um vier bis elf Prozent reduziert werden. Auch die CO2-Belastung durch die Produktion unserer Lebensmittel kann durch Fleischreduktion um rund ein Viertel gesenkt werden.

Tierarzt Professor Rudolf Winkelmayer widmete sich den ethischen Aspekten des Fleischkonsums. "Niemand würde seinen Hund so behandeln, wie Schweine gehalten werden", gab Winkelmayer ein Beispiel. Auch er empfiehlt zumindest eine deutliche Fleischreduktion: "Wir sollten Reduktarier werden" und 'so Bio wie möglich' konsumieren".

Siegrid Stagl, Professorin für ökologische Wirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien betonte in ihrem Referat, dass es bei einem entsprechend politischen Willen mittelfristig keine ökonomischen Zwänge gebe: "Märkte sind sozial und kulturell geprägt, sie funktionieren nicht nach physikalischen Gesetzen. Marktregeln können daher sehr wohl im Sinne einer sozial-ökologischen Transformation geändert werden."

Vorbildliche Beispiele

Zudem haben Expertinnen und Experten praktische Beispiele aus der Gemeinschaftsverpflegung präsentiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Podiumsgespräch waren:

  • Anna Strobach ("Echt.im.Biss", Bachmann Gymnasium Klagenfurt)
  • Anna Maria Eisenberger, MBA (Ernährungsmedizinischer Dienst, LKH-Universitätsklinikum Graz)
  • Christina Schmidt (Koordinatorin für nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln im Wiener Krankenanstaltenverbund)
  • Martina Leising (Diätologin für das SMZ Floridsdorf und KH Nord des Wiener Krankenanstaltenverbundes)
  • Gerhard Schöberl (Abteilungsleiter Beschaffung - Bereich Gastronomisches Management, Kuratorium Wiener Pensionistinnen- und Pensionisten-Wohnhäuser)
  • Mag.a Adelheid Sagmeister (Koordinatorin zur Umsetzung des "Milan Urban Food Policy Pact", Magistratsabteilung 22)

In der Schulküche "echt.im.biss" im Bachmann-Gymnasium Klagenfurt wird alles frisch zubereitet, Verpackungsmaterialien reduziert, auf Palmöl verzichtet. Es wird gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern gekocht und Bauernhöfe, von denen die Produkte kommen, besucht.

Im Uniklinikum Graz wiederum wurde die Cook-And-Chill-Produktion umgestellt. Hier gelten im Küchenbetrieb nun die Grundsätze: Gesunde Ernährung, regional, saisonal und wenn möglich in Bioqualität.

Im Rahmen des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) wird beispielsweise im Krankenhaus Hietzing der Einsatz von Biolebensmitteln schon seit längerem forciert, wie Christina Schmidt, die Koordinatorin für nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln im KAV erläuterte. Überdies gibt es einen saisonalen Sommer- und Winterspeiseplan und es wird nur eine von drei Speisen mit Fleisch angeboten. Im Angebot ist im KH Hietzing auch der "natürlich gut Teller", eine langjährige Initiative der Wiener Umweltschutzabteilung: Ein umfassend nachhaltiges Menüangebot in Bioqualität, regionalen, saisonalen Lebensmitteln, Fleischreduktion und fair gehandelten Produkten.

Für Martina Leising, Diätologin am sozialmedizinischen Zentrum Floridsdorf, sollte in diesem Zusammenhang Wirtschaftlichkeit in der Spitalsverpflegung nicht oberste Priorität haben: "Wir sind doch ein Gesundheitsbetrieb und haben einen entsprechenden Auftrag."

Bei der Fachtagung ist auch das Beschaffungswesen im Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) präsentiert und mehrfach als Vorbild genannt worden. Gerhard Schöberl, Verantwortlicher für die Lebensmittelbeschaffung im Kuratorium, präsentierte deren Grundsätze: In allen 30 Häusern wird täglich frisch gekocht, mindestens dreimal pro Woche gibt es den umweltfreundlichen "natürlich gut Teller" auf dem Speiseplan. Etwa 70 Prozent der im KWP verarbeiteten Lebensmittel werden aus der Region bezogen, 30 Prozent sind Bio-Ware, die Süßwasserfische stammen zum Großteil aus österreichischer Zucht, die Meeresfische sind MSC-zertifiziert.

Ein Hebel für die Umstellung auf und die Förderung einer umfassend nachhaltigen Ernährung ist der "Milan Urban Food Policy Pact". Die für dessen Umsetzung verantwortliche Koordinatorin Adelheid Sagmeister präsentierte Überlegungen zu einer Wiener Ernährungsstrategie, die im Rahmen der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) erarbeitet wird.

Zum Abschluss der Fachtagung im Donauspital wurden in Arbeitsgruppen Ideen gesammelt, wie diese vorbildhaften Einrichtungen und Initiativen verstärkt, neue Standards gesetzt und Impulse für den Umweltschutz und das Tierwohl in Gemeinschaftsküchen ermöglicht werden können.

Schaukochen und Produktpräsentation

Am 13. November 2017 fand ein Schaukochen und Produktpräsentation im KWP-Haus Tamariske in Wien Donaustadt statt.

Zielgruppen

Zielgruppen der Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" sind Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen aus den Bereichen Lebensmittelproduktion, Handel, Tierwohl, Umweltschutz, Betreiberinnen und Betreiber von Gemeinschaftsverpflegungen in der Stadt Wien und außerhalb, wie Krankenhäuser (Stadt Wien, Privatspitäler), Pensionistinnen- und Pensionisten-Wohnhäuser, Schulen, Kindergärten, Kantinen, Universitäten, Große Unternehmen mit Betriebskantinen, Bundesheer, Caritas, Justizanstalten, Vinzenzgruppe, ARGE Schöpfungsverantwortung, usw.

Veranstaltungsdetails

Veranstalterinnen waren die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) und die Tierschutzombudsstelle Wien (TOW) in Kooperation mit dem Ökosozialen Forum Wien (ÖSF-Wien).

Wenn Sie die Zusendung von Informationen der MA 22 auch zu anderen Veranstaltungen und Themen wünschen, schicken Sie bitte eine kurze E-Mail an komm@ma22.wien.gv.at mit dem folgenden Satz: "Ich bin mit der Zusendung von Informationen der MA 22 einverstanden."

Weiterführende Informationen

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Wiener Umweltschutzabteilung (Magistratsabteilung 22)
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