"Gutes Gewissen - Guter Geschmack" - Fachtagung im November 2015 - Fairer Umgang mit Tieren in der Lebensmittelproduktion

Video: Fachtagung "Fairer Umgang mit Tieren in der Lebensmittelproduktion"

"Guter Geschmack beginnt beim fairen Umgang mit Tieren als Lebensmittel(lieferantInnen)!", lautete das Motto der ersten Fachtagung der Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" am 15. November 2015. Eingeladen waren Expert*innen, Produzent*innen, Vertreter*innen des Handels und NGOs für einen Austausch und die Vernetzung zum Thema achtsamer und fairer Umgang mit Tieren in der Lebensmittelproduktion. Die Veranstaltung wurde von der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22 und der Tierschutzombudsstelle Wien (TOW) initiiert und organisiert.

"Beim Fleischkonsum sollte ein zentraler Aspekt nicht unbeachtet bleiben: Wie geht es den Tieren in den Betrieben der Lebensmittelproduktion? Welche enormen Umweltauswirkungen sind mit der Intensivtierhaltung verbunden? Gerade am Beispiel der landwirtschaftlichen Tierhaltung sieht man, wie eng Umwelt- und Tierschutz verbunden sind.", erläuterten Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) und Eva Persy, Leiterin der Tierschutzombudsstelle Wien (TOW), die die Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" gemeinsam ins Leben gerufen hatten. Die Initiative will positive Entwicklungen unterstützen und die Auswirkungen des Lebensmittelkonsums auf Umwelt, Tier und Mensch aufzeigen.

Erklärtes Ziel dieser Auftaktveranstaltung war es, bewusstseinsbildend zu wirken, Vernetzungen zu fördern, Lösungsvorschläge zu erarbeiten, und neue Initiativen zu ermöglichen. Ob artgerechte Freilandhaltung, keine Massentierhaltung, keine Mast, keine Enthornung, keine Kastration, angst- und stressfreie Schlachtung: Es gibt bereits einige vorbildhafte Beispiele dafür, wie ein fairer, achtsamer und würdevoller Umgang mit Tieren in der Lebensmittelproduktion sehr wohl möglich ist. Einige dieser Vorreiter wurden im Rahmen der Tagung präsentiert.

Kein Tierleid und kein Fleisch wegwerfen

"Ob man Fleisch oder auch Fisch isst, ist eine Frage der höchstpersönlichen Wertehaltung und die Entscheidung jeder und jedes einzelnen", betonte Büchl-Krammerstätter. "Zwei Aspekte sollten jedoch für jeden absolut inakzeptabel sein: Fleisch oder Fisch wegzuwerfen - denn dann ist ein Tier für den Müll gestorben. Genauso unmöglich sollte es sein, in Kauf zu nehmen, dass Tieren Leid zugefügt wurde, solange sie lebten oder nicht tiergerecht und nicht fair mit ihnen umgegangen wurde." Büchl-Krammerstätter betont: "Intensivtierhaltung hat massive Umweltschäden zur Folge, zerstört kleinbäuerliche Strukturen und verursacht Tierleid." Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine derartige Haltung auch in Österreich erlaubt ist; dass die meisten Tiere ihr kurzes Leben lang auf engstem Raum unter extremem Stress verbringen müssen, nie eine Weide sehen, und es sogar in der Biohaltung zulässig ist, Rinder und Ziegen ihre Hörner zu entfernen und Ferkel ohne Schmerzausschaltung(!) zu kastrieren.

Eva Persy, Leiterin der Tierschutzombudsstelle Wien ergänzte: "Daher wollen wir mit den bei unserer Tagung vorgestellten Beispielen illustrieren, wie Lebensmittelproduktion auch ohne Tierleid ablaufen kann. Wir zeigen, dass ein achtsamer und fairer Umgang mit Tieren auch in der Landwirtschaft und in Lebensmittelbetrieben möglich ist – und auch schon gelebt wird."

Vortragende sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Fachtagung 2015

Ziele der Tagung

Die Fachtagung sollte zeigen, wie unter den aktuellen Rahmenbedingungen mit anderen Lebewesen respekt- und würdevoll umgegangen werden kann, und das ganz ohne Widerspruch zu einem genussvollen Lebensstil und im Einklang mit wirtschaftlichem Erfolg. Dabei wurde auf der Tagung verschiedenen Perspektiven gleichermaßen Raum gegeben:


  • der alltäglichen persönlichen Verantwortung und Möglichkeiten als Konsumentin und Konsument
  • der professionellen individuellen Verantwortung und Möglichkeiten als Player im Thema
  • der kollektiven Verantwortung und Gestaltungsspielräume in der Gesellschaft

Im Zentrum standen ganz konkrete Möglichkeiten, Beispiele und Erfolgsgeschichten und die Gelegenheit zur Vernetzung sowie zur Formulierung neuer Ideen und Initiativen. Es ging dabei auch um einen differenzierter Blick auf Handlungsoptionen, etwa beim Thema Fleischkonsum. Neben der Botschaft "kein Fleisch" soll auch die Fragestellung Platz haben: "Wenn schon Fleisch konsumiert wird - was sind die wichtigsten ethischen Grundsätze, die beachtet werden müssten?" Wie beispielsweise:

  • Welche Alternativen zu Fleisch gibt es?
  • Wie viel Fleisch muss es wirklich sein?
  • Wie viel Fleisch werfen wir weg und wie können wir dies verhindern?
  • Aus welcher Herkunft, welcher Haltung, welcher Schlachtung stammt es?
  • Wie wurden die Tiere transportiert?
  • Welche Stücke werden verzehrt, und welche nicht?

Impulsreferate hochrangiger Expert*innen

  • Dr. Kurt Remele ist Theologe, Ethiker, Fellow des Oxford Centre for Animal Ethics sprach über die Mensch-Tier-Beziehung - historisch und heute: 1,9 MB PDF
  • Helga Kromp-Kolb, Meteorologin, Klimaforscherin und Nachhaltigkeitsexpertin widmete sich dem Thema erhöhter Resilienz: Verantwortungsvoller Umgang mit Umwelt und Ressourcen macht unsere Systeme widerstandfähiger.
  • Melanie Joy, US-amerikanische Sozialpsychologin, Publizistin und Buchautorin sprach über mehr Lebensqualität durch bewusste ethische Entscheidungen und präsentierte dazu aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.
  • Urkraft-Bauer Franz-Josef Kögel berichtete unter anderem über wirtschaftliche Perspektiven durch die Umstellung eines Betriebes auf tiergerechte Haltung - auch in kleinen und mittleren Strukturen.
  • Dr. Tanja Kutzer berichtete über die von ihr geleiteten Tierprojekte bei der Schweizer KAGfreiland. Die KAGfreiland ist das strengste Bio-Label der Schweiz, setzt sich seit 1972 für die artgerechte Haltung von Nutztieren ein und kämpft gegen Missstände in der Tierhaltung: 2,6 MB PDF

"Marktplatz" der Vorreiter*innen

Nach den Impulsreferaten der Expert*innen wurden bei der Fachtagung vorbildliche Initiativen und Betriebe präsentiert, die zumindest einzelne Aspekte eines fairen Umgangs mit Tieren in der Lebensmittelproduktion bereits umgesetzt haben bzw. unterstützen:

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