Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea)

graubrauner Falter

Die Larven dieses Falters sind bedeutende Eichenschädlinge. Befallene Bäume können vollständig kahlgefressen werden.

Die Raupenhaare brechen sehr leicht ab und können vom Wind verfrachtet werden. Wenn diese eingeatmet oder berührt werden, kann es zu Reizungen der Atemwege oder zu allergischen Reaktionen in Form von Hautausschlägen kommen.

Wirtspflanzen

Diverse Eichen (Quercus Species)

Entwicklung

an einem Zweig abgelegte Eier in Linienformation

Eigelege

Falter

Der Falter erreicht eine Flügelspannweite von 25 bis 35 Millimetern. Die Vorderflügel sind meist gelbbraun bis graubraun gefärbt und tragen drei schwarzgraue Querlinien. Die Zeichnung ist oft verwaschen. Die Hinterflügel sind gelblich bis weißgrau, bei den Männchen findet sich ein dunkler Querstreifen.

Der von August bis September am Abend oder in der Nacht schwärmende Falter legt rund 200 Eier, die er plattenweise im oberen Kronenbereich dünner Zweige älterer Eichen ablegt. Die Eigelege sind circa 20 Millimeter mal fünf Millimeter groß und werden mit verkitteter, grauer Afterwolle überzogen. So überwintern sie gut geschützt.

Puppe

Die Puppe ist rotbraun, gedrungen und hat zwei kurze Häkchen am Hinterleib. Sie liegt in einem tonnenförmigen, graubraunen Kokon in der Bodenstreu und den Nestern.

Raupe

Die Raupe ist 20 bis 30 Millimeter groß, schwarzgrau-bläulich gefärbt und hat einen dunklen Kopf. An den Seiten der Raupe befinden sich weißliche, auf dem Rücken rötlichbraune, lang behaarte Warzen mit oft brüchigen Gifthaaren, welche bis zu zehn Millimeter lang sein können.

Raupennester an einem Baumstamm

Raupennester mit lebenden Raupen und Häuten

Von April bis Mai schlüpfen die Larven. Im fortgeschrittenen Stadium spinnen die Raupen große Nester an geschützten Stellen in der Baumkrone.

In der Nacht verlassen sie die Nester in mehreren, dichtgedrängten Reihen und prozessieren in die Krone, um dort das Laub zu fressen. Bei Futtermangel weichen die Raupen auch auf andere Bäume aus. Erst am Morgen kehren sie in ihre Nester zurück.

Die Nester enthalten abgebrochene Haare, Raupenhäute und Kotkrümel, welche durch Wind verfrachtet werden können. Diese Haare können auch nach mehreren Jahren noch zu Hautentzündungen, Augenreizungen und Atembeschwerden führen, wenn sie von Menschen oder Tieren eingeatmet oder berührt werden.

Schadbild

Die Falter richten keine Schäden an.

Die geschlüpften Raupen nagen an den austreibenden Knospen, jüngere Blätter werden ganz von der Raupe gefressen. Bei älteren Blättern bleibt oft die Mittelrippe zurück.

Ein einmaliger Lichtungsfraß oder Kahlfraß bleibt für den Baum meist ohne negative Auswirkungen. Bei Massenauftreten und mehrmaligem Kahlfraß können Folgeschäden für die betroffenen Bäume nicht ausgeschlossen werden.

Maßnahmen

Eine regelmäßige Überwachung in der gesamten Vegetationszeit ist für die erfolgreiche Bekämpfung unbedingt erforderlich. Dazu zählt auch eine Nachkontrolle der erfolgten Behandlung.

Zu Bekämpfung des Falters sind zurzeit keine wirkungsvollen Möglichkeiten bekannt.

Biologisch

Durch den gezielten Einsatz eines Bacillus-thuringiensis-Präparates auf Jungraupen im Frühjahr kann die Anzahl der Raupen dezimiert werden. Die Förderung der natürlichen Feinde wie zum Beispiel Singvögel, Puppenräuber, Raubwanzen oder parasitäre Wespenarten reduziert den Schädlingsdruck.

Mechanisch

Eine Beseitigung der Nester durch Abflämmen oder Absaugen kann von geschultem und entsprechend ausgerüstetem Personal durchgeführt werden.

Chemisch

Sinnvoll ist eine frühe Bekämpfung der Raupe. Larven in allen Entwicklungsstadien können mit zulässigen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden. In Wien sind die Bestimmungen gemäß Wiener Pflanzenschutzmittelgesetz zu beachten.

Gesetzliches in Wien

Besteht im Zusammenhang mit dem Auftreten des Eichenprozessionsspinners eine die Gesundheit des Menschen unmittelbar bedrohende Gefahr, ist von der Eigentümerin oder vom Eigentümer der Liegenschaft, von der die Gefahr ausgeht, die Eichenprozessionsspinner-Verordnung des Magistrats der Stadt Wien zu beachten: Eichenprozessionsspinner - Schutzmaßnahmen und Meldung

Beratung

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Referats Pflanzenschutz der Wiener Stadtgärten (MA 42) informieren und beraten zum Thema Schadorganismen und Schädlingsbekämpfung: Pflanzenschutz- und Gartenberatungen

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