Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processinea)

graubrauner Falter

Der Falter des Eichenprozessionsspinners

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, dessen Raupen ausschließlich an Eichen fressen. Bei starkem Befall können ganze Bäume kahl gefressen werden. Im fortgeschrittenen Stadium spinnen die Raupen große Nester an geschützten Stellen in den Baumkronen.

Wirtspflanzen

Diverse Eichen (Quercus sp.)


Entwicklungsstadien

Falter

Der Falter erreicht eine Spannweite von 25 bis 35 Millimetern. Die Vorderflügel sind meist gelbbraun bis graubraun gefärbt und tragen drei schwarzgraue Querlinien. Die Zeichnung ist oft verwaschen. Die Hinterflügel sind gelblich bis weißgrau, bei den Männchen findet sich ein dunkler Querstreifen.

Die Raupe

Raupennester an einem Baumstamm

Raupennester mit lebenden Raupen und Häuten

Die Raupe ist 35 bis 40 Millimeter groß, schwarzgrau-bläulich gefärbt und hat einen dunklen Kopf. An den Seiten der Raupe sind weißliche, auf dem Rücken rötlichbraune, lang behaarte Warzen mit oft brüchigen Gifthaaren, welche bis zu zehn Millimeter lang sein können. Diese Härchen können bei Hautkontakt lokal allergische Reaktionen auslösen. Die Symptome sind ähnlich wie beim Kontakt mit Brennnesseln. Die Raupenhaare beinhalten den Eiweißstoff Thaumetoporin, auf den der menschliche Körper nach einigen Stunden mit Juckreiz, Rötungen oder Knötchenbildung reagiert.

Die Puppe

Die Puppen sind rotbraun, gedrungen und haben zwei kurze Häkchen am Hinterleib. Sie liegen in tonnenförmigen, graubraunen Kokons.

Schadbild

Der Falter richtet keine Schäden an. Die Raupen nagen an den austreibenden Knospen. In Folge werden dann jüngere Blätter ganz gefressen. Bei älteren Blättern bleibt oft die Mittelrippe zurück. Ein einmaliger Lichtungsfraß oder Kahlfraß bleibt für den Baum meist ohne Folgeschäden. Bei Massenauftreten und mehrmaligem Kahlfraß sind Schäden für die betroffenen Bäume nicht auszuschließen.

Die Biologie

an einem Zweig abgelegte Eier in Linienformation

Eigelege

Der Schmetterling schwärmt im August bis September am Abend oder in der Nacht. Er legt rund 200 Eier im oberen Kronenbereich an dünnen Zweigen älterer Eichen ab. Trockene Perioden sowie milde Winter begünstigen eine Massenvermehrung der Tiere. Die plattenweise abgelegten Eier werden sodann mit grauer Afterwolle überzogen und überwintern. Zwischen April und Mai schlüpfen die Larven. In der Nacht verlassen sie die großen Nester, in denen sie tagsüber ruhen, in Form mehrerer dichtgedrängter Reihen (daher der Name Prozessionsspinner). Sie wandern in die Kronenbereiche, um dort das Laub zu fressen, und kehren erst am Morgen zurück. Die Nester enthalten abgebrochene Haare, Raupenhäute und Kotkrümel, welche durch den Wind verfrachtet werden können.

Bekämpfungsmöglichkeiten

Biologisch

Die Wiener Stadtgärten behandeln jährlich rund 2.000 städtische Eichenbäume in den öffentlichen Parkanlagen, in Schul- und Kindergärten und in öffentlichen Bädern. Zum Einsatz kommt ein biologisches Bacillus thuringiensis Präparat. Dieses Pflanzenschutzmittel wird auch in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt.

Mechanisch

Beseitigung und Entsorgung der Nester

Chemisch

Zugelassene Pflanzenschutzmittel (Metamorphosehemmer) können eingesetzt werden. Der Pflanzenschutzmitteleinsatz hat in Wien durch berechtigte Anwenderinnen und Anwender gemäß den gültigen Bestimmungen des Pflanzenschutzmittelgesetzes zu erfolgen.

Absperrungen

Befallene Eichen in den Wiener Parkanlagen werden (wenn möglich) durch Bänder großräumig abgesperrt und mit entsprechenden Warntafeln (120 KB JPG) gekennzeichnet.

Empfehlungen

Was tun bei Kontakt?

Bei Kontakt mit den Gifthaaren der Raupen des Eichenprozessionsspinners sollte so schnell wie möglich die Kleidung gewechselt und geduscht werden. Wichtig ist, juckende oder brennende Hautstellen nicht zu kratzen, da dadurch die Härchen und deren Inhaltsstoffe noch intensiver in die Haut eingebracht werden. Für weitere Maßnahmen ist unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.

Weitere Empfehlungen

  • Parkbesucherinnen und -besucher sollten befallene Eichen unbedingt meiden
  • Herabgefallene Raupen oder Raupenhüllen auf keinen Fall berühren
  • Warntafeln und Absperrungen beachten
  • Picknickplatz mit Bedacht wählen
  • Eichenwälder meiden
  • Besonders die Parkanlagen nahe des Wienerwaldes (Napoleonwald, Lainzer Tiergarten) sind bevorzugte Lebensräume des Eichenprozessionsspinners.
  • Nester des Eichenprozessionsspinners niemals selbst entfernen, sondern immer Fachpersonal beauftragen
  • Natur im Garten fördern! Die wichtigsten natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners sind räuberische Käfer und Wanzen sowie diverse Schlupfwespen und der Kuckuck. Sie fühlen sich in naturnahen Gärten am wohlsten.

Weiterführende Informationen

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Wiener Stadtgärten (Magistratsabteilung 42)
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