Habichtskauz-Wiederansiedelung im Wienerwald

In Österreich galt der Habichtskauz nach dem Aussterben mehr als ein halbes Jahrhundert verschollen. Dank eines Wiederansiedlungsprojekts beginnt die seltene Waldeule nun langsam wieder Fuß zu fassen.

Jungkauz

Bereits seit 2007 unterstützen die Blumengärten Hirschstetten der Wiener Stadtgärten das Habichtskauzprojekt "Wiederansiedelung in Österreich".

Bereits im Sommer 2012 werden Eulenküken erstmals auch im Wiener Anteil des Biosphärenparks Wienerwald freigelassen. Naturschutzgebiete wie der Lainzer Tiergarten bieten den Eulen - in den knorrigen Eichen aus der Kaiserzeit - zahlreiche Baumhöhlen für die Jungenaufzucht.

Erster Bruterfolg seit dem Aussterben

Unmittelbar nach den ersten Freilassungen in Niederösterreich wurden erste Habichtskäuze im Wiener Anteil des Biosphärenparks gesichtet:

Im Sommer 2011 entdeckte der Wildbiologe Richard Zink eine wissenschaftliche Sensation. Inmitten des Biosphärenparks Wienerwald fand er in der Krone einer mächtigen Rotbuche ein kleines Habichtskauz-Küken.

Seine Eltern hatten im Herbst 2010 zusammen gefunden, den kalten Winter gemeinsam überstanden und im Frühling einen Nistplatz ausgewählt. Das Weibchen wurde im Jahr 2009 geboren und im Alter von vier Monaten freigelassen. Das Männchen ist ein Jahr jünger. Es kam aus der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee in den Wienerwald. Wie bei Habichtskäuzen üblich, werden sich die Elternvögel lebenslang treu bleiben.

Dass sich die Käuze in den Wiener Wäldern wohl fühlen ist ein Zeichen dafür, dass Artenschutz auch in Wien möglich ist.

Vernetzung mitteleuropäischer Habichtskauz-Bestände

Seit 2009 bemüht sich eine Gruppe ambitionierter Wissenschaftlerinnen und Wissehschaftler unter der Leitung des FIWI der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die Wiederansiedlung dieser seltenen Waldeule in Österreich durch Zucht und Freilassung junger Habichtskäuze zu unterstützen.

Schonender Umgang mit dem Wald sichert die Entwicklung geeigneter Lebensräume vor allem in den Schutzgebieten Biosphärenpark Wienerwald und Wildnisgebiet Dürrenstein, wo Jungkäuze seit dem Jahr 2009 wiederangesiedelt werden.

Dass die Brut in Österreich bereits im dritten Jahr erfolgreich war, ist in der Tat etwas Besonderes. Im Bayerischen Wald wurde der Habichtskauz bereits in den 1970er-Jahren wieder angesiedelt. Dort ließen erste Bruterfolge zehn Jahre auf sich warten. Die beiden Freilassungsstandorte Wildnisgebiet Dürrenstein und Biosphärenpark Wienerwald wurden bewusst als Brückenschlag zwischen den verbliebenen Populationen in Slowenien, der Slowakei und dem wiederangesiedelten Vorkommen im Bayerischen Wald gewählt. Ziel ist die nachhaltige Vernetzung mitteleuropäischer Habichtskauz-Bestände.

Geschützte Brutplätze

Unterstützt durch den Niederösterreichischen Landesjagdverband ist es gelungen, die sensiblen Brutplätze vor Störung zu bewahren. Effektive Schutzmaßnahmen und das Bewusstsein, dass es sich beim Habichtskauz sogar auf europäischer Ebene um ein besonderes (Arten)Schutzgut handelt, sind die besten Voraussetzungen zur Akzeptanzsicherung.

Auch die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) unterstützen das Projekt. Als größter Grundbesitzer in den beiden Freilassungsgebieten kommt dem naturnahen Management ihrer Wälder besondere Bedeutung zu. Beste Auszeichnung dafür ist die Ansiedlung und erfolgreiche Brut mehrerer Habichtskauz-Paare auf den Flächen der ÖBf. Weitere Partner sind die wissenschaftlich geführten Zoos (OZO), die Eulen- und Greifvogel-Station (EGS) sowie die Abteilung Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49).

Insgesamt schritten die Eulen 2012 in elf Revieren zur Brut. Durch Freilassung weiterer Tiere soll der Bestand ausgeweitet und genetisch aufgewertet werden.

Verantwortlich für diese Seite:
Wiener Stadtgärten (Magistratsabteilung 42)
Kontaktformular