Taubenfüttern ist falsch verstandener Tierschutz

Nicht artgerechtes Futter schadet den Tieren und führt zu Verunreinigungen in der Stadt. Das Füttern mit Essensresten lockt zudem nicht nur Tauben, sondern auch Ratten an.

Info-Schild "Wer Tauben füttert, füttert Ratten" mit Tauben

Mit einer Info-Kampagne an Tauben-Hotspots informiert die Stadt Wien über die Konsequenzen des Ausbringens von Speiseresten, altem Brot und Ähnlichem im öffentlichen Raum. Konkret wird auf Schildern mit dem leicht verständlichen Spruch "Wer Tauben füttert, füttert Ratten" und dem Bild einer Tauben-Ratten-Mutation auf die Problematik aufmerksam gemacht.

Die Verunreinigungen durch das Ausstreuen von Essensresten und sonstigem nicht artgerechtem Futter wird von den WasteWatchern geahndet. Speisereste gehören in den Bio- oder Restmüll, keinesfalls auf die Straße, auf Gehsteige oder in Grün- oder Parkanlagen.

Personen mit dem Info-Schild "Wer Tauben füttert, füttert Ratten"

Umwelt- und Tierschutzstadträtin Ulli Sima (Mitte links) präsentiert die neue Info-Kampagne "Wer Tauben füttert, füttert Ratten".

Umwelt- und Tierschutzstadträtin Ulli Sima: "Taubenfüttern ist falsch verstandener Tierschutz. Speisereste und menschliche Nahrung schaden den Tieren, sie werden dadurch krank und leiden." Zudem wird die Stadt verunreinigt, was laut Umfragen auch 86 Prozent der Wienerinnen und Wiener so empfinden.

Falsche Fütterung ist für die Tiere schädlich

Menschliche Nahrung wie Brot und Semmeln ist für Tauben ungeeignet. Sie führt bei diesen zu Durchfällen. Besonders schädlich ist das Füttern von Speiseresten. Tauben können sich in der Großstadt gut behaupten, weil sie hier ohnehin jede Menge Futter finden. Zusätzliches Füttern ist nicht nötig. Viele kranke und verletzte Tiere sind das Ergebnis nicht artgerechter und übermäßiger Fütterungen. Neben dem gesundheitlichen Aspekt kommt auch noch die Tatsache dazu, dass sich Tauben bei übermäßigem und falschem Füttern auch übermäßig vermehren.

Grundsätzlich kann ein Taubenpaar im Jahr bis zu zwölf Junge großziehen, die ihrerseits nach einem halben Jahr geschlechtsreif werden. Diese Zunahme an Tauben in der Großstadt führt zu einem starken Konkurrenzkampf der Tauben an den immer weniger werdenden Nistplätzen. An diesen entstehen "slumartige" Bedingungen mit hohem Parasiten- und Infektionsdruck. Unterlässt man das Füttern, reduziert sich die Anzahl der gesunden Tauben auf ein natürliches und tierschutzverträgliches Maß.

Umfragen belegen Problematik des Taubenfütterns

Wien ist eine tierfreundliche Stadt, aber Verunreinigungen durch Taubenkot stören die Wienerinnen und Wiener. Wie Umfragen zeigen, meinen 87 Prozent der Befragten, dass Taubenkot Mauern und Denkmäler zerstört. Für 86 Prozent macht Taubenkot "alles dreckig" und für 76 Prozent ist Taubenkot hygienisch bedenklich. 66 Prozent befürworten Strafen für Taubenfütterer.

WasteWatcher kontrollierendie bekannten Flächen, die immer wieder durch das Ausbringen von Speiseresten verunreinigt werden, und sprechen nötigenfalls auch Strafen aus. Artgerechtes Füttern von Vögeln im Winter, im Vogelhaus, mit Meisenringen und Ähnlichem ist natürlich erlaubt.

In der Stadt Wien ist die Tierschutzombudstelle unter der Telefonnummer 01 318 00 76 750 79 Anlaufstelle für alle Fragen rund ums richtige Vögelfüttern.

Internationale Vernetzung und Pilotprojekte

In Wien leben rund 130.000 bis 150.000 Stadttauben. Wien arbeitet in Sachen Tauben intensiv mit anderen Städten zusammen, da europaweit alle Kommunen mit diesem Thema befasst sind. Es gibt regelmäßigen Austausch über Möglichkeiten des tiergerechten Umgangs. 2013 gab es auch eine internationale Tagung zu diesem Thema in Wien.

Ausprobiert wird in mehreren Städten - so auch in Wien - die Maßnahme des sogenannten Taubenkobels nach dem Augsburger Taubenmodell. In diesem finden bis zu 400 Tauben Platz. Die Tiere werden regelmäßig gefüttert und mit frischem Wasser versorgt, sie bekommen Nistmöglichkeiten und verbringen aufgrund dieser Annehmlichkeiten bis zu 80 Prozent ihrer Zeit in diesem Kobel. Die von ihnen gelegten Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht. Somit soll die Population kontrolliert werden.

Wiens erster Taubenkobel befindet sich im Amtshaus Meidling. Er wird von der Tierschutzombudsstelle betreut. Die Tauben sind durch die Versorgung mit artgerechtem Futter besser ernährt und gesünder. Ihre Vermehrung wird reguliert. Entscheidend dabei ist, dass im Umkreis des Kobels nicht zusätzlich gefüttert wird, damit die Tiere den Kobel auch tatsächlich nutzen.

Taubenschlag: Pilotprojekt im im Amtshaus Meidling

Wo samma daham?

Die Stadt Wien geht seit vielen Jahren rigoros gegen Sauberkeitsverfehlungen vor - von Hundekot, über Einkaufswagerl bis zu illegal abgelagertem Sperrmüll.

Der im Zuge der Sauberkeitskampagne 2013 aufgenommene witzige Rap "Wo samma daham?" wurde im Rahmen der aktuellen Kampagne nun um die Taubenproblematik erweitert. Am YouTube-Channel "saubere 48er" ist der Song mit allen Sauberkeitsverfehlungen abrufbar.

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