Kläranlage wurde zum Öko-Kraftwerk

Die Wiener Hauptkläranlage in Simmering produziert mehr Öko-Energie, als sie zur Abwasserreinigung benötigt. Denn nach mehr als 5-jähriger Bauzeit wurde am 4. Juni 2020 das Projekt E_OS erfolgreich abgeschlossen. Durch die effiziente Nutzung der im Klärschlamm enthaltenen Energie kann in der Kläranlage die gesamte Energie aus dem erneuerbaren Energieträger Klärgas erzeugt werden.

Kläranlagen gehören in der Regel zu den größten kommunalen Energieverbrauchern. Die Wiener Kläranlage benötigte vorher zur Reinigung der gesamten in der Stadt anfallenden Abwässer mehr als 1 Prozent des vom größten Wiener Energieversorgers produzierten Stroms. Der CO2-Ausstoß sinkt dadurch um rund 40.000 Tonnen pro Jahr.

Die Umsetzung des Projektes erfolgte bei laufendem Betrieb der Hauptkläranlage. Zeit- als auch Kostenplan konnten eingehalten werden.

Bürgermeister Michael Ludwig: "Wir haben es in der Hand, die Zukunft der nächsten Generationen zu sichern. Dafür müssen wir Wien Klima-fit machen, damit es auch künftig die lebenswerteste Stadt der Welt bleibt."

Umweltstadträtin Ulli Sima: "Die Wiener Kläranlage leistet seit Jahrzehnten einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und damit zur hohen Lebensqualität in Wien. Mit dem innovativen Projekt E_OS stellen wir sicher, dass das auch in den kommenden Jahrzehnten so bleibt."

So funktioniert die neue Schlammbehandlungsanlage

Im Klärschlamm sind die bei der Abwasserreinigung entfernten Schmutzstoffe gebunden. Pro Jahr fallen in Wien rund 2 Millionen Kubikmeter an. Das sichtbarste Zeichen der neuen Schlammbehandlungsanlage sind die sechs jeweils 30 Meter hohen Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von 75.000 Kubikmetern. Dorthin gelangt der "voreingedickte" und auf 38 Grad Celsius erwärmte Schlamm. Unter Luftabschluss bauen Bakterien die organischen Inhaltsstoffe des Klärschlamms ab. Während des 25 Tage dauernden Faulungsprozesses – der "anaeroben Stabilisierung" – entsteht Klärgas, das zu 2 Drittel aus dem energiereichen Methan besteht.

Die 20 Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr werden anschließend in Blockheizkraftwerken verbrannt. Dabei entsteht mechanische Energie, die mittels Generatoren in elektrischen Strom umgewandelt wird, sowie Wärme, die für Heizung und Warmwasserbereitung verwendet werden kann. Dadurch bringen es die Blockheizkraftwerke auf einen hohen Gesamtwirkungsgrad von mehr als 80 Prozent.

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