Leistungsbericht 2021 der Abteilung Umweltschutz (MA 22)

Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) ist mit zentralen Themen eines vorsorgenden, integrativen und partnerschaftlichen Umweltschutzes in Wien betraut. Lösungsfindungen erfolgen dabei weitestmöglich in Dialogprozessen. Zu den Hauptaufgaben gehören zum Beispiel strategisches Luftgütemanagement, Natur- und Landschaftsschutz, nachhaltige Entwicklung, Lärmschutz, Abfall- und Ressourcenmanagement, der Betrieb des Wiener Luftmessnetzes sowie umfassende behördliche, legistische und Sachverständigen-Tätigkeiten. Mit der Erstellung und kontinuierlichen Erweiterung des "Wien Umweltgut - Themenstadtplans" baut die MA 22 das Angebot von Online-Informationen zum Wiener Umweltschutz kontinuierlich aus.

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Projekt- und Schwerpunktüberblick

Der Wiener Lebensmittelaktionsplan "Wien isst G.U.T."

Der 2020 vom Wiener Landtag beschlossene Lebensmittelaktionsplan "Wien isst G.U.T." (Gesund und genussvoll - Umwelt und klimafreundlich - Tierfair) wird von der Stadt Wien – Umweltschutz laufend ergänzt und erweitert und dessen Umsetzung koordiniert. Er ist ein gemeinsames Dach und eine Informationsdrehscheibe für die vielen Aktivitäten für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln in Wien.

Der Lebensmittelaktionsplan (LAP) bietet einen Überblick über Initiativen, Projekte und Programme der Stadt Wien. Auch beispielhafte private Initiativen, die einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln verfolgen, aktuelle Veranstaltungen und wissenschaftliche Erkenntnisse finden sich im LAP wieder.

Die Stadt Wien – Umweltschutz erhielt im Mai 2021 den Zuschlag für das EU-Projekt "SchoolFood4Change". Das Projekt steht für die Versorgung mit gesunden Speisen, die nachhaltig und fair produziert werden und verfolgt zusätzlich einen ganzheitlichen Ansatz für eine natürliche und gesunde Essenskultur in Schulen und Kindergärten. Dabei sind auch Maßnahmen für die Qualifizierung von Köch*innen und Exkursionen zu Produzent*innen geplant, die die Kinder mit dem Ursprung unserer Lebensmittel stärker in Verbindung bringen. Dazu gibt es auch Unterstützung bei der Integration dieser Themen im Unterricht. Die Umsetzung des Programmes startet 2022.

Für die Wissensvermittlung zu nachhaltigem und tierfreundlichem Umgang mit Lebensmitteln wurde von Stadt Wien – Umweltschutz 2021 ein Food-Trailer entwickelt und in Auftrag gegeben. Dieser mit einer mobilen Küche und Info-Elementen ausgestattete Anhänger wird bei Veranstaltungen, Workshops – beispielsweise bei der Wiener Tafel oder im Rahmen von SchoolFood4Change - ab Mitte 2022 im Einsatz sein.

Stadt Wien – Umweltschutz unterstützt die Initiative "WeltTellerFeld" im 22. Bezirk: Bei diesem interaktiven Lernort werden auf einem knapp 3.500m² großen Feld die Fläche und die landwirtschaftlichen Kulturen gezeigt, die benötigt werden, um den jährlichen, durchschnittlichen Lebensmittelkonsum der Österreicher*innen zu decken. Mit dem Welttellerfeld sind für 2022 Kooperationen im Rahmen von SchoolFood4Change und mit dem Food-Trailer geplant.

Die Auszeichnung von Gastronomiebetrieben mit einem umfassend nachhaltigen und tierfreundlichen Angebot durch "Natürlich gut essen" (NGE) im Rahmen von OekoBusiness Wien wurde 2021 fortgesetzt. In diesem Jahr wurde das bestehende Portfolio erweitert und so gibt es nun neben den Kriterien für Restaurants, Kantinen und Imbissstände auch das, in einem Pilotprojekt mit zehn Lebensmittelmanufakturen entwickelte, NGE-Gütesiegel für diese produzierende Zielgruppe. Inzwischen haben in Wien bereits mehr als 50 Gastronomiebetriebe die "Natürlich gut essen"-Plakette in Gold, Silber oder Bronze.

Im Juni 2021 wurde auf Anregung der MA 22 die "Genuss Box" auch in Wien für Gastronomiebetriebe eingeführt. Mit ihr können Gäste Speisereste einfach und praktisch mit nach Hause nehmen – und so vor dem Wegwerfen retten. Den ersten teilnehmenden Betrieben wurden kostenlose Probepakete zur Verfügung gestellt – in weiterer Folge können Genussboxen über genussbox.at bestellt werden.

Initiative für mehr Umweltschutz und Tierwohl in der Lebensmittelproduktion

Der achtsame Umgang mit Lebensmitteln hat unmittelbare Auswirkungen auf Umwelt- und Klimaschutz sowie das Wohl von Mensch und Tier. Achtsam bedeutet: (saisonal) - regional - bio - kein Tierleid - Minimierung von Lebensmittelabfällen. Wichtige Erkenntnisse sowie einen umfassenden Maßnahmenkatalog dazu brachte der 2020 präsentierte "Runde Tisch für mehr Umweltschutz und Tierwohl in der Lebensmittelproduktion", dessen Umsetzung auch 2021 fortgesetzt wurde. So wurden beispielsweise Tierwohlkriterien in alle Lebensmittel-Initiativen der Stadt Wien aufgenommen: Wie etwa bei Kriterienkatalogen von ÖkoKauf Wien, bei der Auszeichnung von Gastronomiebetrieben durch "natürlich gut essen" oder auch bei ÖkoEvent- und ÖkoEvent Plus-Veranstaltungen.

Abfall- und Ressourcenmanagement

Am 10. 11. 2021 bot der Tag der Umwelt- und Abfallbeauftragten, der gemeinsam mit der TÜV AUSTRIA Akademie veranstaltet wurde, interessante Impulse und Informationen zu Gesundheit um Umwelt, wie Bodenverbrauch den Klimawandel verschärft, über juristische News im Umwelt- und Abfallrecht und vieles mehr.

Förderprogramm "Wien repariert's – der Wiener Reparaturbon"

Mit Einführung des Wiener Reparaturbons werden Personen unterstützt, aktiv einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Denn Reparieren statt Wegwerfen bedeutet Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und letztlich auch eine Einsparung von Treibhausgasen - und das bremst den Klimawandel. Der Reparaturbon kann für Reparaturdienstleistungen in Betrieben des Reparaturnetzwerkes eingelöst werden, die Partner des Förderprogramms sind. Gefördert werden 50 Prozent der Bruttorechnungssumme bis zu einem maximalen Förderbetrag von 100 Euro.

Die im Jahr 2020 gestartete Aktion wurde auch 2021 erfolgreich fortgesetzt.

Naturschutz, Geodaten und Mobilität

Wiener Wald- und Wiesen-Charta

Die Charta soll sicherstellen, dass Wiens große Grünräume, Wälder, Wiesen und Gewässer, nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ weiterentwickelt werden. Der Naturraum in und um Wien ist essentiell für die Sicherung der hohen Lebensqualität in der Stadt. Der Schutz des Wiener Grüngürtels hat bereits eine lange Tradition: Die 1. Teile des Wiener Grüngürtels wurden bereits im Jahr 1905 unter Schutz gestellt. Diese Schutzgebiete werden seither stetig erweitert. Die im Juni 2020 vom Wiener Landtag beschlossene "Wiener Wald- und Wiesen-Charta" wurde 2021 weiterentwickelt und zur Umsetzung in 5 operative Ziele mit gebündelten Maßnahmen gegliedert:

  • Kommunikation
  • Rahmenbedingungen (zum Beispiel Finanzierung)
  • Aktionsplan Artenvielfalt
  • Aktionsplan Wald
  • Aktionsplan Gewässer
  • Stadtlandwirtschaft

CITY NATURE - für den Erhalt der Biodiversität

Das Projekt CITY NATURE wurde 2021 erfolgreich abgeschlossen. CITY NATURE wurde im Rahmen des Interreg V-A SK-AT-Kooperationsprogramms durchgeführt, das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert wird.

Die Stadt Bratislava fungierte als Leadpartnerin (projekteinreichende Stelle), die Stadt Wien - Umweltschutz war Projektpartnerin auf österreichischer Seite. Zudem trugen auf slowakischer Seite DAPHNE - Institut aplikovanej ekologie als 2. Projektpartnerin und weitere 8 strategische Projektpartner*innen aus Österreich und der Slowakei zur Ergebnisoptimierung bei.

Zu den Arbeitspaketen zählten:

  • Wiesenpflege mit Exkursionen und Beteiligung von Freiwilligen in den Jahren 2019, 2020 und 2021
  • Monitoring von Fledermausbeständen und Wiesenarten unter Einbindung der Öffentlichkeit (Citizen Science)
  • Ausstellung "Stadtentwicklung und Naturschutz" mit vielen interaktiven Bestandteilen
  • Fachexkursionen
  • Workshops mit Expert*innen
  • 1. Grenzüberschreitender Tag der Artenvielfalt
  • Service-Homepage zu den Themen "Blühfläche" und "Wohnstätte"
  • Errichtung eines Service-Centers in Bratislava

Umweltrecht

Im Jahr 2021 wurden über 250 Verfahren unter anderem nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 (UVP-G 2000), dem Abfallwirtschaftsgesetz 2002 (AWG 2002) oder dem Wiener Naturschutzgesetz durchgeführt.

Ferner ist am 1. Mai 2021 eine Novelle des Wiener Naturschutzgesetzes, des Wiener Nationalparkgesetzes, des Wiener Fischereigesetzes und des Wiener Jagdgesetzes in Kraft getreten. Mit dieser Novelle wurden die in der Aarhus-Konvention vorgesehenen Beteiligungsrechte für Umweltorganisationen bei naturschutzbehördlichen Verfahren umgesetzt. Zur Abwicklung der Teilnahmerechte wurde eine elektronische Plattform eingerichtet. Demnach haben Umweltorganisationen jetzt die Möglichkeit an naturschutzbehördlichen Verfahren, die Europaschutzgebiete betreffen, teilzunehmen. Sie haben das Recht, Akteneinsicht zu nehmen, Stellungnahmen abzugeben und gegen Bescheide Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht Wien zu erheben.

Räumliche Entwicklung

Baumhaftung - Mehr Rechtssicherheit für Baum-Verantwortliche

Massive "Sicherheitsschnitte" und Rodungen entlang öffentlich zugänglicher Waldbestände werden zu einem immer größeren Problem. Sie werden oft nur durchgeführt, um die Waldbesitzer*innen rechtlich abzusichern. Aus schmalen Waldwegen oder Forststraßen entstehen so durch massive Baumfällungen breite Schneisen und naturschutzfachlich wertvoller Baumbestand geht verloren. Eine der Hauptursachen dafür ist die unklare Rechtsprechungslage zur Haftung der Baum- und Wege-Erhalter*innen, wenn es um herabfallende Äste und umstürzende Bäume geht.

Die im November 2020 durchgeführten Online-Umfragen unter der österreichischen Richterschaft sowie unter den Teilnehmer*innen des Symposiums 2019 ergab, dass teilweise eine große Verunsicherung in Baumhaftungsfragen herrscht und Verbesserungen im ABGB sowie im Forstgesetz nötig sind. Ein weiteres Symposium im Herbst 2021 in Traunkirchen beschäftigte sich konkret mit Änderungsmöglichkeiten im ABGB. Ein entsprechender Entwurf wurde vom Bundesministerium für Justiz (BMJ) bereits ausgearbeitet und soll demnächst zur Begutachtung ausgesandt werden. Parallel dazu wurde unter Federführung der Stadt Wien - Umweltschutz der Leitfaden "Baumsicherheitsmanagement" für Baumverantwortliche erarbeitet. Dieser soll darlegen, für welche Flächentypen überhaupt Sicherungspflichten bestehen und welche Sicherungsmöglichkeiten es (neben dem Schneiden) gibt.

Förderangebot für Grünfassaden

Die Stadt Wien setzt eine Vielzahl von Maßnahmen gegen den Klimawandel aber auch gegen urbane Hitzeinseln. Dazu zählt auch die Förderung von begrünten Fassaden. Grünfassaden wirken als natürliche Klimaanlagen und werden gezielt gefördert. Im Zuge der vielfältigen Maßnahmen gegen urbane Hitzeinseln fördert die Stadt Wien Gebäudebegrünung; über 100 Förderanträge wurden bereits umgesetzt. Gefördert werden Fassadenbegrünungen mit bis zu maximal 5.200 Euro, Dachbegrünungen mit maximal 20.200 Euro und Innenhofbegrünungen mit bis zu 3.200 Euro. Das Fördervolumen für diese Begrünungen wurde bis 2023 auf gesamt 1 Million Euro aufgestockt.

Nachhaltige Entwicklung

OekoBusiness Wien

Im Rahmen von OekoBusiness Wien wurden 2021 insgesamt 128 Betriebe neu ausgezeichnet.

Im Jahr zuvor hatte OekoBusiness Wien die 6. Programmperiode seit 1998 abgeschlossen: 1.334 teilnehmende Wiener Betriebe konnten in diesem Zeitraum 166,9 Millionen an Betriebskosten einsparen und enorme Einsparungen bei Ressourcen, Kohlendioxid, Abfall, Transportkilometern und Wasser erzielen.

ÖkoKauf

Im Rahmen der ökologisch-nachhaltigen Beschaffung der Stadt Wien wurden 2021 durch die thematischen Arbeitsgruppen zahlreiche Kriterienkataloge neu erarbeitet, aktualisiert und auf der Website des Programmes veröffentlicht. Ein Schwerpunkt wurde zum Beispiel zum Thema Beschaffung von tierischen Lebensmitteln in enger Zusammenarbeit mit dem "Runden Tisch für mehr Umweltschutz und Tierwohl in der Lebensmittelproduktion" gesetzt, bei dem Kriterien für Fleisch, Milch und Geflügel abgestimmt wurden.

Luftreinhaltung

Wiener Luftqualität 2021 weiterhin auf sehr gutem Niveau

Wie bereits die Jahre zuvor, kann Wien auch für 2021 eine sehr gute Luftqualität aufweisen.

Die EU-Grenzen für Feinstaub wurden an allen 12 Wiener Messstationen bei weitem unterschritten. Das zeigt, dass die Wiener Anti-Feinstaubmaßnahmen wirken. Enthalten sind in diesen Maßnahmen unter anderem die weitere Forcierung des öffentlichen Verkehrs mit Netzoptimierung der Bus- und Straßenbahnflotte und dem U-Bahnausbau, die Parkraumbewirtschaftung, der Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge, die Forcierung der E-Mobilität bis hin zur fußgängerfreundlichen Stadtentwicklung. Auch die thermische Wohnhaussanierung, umweltfreundliche Baustellen, die Ausweitung der Fernwärmenutzung oder der effiziente Winterdienst sind ein aktiver Beitrag zur Luftgüte.

Lärm- und Schallschutz

Erstellung der Karte "Pandenoise" zum Lärmgeschehen während des 1. Lockdowns

Der 1. Lockdown während der Corona-Pandemie hatte auch Auswirkungen auf das Lärmgeschehen, vor allem, was den motorisierten Individualverkehr betrifft. Etwa 50 Prozent weniger Fahrten wurden hier verzeichnet, wohingegen der Lkw-Verkehr vergleichsweise geringer abnahm. Im Zuge des Projekts Pandenoise wurde die Lärmausbreitung während des 1. Lockdowns (März, April 2020) in Kartenform auf Basis der erfassten Verkehrszahlen und ein Vergleich mit der Zeit vor Corona dargestellt.

Erstellung der strategischen Lärmkarten und darauf basierend der AktionsMatrix

Entsprechend der EU-Umgebungslärmrichtlinie, die in den Gesetzen des Bundes und der Länder umgesetzt wird, sind strategische Lärmkarten zu erstellen. Auf Basis dieser Karten werden sogenannte Aktionspläne ausgearbeitet. Beides wird in der Folge vom Bundesministerium für Klimaschutz veröffentlicht.

Als weiterer Schritt wurde unter der Themenreihe "So klingt Wien" die AktionsMatrix als Hotspot-Analyse entwickelt. Die AktionsMatrix analysiert und verschneidet mehrere umwelttechnische Themenbereiche der Stadt Wien – Umweltschutz auf Zählbezirksebene und stellt sie übersichtlich und leicht verständlich in Kartenform dar. Durch die Verschneidung der Themen Ruhe, Grün, Kühle, Vulnerabilität und sozialer Status können die "HotSpots" der einzelnen Bezirke rasch gefunden werden und über detaillierte Ausbreitungsrechnungen konkrete Maßnahmen und Detailprojekte ausgearbeitet werden. Die Aktionsmatrix stellt in objektivierter Form jene Bereiche dar, in denen Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden könnten, um im Sinne der Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit jene Bürger*innen zu erreichen die auf ruhige, kühle und vor allem grüne Orte im öffentlichen Raum angewiesen sind.

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