Leistungsbericht 2020 der Abteilung Umweltschutz (MA 22)

Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) ist mit zentralen Themen eines vorsorgenden, integrativen und partnerschaftlichen Umweltschutzes in Wien betraut. Lösungsfindungen erfolgen dabei weitestmöglich in Dialogprozessen. Zu den Hauptaufgaben gehören zum Beispiel strategisches Luftgütemanagement, Natur- und Landschaftsschutz, nachhaltige Entwicklung, Lärmschutz, Abfall- und Ressourcenmanagement, der Betrieb des Wiener Luftmessnetzes sowie umfassende behördliche, legistische und Sachverständigen-Tätigkeiten. Mit der Erstellung und kontinuierlichen Erweiterung des "Wien Umweltgut - Themenstadtplans" baut die MA 22 das Angebot von Online-Informationen zum Wiener Umweltschutz kontinuierlich aus.

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Projekt- und Schwerpunktüberblick

Wiener runder Tisch für Umweltschutz und Tierwohl in der Lebensmittelproduktion

Der achtsame Umgang mit Lebensmitteln hat unmittelbare Auswirkungen auf Umwelt- und Klimaschutz sowie auf das Wohl von Mensch und Tier. Achtsam bedeutet: (saisonal) - regional - bio - kein Tierleid - Minimierung von Lebensmittelabfällen. Aufbauend auf die langjährige Initiative "Gutes Gewissen - Guter Geschmack" hat die Stadt Wien - Umweltschutz mit der TOW und dem Ökosozialen Forum Wien die relevanten Stakeholderinnen und Stakeholder 2019 zu einem Prozess nach der bewährten Methode "Wiener Modell am runden Tisch" eingeladen. Gemeinsam wurden konkrete Maßnahmen entwickelt, um das Wohl landwirtschaftlich genutzter Tiere und damit einhergehend auch den Umwelt- und Klimaschutz zu verbessern. Die Ergebnisse wurden 2020 mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket präsentiert. Einer der Erfolge dieser Arbeit war im Juni 2020 der Landtagsbeschluss für eine bundesweite verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft von Lebensmitteln und bei tierischen Produkten der Haltungsform.

Der Wiener Lebensmittelaktionsplan

Ende Jänner 2020 wurde der Lebensmittelaktionsplan "Wien isst G.U.T." (Gesund und genussvoll - Umwelt und klimafreundlich - Tierfair) im Wiener Landtag beschlossen, mit dem die städtischen Wiener Initiativen für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln gebündelt und erweitert werden sollen. Er ist ein gemeinsames Dach und eine Informationsdrehscheibe für die vielen Aktivitäten für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln in Wien. Hier findet sich dazu ein Überblick über Aktivitäten, die die Stadt Wien selbst oder beispielhafte Initiativen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung beim Umgang mit Lebensmitteln verfolgen, sowie aktuelle Veranstaltungen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Wiener Lebensmittelaktionsplan wird von der Stadt Wien - Umweltschutz erarbeitet, koordiniert und weiterentwickelt. Er soll auch über die Einrichtungen der Stadt hinaus nach außen wirken.

Abfall- und Ressourcenmanagement

Am 21.10.2020 bot der Tag der Umwelt- und Abfallbeauftragten, der gemeinsam mit der TÜV AUSTRIA Akademie veranstaltet wurde, spannende Impulse und Informationen zu Reparaturförderung der Stadt Wien, Abfallvermeidungsförderung, Social Return of Investment, Globale Ungleichgewichte im Zeitalter nachhaltiger Entwicklungsziele und vieles mehr.

Förderprogramm "Wien repariert’s - der Wiener Reparaturbon"

Mit Einführung des Wiener Reparaturbons werden Personen dabei unterstützt aktiv einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Denn Reparieren statt Wegwerfen bedeutet Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und letztlich auch eine Einsparung von Treibhausgasen. Und das bremst den Klimawandel. Daher hat der Wiener Gemeinderat für die nächsten 3 Jahre einen Fördertopf von insgesamt 1,6 Millionen Euro beschlossen. Der Reparaturbon kann für Reparaturdienstleistungen in Betrieben des Reparaturnetzwerkes eingelöst werden, die Partner des Förderprogramms sind. Gefördert werden 50 Prozent der Bruttorechnungssumme bis zu einem maximalen Förderbetrag von 100 Euro.

Naturschutz, Geodaten und Mobilität

Wiener Wald- und Wiesen-Charta

Der Naturraum in und um Wien ist essentiell für die Sicherung der hohen Lebensqualität in der Stadt. Der Schutz des Wiener Grüngürtels hat bereits eine lange Tradition: Die ersten Teile des Wiener Grüngürtels wurden bereits im Jahr 1905 unter Schutz gestellt. Diese Schutzgebiete wurden seither stetig erweitert. Die im Juni 2020 vom Wiener Landtag beschlossene "Wiener Wald- und Wiesen-Charta" schließt an diese visionären und bis heute erfolgreichen Ideen und Planungen unmittelbar an und erweitert sie für künftige Entwicklungen. Wälder, Wiesen und Gewässer werden durch die Stadt Wien auch für die Zukunft geschützt: Der Bestand wird qualitativ verbessert und durch weitere hochwertige Flächen erweitert.

Forschungsprojekt VERMADI

Vegetations-Erhebung mittels RGB- und Multispektral-Aufnahmen durch Drohnen-Inspektion: VERMADI beobachtet die Vegetation und ihre Veränderungen im Detail. Hier steht die Suche nach neuen, effizienten Methoden im Fokus, um das Wissen über Vegetationsentwicklungen sowie ihre kurz- und langfristigen Veränderungen zu erweitern. Die Erkundung erfolgt mit speziellen Kameras auf Spezial-Drohnen. Durch die wiederholte Befliegung während verschiedener Jahreszeiten und Vegetationsperioden wird nach Veränderungshinweisen gesucht. Dies betrifft Zeigerarten, Neophyten, Biotoptypen, Bodenbedingungen, Lebensräume und Grünraumentwicklungen.

Umweltrecht

Im Jahr 2020 wurden über 200 Verfahren unter anderem nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 (UVP-G 2000), dem Abfallwirtschaftsgesetz 2002 (AWG 2002) oder dem Wiener Naturschutzgesetz durchgeführt. Beispielsweise wurde für die geplante Kapazitätserweiterung des Baurestmassenkompartiments der Deponie Langes Feld um ein Verfüllvolumen von 3.660.000 Kubikmeter ein UVP-Verfahren durchgeführt. Einwendungen gegen das Projekt machten die Durchführung einer mündlichen Verhandlung erforderlich. Diese konnte nach Ausarbeitung eines umfangreichen COVID-19-Sicherheitskonzepts im Festsaal des Rathauses abgehalten und das Verfahren abgeschlossen werden.

Räumliche Entwicklung

Baumhaftung - Mehr Rechtssicherheit für Baum-Verantwortliche

Massive "Sicherheitsschnitte" und Rodungen entlang öffentlich zugänglicher Waldbestände werden zu einem immer größeren Problem. Sie werden oft nur durchgeführt, um die WaldbesitzerInnen rechtlich abzusichern. Aus schmalen Waldwegen oder Forststraßen entstehen so durch massive Baumfällungen breite Schneisen und naturschutzfachlich wertvoller Baumbestand geht verloren. Eine der Hauptursachen dafür ist die unklare Rechtsprechung zur Haftung der Baum- und Wege-ErhalterInnen, wenn es um herabfallende Äste und umstürzende Bäume geht.

Die im November 2020 durchgeführten Online-Umfragen unter der österreichischen Richterschaft sowie unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Symposiums 2019 ergab, dass teilweise eine große Verunsicherung in Baumhaftungsfragen herrscht und Verbesserungen im ABGB sowie im Forstgesetz nötig sind.

Förderangebot für Grünfassaden

Die Stadt Wien setzt eine Vielzahl von Maßnahmen gegen den Klimawandel aber auch gegen urbane Hitzeinseln. Dazu zählt auch die Förderung von begrünten Fassaden. Grünfassaden wirken als natürliche Klimaanlagen und werden gezielt gefördert. Im Zuge der vielfältigen Maßnahmen gegen urbane Hitzeinseln fördert die Stadt Wien Gebäudebegrünung; über 100 Förderanträge wurden bereits umgesetzt. Gefördert werden Fassadenbegrünungen mit bis zu maximal 5.200 Euro, Dachbegrünungen mit maximal 20.200 Euro und Innenhofbegrünungen mit bis zu 3.200 Euro. Das Fördervolumen für diese Begrünungen wurde bis 2023 auf gesamt 1 Million Euro aufgestockt.

Nachhaltige Entwicklung

ÖkoEvent und ÖkoEvent PLUS

Unter der Dachmarke ÖkoEvent unterstützt die Stadt Wien Veranstalterinnen und Veranstalter dabei, Events, Tagungen und Feiern umweltfreundlich durchzuführen. Umweltfreundliche Veranstaltungen in Wien können bei Erfüllung der erforderlichen Kriterien mit dem Prädikat ÖkoEvent oder ÖkoEvent PLUS ausgezeichnet und beworben werden.

OekoBusiness Wien

OekoBusiness Wien schloss 2020 seine 6. Programmperiode seit 1998 ab: 1.334 teilnehmende Wiener Betriebe, um 166,9 Millionen geringere Betriebskosten und enorme Einsparungen bei Ressourcen, Kohlendioxid, Abfall, Transportkilometern und Wasser.

ÖkoKauf

Im Rahmen der ökologisch-nachhaltigen Beschaffung der Stadt Wien wurden 2020 durch die thematischen Arbeitsgruppen zahlreiche Kriterienkataloge neu erarbeitet, aktualisiert und auf der Website des Programmes veröffentlicht. Ein Schwerpunkt wurde zum Beispiel zum Thema Beschaffung von tierischen Lebensmitteln in enger Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch Tierwohl gesetzt, bei dem Kriterien für Fleisch, Milch und Geflügel abgestimmt wurden.

Luftreinhaltung

Niedrigste Feinstaubbelastung seit Beginn der Messungen

für Feinstaub unterschritten. Durch Wiens Anti-Feinstaubmaßnahmen gibt es die niedrigste Feinstaubbelastung seit Beginn der Messungen. Enthalten sind darin die weitere Forcierung des öffentlichen Verkehrs mit Netzoptimierung der Bus- und Straßenbahnflotte und dem U-Bahn-Ausbau, die Parkraumbewirtschaftung, der Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge und die Forcierung der E-Mobilität. Bis 2020 errichtet die Stadt Wien 1.000 neue Ladestellen im öffentlichen Raum. Auch die thermische Wohnhaussanierung, umweltfreundliche Baustellen, die Ausweitung der Fernwärmenutzung oder der effiziente Winterdienst sind ein aktiver Beitrag zur Luftgüte.

Lärm- und Schallschutz

Pandenoise

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert, auch das Verkehrsgeschehen. Waren im 1. Lockdown in Österreich im Frühjahr 2020 nur mehr circa 50 Prozent des motorisierten Individualverkehrs (MIV) unterwegs, hat sich der Lkw-Anteil deutlich weniger verringert. Der 2. Lockdown im Herbst 2020 hat gezeigt, dass der Umstieg von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den privaten Pkw für den Weg zur Arbeit bevorzugt wird, somit war die Auswirkung der COVID-Maßnahmen im Straßenverkehr nur mehr bedingt ablesbar. Wie sich das reduzierte Verkehrsaufkommen aus dem ersten Lockdown auf das Lärmgeschehen in Wien auswirkt, hat im Zuge des Projekts Pandenoise die Darstellung der Lärmausbreitung auf Basis der erhobenen Verkehrszahlen im Zeitraum Mitte März bis Anfang April 2020 gezeigt.

Forschungsprojekt In der Wiesen

Gemeinsam mit Wiener Linien wurde im Zuge eines Forschungsprojekts untersucht, welche Auswirkungen Lärmschutzwände entlang von Schienentrassen auf die unmittelbar angrenzende Wohnbebauung haben. Die Untersuchungsergebnisse mündeten in einen Forschungsbericht inklusive Maßnahmenvorschläge für zukünftige Wohnbauten entlang von Schienenstrecken. Dieser Leitfaden wurde den Wohnbauträgern präsentiert und dient sowohl diesen als auch den Wiener Linien als Grundlage für zukünftige Projekte.

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