Definitionen zur Religionsstatistik

Altkatholische Kirche
Die altkatholische Kirche entstand aus der Abspaltung von Katholikinnen und Katholiken von der römisch-katholischen Kirche im deutschen Sprachraum, die die Dogmen über die Unfehlbarkeit und die oberste Kirchengewalt des Papstes nach dem ersten Vatikanischen Konzil 1869/70 nicht akzeptierten. 1871 wurde eine eigene Seelsorge errichtet und in der Folge eigene Bistümer. 1877 wurde sie staatlich anerkannt. Gegenwärtig gibt es in Österreich elf Kirchengemeinden, davon vier in Wien.
Buddhistische Kirche
Der Buddhismus in Österreich blickt auf eine circa 120-jährige Geschichte zurück. Offiziell wurde die Konfession 1983 als Glaubensgemeinschaft in Österreich anerkannt. Damit war Österreich das erste Land in Europa, das den Buddhismus offiziell als Religion anerkannte. Diese Form der Anerkennung, wie sie hier in Österreich besteht, ist nach wie vor in Europa einzigartig und gleichzeitig auch Ausdruck, wie eine friedliche und für alle Teile nutzenbringende Form des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen möglich ist. Die offizielle Dachorganisation aller in Österreich vertretenen buddhistischen Traditionen ist die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR). Laut Schätzung der ÖBR gibt es in Österreich circa 25.000 Buddhistinnen und Buddhisten, in Wien circa 11.800. Diese Schätzung beruht auf den Daten der Volkszählung 2001 und auf den in Österreich praktizierenden Personen.
Bulgarisch-orthodoxe Kirche
Die bulgarisch-orthodoxe Kirchengemeinde (BOKG) "Hl. Iwan Rilski" in Wien wurde 1967 gegründet, 1969 registriert und staatlich anerkannt. Die BOKG steht unter der Jurisdiktion des Bulgarischen Patriarchats und des Heiligen Synods mit Sitz in Sofia und gehört zur Diözese für West- und Mitteleuropa. Sie betreut mehr als 35.000 Gläubige.
Evangelische Kirche A.B. (Lutheraner)
Im 16. Jahrhundert erfolgte die Trennung der damaligen westlichen christlichen Kirche in eine römisch-katholische und eine evangelische Kirche: Die Evangelische Kirche A.B. geht auf Luther, die Evangelische Kirche H.B. (Helvetisches Bekenntnis) auf die Kirchenreformer Calvin und Zwingli zurück. Beide Kirchen sind selbstständig, leben aber in voller Kirchengemeinschaft, d.h., lutherische oder reformierte Pfarrer können auch in der jeweils anderen Kirche Pfarrer sein; wo es keine reformierte Gemeinde gibt, leben deren Glaubensangehörige in den A.B.-Gemeinden mit. Die - größere - evangelische Kirche A.B. ist in sieben Diözesen zusammengeschlossen, an deren Spitze der jeweilige Superintendent (Diözesanbischof) steht. In Wien leben circa 55.000 Gläubige in 22 Pfarrgemeinden.
Evangelische Kirche H.B. (Reformierte Kirche)
Die Bezeichnung evangelisch H.B. geht auf das Zweite Helvetische Bekenntnis von Heinrich Bullinger (Zürich 1566) zurück. Die Kirche H.B. ist bis heute theologisch und strukturell von den Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin geprägt. In Österreich gibt es neun Pfarrgemeinden mit ihren eigenen Kirchen: drei in Wien, vier in Vorarlberg und je eine in Linz und in Oberwart.
Griechisch-orientalische (orthodoxe) Kirche
Die griechisch-orthodoxe Kirche, in Österreich offiziell als griechisch-orientalisch bezeichnet, existiert in Wien seit dem 18. Jahrhundert. 1963 wurde von der Hl. Synode des Ökumenischen Patriarchats in Konstantinopel die griechisch-orientalische Metropolis von Austria errichtet, die Österreich und Ungarn umfasst. Gegenwärtig leben circa 18.000 griechisch-orthodoxe Gläubige in Österreich, circa 10.000 davon in Wien. Neben zwei Kirchengemeinden in Wien gibt es noch fünf griechisch-orthodoxe Pfarren in Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Bregenz.
Islamische Glaubensgemeinschaft
Innerhalb Europas stellt die Behandlung des Islam in Österreich insofern eine Besonderheit dar, als bereits 1912 ein eigenes Islamgesetz die rechtliche Stellung der in Österreich lebenden Musliminnen und Muslime regelt. Seit den 1960er-Jahren wuchs die Zahl der Musliminnen und Muslime in Österreich durch den Zuzug von Migrantinnen und Migranten vor allem aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. 1979 konstituierte sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich als Körperschaft öffentlichen Rechts.
Israelitische Kultusgemeinde
Die Jüdinnen und Juden Wiens mussten lange um die volle Gleichberechtigung kämpfen. Nach dem Toleranzpatent Josephs II. 1781 dauerte es noch 30 Jahre, bis die jüdische Synagoge in der Seitenstettengasse errichtet werden konnte. Erst als Folge der Revolution von 1848 gelang der Israelitischen Kultusgemeinde die vollständige rechtliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung. Infolge der Vertreibung und Ermordung der Jüdinnen und Juden sowie der Zerstörung der jüdischen Gemeinden durch die Nationalsozialisten nach der Annexion war das jüdische Leben in Wien nahezu ausgelöscht. So war es für die Israelitische Kultusgemeinde nicht einfach, das Gemeindeleben neu aufzubauen: Die Mehrzahl der von den Nazis vertriebenen Jüdinnen und Juden wollte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in ihre alte Heimat zurückkehren - die Wiener Jüdische Gemeinde blieb klein. Zählte sie vor 1938 noch mehr als 185.000 Mitglieder, so waren Ende der 1990er-Jahre wenig mehr als 7.000 bei der Kultusgemeinde als Mitglieder registriert. Viele von ihnen sind erst in den letzten Jahrzehnten nach Wien gekommen.
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, auch bekannt als Mormonen, versteht sich als die von Jesus Christus autorisierte christliche Kirche, die an die von ihm zu seiner Lebenszeit auf Erden gegründete Urkirche in Glauben, Lehre, Vollmacht und Aufbau anknüpft. Die Mitglieder der Kirche leben überall auf der Welt. In Europa gibt es über 1.500 Gemeinden. Die erste Gemeinde im heutigen Österreich wurde 1901 in Haag am Hausruck in Oberösterreich gegründet. 1909 folgte die erste Gemeinde in Wien.1920 wurde der erste Distrikt auf österreichischem Gebiet organisiert. Die erste Frauenorganisation der Kirche in Wien wurde 1921 gegründet. Am 27. September 1955 wurde die Kirche von der Republik Österreich staatlich anerkannt. Der erste Pfahl (ähnlich einer Diözese) wurde 1980 in Wien organisiert. Heute gibt es in Österreich 17 Kirchengemeinden. Kinder und Jugendliche erhalten offiziellen Religionsunterricht.
Koptisch-orthodoxe Kirche
Die koptisch-orthodoxe Kirche betrachtet sich als die erste Kirche in Afrika und führt ihre Entstehung auf das Wirken des Apostels Markus zurück. Die Anfänge der Kirche gehen in das erste Jahrhundert zurück. Die koptisch-orthodoxe Kirche umfasst weltweit mindestens 14 Millionen Gläubige in 41 Bistümern. Der Sitz des Patriarchates ist Alexandria (Kairo). Die koptisch-orthodoxe Kirche ist in Österreich seit April 2003 staatlich anerkannt. Derzeit betreuen zwölf koptisch-orthodoxe Priester in sieben koptischen Kirchen, darunter drei in Wien, die rund 5.000 Gläubigen.
Neuapostolische Kirche
Die Neuapostolische Kirche versteht sich als Fortsetzung der christlichen Urkirche. Sie ist weltweit vertreten und eine in Österreich staatlich anerkannte christliche Kirche. Die Bibel (im deutschsprachigen Raum die Lutherübersetzung 1984) bildet die Grundlage der Lehre, welche den Erlösungsplan Gottes verkündet und, gemäß dem Auftrage Jesu, gläubige Seelen auf die verheißene Wiederkunft Christi vorbereitet. Sie ist in nahezu allen Ländern der Erde vertreten. In Wien gibt es drei Pfarrgemeinden mit derzeit circa 620 Mitgliedern.
Orthodoxe Kirchen
Zu den in Österreich staatlich anerkannten orthodoxen Kirchen zählen die äthiopisch-orthodoxe, die bulgarisch-orthodoxe, die griechisch-orthodoxe, die koptisch-orthodoxe, die rumänisch-orthodoxe, die russisch-orthodoxe, die serbisch-orthodoxe sowie die syrisch-orthodoxe Kirche, welche in jeweils ihrer Landessprache in mehreren Wiener Pfarrgemeinden ihren Gottesdienst feiern und ein lebendiges religiöses Leben in Wien entfalten. Daneben gibt es in Wien auch eine armenisch-apostolische und eine indisch-malankara-syrisch-orthodoxe Gemeinde. Im Gegensatz zur Volkszählung 2001 gibt es für 2013 keine genaue Zahl orthodoxer Christinnen und Christen in Wien. Laut Schätzungen der Wiener orthodoxen Pfarren liegt die Zahl jedoch insgesamt bei rund 60.000 orthodoxer Christinnen und Christen.
Römisch-katholische Kirche
Bereits seit dem Jahr 174 kann die Existenz des Christentums in Österreich nachgewiesen werden. Die römisch-katholische Kirche ist die größte staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich. Sie umfasst neun Diözesen - davon zwei Erzdiözesen (Wien und Salzburg) - und ein Militärordinariat. Die Erzdiözese Wien (gegründet 1469) ist in drei Regionen (Vikariate) unterteilt, die im Wesentlichen das nördliche, östliche und südliche Niederösterreich sowie das Stadtgebiet Wiens (Vikariat Wien-Stadt mit 166 Pfarren) umfassen. Die oberste Verwaltung und die Gerichtsbarkeit der katholischen Kirche werden durch die römische Kurie gewährleistet, die unter der Oberhoheit des Papstes steht.
Rumänisch-orthodoxe Kirche
Die rumänisch-orthodoxe Kirche ist seit 1885 in Österreich eine selbstständige Kirche und gehört zur Metropolie von Deutschland und Zentraleuropa. Bereits seit 1906 benützen die Gläubigen eine Mietwohnung im 1. Bezirk als Kapelle. 2003 wurde in Simmering eine neu gebaute rumänisch-orthodoxe Kirche eingeweiht.
Russisch-orthodoxe Kirche
In Österreich geht die Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche auf das Jahr 1762 zurück, als der erste russisch-orthodoxe Priester nach Wien kam. Bald darauf bildete sich in Wien eine orthodoxe Kirchengemeinde. Ihr gehörten in der Folge auch zahlreiche Angehörige anderer slawischer Bevölkerungsgruppen Österreich-Ungarns an. Die russisch-orthodoxe Kirchengemeinde zum Heiligen Nikolaus untersteht dem Patriarchat von Moskau.
Serbisch-orthodoxe Kirche
1860 erlaubte Kaiser Franz Joseph I. die Konstituierung einer eigenen serbischen Kirchengemeinde in Wien und den Bau der Kirche zum Heiligen Sava im 3. Bezirk. Diese wurde 1893 im Beisein des Kaisers eingeweiht. Heute wirken in drei serbisch-orthodoxen Kirchen in Wien sechs Priester.
Syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien
Der Ursprung der syrisch-orthodoxen Christinnen und Christen liegt am Beginn des Christentums, und zwar in Antiochien, der Hauptstadt des damaligen Syrien. Heute befindet sich der Sitz des Patriarchen in Damaskus. Die syrische Kirche gehört wie die koptisch-orthodoxe und die armenisch-apostolische Kirche zur Gruppe der altorientalisch-orthodoxen Kirchen, die in Österreich staatlich anerkannt sind.
Verantwortlich für diese Seite:
Wirtschaft, Arbeit und Statistik (Magistratsabteilung 23)
Kontaktformular