Gesicherter Platz für die Wiener Wirtschaft - Das neue Fachkonzept "Produktive Stadt"

Video: Stadt sichert Betrieben mehr Produktionsfläche zu

Stadtwachstum und wirtschaftliche Veränderungen haben über die Jahre starke Auswirkungen auf die zur Verfügung stehenden Flächen für Wiener Wirtschaftsbetriebe. Da ein ausreichend Platz für Wiens Betriebe aber ein wichtiger Standortfaktor ist, soll der Verlust an Flächen für Gewerbe- und Industriebetriebe künftig eingedämmt werden. Ziel ist es, rund fünf Prozent der Gesamtfläche Wiens als Betriebsflächen zu sichern.

Dazu wurde von der Stadt Wien in enger Zusammenarbeit mit Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung Wien in den vergangenen Monaten das neue Fachkonzept "Produktive Stadt" erarbeitet, das den Stellenwert des produzierenden Bereichs unterstreicht und sie als wesentliche Säule einer nachhaltigen Stadtentwicklung nachhaltig absichert und stärkt.

Präsident der Industriellenvereinigung Wien Wolfgang Hesoun, Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck

Präsident der Industriellenvereinigung Wien Wolfgang Hesoun, Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck (v.l.n.r.)

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou: "Wien nutzt die neue Chance der Städte attraktiver Produktionsstandort zu sein und bekennt sich klar zur Industrie und der produzierenden Wirtschaft. Weil Betriebe und Industrie Raum brauchen, legen wir einen Betriebszonenplan für die Stadt Wien vor mit dem Bekenntnis, dass diese Zonen langfristig für Betriebe und Produktion gesichert werden und wir weiter Betriebsflächen schaffen."

Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner: "Der Wirtschaftsstandort Wien ist erfolgreich. Gemeinsam mit unseren SozialpartnerInnen arbeiten wir hart daran, dass das auch in Zukunft so bleibt. Die heute vorgestellten Maßnahmen des neuen Fachkonzepts 'Produktive Stadt' sind ein sehr wichtiger Meilenstein dafür: Denn die wachsende Stadt braucht auch ausreichend Flächen für bestehende oder sich neu in Wien ansiedelnde Unternehmen, die zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und in unseren Standort investieren. Und dazu benötigt es selbstverständlich auch ausreichend Flächen für Wirtschaft und Industrie, die wir als Stadt sichern und im Bedarfsfall aktivieren können. Unterstützen wird das künftig ein neu aufgestelltes Produktionsflächenmanagement sowie weitere Standorte, in denen wir, wie bereits erfolgreich in Liesing und Floridsdorf, künftig ein Quartiersmanagement anbieten können."

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien:

Es ist erfreulich, dass der langjährige Trend, wichtige Betriebsflächen zugunsten Wohnbaus umzuwidmen, endlich gestoppt wird. Denn der Wiener Arbeitsmarkt braucht dringend Produktionsbetriebe mit vielen Mitarbeitern und diese brauchen Flächen für Erweiterungen und Neuansiedlungen. Jetzt geht es darum, dass die stadtplanerischen Ziele und neuen Maßnahmen auch in der Praxis umgesetzt und strengstens eingehalten werden. Auch die Wirtschaftskammer Wien wird dabei ihren Beitrag leisten - etwa beim Ausbau des Quartiersmanagements oder bei der Vermarktung freier Betriebsflächen.

Wolfgang Hesoun, Präsident der Industriellenvereinigung Wien:

Die Industriellenvereinigung Wien begrüßt, dass die Stadt Wien mit dem heute vorgestellten 'Fachkonzept Produktive Stadt' ein eigenes, umfassendes Strategiedokument für die Sicherung und Weiterentwicklung des Produzierenden Bereichs erstellt hat. Zudem sollte auch ein aktives 'Umfeldmanagement' der Betriebszonen festgeschrieben werden. Das heißt: Die Entwicklung der näheren Nachbarschaft von Betriebszonen sollte insofern in den koordinativen Rahmen eines Betriebszonenkonzeptes eingebaut sein, dass in der unmittelbaren Umgebung keine für Betriebe nachteiligen Entwicklungen zugelassen werden.

Paradigmenwechsel: Integrieren statt Verdrängen

Grafik Bedarf an Produktionsflächen in Wien

Derzeit kommt es in Wien, wie in vielen anderen Städten, zu einem Paradigmenwechsel von der Einzelbetrachtung des industriell-gewerblichen Sektors hin zur "Produktiven Stadt" für produktive Betriebe. Der Einsatz moderner (Informations-)Technologien macht vieles möglich, so kann auch Wohnen und Arbeiten im gemischten Stadtquartier Realität werden.

Wien positioniert sich mit dem Fachkonzept "Produktive Stadt" als international etablierter Wirtschaftsstandort der neben dem Dienstleistungssektor auch dem produzierenden Bereich einen hohen Stellenwert beimisst. Insgesamt lässt sich rund ein Drittel der Wertschöpfung Wiens, rund 23,5 Millarden Euro, auf den produzierenden Bereich zurückführen.

Wien bekennt sich zur Unterstützung der Entwicklung einer lebendigen Industrie. Dazu gehört die Bereitstellung von geeigneten und ausreichenden Flächen für die Produktion ebenso, wie die Erhöhung spezifischer Qualitäten für bestehende Betriebsstandorte. Darüber hinaus setzt die Stadt auf eine Stärkung der die Bundesländer übergreifenden Kooperationen in der Metropolregion Wien, um so ein auch im internationalen Maßstab größtmögliches Spektrum an attraktiven Standorten zur Verfügung stellen zu können.

Der produzierende Bereich ist mit Lebensgrundlage für Wiens Bevölkerung. Konkret bedeutet dies auch Mut zu neuen Formen von Durchmischung: anstelle ausschließlich monofunktionaler Betriebs- und Wohngebiete sollen neue Mischformen von Arbeiten und Wohnen eine nachhaltige Stadtentwicklung sicherstellen. Allerdings: Nicht alle produktiven Tätigkeiten lassen sich in durchmischte Quartiere integrieren. Hier braucht es auch in Zukunft Flächen für ausschließlich industriell-gewerbliche Betriebe. Einige dieser früher ausschließlich Produktions- und Betriebsflächen wurden allerdings in den letzten Jahren für Wohnzwecke umgewidmet. Nicht zuletzt im Interesse eines sozial stabilen Gesamtwachstums und damit auch im Interesse der Wohnbevölkerung selbst, steht das Fachkonzept Produktive Stadt für den Stopp dieser Entwicklung.

Grafik Balken Betriebsgebiete

So wie das neue Konzept einerseits zum Ziel hat, Wohnen in dafür geeignete Betriebsgebiete zu integrieren, muss sie andererseits jenen Formen der Produktion einen ungestörten Betrieb ermöglichen, die nicht wohnverträglich sind. Jedenfalls stehen sowohl rein industriell-gewerbliche, als auch durchmischte Gebiete vor der gleichen Herausforderung: Im Sinne eines breiten und vielfältigen Standortangebots, gut vernetzter Produktionsketten und effizienter Verteilungsstrukturen werden vielfältigere Formen von städtischen Strukturen und Quartieren notwendig. Denn eine Stadt der kurzen Wege muss heute weiter gedacht werden als bisher.

Mit dem Fachkonzept Produktive Stadt möchte Wien dieses Potenzial ergreifen und explizit zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Wien nützen.

Flächen für die Produktive Stadt

Grafik zu Betriebszonen

Produktion und damit verbundene Tätigkeiten (Logistik, Energie, Großhandel, Reparatur et cetera) brauchen Platz. Großflächige Betriebszonen und über das Stadtgebiet verteile, kleinflächige Betriebsgebiete nehmen aktuell rund fünf Prozent des Stadtgebietes in Anspruch. Darüber hinaus sind weitere kleinere Gewerbetriebe wie etwa Handwerk in das gemischte Baugebiet integriert.

Die Betriebszonen enthalten zwar noch Reserven, aber um für die künftig erwartbaren Herausforderungen vorbereitet zu sein soll die Reserve auf rund 300 Hektar aufgestockt werden.

  • Rund 150 Hektar - Reserveflächen innerhalb bestehender Betriebszonen (Nutzung von Widmungsreserven, Gebäude- und Flächenleerstand, Reserven durch Umsiedelung mischfähiger Handelsstrukturen innerhalb der gewidmeten großflächigen Betriebszonen)
  • Rund 50 Hektar - Noch zu widmende Flächen (Umwidmung/Entwicklung der rund 50 Hektar noch nicht entsprechend gewidmeter Flächen im (Nah-)Bereich der bereits etablierten, großflächigen Betriebsgebiete)
  • Rund 100 Hektar - Neue Produktionsflächen in Stadterweiterungsprojekten
  • Rund 50 Hektar - Strategischer Spielraum (Verwertung ungenutzter Flächen, Verdichtung sowie weitere Schaffung beziehungsweise intensivere Nutzung von neuen Produktionsflächen)

Die drei Betriebszonen-Typen der Stadt Wien

Mit dem Fachkonzept Produktive Stadt wird dem produzierenden Bereich der benötigte Platz in drei Betriebzonentypen eingeräumt, deren Verfügbarkeit für Funktionen der produktiven Stadt langfristig gesichert werden. Die werden in einem eigenen Betriebszonenplan ausgewiesen.

Ausschlaggebend für die Auswahl und Einteilung dieser Zonen waren - in Fortführung der vom Wiener Gemeinderat 2008 beschlossenen "Betriebszonenanalyse" - einerseits deren Eignung hinsichtlich Lage, Infrastruktur, Emissionen und Mobilität, andererseits wurden Konflikte und Beeinträchtigungen anderer Nutzungen vermieden.


Industriell-Gewerbliche Gebiete

Grafik zu Industriell-Gewerblichen Gebieten

Diese mit 1.900 Hektar flächenmäßig größte Kategorie soll für industriell-gewerbliche Nutzungen gesichert und optimal verfügbar gemacht werden. Wichtig sind hier ein möglichst uneingeschränkter Betrieb, eine passende Standortausstattung, gute Erreichbarkeit über das Straßennetz und ein geringes Bodenpreisniveau. Umwidmungen zu Wohnen sind nicht möglich.

Kleine Gebietsergänzungen, Bodenmobilisierung, Quartiersmanagements und andere Verbesserungsmaßnahmen werden vorgeschlagen.


Gewerbliche Mischgebiete

Grafik zu gewerblichen Mischegebieten

Etwa 200 Hektar gut in das Stadtgebiet integrierte, gewerbliche Mischgebiete mit Anschluss an ÖV und IV sind aktuell rein gewerblich genutzt, sollen aber künftig um andere Nutzungen ergänzt und intensiver genutzt werden können. Dafür müssen allerdings innovative, in der Regel kompakte und mehrgeschoßige städtebauliche Lösungen gefunden werden, die die Bedürfnisse von Gewerbe und Wohnen im Gebiet kombinieren. Themen sind hier Ergänzen, Überbauen, Verdichten. Um diese Potenziale zu realisieren braucht es klar durchdachte und machbare Entwicklungskonzepte, Pilotprojekte, qualitätssichernde Instrumente und Managementstrukturen.


Integrierte Einzelstandorte

Grafik zu integrierten Einzelstandorten

Das dritte Standbein der produktiven Stadt sind traditionelle Betriebe an über 200 integrierten Einzelstandorten (rund 250 Hektar). Diese werden als wertvoller Beitrag zur Stärkung der städtischen Wirtschaft verstanden und sollen daher in ihrer bestehenden Funktion unterstützt und weiterentwickelt werden. Industrie, Handwerk, Gewerbe und Kleinunternehmen aber auch künftige neue Formen der Wirtschaft sollen hier in kurzer Distanz zueinander und zu ihren Kunden Raum finden. Die gewerbliche Funktion darf nur entfallen, wenn sowohl städtebauliche als auch betriebswirtschaftliche Gründe klar nachgewiesen sind.

Produktionsflächen in der Stadterweiterung

In einem positiven Szenario der Wirtschaftsentwicklung hält das Beschäftigtenwachstum mit dem Einwohnerwachstum Schritt. Diese Balance wird laufend zu beobachten sein. Bei Gebietsentwicklungen im Zuge der Stadterweiterung, zum Beispiel städtebaulichen Masterplänen, sind die Bedürfnisse der Produktiven Stadt stets mit zu berücksichtigen. Nicht zuletzt finden sich einige der bestgeeigneten Zukunftsstandorte entlang der Stadtgrenze im Umfeld rezent errichteter und noch geplanter hochrangiger Infrastruktur. Eine Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden in grenzüberschreitenden Funktionsräumen wird daher von Wien aktiv angestrebt.

Übergreifende Maßnahmen zur Sicherung von Standorten

Produktionsflächenmanagement

Zentrale Akteure dabei sind die Wirtschaftsagentur Wien und die Wirtschaftskammer Wien. Wichtige Elemente des "proaktiven Flächenmanagements" sind:

  • Einrichtung einer neuen "Standort-Datenbank", gemeinsam von Wirtschaftsagentur und Wirtschaftskammer Wien, mit einem Überblick über alle Betriebs- und Produktionsflächen in ganz Wien
  • Damit noch bessere Positionierung und Vermarktung sofort verfügbarer Produktionsflächen im Internet
  • Laufendes Monitoring der Gesamtentwicklung der Betriebsgebiete
  • Optimaler Einsatz der stadteigenen Flächen für Betriebsansiedlungen, zum Beispiel auch für große internationale Betriebe
  • Gezielte Unterstützung neuer Unternehmen und Tätigkeiten mit spezifischen Standortanforderungen (zum Beispiel erneuerbare Energie, Recycling/Urban Mining, smarte Mobilität, neue Güterlogistiksysteme, Urban Manufacturing und andere)
  • Sicherung, Vorbereitung und Entwicklung zusätzlicher Betriebsgebietsflächen im Zuge von Stadterweiterungsvorhaben

Strategische Standortentwicklung durch ein Quartiersmanagement

Koordiniertes, standortspezifisches Management soll über ein Quartiersmanagement für weitere größere Betriebszonen Wiens erfolgen - etwa nach dem Vorbild der von "Standpunkt-Liesing" beziehungsweise "Standpunkt Floridsdorf". Das Quartiersmanagement soll als zentrale Ansprechstelle für die Betriebe vor Ort wie auch als Schnittstelle zu Stadtplanung, Wirtschaftsagentur Wien und Wirtschaftskammer dienen und Betriebe hinsichtlich störungsfreiem Betrieb und Entwicklungsoptionen unterstützen.

Verantwortlich für diese Seite:
Stadtentwicklung Wien
Kontaktformular