Planerische Grundlagen - Projekt Wiener Eislaufverein

Städtebauliche Überlegungen

Die Erneuerung der Bauten im Bereich des Eislaufplatzes bietet die Chance der Schaffung eines attraktiven Ortes, der die Aufenthaltsqualität deutlich hebt. Ferner kann sich dieser Ort aber auch über die Bezirksgrenzen hinaus als ein urbaner, attraktiver Anziehungspunkt entwickeln.

Ziel ist es, die in Privateigentum befindliche Liegenschaften des Hotels Intercontinental und die benachbarten Anlagen des Wiener Eislaufvereins gemeinsam und synergetisch zu entwickeln

Zentral bei dieser Entwicklung sind aus Sicht der Stadt Wien folgende Verbesserungen für die Wienerinnen und Wiener:

  • Erhalt, Absicherung und Verbesserung des Wiener Eislaufvereins
  • Eine ganzjährige Nutzung der Fläche des Eislaufvereins
  • Mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger zum Flanieren
  • Neue Durchgangsmöglichkeiten, neue Verbindungen
  • Öffnung des Areals

Ausgangslage

Das Gebiet rund um den WEV (Wiener Eislaufverein), das Konzerthaus, die Flächen des WEV und das Hotel Intercontinental Wien zählt seit Jahrzehnten zu einem der meist diskutierten Bereiche der Wiener Ringstraßen-Bebauung. Der Bereich liegt im östlichen Teil des ehemaligen Glacis, ist abgegrenzt durch die Straßenzüge Johannesgasse, Am Heumarkt, Lisztstraße und Lothringerstraße. Damit befindet sich dieser Block im Randbereich des Kerngebiets des Weltkulturerbes des historischen Zentrums Wiens.

Auf der einen Seite des Blocks befindet sich der Gebäudekomplex mit dem Wiener Konzerthaus, dem Akademietheater und der Universität für Musik und Darstellende Kunst.

Dieser Gebäudekomplex wurde von 1910 bis 1913 nach den Entwürfen von Ludwig Baumann, Ferdinand Fellner und Hermann Helmer aus Mitteln des Stadterweiterungsfonds erbaut. Am gegenüberliegenden Ende des Baublocks befindet sich das Hotel Intercontinental, das erst Jahrzehnte später in den Jahren 1959 bis 1964 errichtet wurde. Der Entwurf stammt von Hollabird&Root, Carl Appel und Walter Jaksch. Der dominante Gästezimmertrakt ist eine Hochhausscheibe mit einer Höhe von circa 42 Metern.

Zwischen Hotel und Konzerthaus befindet sich die circa 6.000 Quadratmeter große Eisfläche des "Wiener Eislaufvereins". Zur Lothringerstraße wird die Eisfläche von niedrigen Eingangs- und Tribünenbauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdeckt. Gegenüber dieser Bauten, entlang des Straßenzugs "Am Heumarkt", befindet sich eine zweigeschossige Bebauung, die aus derselben Bauperiode stammt.

Kooperatives ExpertInnen-Verfahren

Auf Initiative der Stadt Wien wurden 2012 in zwei umfangreichen Hearings die Möglichkeiten des Areals ausgelotet. Daran nahmen Akteurinnen und Akteure vor Ort (WEV, Konzerthaus, Hotel Intercontinental), der Investor, Vertreterinnen und Vertreter des Magistrats und der Politik (Stadtplanungsressort, Planungssprecher, Bezirke) sowie Fachexpertinnen und Fachexperten aus Architektur und Städtebau sowie Denkmalschutz teil.

Aufbauend auf den Erkenntnissen dieser ExpertInnen-Hearings wurde ein mehrstufiges kooperatives Expertinnen-Verfahren durchgeführt. Die Anregung dazu gab Univ.-Prof. Dipl-Ing. Rudolf Scheuvens, der auch den Vorsitz des Bewertungsgremiums einnahm. Ziel dieses Verfahrens war es, zu einer städtebaulichen Rahmenplanung zu gelangen.

Im Rahmen von drei Planungswerkstätten, an denen rund 50 Beteiligte aus Politik und Magistrat, des Wiener Eislaufvereins, des Konzerthauses, des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS), des Investors sowie des Hotelmanagements teilnahmen, wurden 23 Varianten und mehrere Nebenvarianten ausgearbeitet und diskutiert. Der Investor hat die Öffentlichkeit in das Verfahren mittels AnrainerInnen-Befragung eingebunden. Ferner wurde auch eine Ausstellung mit begleitenden Dialogen durchgeführt. Das kooperative ExpertInnen-Verfahren war bewusst so angelegt, dass der gesamten Bandbreite an unterschiedlichen Sichtweisen Gehör verschafft wurde.

Die zentrale Arbeit der Erstellung von Entwürfen übernahmen drei Planungsteams, die jeweils aus zwei ArchitektInnen-Teams und einem akademischen Lehrer (Technische Universität oder Akademie der Bildenden Künste) bestanden.

Überblick über erarbeitete Projekte

Überblick über erarbeitete Projekte

  • Team 1: Lainer ZT GmbH, BWM-Architekten, Univ.-Prof. Dipl.-Arch. Christoph Luchsinger
  • Team 2: querkraft, Ao.Univ.Prof. Arch. Dipl.-Ing. Dr. Erich Raith, Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Christian Kühn
  • Team 3: Zeytinoglu ZT GmbH, Freimüller Söllinger Architektur ZT GmbH, Ao.Univ.-Prof. Doz. Mag. Dr. August Sarnitz

Empfehlungen aus dem ExpertInnen-Verfahren

Die Arbeiten mündeten in Empfehlungen für die städtebauliche Weiterentwicklung, wobei aus der Vielzahl an Vorschlägen die zwei Szenarien Bewahrung des Bestandes (eine bauliche Weiterentwicklung unter Belassung der Hotel-Hochhausscheibe) und Neubau als grundsätzlich tragfähige Bebauungskonzeptionen weiter verfolgt werden sollen.

Ferner wurde empfohlen:

  • Die Bewahrung der freien Eisfläche in ihrer Bestandsdimension
  • Eine mehrfache öffentliche Durchwegung
  • Ein verbesserter Einblick auf die Freifläche sowie die Freistellung des Konzerthauses
  • Eine moderat abgesenkte Eisfläche soll im Sommer für kulturelle Nutzungen zur Verfügung stehen und eine räumlich-funktionelle Verknüpfung zum Konzerthaus erfahren.
  • Attraktivierung der öffentlichen Straßenräume als großzügiges Vorfeld
  • An städtebaulich geeigneter Stelle wird ein schlanker Turm mit maßvoller Höhenentwicklung empfohlen. Im Szenario Neubau kann diesem ein "Wiener Block" in der Dimension eines ortsüblichen Ringstraßenblocks zur Seite gestellt werden. Auch im Szenario Bewahrung des Bestandes wären etwa die Sockelumrandung und der hintere Trakt des Hotels weitgehend zu beseitigen, und in jedem Fall wären die bestehenden straßenseitigen Einfassungen der Eislauffläche zu entfernen beziehungsweise Heumarkt-seitig zu ersetzen.
  • Angesichts der im Zusammenhang mit dem Welterbe geäußerten Bedenken wurde empfohlen, parallel auch eine für den Ort selbst als zweitrangig eingestufte Lösung ohne weitere Höhenentwicklung zu optimieren und darzustellen. Die Stadt Wien wurde schließlich dazu aufgerufen, einen Masterplan Glacis zu erstellen, um eine kohärente Orientierungshilfe für zukünftige Entwicklungen im Gebiet um die historische Innenstadt zu gewährleisten.

Das Ergebnis des kooperativen Verfahrens einschließlich der Empfehlungen wurde zu städtebaulichen Leitlinien zusammengefasst. Diese wurden im April 2013 von der Stadtentwicklungskommission zur Kenntnis genommen.

Beschluss der Stadtentwicklungskommission und Architekturwettbewerb (2013-2014)

Aufbauend auf den Empfehlungen des kooperativen Verfahrens sowie auf Basis der städtebaulichen Leitlinien zur Neugestaltung des Areals wurde von der WertInvest Hotelbetriebs GmbH ein zweistufiger Architekturwettbewerb ausgelobt. Das Preisgericht setzte sich aus Vertretern des Investors, der Politik, der Verwaltung und nationalen und internationalen Fachleuten zusammen. Den Vorsitz führte Architekt Prof. Markus Allmann aus Stuttgart. Auch unter den Teilnehmenden befanden sich national und international anerkannte Architekten beziehungsweise Architekturbüros. Am Ende der zweiten Wettbewerbsstufe kürte das Preisgericht den Entwurf von Isay Weinfeld Arq. Urb. Ltda. Sao Paulo, Brasilien, zum Sieger.

Grundidee des Siegerprojekts ist das Weiterbauen der Stadt, ausgehend vom bestehenden Intercontinental-Hotelbau. Solitäre Baukörper bilden ein Ensemble, das als Komposition sowohl in Verhältnis und Proportion seiner Elemente zueinander wie zum Kontext insbesondere des Konzerthauses und des Stadtparks funktionieren muss. Diesem Anspruch wird das Projekt gerecht. Darüber hinaus hob das Preisgericht unter anderem die Ruhe und elegante Unaufgeregtheit des Entwurfs und das Potenzial eines belebten öffentlichen Raumes hervor.

Die Dokumentation mit den Ergebnissen des kooperativen Expertinnen-Verfahrens zur städtebaulichen Entwicklung für den Bereich Hotel Intercontinental Wien - Wiener Eislaufverein wurde publiziert und kann über den Webshop Stadtentwicklung bestellt werden.

  • Hotel Intercontinental - Wiener Eislaufverein (Buch): Broschürenbestellservice
  • Auszug der inhaltliche Empfehlungen des kooperativen Expertinnen-Verfahrens 2012: 87 KB PDF
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