Variantenuntersuchung - U-Bahn-Ausbau von U2 und U5

Untersuchte Varianten

In den Jahren 2013 bis 2014 führte die Abteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung (MA 18) eine umfangreiche Variantenuntersuchung durch. Alle Varianten wurden nach einem einheitlichen Bewertungsschema fachlich beurteilt und gereiht. Bewertet wurden Kosten, Verkehrswirksamkeit, und das Stadtbild.

Daraus wurde der Hauptvorschlag abgeleitet, der Grundlage für den politischen Beschluss im Sommer 2014 bildete und nun die Grundlage für die weiteren Bearbeitungen der neuen U2 und U5 bildet.


Grundsätzliche Fragen zur Linienführung

Linienführung nach Hernals

Eine Verlängerung einer U-Bahn Richtung Westen sollte zwischen den derzeitigen U-Bahn-Endstellen in Ottakring (U3) und Döbling (U4) erfolgen. Die Vorteile einer Linienführung nach Hernals gaben dabei den Ausschlag. Die Entlastung für die hochfrequentierte Straßenbahnlinie 43 ist nur mit einer naheliegenden parallelen Linienführung der U-Bahn gewährleistet.

Linienkreuz oder Tangente?

Die Verschneidung der neuen U-Bahn-Äste U5 vom Westen (Hernals) und Süden U2 (Favoriten) kann auf zwei Arten erfolgen: entweder über eine Tangentenlösung oder über ein Linienkreuz.

Bei der Tangentenlösung verläuft die neu zu errichtende U5 halbkreisförmig als durchgängige Linie von Westen nach Süden und tangiert die U2 in der Station Rathaus. Die U2 bleibt im Bestand erhalten. In der Variante Linienkreuz wird die U2 an der Station Rathaus Richtung Süden verlängert, während die U5 zwischen Hernals und Rathaus neu gebaut wird und zwischen Rathaus und Karlsplatz die heute bestehende Strecke der U2 übernimmt.

Bei einer Gegenüberstellung der beiden Varianten hat sich herausgestellt, dass die Vorteile des Linienkreuzes überwiegen. Die Attraktivität des Linienkreuzes zeichnet sich durch neu geschaffene Direktverbindungen aus. Die stark beanspruchte Station Schottentor wird durch die naheliegenden U5-Stationen Rathaus, Frankhplatz und Arne-Carlsson-Park entlastet. Die Linientangente wäre zwar baulich einfacher zu errichten, da die bestehende U2 Station Rathaus weniger betroffen gewesen wäre. Es gibt aber dadurch nur wenige neue Direktverbindungen und die Entlastungswirkung überlasteter Linien ist geringer.

Die Entscheidung fiel auf die Lösung mit dem Linienkreuz U2/U5.

Linienführung der U5

Linienkreuz bei der Station Rathaus oder Frankhplatz?

In den Voruntersuchungen hatten sich die Vorteile des Linienkreuzes herausgestellt. Es gab nun zwei Möglichkeiten der Verknüpfung der beiden U-Bahn-Linien U2 und U5: entweder in der Station Rathaus (Umbau der bestehenden U2-Station) oder Frankhplatz (Neubau).

Die baulichen Vorteile der Kreuzungsstation Frankhplatz sind, dass die bestehende Station Rathaus nicht umgebaut werden müsste. Im Bereich Frankhplatz könnten die bautechnischen Vorleistungen der ersten U-Bahn-Ausbauphase (Tunnel) genutzt werden, mit relativ weiten Umsteigewegen. Eine Verknüpfung in der Station Rathaus bringt für mehr Fahrgäste mehr Komfort. Die U2 fährt schon ab dem Schottentor ohne Umweg direkt Richtung Süden.

Die Entscheidung fiel für die Verknüpfung der U2 und U5 in der Station Rathaus.

Trassierung der U5 zwischen Rathaus und U6 entlang des Gürtels?

In der Trassierung der U5 zwischen Rathaus und Gürtel wurden im Wesentlichen zwei Varianten untersucht: die Verknüpfung der U6 bei der Station Alser Straße und bei der U6-Station Michelbeuern-AKH.

In einem Vergleich der möglichen Trassenführungen weist die Führung über die Spitalgasse und Michelbeuern-AKH mehr potenzielle Fahrgäste auf. Bei der Anbindung der U5 an die U6 in der Station Alser Straße wäre das Umsteigen zwischen den beiden Linien ungünstig. Das denkmalgeschützte Stationsgebäude der U6-Station Alser Straße kann nicht umgebaut werden (allenfalls Lift) und das Umsteigen zur U5 wäre nur indirekt über das Straßenniveau möglich gewesen.

Die Führung der U5 über Michelbeuern-AKH hat eindeutige Vorteile gegenüber der Führung über Alser Straße. Die Verknüpfungsstation U5/U6 ist besser zu errichten und das AKH ist direkt angebunden. Zusätzlich werden durch diese Trasse die Straßenbahnen der Währinger Straße direkt an die U5 angebunden (Arne-Carlsson-Park).

Eine Verknüpfung mit der U6 fiel zugunsten der Station Michelbeuern aus.

Endstation Elterleinplatz und langfristige Perspektive?

Als vorläufige Endstation ist die Station um den Bereich Elterleinplatz angedacht. Dadurch werden das Bezirkszentrum von Hernals sowie der Bereich außerhalb des Gürtels mit seinen sehr hohen Bevölkerungsdichten erschlossen. Durch die Stationslage können auch die Straßenbahnlinien 43 und 44 an ihren maßgeblichen (stärksten) Querschnitten entlastet werden.

Langfristig könnte ausgehend von der Station Elterleinplatz ein Maximalausbau der U5 Richtung Westen bis Dornbach erfolgen. Dadurch würde neben einer Anbindung an die S45-Station Hernals der gesamte dicht verbaute Gründerzeitbereich in Hernals mit einer U-Bahn erschlossen. Das würde gegenüber der Straßenbahnlinie 43 deutliche Reisezeitvorteile mit sich bringen. Dadurch ist jedoch der Parallelbetrieb der Straßenbahnlinie 43 zu hinterfragen. Als mögliche Endstation wäre Hernals (S45) oder Güpferlingstraße mit Umsteigemöglichkeit zu den Straßenbahnlinien 10 und 44 denkbar. Eine darüberhinausgehende Verlängerung erscheint aufgrund der geringen Siedlungsdichten und fehlenden Stadtentwicklungsmöglichkeiten als nicht sinnvoll.

Linienführung der U2

Die zukünftige Linie U2 verläuft vom Rathaus über die Station Neubaugasse zur Pilgramgasse. Eine Station Neustiftgasse-Burggasse war angedacht, wurde aber verworfen. Im Bestand existiert bereits eine relativ gute U-Bahn-Anbindung (nur rund 500 Meter bis zur Station Volkstheater beziehungsweise Thaliastraße). Es stehen ausreichend Alternativen im öffentlichen Verkehr zur Verfügung. Zusätzliche Baukosten liegen in der Höhe von 80 Millionen Euro

Trassierung U2 Pilgramgasse bis Südgürtel

Ab Station Pilgramgasse bieten sich aus netztopologischer Sicht drei Verknüpfungspunkte an: der Bahnhof Meidling (ÖBB, U6), der Matzleinsdorfer Platz (ÖBB) sowie der Hauptbahnhof (ÖBB, U1).

Die Variante Hauptbahnhof bietet eine Anbindung an den ÖBB-Fernverkehr und vergleichsweise geringe Baukosten. Allerdings verläuft sie durch bereits gut erschlossene Gebiete. Es ließe sich nur ein geringer Fahrgastzuwachs erreichen. Der Hauptbahnhof wurde erst Ende 2015 eröffnet. Eine neuerliche Großbaustelle wird nicht angestrebt. Eine dringend notwendige Entlastung der U6 kann aufgrund des großen Abstandes der neuen U-Bahn-Linie zur U6 nicht erreicht werden.

Die Variante zum Bahnhof Meidling bietet eine Anbindung an den ÖBB-Fernverkehr, etwas geringere Investitions- und Betriebskosten und die stärkste Entlastung der U6 aller drei Varianten. Als Nachteile scheinen ein durch die geringe zusätzliche Erschließung bedingter geringer Fahrgastzuwachs sowie eine etwas geringere Kostenwirksamkeit auf. Zusätzlich ist eine weitere Verlängerung über Meidling hinaus aufgrund der geringen Siedlungsdichten sowie der Parallelführung zu bestehenden hochrangigen ÖV-Linien (Verbindungsbahn, Südbahn, U6) nicht sinnvoll.

Die Variante Matzleinsdorfer Platz bietet die Möglichkeit, die U2 über den Gürtel hinaus bis zur Raxstraße oder zum Wienerberg zu verlängern. Bei einer Verlängerung der U2 bis zur Raxstraße ergäbe sich eine sehr gute Erschließung des dichtverbauten Gebietes im 10. Bezirk (Stationen Inzersdorfer Straße und Raxstraße) und eine sehr gute Kostenwirksamkeit (beste aller Varianten). Bei der Endstation Raxstraße gibt es allerdings kaum städtebauliche Möglichkeiten. Die U6 wird weniger entlastet.

Eine Verlängerung der U2 bis zum Wienerberg bietet dagegen eine ebenfalls gute Erschließung des 10. Bezirkes, zusätzliche städtebauliche Möglichkeiten am Wienerberg, eine gute Kostenwirksamkeit, eine homogene Auslastung der Wienerberg-Tangente sowie eine deutliche Entlastung der U6. Sie ist daher zu bevorzugen.

Ausgehend vom Wienerberg besteht weiter die Möglichkeit, die U2 in einer Endausbaustufe Richtung Süden zu verlängern.

Zusammenfassung und Ergebnis

Zur Integrierung der U-Bahn-Äste vom Westen (Hernals) und Süden (Meidling/Favoriten) ist ein U2/U5-Linienkreuz besser geeignet als ein völliger Neubau der U5 als Tangente. Der Schnittpunkt der Linien U2/U5 wird dabei am Rathaus verlaufen. Die U5 wird im Bereich zwischen Karlsplatz und Rathaus die Bestandstrecke der U2 übernehmen. Ab Rathaus verläuft die Trassenführung über die Stationen Frankhplatz, Arne-Carlsson-Platz, Michelbeuern-AKH zum Elterleinplatz. Langfristig wird ein Endausbau bis nach Hernals geprüft.

Die U2 verläuft von der Station Rathaus Richtung Süden über die Stationen Neubaugasse, Pilgramgasse, Bacherplatz zum Matzleinsdorfer Platz. Von dort führt sie über die Gußriegelstraße zum Wienerberg. Vom Wienerberg ist ein möglicher Endausbau Richtung Süden möglich.

Umsetzung

Eine U-Bahn Erweiterung in der Dimension des Linienkreuzes lässt sich wegen der Bauzeit und der Finanzierung nicht auf einmal realisieren. Deshalb werden die Bauarbeiten in sinnvollen Zwischenschritten, sogenannten Baustufen, durchgeführt. Diese sind vom Stadtzentrum nach außen gerichtet und sind dadurch schon zu einem frühen Zeitpunkt verkehrswirksam.

Für die empfohlene Variante der U2 Richtung Wienerberg ist es sinnvoll, in einer ersten Baustufe die U2 zum Matzleinsdorfer Platz zu verlängern. Dadurch kann relativ frühzeitig eine Entlastung der U6 im stärksten Querschnitt erreicht werden. Da die Rumpf-Linie Karlsplatz bis Rathaus ebenfalls sinnvoll weiterbetrieben werden muss, verbessert sich durch den Ausbau der U5 um eine Station Richtung Frankhplatz in einer ersten Baustufe die Erreichbarkeit. Mit der U5 können nämlich die Straßenbahnlinien 43 und 44 verknüpft werden.

In einer zweiten Baustufe wird dann die U5 bis zum Elterleinplatz verlängert. Eine etwaige Verlängerung der U5 Richtung Westen bleibt als langfristige Option offen, ist aber derzeit noch nicht absehbar.

In der zweiten Baustufe der U2 wird die weitere Verlängerung der U2 in den Süden bis Wienerberg erfolgen. Damit kann die U2 mit der Wienerberg-Tangente verknüpft werden, die eine wesentliche Zubringerfunktion zur U2 hat. Der weitere Ausbau Richtung Süden bleibt als langfristige Option offen.

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