Historische Entwicklung des Wiener Radverkehrsnetzes

Radfahren in Wien erlangte in den vergangenen Jahren einen immer höheren Stellenwert. Das Fahrrad wird immer öfter im "Alltagsverkehr" eingesetzt. Das war nicht immer so.

Rückschritte in den 1960er- und 1970er-Jahren

Durch den zunehmenden Wohlstand und den rasanten Anstieg der Kraftfahrzeuge wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren vorwiegend die autogerechte Planung forciert. Ein Vergleich der Zulassungszahlen von Motorkraftfahrzeugen zeigt die rasante Entwicklung:

  • 1970: 203.139 KfZ
  • 1993: 579.994 KfZ
  • 2007: 802.209 KfZ
  • 2016: 858.248 KfZ

Das Fahrrad wurde immer mehr aus dem Straßenraum verdrängt. In der Wiener Stadtentwicklungsenquete 1972/73 wurde als primäres Ziel "die Schaffung menschenwürdiger und lebenswerter Umweltbedingungen für die Stadt" manifestiert. Neben dem Ausbau des Fußwegenetzes und der Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs wurde die Förderung des Radverkehrs nicht berücksichtigt. Im Gegenteil, die Netzlänge der Radwege reduzierte sich von 23 Kilometern im Jahr 1970 auf elf Kilometer im Jahr 1977. Die Radwege mussten großteils dem Flächenanspruch des Autoverkehrs weichen.

Trendumkehr ab 1980

Plandarstellung des Wiener Radwegenetzes aus dem Jahr 1982

Plandarstellung des Wiener Radwegenetzes aus dem Jahr 1982

Ein Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1980 sah die Entwicklung eines kurz- und mittelfristigen Programms zur Förderung des Radverkehrs für Wien vor. Das zukünftige Netz sollte so gestaltet werden, dass der Straßenraum für die ansässige Bevölkerung (zu Fuß gehende und Rad fahrende Menschen) zurückgewonnen und lebenswerter gestaltet wird. Das Radverkehrsnetz wurde daraufhin bis zum Jahr 1986 auf 168 Kilometer erweitert. In einer ersten Phase wurden "Teilnetze in Erholungs- und Stadtrandbereichen sowie entlang des Donau- und des Donaukanalbereiches mit verbindenden Hauptradwegen" realisiert.

Das Radwegenetz in den 1990er-Jahren

Plan des Lückenschlussprogramms 2000

Plan des Lückenschlussprogramms 2000

1993 beschloss der Gemeinderat neue Leitlinien zum Wiener Verkehrskonzept. Ziel war die Erhöhung des Radverkehrsanteiles auf sechs Prozent aller Wege. Eine wichtige Voraussetzung dazu war die Erstellung eines Hauptradwegenetzes im Jahr 1994. Erstmals wurde die Verwendung des Fahrrades für die Zwecke Einkaufen, Ausbildung und Arbeitspendeln forciert. Die 1985 gestartete Aktion "Fahrradabstellanlagen im öffentlichen Raum (Wiener Bügel)" wurde konsequent fortgesetzt. Die Mitnahme des Fahrrades in der U-Bahn wurde zu bestimmten Zeiten gestattet.

Ein wesentlicher Einschnitt war der im Jahr 1997 umgesetzte zweite Dezentralisierungsschritt. Er übertrug den Bezirken die Planung und Realisierung aller im Wiener Hauptstraßennetz liegenden Radverkehrsanlagen. Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Radverkehrs wurde im Jahr 2000 eine Überarbeitung des Hauptradverkehrsnetzes mit den Schwerpunkten Lückenschlussprogramm, Organisation und Marketingmaßnahmen erstellt. Dieses Konzept stellte die Grundlage für die in den nächsten Jahren geplanten Maßnahmen dar.

Zusätzlich erhielt das Klimaschutzprogramm der Stadt Wien (1999) zahlreiche Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs. Damit sollte ein Beitrag zur Reduzierung der klimarelevanten Treibhausgase erreicht werden

Radverkehr im neuen Jahrtausend

Karte des Hauptradverkehrsnetzes, Stand 2006

Karte des Hauptradverkehrsnetzes, Stand 2006

Im Jahr 2003 wurden Teile des Wiener Radwegenetzes in die Zentralkompetenz rückgeführt. Die Grundlage dazu bildete das überarbeitete Hauptradverkehrsnetz Wien. Alle in diesem Netz ausgewiesenen Streckenabschnitte werden über ein zentrales Radwegebudget geplant und umgesetzt. Dazu stehen seit 2003 jährlich circa sechs Millionen Euro zur Verfügung. Diese neue Kompetenzverteilung hat zu einer deutlichen Ausweitung des Wiener Radverkehrsnetzes geführt.

Karte von Wien, in der das Wiener Rad-Hauptnetz dargestellt ist, Stand 2017

Karte des überarbeiteten Hauptradverkehrsnetzes, Stand 2017

Zuletzt wurde im Jahr 2008 eine grundlegende Überarbeitung des Hauptradverkehrsnetzes vorgenommen. Im Zuge dessen wurden die Strecken des Netzes in Basisrouten, Grundnetz, erweitertes Grundnetz und Erschließungsnetz unterteilt. Seit 2008 wird im Rahmen der Generellen Radverkehrsplanung das Hauptradverkehrsnetz laufend aktualisiert beziehungsweise an neue Gegebenheiten (zum Beispiel zur besseren Erschließung neuer Stadtentwicklungsgebiete) angepasst.


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