"mehr platz!" - Freiräume für Kinder und Jugendliche

Logo von "mehr platz!"

Gefährden fehlende Freiräume die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen? Ein Projekt im Auftrag der Stadtplanung Wien suchte Antworten und Lösungen. Unter der Projektleitung des Planungsbüros PlanSinn untersuchten Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen die Auswirkungen von Freiraummangel auf Kinder und Jugendliche. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollten zur besseren Interessenvertretung der jungen Wienerinnen und Wiener in Planung und Politik beitragen.

Als ortsgebundene Bevölkerungsgruppe sind Kinder und Jugendliche in besonderem Maße auf wohnungsnahe Freiräume angewiesen. Beeinträchtigungen, die während des Kindes- und Jugendalters auftreten, können schwerwiegende Folgen auf die körperliche und geistige Entwicklung haben. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass 60 bis 90 Prozent der Schulanfängerinnen und Schulanfänger in Österreich und Deutschland Haltungsschwächen aufweisen. Außerdem nimmt das motorische Leistungsniveau der Kinder deutlich ab.

Abgesehen von physischen Konsequenzen ist die Gefahr groß, dass die psychosoziale Entwicklung eines Kindes negativ beeinflusst wird. Ohne die Verfügbarkeit von Freiräumen in der Stadt werden den Kindern wichtige Wahrnehmungen und Erfahrungen vorenthalten, die für das Heranwachsen einer eigenständigen Persönlichkeit zum Beispiel im Hinblick auf soziale Kompetenz wichtig sind.

"mehr platz!" wollte mit einem Mehrstufenplan Lobbying für Kinder und Jugendliche betreiben. Zwei Klausuren mit Expertinnen und Experten bildeten den ersten Abschluss einer Forschungsperiode, in der Wissenschafterinnen und Wissenschafter verschiedener Fachrichtungen Forschungsergebnisse zusammentrugen und eine gemeinsame Argumentationslinie erarbeiteten. Verschiedene Aktionen in der Stadt sollten Problembewusstsein erzeugen und die öffentliche Diskussion anregen.

"Magistratsabteilung für Platzbeschaffung"

Mehr Platz - Thesen zur Platzbeschaffung für Kinder und Jugendliche werden von der Plattform eines Lkws verlesen

Die Theatergruppe Irrwisch machte am 7. Oktober 1999 in einer spektakulären Aktion auf die Bedeutung von Freiräumen im Alltag von Kindern und Jugendlichen aufmerksam. Schauspielerinnen und Schauspieler fuhren als Magistratsbedienstete verkleidet auf einem Pritschenwagen der fiktiven MA 97 ("Magistratsabteilung für Platzbeschaffung") langsam eine belebte Wiener Geschäftsstraße entlang.

Über Megaphone wurde bekannt gegeben: "Mit Beschluss des Gemeinderates freut es uns bekannt zu geben, dass ab sofort an ungeraden Tagen die Straßen der innerstädtischen Bezirke ab 14 Uhr autofrei zu halten sind und Kindern und Jugendlichen zum Spielen und zur Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen". An die verdutzten Passantinnen und Passanten wurden Flugblätter verteilt, die über das Projekt "mehr platz!" informierten. Andere Mitglieder der Theatergruppe traten mit den Passantinnen und Passanten in Diskussion und griffen ihre Anregungen auf.

Aktion "Denkmale im Freiraum"

Auf andere Art versuchte die Aktion "Denkmale im Freiraum“ Verständnis für die Platzbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu schaffen. In Anlehnung an andere Gedenktafeln dokumentierten Beschriftungen oder Tafeln, die an verschiedenen Orten angebracht wurden, welche Bedeutung Freiräume im Leben bekannter Persönlichkeiten gespielt hatten: "In dieser Straße lernte Josef Broukal Rollerfahren", "An diesem Platz erhielt Andreas Vitasek mit 14 seinen ersten Kuss" et cetera. Die Denkmale waren bis Ende Oktober 1999 in der Öffentlichkeit sichtbar.

Maßnahmen und Ziele

Litfaßsäule mit Plakaten von "mehr platz!"

Dafür, dass neben zufällig vorbeikommenden Passantinnen und Passanten auch eine größere Öffentlichkeit erreicht wurde, sorgte die breit angelegte Aufbereitung durch die Medien. So wurde zum Beispiel eine Live-Radiosendung mit Expertinnen und Experten produziert.

Neben der Schaffung von Problembewusstsein in der Öffentlichkeit sollte "mehr platz!" aber auch einige konkrete Schritte in Richtung einer kinderfreundlicheren Stadt vorbereiten. Aus den Beiträgen der Expertinnen und Experten wurden Maßnahmen erarbeitet, die auf die konkrete Situation in Wien abgestimmt waren und Wien langfristig zu einer Stadt mit höherer Lebensqualität machen sollten.

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