Gesunde Gärten - Frei- und Grünräume für Heil- und Pflegeanstalten in Wien (Studie)

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Kann der Freiraum rund um ein Krankenhaus zur Gesundung der Patienten beitragen? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden und um das Potenzial der Freiräume rund um Wiener Krankenhäusern, Pflegeanstalten und Rehabilitationszentren zu erheben, wurde von der Magistratsabteilung für Angelegenheiten der Landessanitätsdirektion (Dezernat Gesundheitsplanung, WHO-Projekt Gesunde Stadt) und der MA 18 die Studie "Gesunde Gärten" an das Landschaftsplanungsbüro KOSELICKA in Auftrag gegeben.

Vorgangsweise

Im Wiener Stadtgebiet wurden 37 bestehende Krankenhäuser, Pflege- und Pensionistenheime der Stadt Wien begangen und analysiert. Ausschlaggebend für die Bewertung und weitere Bearbeitung waren folgende Kriterien:

  • sind Freiräume auf dem Areal vorhanden und, wenn ja, wie werden sie genutzt?
  • sind Ansätze zur Einbeziehung der Freiräume in den Krankenhausalltag sichtbar?
  • sind räumliche oder organisatorische Möglichkeiten gegeben, die Freiraumnutzung zu erweitern?
  • besteht auf Grund der Behandlungsschwerpunkte und der sich daraus ergebenden Aufenthaltsdauer der PatientInnen in der Einrichtung Bedarf an ergänzenden Freiraumangeboten?
zwei Menschen sitzen auf einer Parkbank

Bereits die geringe Intimität einer eigenen Parkbank wird als Erleichterung empfunden.

Menschen gehen im Park spazieren oder sitzen auf Parkbänken

Intimität und das ruhige Gespräch mit vertrauten Personen unterstützt und fördert die Heilung.


Park mit zwei Brücken

Beweglichkeit wiedererlangen durch verordnete Übungen am Parcours...

herbstlicher Park

... oder auf Wegen, die mit unterschiedlichen, alltäglichen Schwierigkeiten ans Ziel führen.


Steinweg im Park
PatientInnengarten

Wie kann ein "gesunder Garten" überhaupt genutzt werden?

Ein Patient, der über eine längere Zeitspanne in einer Heil- und Pflegeanstalt bleiben muss, nimmt einen enormen Verlust an Intimsphäre auf sich. Der Garten ist oft der einzige Ort, an dem ein Privatgespräch geführt werden kann, der einzige Ort, an dem man in Ruhe nachdenken kann. Ein Spaziergang durchs Grüne wirkt in jedem Fall anregend und oft ist auch schon der Blick aus dem Fenster in eine freundliche, lebendige Umgebung belebend. Der Krankenhauspark als "Gesunder Garten" eröffnet aber auch eine Fülle von Therapiemöglichkeiten. Er bietet Platz für Physiotherapie, an extra errichteten Stufen und Wegen können Rehabilitationsübungen durchgeführt werden. Besonders interessant ist die Idee eines Patientengartens. Dort können die Bewohner von Pensionistenheimen selbst etwa Gemüse anbauen, die Pflanzen pflegen und ernten. Es werden dabei besondere Möglichkeiten für sinnliche Freiraumerfahrungen geboten: Riechen, Fühlen und Tasten sollen vor allem älteren und stark beeinträchtigten PatientInnen Abwechslung vom Spitalsalltag bieten und Möglichkeiten eröffnen, alltägliche Lebensgewohnheiten wieder aufzunehmen. Aber auch für die Angestellten kann ein einladender Garten Pausen- und Erholungsraum sein. Gesunde Gärten gewährleisten darüber hinaus funktionierende Abläufe innerhalb des Krankenhauses: sorgfältige Freiraumorganisation steuert die Ansprüche, die an Freiräume gestellt werden: Fußwege, Parkplätze und Rettungszufahrten müssen aufeinander abgestimmt werden. Dabei kommt vor allen den Eingangsbereichen besondere Aufmerksamkeit zu, denn sie empfangen PatientInnen und BesucherInnen und sollen daher übersichtlich und klar aufgebaut sein. Wichtig ist eine einladende, freundliche Gestaltung dieses Bereiches, denn es soll die angsterfüllte Stimmung beim Betreten eines Krankenhauses soweit möglich entschärft werden.

Derzeitige Nutzung

Die Nutzungsmöglichkeiten beschränken sich leider oft auf Spazierwege und Sitzgelegenheiten entlang der Wege. In einigen Anlagen sind Kaffeehäuser, Imbisstände und Geschäfte zu finden. Seltener gibt es Übungsstrecken für Rehabilitationstraining. Leider bleibt für solche Extratrainings in der Alltagsroutine eines Krankenhauses wenig Zeit. Das Personal ist mit dieser zusätzlichen Betreuung häufig überfordert: die Flächen werden selten genutzt und wirken schnell verwahrlost

Ergebnisse

Die Untersuchung beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung von Krankenhäusern und Krankenhausgärten in Wien. Die ausgesuchten Beispiele wurden bezüglich ihrer Lage, der Freiraumsituation und der möglichen Nutzung der Gärten bearbeitet. Ergebnis der Erhebungsphase war, dass bei älteren Anlagen durchwegs größere Grünflächen zu finden sind, jedoch viele davon durch neue Zubauten bzw. Verkehrsanlagen beeinträchtigt sind. Vor allem der ruhende Verkehr direkt vor den Pavillons stellt ein großes Problem dar, denn er nimmt den Platz ein, der für eine Freiraumnutzung direkt an der Schwelle des Gebäudes besser genutzt wäre. Gerade gehschwache Personen könnten von einem solchen Angebot profitieren. Neubauten bieten nur selten großzügig Freiflächen. Freiräume werden oft nur dort belassen, wo sie für Lichtgewinn und Belüftung nötig sind. In einer zweiten Bearbeitungsphase wurden das Krankenhaus Lainz und das Pflegezentrum Sophienspital detaillierter analysiert. Für diese Vertiefungsprojekte wurden Funktionsschemata erstellt, die die Nutzung der einzelnen Flächen innerhalb des Areals und auch die Verbindungen zwischen den Flächen aufzeigen. Angeregt auch durch diese Arbeit konnte im Geriatriezentrum Am Wienerwald ein Gartentherapieprojekt initiiert werden. Dieses Projekt ist Bestandteil des Schwerpunktes Palliativmedizin des Pavillons VII. Es wird damit der Mangel an Gestaltungsmöglichkeiten, die Monotonie des Alltags und die Raumnot für die PatientInnen gemindert und der Zugang zur unmittelbaren Umwelt sichergestellt. Durch das gemeinsame Projekt der Magistratsabteilung 18 und der Magistratsabteilung für Angelegenheiten der Landessanitätsdirektion wurde ein intensiver Gedankenaustausch möglich. In Zukunft sollen bei Neu- oder Umbauten im Bereich des Gesundheitswesens die Auswirkungen auf den Grün- und Freiraum berücksichtigt werden. IngenieurkonsulentInnen für Landschaftsplanung sollen bei Planungsfragen beigezogen werden, um ein Pflegekonzept für die "Gesunden Gärten" im Sinne von nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten der Freiräume für PatientInnen und Pflegepersonal auszuarbeiten.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden von den beiden Magistratsabteilungen im Rahmen der "Blauen Reihe" als Band 64 unter dem Titel "Gesunde Gärten" als Broschüre herausgegeben.

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