BürgerInnen-Beteiligung - Fernbus-Terminal am Handelskai

Video: Was bedeutet der neue Fernbus-Terminal für den Bezirk?

Für die Erstellung der Machbarkeitsstudie wurden Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern berücksichtigt, die bei der Informationsausstellung zum Projekt im Juni 2019 gesammelt wurden.


Rund 250 Besucherinnen und Besucher haben damals die Gelegenheit genutzt, sich über das Projekt zu informieren und mit dem Team von Stadt und Bezirk über ihre Anliegen und Sorgen zu sprechen.

3 Themenkreise

3 große Themenkreise haben sich dabei herauskristallisiert:

  • Die Gestaltung der Umgebung des neuen Fernbus-Terminals und die künftige Quartiersentwicklung
  • Allgemeine Verkehrs- und Mobilitätsthemen im Bezirk
  • Der Fernbus-Terminal selbst und seine Wirkungen auf das Umfeld

Machbarkeitsstudie

Berücksichtigte Anliegen

In der Machbarkeitsstudie wurden vor allem folgende wichtige Anliegen berücksichtigt:

  • Entlastung der Meiereistraße von den derzeit dort fahrenden Fernbussen
  • Kein Hol- und Bringverkehr für den neuen Terminal in der Meiereistraße
  • Brücke über den Handelskai für Fuß- und Radverkehr und damit eine Verbindung zum rechten Donauufer
  • Helle, saubere und sichere Gestaltung des Terminals
  • Lärmschutz

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zum neuen Terminal sollten im Frühjahr 2020 wieder in einer BürgerInnen-Veranstaltung vorgestellt werden. Wegen der Coronakrise konnte diese Veranstaltung leider nicht wie geplant stattfinden. Die Informationen wurden daher ab 15. Mai 2020 online zur Verfügung gestellt: Zentraler Fernbus-Terminal am Handelskai. An die Haushalte im Umfeld des Terminals wurde gleichzeitig der Informationsfolder "Der neue internationale Fernbus-Terminal Wien" (3 MB PDF) verteilt. Außerdem konnte man sich bei einer Ausstellung im Bezirksamt des 2. Bezirks informieren.

Reaktionen auf Ergebnisse

Die Bürgerinnen und Bürger aus der Umgebung waren eingeladen, bis Ende Mai 2020 auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu reagieren und Vorschläge für die Gestaltung des Fernbus-Terminals und seines Umfeldes zu machen.

Besonders interessierten folgende Themen:

  • Was ist Ihnen für die Gestaltung des öffentlichen Raums wichtig?
    • Engerthstraße, zwischen Stadion Center und Radstadion
    • Marathonweg
    • Brücke über den Handelskai und Bahn zum rechten Donauufer
  • Was wünschen Sie sich an ergänzenden Angeboten (Geschäfte, Infrastruktur et cetera)?
  • Welche Mobilitätsangebote würden Sie sich wünschen (Carsharing, Lastenräder, E-Bikes, E-Scooter, Ladestationen et cetera)?
  • Welche Vorschläge haben Sie für Maßnahmen gegen die Hitzebelastung?

Anliegen und Vorschläge im Überblick

Rund 40 Personen beziehungsweise Haushalte haben sich mit Reaktionen und Vorschlägen gemeldet. Als Themenkreise zeigten sich dabei:

  • Verkehrsfragen und Erschließung
  • Lärmschutz und Emissionen
  • Klimamaßnahmen und Begrünung
  • Gestaltung des öffentlichen Raums
  • Sauberkeit und Sicherheit
  • Geschäfte, Infrastruktur und Mobilitätsangebote
  • Sport & Fun Halle
  • Überbauung und Standort
  • Information und Beteiligung

Alle Rückmeldungen wurden im Detail aufgenommen und direkt beantwortet. Konkrete Vorschläge werden auf Umsetzbarkeit geprüft und fließen nach Möglichkeit in die Aufgabenstellung des Realisierungswettbewerbs ein. Anliegen, die über das Planungsgebiet des Terminals hinausgehen, werden an die zuständigen Stellen zur Information weitergeleitet.

Verkehr und Erschließung

Die meisten Anliegen und Vorschläge bezogen sich auf die Thematik Verkehr und Erschließung, zum Beispiel auf den Busverkehr auf den Zu- und Abfahrtsrouten (Handelskai, A23), befürchtete Überlastung und Staubildung, Abbiege- und Ampelregelungen (zum Beispiel Handelskai/Wehlistraße) sowie die Belastung beziehungsweise Entlastung der umliegenden Straßen im Wohngebiet (zum Beispiel Meiereistraße, Marathonweg, Engerthstraße).

Die Planungen der Stadt Wien und der WH Fernbus-Terminal Projektentwicklung GmbH für den Fernbus-Terminal schließen selbstverständlich auch verkehrstechnische Untersuchungen ein. Die Themen wurden beziehungsweise werden geprüft.

  • Fernbusse werden den neuen Terminal ausschließlich über den Handelskai anfahren beziehungsweise von dort abfahren. Das heißt es wird in Zukunft keinen Fernbusverkehr mehr in der Meiereistraße und auf dem Marathonweg geben.
  • Als ein wichtiges Thema stellte sich die in der Machbarkeitsstudie vorgeschlagene "Kiss & Ride Zone" am Marathonweg heraus. Sowohl auf Beeinträchtigungen (Lärm, Abgase, ungeordnetes Parken), die durch den Hol- und Bringverkehr entstehen könnten, als auch auf die Größe der Ein- und Ausgänge auf dieser Seite des Terminals wurde aufmerksam gemacht. Auf Basis der Rückmeldungen wird den Teilnehmenden am Architekturwettbewerb nun besonders ans Herz gelegt, eine gute, die AnrainerInnen-Interessen bestmöglich berücksichtigende Lösung dafür zu finden.
  • Fragen gab es auch zum Zubringerverkehr für das Hotel- und Bürogebäude sowie die Stellplätze dafür. Auch dieses Thema wird in den Planungen berücksichtigt: Aufgrund der öffentlichen Anbindung und weniger als 50 Stellplätzen (im Stadion Center) nimmt das Planungsteam dafür ein geringes Verkehrsaufkommen an.
  • Die Anbindung an die U-Bahn und deren Auslastung waren ebenfalls ein Thema der Rückmeldungen. Das Planungsteam weiß aus der Beobachtung der bisher bestehenden Terminals, dass die meisten Busreisenden die U-Bahn benützen. Die U2 kann das Aufkommen, das durch den Fernbus-Terminal entstehen wird, bewältigen und auch die Station "Stadion" ist auf Hochleistung ausgerichtet. Man wird aber genau beobachten, wie sich der Fernbus-Terminal auf die U-Bahn niederschlägt und gegebenenfalls darauf reagieren. Dasselbe gilt für die Buslinien 11A und 77A, die bestehen bleiben.
  • Einige Interessierte fragten außerdem nach einer möglichen S-Bahn-Verlängerung (S45, S80) entlang der Güterzugstrecke. Für die Stadt Wien ist diese Verlängerung ein langfristiges Ziel, eine Umsetzung ist zurzeit jedoch nicht absehbar.

Lärmschutz und Emissionen

Eine Reihe von Anliegen nahmen auf den Lärmschutz und auf die Abgase der Fernbusse Bezug, vor allem in Hinblick auf die unmittelbare Wohnumgebung, zum Beispiel beim Marathonweg.

  • Für das Planungsteam ist die Abschirmung der Anrainerinnen und Anrainer eine wichtige Aufgabenstellung, die im Wettbewerb berücksichtigt wird.
  • Bereits jetzt steht fest, dass die Zu- und Abfahrten über den Handelskai erfolgen werden.
  • Das Verkehrsgeschoß wird im Untergeschoß des Terminals liegen.
  • Busse dürfen im Terminal selbst die Motoren nicht laufen lassen. Dies wird durch die Benutzungsordnung vorgeschrieben.
  • An allen Abfertigungsplätzen wird es zudem Stromanschlüsse für die Busse geben, sodass Heizungen und Klimaanlagen während der kurzen Stehzeiten betrieben werden können, ohne Motoren laufen zu lassen.

Klimamaßnahmen und Begrünung

Zum Thema Klima, Hitze und Grünflächen wurde von Bürgerinnen und Bürgern vor allem darum ersucht, möglichst viel zu begrünen - sowohl auf dem Terminaldach als auch auf der Fassade und den umliegenden Freiflächen. Ein Park mit Wiese und Spielplatz wurde ebenso genannt wie der Einsatz von Wasser wie Brunnen oder ähnlichem. Alte Bäume sollten nach Möglichkeit erhalten beziehungsweise möglichst viele neue gepflanzt werden. Außerdem wurde darum gebeten, den Windschutz zu berücksichtigen.

Die durch den Bau des Terminals (Gebäude, Bussteige mit Leichtdach) reduzierten Grünflächen beziehungsweise notwendigen Baumfällungen sollen kompensiert werden, zum Beispiel durch Dach- und Fassadenbegrünung, Baumpflanzungen im Straßenraum und Entsiegelungsmaßnahmen ausgeglichen werden.

Das genaue Verhältnis von bebauten Fläche zur Grünfläche wird sich erst nach dem Architekturwettbewerb sowie in weiterer Folge bestimmen lassen. Die am Architekturwettbewerb teilnehmenden Planerinnen und Planer sind aufgefordert, den Baumbestand so weit wie möglich zu erhalten. Allfällig notwendige Ersatzpflanzungen sollen möglichst auf Eigengrund erfolgen. Eine Windexpertin beziehungsweise ein Windexperte werden beigezogen.

Gestaltung des öffentlichen Raums

Die Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern für den öffentlichen Raum rund um den Fernbus-Terminal lauteten unter anderem:

  • Er soll nicht nur für Reisende, sondern auch für Anrainerinnen und Anrainer attraktiv gestaltet sein.
  • Er sollte jederzeit zugänglich sein und zum Beispiel auch Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang bieten.
  • Der geplante Verbindungssteg zum Donauufer soll leicht und barrierefrei erreichbar sein.
  • Wichtig ist außerdem, dass auf Sauberkeit geachtet wird. Die eingesetzten Materialien sollen gut zu reinigen und auch nach mehreren Jahren noch schön sein. Sicherheit spielt im öffentlichen Raum ebenso eine große Rolle wie im Terminal selbst.
  • Herumlungern und Lärm, vor allem am Abend, sollen verhindert werden.
  • Die Nachtbeleuchtung soll besonders am Marathonweg so gestaltet werden, dass die umliegenden Wohnungen nicht gestört werden.

Das Planungsteam nimmt diese Vorschläge auf und prüft Sie auf Umsetzbarkeit.

Sauberkeit und Sicherheit

  • Für die Ausstattung des Terminals wurden als Anliegen saubere und barrierefreie Sanitäreinrichtungen, Umkleideräume, ausreichend Sitzgelegenheiten im Innen- und Außenbereich, genügend Müllcontainer sowie ein Alkohol- und Rauchverbot genannt.
  • Ein wichtiges Anliegen ist ein durchdachtes Sicherheitskonzept. So soll der Terminal gut beleuchtet und transparent gestaltet sein. Der Zutritt zu den Bussteigen soll nur mit gültigem Ticket möglich sein. Die Sicherheit soll durch Betriebspersonal durchgängig gewährleistet sein.
  • Auch für das Planungsteam sind Sicherheit und Sauberkeit sehr wichtige Ziele. Deshalb wird während der Betriebszeit ständig Betriebspersonal vor Ort sein. Der Terminal wird ein attraktives Angebot für die Passagiere mit Cafés, Wartebereich et cetera bieten und somit belebt sein. Außerhalb der Betriebszeit wird der Terminal abgesperrt werden.
  • Sicherheitstechnisch wird der Terminal auf der Höhe der Zeit ausgestattet sein. Der Zu- und Abgang für Reisende kann über das belebte Stadion Center erfolgen. Helle und transparente Gestaltung gibt Sicherheit. Das unmittelbare Umfeld des Terminals soll ebenfalls hell und übersichtlich gestaltet werden.
  • Weiters werden bereits im Realisierungswettbewerb ExpertInnen und BeraterInnen zu den Themen Sicherheit sowie Sucht- und Drogenkoordination hinzugezogen, damit von Beginn an Angsträume verhindert werden.

Geschäfte, Infrastruktur und Mobilitätsangebote

Als wünschenswerte Angebote im Umfeld des Terminals und Stadion Centers wurden Cafés, Bistros, eine Bäckerei und eine Art Marktplatz genannt, eventuell mit Foodtrucks und einem Schwerpunkt auf Sport in Prater-Nähe. Vorgeschlagen wurden außerdem eine Postfiliale, eine Wien-Info, ein Haushaltswaren- und Werkzeug-Geschäft, Anbieterinnen und Anbieter von Bio-Produkten, eine größere Blumenhandlung, eine Buchhandlung und ein Stand für internationale Zeitungen. Billiganbieter sollten vermieden werden.

Nur wenige Meldungen bezogen sich auf neue Mobilitätsangebote, zum Beispiel E-Carsharing, E-Bikes, E-Scooter und Lastenräder oder einen Radverleih auch für Kinder. Das Planungsteam prüft auch diese Anregungen und Vorschläge auf Umsetzbarkeit und lässt sie nach Möglichkeit in die weiterführenden Planungen miteinfließen.

Sport & Fun Halle

Einige Anrainerinnen und Anrainer setzten sich für eine Alternative für die Sport & Fun Halle ein, die derzeit auf dem Planungsgebiet für den Terminal steht.

Der Stand der Planungen ist, dass derzeit nach einem geeigneten Standort, möglichst in der Nähe, gesucht wird. Die Halle muss jedenfalls bereits errichtet und betriebsbereit sein, bevor mit dem Bau des Terminals begonnen wird.

Überbauung und Standort

Einige Fragen betrafen das geplante Hochhaus über dem Terminal, in dem Büros und ein Hotel untergebracht werden sollen. Die Planerinnen und Planer sehen diese Nutzung als eine gute Ergänzung zum Terminal. Sie ist sinnvoll und notwendig, um ein attraktives Angebot für Reisende zu schaffen und das Projekt wirtschaftlicher gestalten zu können. Die Höhe von circa 90 Metern entspricht dem für das Gebiet Waterfront städtebaulich verträglichen Maß.

Der Standort des Terminals an sich wurde in den Reaktionen zum einen als Belebung und Aufwertung für das gesamte Gebiet begrüßt. Der Standort wurde von einer Reihe von Anrainerinnen und Anrainer in Frage gestellt, die sich Sorgen um die Lebensqualität in ihrer Wohnumgebung machen. Die Entscheidung der Stadt Wien für den Standort Handelskai beim Stadion Center fiel nach einer eingehenden Standortsuche und -untersuchung, weil er alle wichtigen Kriterien erfüllt. Dazu gehören vor allem die Nähe zum hochrangigen Straßennetz, damit der Busverkehr möglichst wenig durch Wohngebiet führt, die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und die rasche Erreichbarkeit des Stadtzentrums.

Information und Beteiligung

Zur Projektinformation gab es positive Reaktionen auf die Aufbereitung des Überblicks und auf die Einladung, Vorschläge einzubringen. Andererseits wurde auch Kritik geäußert, zum Beispiel an der relativ kurzen Frist für die Rückmeldungen (15. bis 27. Mai 2020), der Darstellung des Projektnutzens, der Weiterentwicklung der Planungen im vergangenen Jahr oder der als zu wenig häufig oder nicht ausreichend empfundenen Information und Einbindung.

Dem Projektteam ist bewusst, dass es nicht bei allen Anrainerrinnen und Anrainern Zustimmung zum Projekt gibt. Unterschiedliche Projekte haben auch verschiedene Möglichkeiten der Mitbestimmung. Bereits im Sommer 2019 wurde kommuniziert, dass der Standort fixiert ist und damit auch bestimmte Rahmenbedingungen feststehen. Es ist den Verantwortlichen dennoch sehr wichtig, über die Projektschritte zu informieren - wie zuletzt über die fertiggestellte Machbarkeitsstudie - und Rückmeldungen einzuholen. Diese sollen so gut wie möglich in der weiteren Planung berücksichtigt werden. In diesem Fall liegt der Rahmen bei der Gestaltung des öffentlichen Raums, in möglichen ergänzenden Angeboten, Mobilitätsangeboten oder Vorschlägen gegen die Hitzebelastung.

Wie geht es weiter?

In der aktuellen Planungsphase findet der Realisierungswettbewerb statt. Außerdem beginnen parallel die Vorbereitungen für die Suche nach Betreibern des Fernbus-Terminals.

Bei der nächsten Information der Bürgerinnen und Bürger werden die Ergebnisse des Wettbewerbs vorgestellt. Der Wettbewerb wird voraussichtlich bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

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