Interview mit Reinhard Sander, Leiter der Mobilen Jugendarbeit SEA

Reinhard Sander war bis 2016 Leiter der Mobilen Jugendarbeit in Stadlau, Essling und Aspern sowie des Kinder- und Jugendzentrums Hirschstetten, zwei Einrichtungen des Vereins Wiener Jugendzentren.

Reinhard Sander

Reinhard Sander

wien.at: Was gibt es für ein Angebot für Jugendliche?

Reinhard Sander: Die Mobile Jugendarbeit SEA ist von Mittwoch bis Samstag von circa 16 bis 21 Uhr unterwegs in den Stadtteilen Essling, Aspern, Stadlau. Wir kennen und besuchen die relevanten Jugendtreffpunkte im Öffentlichen Raum, nehmen Kontakt auf zu den Jugendgruppen/-cliquen und arbeiten mit den Themen der Jugendlichen und im Bedarfsfall anderer Personengruppen wie zum Beispiel Anrainerinnen und Anrainer. Wir bieten niederschwellige Information und Beratung und unterstützen die Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Ideen (zum Beispiel Parkgestaltung, Organisation von Festen, Sportturnieren, jugendkulturellen Events, Ausflüge et cetera)

In der Seestadt gibt es das wöchentliche Open House (jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr) als Angebot für die Jugendlichen, sich mit ihren Freunden zu treffen und in Kontakt mit den Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern zu treten. Wir verstehen uns als Informationsdrehscheibe für alle Jugendlichen und alle, die in der Seestadt mit Jugendlichen zu tun haben. Die Räume im Container können auch teilweise von den Jugendlichen in Selbstorganisation genutzt werden.

wien.at: Wie viele Jugendliche beziehungsweise Interessierte gibt es bereits in der Seestadt?

Sander: Derzeit besuchen das Open House Jugendliche aus den umliegenden Stadtteilen (Essling, Aspern, Stadlau, Hirschstetten). Sie kennen die Jugendarbeit aus der mobilen Arbeit und folgen der Einladung in die Seestadt. Dieses Angebot nutzen wöchentlich zwischen zehn und 40 junge Burschen und Mädchen.
Seestadtinteressierte gibt es mehr- immer wieder landen Besucherinnen und Besucher bei uns im Jugend-Point. Sie kommen, um die Baustelle anzuschauen oder ihre zukünftige Wohngegend zu erkunden. Bei größeren Veranstaltungen und Events, die wir mit Jugendlichen gemeinsam organisieren, besuchen uns auch schon mal 400 bis 500 Gäste.

Ansprechstelle für alle Jugendthemen

Jugendpoint: Container mit Vordächern, Platz zum Fußball spielen

wien.at: Was für Aktivitäten sind künftig geplant?

Sander: Regelmäßiger Fixpunkt ist das Open House jeden Donnerstag von 17 bis 20 Uhr. Auf der alten Rollbahn steht die Wintersaison bevor, wo es wohl etwas ruhiger werden wird. Größere Veranstaltungen sind derzeit nicht geplant. Die neue Nachbarschaft wird uns beschäftigen. Neue Bewohnerinnen und Bewohner kommen oder sind schon da, wir wollen mit den Jugendlichen ein erstes Kennenlernen organisieren. Auch in der Vernetzung ist es uns wichtig, als Vertreterinnen und Vertreter für jugendrelevante Anliegen präsent zu sein. Wir stehen auch für Anfragen aller Art zu Jugend(arbeit) in der Seestadt zur Verfügung.
Im Winter ist auch vermutlich wieder mehr Bedarf von den Jugendlichen, die Räume in der Seestadt selbstorganisiert zu nutzen. Auch das muss/darf geplant, besprochen und organisiert werden.

wien.at: Wie wird sich eure Arbeit verändern, wenn mehr Menschen in der Seestadt leben?

Sander: Wir freuen uns auf neue Nachbarinnen und Nachbarn, auch wenn das für uns und die Jugendlichen bedeutet, dass es auch Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer Nutzerinnen und Nutzer beziehungsweise Bewohnerinnen und Bewohner braucht. Wir bemühen uns von Anfang an um eine gute Vernetzung und Präsenz, um auch den Bewohnerinnen und Bewohnern für Anliegen, Fragen zum Thema Jugend/Jugendarbeit als Ansprechpersonen bekannt zu sein. Wenn auch ein paar oder mehrere junge Menschen in der Seestadt wohnen, können sie unsere Angebote auch nutzen und so Kontakt knüpfen zu den anderen Jugendcliquen, die den Ort 'Seestadt' schon länger kennen und nutzen.

wien.at: Wann seid ihr in der Seestadt?

Sander: Fix immer am Donnerstag beim Open House. Darüber hinaus nutzen wir die Container für Büroarbeit, Teambesprechungen, Vernetzungstreffen, aber auch Planungstreffen mit Jugendlichen oder Beratungsgespräche. Diese Anwesenheiten sind flexibel und werden je nach Bedarf individuell vereinbart.

Offene Räume für Jugendliche

wien.at: Die Seestadt soll ein durchmischter Stadtteil werden: Welche Rolle spielen die Jugendlichen dabei?

Sander: Jugendlichen wohnt eine innovative Kraft inne. Sie sind offen für neue Ideen und bringen sich auch ein, wenn man sie lässt. Das heißt, es braucht ein offenes Gegenüber, damit sie Platz haben dürfen mit zum Beispiel jugendkulturellen Veranstaltungen, die sie mit unserer Unterstützung organisieren können. Spannend wird auch die Ausrichtung und Zugänglichkeit von Veranstaltungsräumen und Lokalen, die die Seestadt bieten wird. Davon hängt ab, wie die Jugend diese nutzen und somit zur Vielfalt beitragen wird.
Auch die Räume in der Seestadt, die Aktivität ermöglichen (Sport-, Spielplätze, Skateranlage et cetera) und 'Chillzonen' werden die Jugendlichen aneignen und gerne benutzen, wenn sie auch passend gestaltet sind. Vor allem bei öffentlichen und halböffentlichen Räumen (wie etwa der Schulcampus, wo eine Sportanlage geplant ist) ist es wichtig, diesen Jugendlichen zugänglich zu machen, damit sie sich einbringen können.

wien.at: Die Seestadt ist eine Vision: Wo sehen Sie die Jugendarbeit in der Seestadt in zehn Jahren?

Sander: In zehn Jahren gibt es in der Seestadt eine fixe Anlaufstelle, einen Stützpunkt der Jugendarbeit, sie ist fix verortet, etabliert und gut vernetzt. Die Jugendlichen in der Region haben einen fixen Anknüpfungspunkt und eine Anlaufstelle für ihren Bedarf und ihre Interessen. Die Jugendarbeit ist aber auch in der Seestadt als Ansprechpartnerin für alle, die mit Jugendlichen zu tun haben, bekannt und wird als solche genutzt.
Auch im öffentlichen Raum hat die Jugendarbeit eine etablierte Rolle. Sie kann als Vermittlerin zwischen unterschiedlichen Bedürfnis- und Interessenslagen der NutzerInnengruppen und Wegbereiterin für die Anliegen Jugendlicher im öffentlichen Raum fungieren.

wien.at: Was sagen die Donaustädter Jugendlichen zu Ihrem Bezirk, der zu den dynamischsten Gebieten Wiens zählt, und wo das Wachstum der Donaumetropole sehr ersichtlich ist?

Sander: Die Jugendlichen beobachten genau, wo 'ihre' Donaustadt wächst und sich verändert. Ein paar Unsicherheiten entstehen durch die rasche Entwicklung. Wer wird hier wohnen, wie eng wird der Raum, und wo ist Platz für uns Jugendliche, sind einige der Fragen, die sie beschäftigen. Positiv gesehen werden von allen die bessere Erreichbarkeit, die verbesserte öffentliche Anbindung an die Stadt. Die Identifikation mit dem Bezirk oder dem Stadtteil ist jedenfalls hoch, viele sind hier aufgewachsen und möchten auch nicht weg.

Zitate von Jugendlichen aus dem Jugend-Point

  • Holger, 14 Jahre, Scooterfahrer: "Wenn für alle genug Platz ist, dann ist das eh cool, wenn hier so viel gebaut wird und so viele neue Leute kommen. Aber wir brauchen dann ganz viele Skaterplätze und eine Skaterhalle!"
  • Raffi, 15 Jahre: "Die Donaustadt ist meine Heimat und bleibt meine Heimat!"
  • Jakob, 16 Jahre: "Oh nein! Wenn dann alle im Seestadt-See baden - das geht sich nie aus!"
  • Celi, 14 Jahre: "Die Donaustadt ist Bombe! Macht nix, wenn sie wächst!"
  • Patricia, 18 Jahre: "Die Donaustadt ist jetzt voll zentral, das ist super! Es ist grün und trotzdem Stadt, und es ist cool, dass mehr los ist! Am besten ist das Seestadt-Jogi (Anmerkung: der Jugend-Point SEA), da kann man auch die Seestadt kennenlernen."
  • Raphael, 19 Jahre, angehender Hundebesitzer: "Man sollte beim Planen die Hundezonen nicht vergessen!"
  • Martin, 19 Jahre, angehender Deep- und Housetech-Veranstalter: "Was hier fehlt sind geeignete Veranstaltungslocations."

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