Gespräch mit Yara Coca Dominguez, Projektentwicklerin, Gartenpolylog

Yara Coca Dominguez bei Gemüsebeeten in einem Gemeinschaftsgarten

Yara Coca Dominguez

Yara Coca Dominguez vom Verein Gartenpolylog hat bei der Gründung des ersten Gemeinschaftsgartens in aspern Seestadt mitgearbeitet.

Der Garten bietet nicht nur Gelegenheit, mit der Natur vor Ort vertraut zu werden, sondern sich kennenzulernen und untereinander auszutauschen.


wien.at: Wer sich gärtnerisch betätigen will, aber keinen eigenen Garten hat, kann das im Rahmen von Gemeinschafts- und Nachbarschaftsgärten tun. Welche Möglichkeiten bietet hier die Seestadt?

Yara Coco Dominguez: In der Seestadt aspern gibt es bereits einen Gemeinschaftsgarten. Er liegt im Südwesten, gut eingebettet im Grünen, südlich des künftigen Madame-d'Ora-Parks und ist über die Maria-Potesil-Gasse erreichbar.

wien.at: Wie sieht der Seestadtgarten aus?

Dominguez: Es sind momentan 15 Beete, von 15 bis 100 Quadratmeter groß. Derzeit sind alle Beete besetzt und der Garten wird je nach Saison bepflanzt. Die Gartengemeinschaft ist heuer angewachsen. Da bereits die ersten Pionierinnen und Pioniere den Umzug in die Seestadt vor der Brust hatten, wollten sie sich mit dem Gärtnern gleich auf das neue Leben hier einstimmen!

wien.at: Wie groß ist das Interesse am gemeinsamen Gärtnern in der Seestadt?

Dominguez: Das Interesse wird spürbar immer größer, obwohl die allerersten Mieterinnen und Mieter gerade erst eingezogen sind. Ich bin mir sicher, dass der Bedarf an Gemeinschaftsgärten mit der Seestadt weiter wachsen wird. Da kommt das hiesige Stadtteilmanagement gerade recht. Es ist genau für solche Anliegen da. Wenn es der Wunsch der Bewohnerinnen und Bewohner ist, werden sie in der Seestadt versuchen, den Gemeinschaftsgarten auszubauen.

Aktive Mitgestaltung der Stadt

Gemüsebeet, umgeben von provisorischem Zaun, im Hintergrund Rohbau

wien.at: Was baut sich in der Seestadt denn am besten an?

Dominguez: Es wächst hier prinzipiell alles gut! Besonders, wenn man auf eine gute Bedeckung des Bodens mit Mischkulturen achtet und die Oberfläche immer wieder lockert. Die größte Herausforderung ist die Bodenverdichtung durch die intensive Bautätigkeit der letzten Jahre. Das kann mitunter zu Überschwemmungen führen. Aber mit gezielten Maßnahmen zu Bodenaufbau und -pflege wird es sicherlich besser.

wien.at: Welchen Nutzen bringt das Gärtnern den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern der Seestadt?

Dominguez: Es ist eine sehr schöne Art, schnell in Verbindung mit dem neuen Wohnort zu kommen und selber in der Gestaltung der 'Stadt' aktiv zu werden. Das passt absolut zur Grundidee der Seestadt, wofür die Menschen sich hier ja entschieden haben!

wien.at: Wie kann Ihr Verein "Gartenpolylog" dabei unterstützen?

Dominguez: Wir haben seit unserer Gründung zehn Gemeinschaftsgärten in Wien umgesetzt. Was heißt das? Wir sind bei der Anbahnung dabei und begleiten die Gruppen, bis sie ihren eigenen Verein gründen und den Garten eigenständig verwalten. Parallel dazu beraten wir Private und Institutionen in allen Belangen des Gartengeschehens. Wir führen Grünprojekte mit Schulen und Erwachsenen durch und vernetzen die bald 100 Gärten in Österreich. Wir betreiben dafür unter anderem eine interaktive Webseite und organisieren eine jährliche Netzwerktagung.

Mehr Austausch und besseres Miteinander

wien.at: Werden die Gärtnerinnen und Gärtner durch ihre Arbeit auch auf Themen aufmerksam, die man in einer städtischen Gemeinschaft nur miteinander diskutieren und voranbringen kann?

Dominguez: Engagierte Leute wie die Baugruppen oder die Gemeinschaftsgärtnerinnen und -gärtner in der Seestadt machen es vor. Diese Initiativen sollen die Menschen ja dazu bringen, sich wieder vermehrt auszutauschen und zu einem besseren Miteinander beizutragen. Es ist heutzutage sicher vonnöten, bestimmte Abläufe so effizient und effektiv wie möglich zu gestalten. Aber wenn es um die Lebensqualität von Morgen geht, muss das Miteinander an die erste Stelle rücken.

wien.at: Was lässt sich Ihrer Meinung nach in einem Neubauquartier wie der Seestadt mit Projekten wie diesen veranschaulichen?

Dominguez: Manche Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen! Denken Sie nur an den Klimaschutz. Miteinander lassen sich aber viele Dinge ausprobieren und die größten Herausforderungen, wie etwa die Frage, wie wir uns in der Stadt von Morgen umweltfreundlicher fortbewegen können, meistern. Miteinander gedeihen auch die tollsten, schmackhaftesten Pflanzen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Nikolaus Summer.

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