Bauen und Energie - aspern Seestadt

aspern Seestadt wird nach einem Masterplan von Johannes Tovatt etappenweise entwickelt.

Visualisierung zeigt Gebäudekomplex mit Grünflächen

Das Technologiezentrum Seestadt wird als Passivhaus ausgeführt und ab 2018 erweitert.

Im Zuge der ersten Bauetappe verwandelt sich der südlich des Sees gelegene Teil des Projektgebiets in ein neues Viertel Wiens. Sämtliche Bauaktivitäten fußen auf der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) von 2010. Hier im Südwesten entstand das erste Wohnquartier der Seestadt. Bereits rund 6.300 Menschen leben hier. Die Gebäude weisen zumindest Niedrigenergiestandard auf, einige wurden in Passivhausqualität errichtet. Die Wohnhäuser sind größtenteils an das Wiener Fernwärmenetz angeschlossen. Der erste Bauträgerwettbewerb verpflichtete teilnehmende Wohnbauunternehmen außerdem dazu, auf und in den Gebäuden die baulichen Voraussetzungen für den Betrieb von Solaranlagen zu schaffen. Dächer und Schächte sind im Bedarfsfall für Nachrüstungen ausgelegt.

Energieforschung

Eine Besonderheit stellen die Bauprojekte dar, die Teil des Forschungsprogramms Aspern Smart City Research (ASCR) sind. Hier kommen innovative Energietechnologien zum Einsatz. Die Forschungsgesellschaft ASCR nimmt den kombinierten Betrieb von Wärmepumpen, Solarthermie-, Photovoltaik- und Hybridsolaranlagen sowie thermischen und elektrischen Speichern im Echtbetrieb unter die Lupe. Mit einem Schulgebäude, einer Wohnanlage und dem als Passivhaus errichteten Greenhouse-Studentenheim stehen unterschiedliche Gebäudetypen in ihrem Fokus. Ziel ist es, gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern in den nächsten Jahren Erkenntnisse für einen effizienten Umgang mit Energie in der Praxis zu sammeln.

Fernwärme

Die Wärme-Grundversorgung im Süden der Seestadt erfolgt durch Fernwärme. Diese weist in Wien aufgrund des Betriebs von KWK-Anlagen einen sehr niedrigen Primärenergiefaktor auf. Ihr regenerativer Anteil hätte ursprünglich durch ein Geothermie-Pionierprojekt weiter erhöht werden sollen. Dieses ambitionierte Vorhaben der Wien Energie hätte bis zu 40.000 Haushalte Wiens, darunter auch die bis zu 10.500 Wohneinheiten der Seestadt, versorgen können. Das Kraftwerk war rund drei Kilometer östlich der Seestadt geplant. Die Seestadt kann von dieser vielversprechenden Wärmequelle noch nicht profitieren. Indes setzt Wien Energie seine Forschungsarbeit zur Geothermie fort. Im Rahmen der Projekts Geotief Wien wird das Wiener Becken mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern geologisch derzeit noch besser erkundet.

Im Südosten der Seestadt greift bereits das Wirtschaftsleben Platz. Schon seit 2012 ist das Technologiezentrum Seestadt in Betrieb. In ihm sind schon zahlreiche Firmen beheimatet. Ab 2018 wird es erweitert. Einen Steinwurf davon entfernt entsteht bis 2020 das zentrale Seeparkquartier. Auch die gewerblichen Baufelder der ersten Etappe werden über das Fernwärmenetz beziehungsweise mit alternativen Energietechnologien versorgt. Die produzierenden Unternehmen Hoerbiger und Wien Work nutzen aus betrieblichen Gründen zudem eigene Gasanschlüsse. Ein erweiterbares 20-kV-Stromnetz hält für Betriebsbebauungen vor Ort in Sachen Elektrizität sämtliche Versorgungsoptionen offen.

Niedriger Energiebedarf

Generelles Ziel ist es, den Energiebedarf in der Seestadt möglichst niedrig zu halten. Selbst die Beleuchtung des Straßenraums folgt dieser Prämisse und setzt auf LED-Technik. Der aspern-Beirat prüft unterschiedliche Bauprojekte - auch die Gewerbeimmobilien und betriebliche Gebäude - auf ihre Qualität. Mindestvorgaben zum Thema "Nachhaltiges Bauen" nach den Kriterien der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (ÖGNB) spielen in der Seestadt eine große Rolle. Dabei werden die Mindestanforderungen im Seeparkquartier und im Quartier am Seebogen weiter erhöht. Zahlreiche der auf den BauZ-Kongressen ausgezeichneten besten Bauprojekte Österreichs stehen in der Seestadt. Das Technologiezentrum Seestadt hat als Plusenergiegebäude die Messlatte bereits zu Beginn sehr hoch angesetzt. Mittlerweile ist auch der zweite Bauträgerwettbewerb für das nördliche Quartier Am Seebogen bereits abgeschlossen.

Die Seestadt versteht sich außerdem als Urban Lab der Smart City Wien im Sinne des europäischen TRANSFORM-Programms. Alle Projekte nördlich des Sees können erst umgesetzt werden, wenn die laufende Umweltverträglichkeitsprüfung für die Bauetappe Seestadt Nord positiv abgeschlossen ist.

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