Studie "Kleinräumige Konzentrationsprozesse und Segregationstendenzen in Wien" (2006/2007)

Entwicklung der urbanen Gesellschaft

Städtische Gesellschaften unterliegen einem fortschreitenden demografischen und sozialen Wandel. Er zeigt sich europaweit in unterschiedlicher Ausprägung. Insgesamt wird die Gesellschaft heterogener ("uneinheitlicher"), die Polarisierung nimmt zu. Es existiert eine sozialräumliche Verschiedenheit, die sich durch die weitere Ausdifferenzierung der Gesellschaft vergrößert.

Diese Entwicklungen zeigen sich in Wien etwa durch ein deutliches Bevölkerungswachstum aus Zuwanderung (Internationalisierung), einen fortschreitenden Alterungsprozess und eine zunehmende Ausdifferenzierung der Gesellschaft nach Lebensstilen. Diese sowie ökonomische Entwicklungen (Flexibilisierung der Arbeitswelt) spiegeln sich in der sozialräumlichen Verteilung von Bevölkerungsgruppen im Stadtraum wieder.

Trends der Segregation ("Entmischung von Bevölkerungsgruppen") und Gentrifikation ("Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete") rufen in Wien unterschiedliche Stadt(teil)strukturen hervor. Die Überlagerung von verschiedenen Milieus in Stadtteilen kann zu sozialen und gesellschaftlichen Spannungen führen. Dies geschieht vor allem in Gebieten, in denen sich benachteiligte Gruppen konzentrieren. Sie können sozio-ökonomisch benachteiligt sein oder nur lückenhaft ins Gesellschafts- und Sozialsystem integriert sein. Durch Konzentrationen können allerdings auch neue Nischen und Potenziale entstehen

Für die vorausschauende Stadtforschung, Stadtplanung und Stadtentwicklung ist es wichtig, diese Prozesse zu beobachten und - soweit möglich - lenkend einzugreifen. Einerseits wird versucht, konfliktträchtige Konzentrationen zu bewältigen beziehungsweise ihnen vorzubeugen. Andererseits ist es das Ziel, durch Konzentrationen entstehende Potenziale zu erkennen und zu fördern.

Forschungsergebnisse

2006 bis 2007 wurde von der TU Wien, Fachbereich Stadt- und Regionalforschung, eine deskriptive Analyse der sozialräumlichen Dynamik in der Stadt erarbeitet. Der Fokus lag dabei auf stadträumlichen Konzentrationen und deren Veränderung zwischen 1997 und 2005. Unter dem Projekttitel "Kleinräumige Konzentrationsprozesse und Segregationstendenzen in Wien" wurden folgende Fragen untersucht: Welche Bevölkerungsstrukturen prägen die verschiedenen Stadtteile? Wie lassen sich diese Stadträume voneinander abgrenzen? Wie haben sich Konzentrationen verändert? Gibt es Bruchlinien in den sozialräumlichen Strukturen?

Die Untersuchungen der TU Wien ergaben, dass nachzeichenbare stadträumliche Strukturen in Wien differenzierter werden. Kleinräumige gebietspezifische Voraussetzungen prägen die stadträumliche Entwicklung. Gesamtstädtisch wird der Stadtraum durch zunehmend fragmentiertere Strukturen charakterisiert.

Migration

Im Themenbereich "Migration" wurde die Bevölkerung differenziert nach ausgewählten Staatsbürgerschafts- und Geburtslandgruppen untersucht. Es lässt sich keine grundsätzliche Trennung zwischen den betrachteten Gruppen erkennen. Nach wie vor zeigen sich die deutlichsten Konzentrationen bei Zuwanderinnen und Zuwanderern aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien in den dicht bebauten Gründerzeitgebieten. Es besteht jedoch keine sich selbst verstärkende Tendenz. Im Gegenteil, die Entwicklung der letzten Jahre zeigt eine Verbreitung dieser Gruppen im Stadtraum und damit ein Einziehen in neue Wohngebiete der Stadt. Auffallend ist, dass diese Wohngebiete überwiegend in der Nachbarschaft der bisherigen traditionellen Wohngebiete liegen.

Altersstruktur

Der demografische Alterungsprozess führt in Wien kleinräumig zu sehr unterschiedlichen Strukturen. Überalterung zeigt sich vor allem in den peripher liegenden Stadtteilgebieten. Einerseits ist eine zunehmende Konzentration von über 60-Jährigen in den bereits bisher überalterten westlichen Bezirksteilen am Wienerwald-Rand festzustellen. Andererseits gewinnt diese Altersgruppe in den Stadtrandsiedlungen der 1960er- bis 1980er-Jahre im Süden und Nordosten der Stadt an Bedeutung.

Bei vielen dieser Wohnhausanlagen zeigt sich gleichzeitig eine Zunahme an Kindern und Jugendlichen. Das ist auf den fortschreitenden Generationswechsel und einen selektiven Weg- und gleichzeitigen Zuzug bestimmter Bevölkerungsgruppen in diese Teile der Stadt zurückzuführen.

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