Ein Energiepickerl für jedes Gebäude - Umsetzung der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

Nach der EU-Richtlinie Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (876 KB PDF) des Europäischen Parlaments und des Rates der Europäischen Union vom Mai 2010 braucht jedes Gebäude grundsätzlich einen Energieausweis bei Neubau, Sanierung, Verkauf und Vermietung. Dieser gibt an, wie viel Energie für die Unterhaltung des Gebäudes aufgewandt werden muss.

Ziele und Inhalte der EU-Gebäuderichtlinie

  • Festlegung einer Methode zur Berechnung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
  • Festlegung von Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
  • Energiezertifizierung von Gebäuden: verpflichtende Vorlage eines Energieausweises bei Neubau, Sanierung, Verkauf oder Vermietung eines Gebäudes oder eines Gebäudeteils, Aushangspflicht des Energieausweises in öffentlichen Gebäuden
  • Regelmäßige Inspektion von Heiz- und Klimaanlagen hinsichtlich Energieeffizienz sowie Prüfung von Heizanlagen, die älter als 15 Jahre alt sind
  • Neue Gebäude müssen ab 2020 auf Basis des Primärenenergieeinsatzes Niedrigstenergiehäuser darstellen (hoher Energieeffizienzstandards und Einsatz dezentraler erneuerbarer Energieträger)
  • Für Gebäude im öffentlichen Sektor gelten diese Kriterien schon ab 2018
  • Einführung von kostenoptimalen Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz bei größerer Sanierung
  • Neuerungen bei größeren Sanierungen

Die Berechnung des Energieausweises sowie die Inspektionen und Überprüfungen sind unabhängigen und zugelassenen Fachleuten vorbehalten.

Umsetzung in Österreich

Für den Energieausweis bei Verkauf und Vermietung von Gebäuden und Wohnungen ist der Bund zuständig. Rechtlich erfolgte die Umsetzung bereits im Energieausweis-Vorlage-Gesetz. Die Bestimmungen über die Berechnungsmethode und die Inhalte des Energieausweises obliegen den Bundesländern im Rahmen ihrer bautechnischen Vorschriften.

Für den Energieausweis und die energetischen Mindestanforderungen bei Neubau und Sanierung von Gebäuden sind die Bundesländer im Rahmen ihrer bautechnischen Vorschriften zuständig.

Um zu vermeiden, dass es in Österreich 9 unterschiedliche Berechnungsmethoden, Mindestanforderungen und Energieausweise gibt, wurde ein Harmonisierungsprozess gestartet, der vom Österreichischen Institut für Bautechnik koordiniert wurde. Für die Umsetzung der Gebäuderichtlinie wurde eine eigene Richtlinie (OIB-Richtlinie 6) ausgearbeitet.

Mit April 2007 wurde sie von allen Bundesländern einstimmig angenommen. Die Umsetzung in Wien erfolgte durch die Techniknovelle 2007 in Verbindung mit der Wiener Bautechnikverordnung (WBTV). Die Kundmachung der Techniknovelle erfolgte im April 2008. Sie ist am 12. Juli 2008 in Kraft getreten. Mittlerweile wurden Neuerungen mit der Techniknovelle 2012 eingeführt.

Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften - OIB-Richtlinien

Energieausweis-Vorlage-Gesetz - EAVG:

Das Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG) ist am 1. Jänner 2008 in Kraft getreten.

Seit 1. Jänner 2009 ist die Vorlage des Energieausweis bei Verkauf oder Vermietung auch für jene Gebäude erforderlich, die bereits vor dem 1. Jänner 2006 ihre Baubewilligung erhalten haben.

Die Vorlage des Energieausweises ist weiters notwendig bei:

  • Neu- und Zubau
  • Umfassender Sanierung (mehr als 25% der Gesamtnutzfläche)

Seit 1. Dezember 2012 gelten zudem folgende Änderungen:

  • Bei jedem Immobilieninserat in einem Druckwerk oder einem elektronischen Medium ist die Energiekennzahl (Heizwärmebedarf) anzugeben.
  • Ein Verstoß gegen die Energieausweis-Vorlagepflicht oder die fehlende Angabe von Energiekennzahlen im Immobilieninserat wird mit einer Verwaltungsstrafe bestraft.

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