Windpotenzialkataster

Im Raum Wien herrschen aufgrund seiner Lage, günstige Windbedingungen. Der Windpotenzialkataster gibt einen Überblick über mögliche Anlagen-Standorte.

Windkraft ergänzt die erneuerbare Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen perfekt, ist aber in der Stadt noch nicht sehr weit verbreitet. Der Kataster beruht auf einer umfassenden Erhebung und Bewertung der Potenziale zur energetischen Nutzung von Wind zehn Meter über der mittleren Gebäudehöhe im Wiener Stadtraum.

Was kann der Windpotenzialkataster?

Der Windpotenzialkataster ist ein praktisches Hilfsmittel, um das Windpotenzial am eigenen Standort schnell zu erkennen und anzuzeigen.


Rechtliche und technische Hinweise

Der Windpotenzialkataster dient einer ersten Übersicht über die Bedingungen zur Windnutzung am gewählten Standort. Die Auskunft beruht auf den Kenntnissen und Erfahrungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und gibt einen orientierenden Überblick. Sie ersetzt keine Detailuntersuchung und Planung durch ein Fachbüro.

Aus den Karteninhalten (Darstellungen) und den dazugehörenden Texten können Rechtsansprüche weder begründet noch abgeleitet werden. Die Stadt Wien sowie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) übernehmen keine Haftung für Vollständigkeit und Inhalt. Die Karten und Texte sind Informationsmaterial für die Öffentlichkeit, keine amtliche Auskunft oder rechtsverbindliche Aussage. Vor Planung beachten Sie bitte alle rechtlichen Bestimmungen.

Wie wurde der Windpotenzialkataster erstellt?

Die Berechnungen des Windpotenzialkatasters für den Bereich der Stadt Wien basieren auf folgenden Datengrundlagen: Windmessungen an ZAMG-Stationen im Bereich der Stadt Wien sowie der näheren Umgebung für die Berechnung der Windklimatologien. Weiters sind Orographie (Höhenstruktur) und Oberflächenrauigkeit notwendig um die Windverhältnisse flächendeckend bestimmen zu können. Die Windzonierungskarte sollte in zehn Meter über der mittleren Gebäudehöhe erstellt werden. Dazu wurde anhand des Stadtmodells der Stadt Wien die mittlere Gebäudehöhe berechnet und zur tatsächlichen Orographie hinzugefügt. Daraus ergab sich die Modellorographie, die für die äquidistante Fläche von zehn Meter über der mittleren Gebäudehöhe beziehungsweise über Grund für größere Gebiete ohne Bebauung verwendet wurde.

Software und Messeinheiten

Die Modellierung erfolgte mit dem Programm WAsP. Die Ergebnisse sind mittlere jährliche Werte der Leistungsdichte in Watt pro Quadratmeter (W/m2), der Windgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde (m/s), der Häufigkeitsverteilung der Windrichtungen nach der zwölfteiligen Windrose in Prozent sowie der Weibull-Verteilung (A in m/s und k dimensionslos). Die Weibull-Verteilung wird sehr häufig für Messwerte der Windgeschwindigkeit verwendet. Sie ist durch zwei Parameter, den Skalierungsfaktor A und den Formfaktor k beschrieben. Der Skalierungsfaktor A ist ein Maß für charakteristische Windgeschwindigkeit der Zeitreihe und ist proportional zum Mittelwert der Windgeschwindigkeit. Der Formfaktor k bestimmt die Form der Verteilung und nimmt dabei Werte von etwa eins bis drei an, wobei ein kleiner k-Wert bedeutet, dass sehr variable Winde wehen, während konstante Winde einen größeren k-Wert aufweisen. Über die spezifische Leistungskennlinie der Windkraftanlage lässt sich schließlich der prognostizierte Ertrag einer Anlage berechnen.

Als Zusatzinformation liegt die Modellorographie, also die Höhe über dem Meeresspiegel vor, für die die Windpotenzialwerte gelten und dienen der Bewertung und Interpretation der Ergebnisse für einen bestimmten Standort. Alle Ergebnisse liegen in einer horizontalen Auflösung von 25 Metern vor.

Zonen und ihre Deutung

Durch die Lage Wiens am Ostrand der Alpen, am Übergang zum Alpenvorland im Osten, das zur Pannonischen Tiefebene leitet, zeigen sich die für den Osten Österreichs typischen Hauptwindrichtungen: West bis Nordwest und Südost.

Auch innerhalb der Stadt bestehen gewisse Unterschiede bei der Verteilung der Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen. Die Windgeschwindigkeit hängt dabei stark von der Messhöhe und der Windexponiertheit der Station sowie der Lage der Station innerhalb der Stadt ab.

Die Ergebnisse des Windpotenzialkatasters zeigen das Potenzial für die Windenergienutzung mit Kleinwindkraftanlagen, also beispielsweise Zonen, die hohes oder geringes Windpotential aufweisen.

Hohes Windpotenzial weisen vor allem Gebiet im Norden, Nordosten und im Südosten der Stadt auf. Lokale reale Gegebenheiten wie Abschattungseffekte durch beispielsweise Nachbargebäude, Verstärkungseffekte bedingt durch die Gebäudegeometrie oder das Gebäudeensemble können sowohl Windgeschwindigkeit als auch Windrichtung beeinflussen. Dadurch kann das lokale reale Windpotenzial modifiziert werden und das Windaufkommen kann an einem potenziellen Standort höher aber auch geringer sein. Die speziellen lokalen Gegebenheiten waren in der gegenständlichen Studie nicht Ziel der Aufgabenstellung und wurden daher nicht im Detail untersucht.

Prinzipiell zeigen Gebiete mit hohem Windenergiepotenzial die größte Wahrscheinlichkeit für einen guten Standort für Kleinwindkraftanlagen. Auch mittelmäßige Standorte können in Erwägung gezogen werden. Es wird jedenfalls empfohlen, im Falle von Interesse zur Errichtung einer Kleinwindanlage, in Gebieten mit hohem bis mäßigem Potenzial den Standort einer genaueren Standortbegutachtung und Optimierung zu unterziehen. Gerade bei Kleinwindkraftanlagen, die wegen ihrer geringen Nabenhöhe im Vergleich zu Großwindkraftanlagen stärker von den lokalen Gegebenheiten (Hindernisse, Landnutzung) beeinflusst werden, ist die Standortevaluierung und Optimierung essentiell für die Wirtschaftlichkeit der Anlage.

Einschränkungen beachten

Die Ergebnisse zeigen das theoretische Potenzial aus klimatologischer Sicht. Etwaige Einschränkungen (Widmung, Naturschutz et cetera) sind in der Windzonierungskarte nicht berücksichtigt. Bei der Planung einer Kleinwindkraftanlage sei auf die Genehmigungspflicht in der Stadt Wien verwiesen.

Entstehung des Windpotenzialkatasters

Der Windpotenzialkataster wurde im Auftrag der Abteilung Energieplanung (MA 20) von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erstellt.

Bericht betreffend Windzonierungskarte für Kleinwindkraftanlagen für Wien: 2 MB PDF

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