Klimaschutz-Gebiete: Aus für fossile Energien im Neubau

Wien schafft Klimaschutz-Gebiete. Neu errichtete Gebäude müssen dort mit erneuerbarer Energie oder Fernwärme ausgestattet werden.

Neubaugebäude mit Balkonen und Dachterassen

8 von 10 Neubauten in Wien befinden sich bis Mitte 2020 in einem Klimaschutz-Gebiet. Heizung, Kühlung und Warmwasseraufbereitung von neu errichteten Gebäuden müssen dort entweder über erneuerbare Energie wie Erdwärme, Solarenergie, Biomasse oder über Fernwärme erfolgen. Betroffen sind alle Neubauten in diesen Gebieten: Geförderter ebenso wie frei finanzierter Wohnbau, Büros, Geschäftslokale, aber auch öffentliche Gebäude wie Schulen oder Kindergärten. Langfristig sind fossile Energien damit in diesen Gebieten Geschichte.

Vizebürgermeisterin Birgit Hebein im Interview

Vizebürgermeisterin Birgit Hebein

In der wachsenden Stadt ist der Neubausektor einer der zentralen Hebel für wirksamen Klimaschutz. Denn Häuser, die heute gebaut werden, stehen auch in 50 Jahren noch. Mit den Klimaschutz-Gebieten macht Wien klimafreundliche Systeme zum Standard.

Vizebürgermeisterin Birgit Hebein: "Wir senken den CO2-Verbrauch der Neubauten um bis zu 80 % und sparen so alleine bis 2030 bis zu 112.000 Tonnen CO2. Das entspricht über 1.000 Pkw-Fahrten zum Mond und retour beziehungsweise über 1,5 Millionen Pkw-Fahrten von Wien zum Brenner."

Raus aus Öl und Gas: Wiener Bauordnung stärkt Klimaschutz

Die Festlegung von Klimaschutz-Gebieten ist mit der Verordnung von Energieraumplänen in der Wiener Bauordnung § 2b festgelegt. Die Verordnungen sind bereits in Vorbereitung und werden bezirksweise erlassen. Begonnen wird mit den Bezirken 2, 3, 7 und 16. Danach folgen in mehreren Etappen die weiteren Bezirke. Bis Mitte 2020 sollen dann im gesamten Wiener Stadtgebiet zahlreiche Klimaschutz-Gebiete bestehen.

Im Wesentlichen wird dadurch per Verordnung die Wahl des Heizungs- und Warmwasserbereitungssystems von Neubauten beeinflusst. Bestandsgebäude sind davon nicht berührt. In Zukunft darf zur Beheizung und Warmwasserbereitung eines Neubaus, der innerhalb eines Klimaschutz-Gebietes errichtet wird, nur mehr eines der sogenannten "hocheffizienten, alternativen Systeme" gemäß Wiener Bauordnung (§ 118 Abs. 3) zum Einsatz kommen. Das sind im Wesentlichen:

  • Anschluss an ein Fern- beziehungsweise Nahwärmenetz, wenn die Energie ganz oder teilweise (mindestens 80 %) aus erneuerbaren Quellen oder aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stammt.
  • Dezentrale Energieversorgungssysteme auf Basis erneuerbarer Energiequellen (Wärmepumpen, Biomasseheizungen, Solarenergie et cetera), sofern dabei das Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L) berücksichtigt wird.
  • Nutzung von Abwärme
  • Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die Strom produzieren und die dabei entstehende Abwärme in ein Wärmenetz speisen.

Wo dürfen Klimaschutz-Gebiete erlassen werden?

Die Grundstücke in einem Klimaschutz-Gebiet können grundsätzlich an die Fernwärme angeschlossen werden. Zudem muss mindestens ein weiteres klimafreundliches Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien oder Abwärme realisierbar sein. Damit wird sichergestellt, dass es auch in Klimaschutz-Gebieten weiterhin eine Wahlfreiheit beim Heizsystem gibt.

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