"Eine Stadt zu planen ist kreative Knochenarbeit..." - Interview mit Andreas Trisko

Andreas Trisko ist Abteilungsleiter der MA 18 und somit maßgeblich beteiligt an Wiens Stadtentwicklung. Studiert hat Trisko Architektur und Raumplanung. Im wien.at-Interview erzählt er, wie er Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt für die Zukunft Wiens begeistern will.

Andreas Trisko

Andreas Trisko, Leiter der Abteilung für Stadtentwicklung und Stadtplanung, im Gespräch

wien.at: Wie erklären Sie einem Laien, was die MA 18 eigentlich macht?

Andreas Trisko: Wien hat eine ausgezeichnete Lebensqualität, und Wien wächst. Wir stehen vor der Frage: Wie gestalten wir das Leben in unserer Stadt zukünftig so, dass diese Qualität aufrecht erhalten bleibt? Das hat viel mit räumlich-strategischer Planung zu tun. Wir setzen keine konkreten Projekte um, wir bauen keine U-Bahnen. Wir überlegen eine Ebene höher: Wo machen Projekte Sinn, wo wäre eine U-Bahn sinnvoll? Die MA 18 ist so gesehen ein großer "Think Tank", eine Denkfabrik.

wien.at: Wie kann man sich Ihre Arbeit bildhaft vorstellen? Arbeiten Sie viel mit Statistiken, am Reißbrett, machen Sie auch Planspiele? Viele kennen das von Computerspielen, wo man virtuelle Städte per Mausklick baut.

Trisko: Sie bringen da einen guten Vergleich. Es gibt durchaus Parallelen, und ich finde diesen Zugang sehr interessant: Bürgerinnen und Bürgern diese Materie spielerisch näher bringen. Laufend wichtige Entscheidungen treffen und aus begrenzten Ressourcen das Beste herausholen. Das ist kreative, strategische Knochenarbeit. Unser täglicher Job passiert nicht in kleinen Gruppen hinter verschlossenen Türen, ganz im Gegenteil: Stadtplanung ist ein breiter Diskurs. Wir stehen in Kontakt zu anderen Magistratsabteilungen, zu Politik, zu internationalen Netzwerken und natürlich zur Bevölkerung. Das ist ein breiter Prozess, durchaus mit spielerischen Aspekten. Faszinierend daran finde ich, dass wir maßgeblich unseren menschlichen Lebensraum gestalten. Eine sehr befriedigende Aufgabe.

wien.at: Sie haben Architektur und Raumplanung studiert. Wann hat es bei Ihnen "Klick" gemacht, wann haben Sie gemerkt, das ist der Weg, den Sie gehen möchten?

Trisko: Wir denken alle in Lebensräumen: Wie richte ich meine Wohnung ein, mein Büro? Ich wollte diesen Maßstab schon immer erweitern, größer denken. Mich begeistert das Faszinosum Stadt. Für mich ist diese Aufgabe einer der besten Jobs, die es gibt.

wien.at: Stadtentwicklung und Stadtplanung sind sehr theoretische Begriffe. Wie spüren Wienerinnen und Wiener ganz konkret Ihre Arbeit?

Trisko: Unsere Arbeit erkennt man erst zeitverzögert. Stadtplanung hat einen langen Atem. Wenn Sie heute mit der U2 bis Aspern fahren, hat das seinen planerischen Ursprung schon vor Jahrzehnten gehabt. Die Ideen und Konzepte, die wir heute entwickeln, werden Sie vielleicht erst in 20 Jahren sehen.

wien.at: Der Klimastratege Boyd Cohen bezeichnet Wien seit Jahren als eine der "smartesten" Städte weltweit. Wie gehen Sie mit der Schere um zwischen dem Idealbild einer Stadt und den Kompromissen, die es zu schließen gilt?

Trisko: Die reine Planungslehre ist Utopie, denn die Wirklichkeit ist dynamisch und hält sich nicht immer an Ideen auf dem Reißbrett. Aber: Wir in der MA 18 sind Expertinnen und Experten für Stadtplanung. Je besser wir unseren Job machen, desto weniger Kompromisse müssen geschlossen werden. Zum Thema "Smart City": Unsere Gesellschaft sehe ich vor einem großen Umbruch. Weg vom Öl, hin zu "grünen" Energiequellen. Wien ist da auf einem guten Weg.

wien.at: Der Stadtentwicklungsplan STEP 2025 zeichnet das zukünftige Gesicht der Stadt. Können Sie Schwerpunkte nennen?

Trisko: Der STEP 2025 ist weit fortgeschritten. Schwerpunkt ist natürlich das bemerkenswerte Bevölkerungswachstum der Stadt. Diese Herausforderung müssen wir möglichst ressourcenschonend bewältigen: Leistbaren Wohnraum schaffen bei geringem Landverbrauch, also gleichzeitig Grünflächen erhalten.

wien.at: Nennen Sie uns ein paar Vorzeige-Beispiele, wo die Stadtplanung in Wien besonders gut funktioniert.

Trisko: Sehr gelungen finde ich die neue WU im Prater. Der Campus ist nicht nur Bildungseinrichtung, sondern seine Freiflächen und Einrichtungen sind auch für die Öffentlichkeit nutzbar. Und in Aspern entsteht mit der Seestadt gerade einer der modernsten Stadtteile Europas. Ganz allgemein: Wien hat eines der besten öffentlichen Verkehrsnetze der Welt, auf unseren "Modal Split" (Verteilung des Gesamtverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel wie Fahrrad, KFZ, Öffis, Anm.) können wir stolz sein.

wien.at: Sie sind bald drei Monate Abteilungsleiter. Wie lief der Start in die neue Aufgabe? Was sind Ihre Ziele?

Trisko: Ich arbeite jetzt mit rund 80 MitarbeiterInnen im Team, davor waren es zwölf. Die letzten Wochen waren eine Umstellung, eine intensive Zeit. Mein Ziel ist, den Wienerinnen und Wienern unsere Arbeit intensiver zu vermitteln. Wenn Sie durch die Stadt gehen, werden Sie einige große Baustellen sehen. Ich habe durchaus Verständnis, wenn Menschen sagen 'es reicht'. Entwicklung heißt eben auch Veränderung. Ich möchte ihnen die Hintergründe aufzeigen, warum diese Dinge Sinn machen. Gute Stadtplanung hat in Wien Tradition. Der Wald- und Wiesengürtel zum Beispiel wurde bereits 1905 eingeführt.

wien.at: Abschließend: Wie ist der Abteilungsleiter der Stadtplanung eigentlich durch Wien unterwegs?

Trisko: Ich gebe zu, ich habe kein Fahrrad – dafür aber auch kein Auto. Ich bin leidenschaftlicher Fußgeher und nehme die Öffis. Außerdem habe ich ein Elektro-Moped.
Verantwortlich für diese Seite:
Stadtentwicklung Wien
Kontaktformular