Renaturierung Liesing

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Bauabschnitte des Liesingbachprogramms © Wiener Gewässer

Die Liesing fließt auf einer Länge von rund 18 km durch das Wiener Stadtgebiet. Im letzten Jahrhundert wurde der Bach aus Gründen des Hochwasserschutzes fast über die gesamte Strecke begradigt und gepflastert. Vor etwa zwei Jahrzehnten wurde damit begonnen, diese harte Verbauung im Rahmen mehrerer Teilprojekte wieder rückzubauen. Rund 9,2 km zwischen Kaiser-Franz-Josef-Straße und Großmarktstraße sind aber nach wie vor hart verbaut. Diese Strecke soll im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Laufe der kommenden Jahre nun ebenfalls renaturiert werden.

Ziele des Programms sind die Verbesserung des ökologischen Zustands und der Wasserqualität bei gleichzeitiger Verbesserung des Hochwasserschutzes. Daneben soll auch im Umland des Gewässers mehr Grünraum geschaffen werden.

Bis Ende 2027 soll das Projekt mit insgesamt sechs Bauabschnitten fertiggestellt werden. Im Oktober 2020 wurden die Bauarbeiten für das erste Teilstück zwischen Karl-Sarg-Gasse beim Liesinger Platz und Rudolf-Waisenhorn-Gasse im 23. Bezirk mit einer Länge von ca. 330 m gestartet.

Zur Verbesserung der Gewässergüte errichtet Wien Kanal im Zuge der Bauarbeiten auf dieser Strecke einen zusätzlichen Rohrkanal im Bachbett. Damit können Verunreinigungen aus dem bestehenden Regenwassersystem – insbesondere durch Fehleinleitungen bei Trockenwetter – vom Bach ferngehalten werden.

Im Rahmen der Renaturierung wird die harte Sohl- und Uferverbauung entfernt und durch die Entfernung von Sohlschwellen die Durchgängigkeit für Fische und andere Gewässerlebewesen wiederhergestellt. Zur Strukturierung des Gewässers wird unter anderem Totholz eingebracht und die Ufer werden mit standorttypischen heimischen Gehölzen bepflanzt.

EU LIFE-Projekt ENCAM

Verbaute Strecke und renaturierte Strecke an der Liesing © Stadt Wien – Wiener Gewässer

Im Bereich der Bauteile 1 und 2 (Großmarktstraße bis Atzgersdorfer Platz) wird das Liesingbachprogramm vom EU-LIFE-Projekt ENCAM (Adapting large-scale environmental projects to climate change while supporting climate objectives) mit Maßnahmen, die deutlich über den unmittelbaren Gewässerbereich hinausgehen, ergänzt. Im Rahmen des LIFE-Projekts soll mit gezielten Maßnahmen den bevorstehenden negativen Auswirkungen des Klimawandels entgegengewirkt werden. Unter anderem soll dabei die Beschattung des Gewässers und der Erholungsbereiche durch Pflanzung von mindestens 650 zusätzlichen Bäumen gefördert werden.

Beginn der Bauarbeiten im Abschnitt 4 © Stadt Wien – Wiener Gewässer

Förderung artenreicher Wiesen an der Liesing

Anlegen von Blühstreifen für Wildbienen © Stadt Wien – Wiener Gewässer

Im Bereich des Rückhaltebeckens Inzersdorf 1 an der Liesing wurde die Wiesenmahd im Bereich der Böschungen und in wenig genutzten Randbereichen extensiviert. Zukünftig soll hier nur noch einmal pro Jahr gemäht werden, um naturnahe und blütenreiche Wiesenflächen zu fördern. Zudem wurden in einem ersten Versuch Blühstreifen insbesondere zur Förderung von Wildbienen und Schmetterlingen angelegt. Dazu wurden Wiesenflächen bereichsweise umgebrochen und Saatgut heimischer Wiesenblumen aus zertifizierter Nachzucht wurde eingebracht.

Renaturierungsmaßnahmen Kolbeterberggraben

Pilotstrecke Kolbeterberggraben © Stadt Wien – Wiener Gewässer

2020 wurde am Kolbeterberggraben mit Renaturierungsmaßnahmen begonnen. Auf einer Pilotstrecke von etwa 50 m Länge wurde die harte Sohlpflasterung entfernt und naturnahe gestaltet. Mittlerweile wurde mit der Einreichplanung für weitere Abschnitte begonnen, eine Realisierung könnte noch 2021 stattfinden.

Im Zuge der Bauarbeiten zur Pilotstrecke wurden mit einem Teil der entfernten Pflasterung Strukturen für Reptilien angelegt.

EU-LIFE DICCA

Im Rahmen des von der EU geförderten LIFE-Projekts DICCA (Climate Change Adaptation of the Ecosystem Danube Island), das die Steigerung der Klimaresistenz und -resilienz sowie die Erhaltung der kühlenden Wirkung der Donauinsel und des Donaukorridors zum Ziel hat, werden zahlreiche naturschutzrelevante Ziele verfolgt. Insbesondere sind dies der Erhalt und die Neuschaffung wertvoller Schlüssel- und Trittsteinhabitate, um die Biodiversität zu bewahren und die Artenvielfalt zu fördern. Zudem soll auch die wichtige Funktion der Donauinsel als Grünkorridor durch die Stadt gesichert und verbessert werden.

Anlegen neuer Teiche

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Tritonwasser, Teichneubau im Zentralbereich © Stadt Wien – Wiener Gewässer

Im Norden und im Zentralbereich der Donauinsel werden einige neue Teiche angelegt, um neue Lebensräume für aquatische Arten, die auf solche Kleingewässer angewiesen sind, zu schaffen. Damit sollen auch die Entfernungen zwischen einzelnen Trittsteinbiotopen verkleinert werden. Insbesondere betrifft dies Amphibien, die nur relativ kurze Wanderdistanzen zurücklegen können.

Neben dem Anlegen neuer Teiche wird auch ein aktualisiertes Pflegemanagement für bereits bestehende Teiche erarbeitet, um die ökologische Funktionsfähigkeit für die Zielarten zu erhalten.

2020 wurden die Planungen für die neuen Teiche durchgeführt. Anfang 2021 wurde bereits mit dem Bau begonnen.

Neue Wildobstwiese bei der Kaisermühlenbrücke

Im Mai 2020 wurden auf einer über 2.000 m2 großen Wiesenfläche in der Nähe der Kaisermühlenbrücke 25 Wildobstbäume gesetzt.

Bei den Bäumen handelt es sich um alte und besonders wertvolle Wildobstsorten: Holzapfel, Vogelbeere, Steinweichsel, Weiße und Schwarze Maulbeere. An der schrägen Uferböschung nahe der Wiesenfläche wurden zudem fünf Edelkastanien gepflanzt.

Die Wuchshöhen dieser Baumarten reichen von Kleinbäumen (Holzapfel und Steinweichsel) über mittelgroße Bäume (Maulbeere und Vogelbeere) bis hin zur großkronigen Edelkastanie, die bis zu 30 m hoch werden kann.

Die neuen Bäume bieten Insekten und Vögeln Unterschlupf und Nahrung. Zudem spenden sie Schatten und wirken kühlend auf die Umgebung. Die Blüten werden besonders von Bienen und anderen Insekten geschätzt, die Früchte sind zudem eine wertvolle Nahrung für Vögel.

Mähmanagement

Inselschafe © Stadt Wien – Wiener Gewässer

Mit der Extensivierung der Mahd von Wiesenflächen im Zuge eines neuen Pflegekonzepts wird ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt auf den Wiesen der Donauinsel erreicht werden. Die Schafbeweidung mit Krainer Steinschafen sowie das Monitoring zur Dokumentation des Effekts auf die Biodiversität von Pflanzen und Tieren wurden auf ausgewählten Flächen auch 2020 weitergeführt.

Bekämpfung von Neophyten

Im Rahmen des Projekts werden auch invasive Neophyten bekämpft, um ihre Ausbreitung zu verhindern oder zumindest zu begrenzen. Dazu werden laufend auf der Donauinsel Maßnahmen gesetzt, ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schutz besonders wertvoller, artenreicher Lebensräume. Zur Bekämpfung des japanischen Staudenknöterichs wird die Kombination aus mechanischer Bekämpfung und Verdrängung durch heimische Arten getestet.

Überwinterungsquartiere für die Würfelnatter im Kuchelauer Hafen

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Überwinterungsstrukturen für Reptilien in der Kuchelau © Stadt Wien – Wiener Gewässer

Der Bereich des Kuchelauer Hafens ist einer der wenigen Lebensräume der nach FHH-Richtlinie streng geschützten Würfelnatter Natrix tessellata. Aufgrund umfangreicher Bauarbeiten im Bereich der ehemaligen Kaserne hat die Art einen Teil ihres Verbreitungsgebietes und insbesondere ihrer Überwinterungsmöglichkeiten verloren. Im Herbst 2020 wurden deshalb nahe dem nördlichen Ufer zwei Überwinterungshabitate angelegt. Von diesen sollten auch die im Gebiet vorkommenden Zaun- und Smaragdeidechsen profitieren.