6. Naturschutzrelevante Aktivitäten anderer Fachdienststellen

6.3 Stadt Wien – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb

Bio-Landwirtschaft in Wien

Mit einer Vielzahl an Acker- und Gemüsebaubetrieben, Gärtnereien und Weingütern verfügt Wien über eine florierende Stadtlandwirtschaft und liegt mit 27% Bio-Betrieben und 32% landwirtschaftlicher Bio-Flächen im österreichischen Spitzenfeld. Die Stadt Wien gilt dabei als Öko-Pionierin: Sie widmet sich seit über 40 Jahren dem Bio-Landbau und bewirtschaftet heute rund 1700 ha Bio-Flächen. Mit dem Institut Bioforschung Austria ist sie auch wegweisend im Bereich der angewandten Forschung für Kompostanwendung, der Zwischenbegrünung und der Steigerung der Bodenfruchtbarkeit in der biologischen Landwirtschaft. 2020 wurde der Weinbaubetrieb der Stadt Wien, das Weingut Cobenzl mit fast 60 ha Rebfläche, auf biologische Bewirtschaftung umgestellt.

Ansturm in den Erholungsgebieten

Corona und der Lockdown Mitte März 2020 brachten viele Wienerinnen und Wiener dazu, ihre Freizeit in den Wiener Naherholungsgebieten zu verbringen. Von der Lobau bis zum Wienerwald kam es zu einem enormen Anstieg der Zahl an Besucherinnen und Besuchern. Leider waren dadurch auch vermehrt Konflikte – Hunde, Müll, illegal abgestellte Pkw – zu beobachten. Anlässlich des zweiten Lockdowns im Herbst wurde die Öffnungszeit des Lainzer Tiergartens verlängert: Das Publikum konnte 2020 den gesamten Lainzer Tiergarten von Allerheiligen bis Weihnachten zur Erholung in der Natur nutzen.

Norbert-Scheed-Wald

Wiese im Norbert-Scheed-Wald © MA 49

Im Zuge der „Wald aktiv“-Aktion (gemeinsam mit Verein WienXtra) konnten 600 Schulkinder einen wichtigen Beitrag zum „Wachsen“ des Norbert-Scheed-Waldes leisten. Mehr als 7.000 Bäume und Sträucher wurden dabei zur Aufforstung eines neuen Waldes im Bereich Pelagonienweg/Zirbenweg von den Kindern gepflanzt, um damit einen neuen Wald für künftige Generationen in der Stadt wachsen zu lassen.

Esche in Not

Start der dritten Phase im Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur und des Bundesforschungs‑ und Ausbildungszentrum BFW: Ausgelöst durch eine neuartige Pilzkrankheit, die zu einem großflächigen Absterben der Eschen in ganz Europa geführt hat, beschäftigte sich die Forschung mit dem Phänomen, dass in Eschenbeständen immer wieder Einzelbäume zu finden waren, die kaum oder gar keine Symptome der Krankheit aufwiesen. Durch Saatgut-Gewinnung und anschließende Vermehrung gelang es, resistente Klone zu selektieren und diese zu vermehren. Die Ergebnisse im Hinblick auf die Krankheitstoleranz dieser Jungbäume lassen uns hoffen, dass bald ausreichend resistentes Eschensaatgut zur Verfügung stehen wird, um die Esche als eine der wichtigsten Laubbaumarten in Österreich zu erhalten. Die Esche wächst in Wien sowohl am tiefsten Punkt der Stadt – in der Lobau – als auch am höchsten Berg der Stadt – am Hermannskogel – und bildet im gesamten Wienerwald wichtige Waldlebensräume, die durch diese angewandte Forschung auch für die Zukunft gesichert werden sollen.

Das Nationalparkhaus Wien Lobau empfängt den 300.000. Gast

Ein Bild, das Himmel, draußen, Baum, aus Holz enthält.

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Josefsteg in der Lobau © MA 49

Der einzigartige Nationalpark Donauauen, der sich entlang der Donau-Altarme bis ins Stadtgebiet erstreckt, hat mit dem Nationalparkhaus Wien Lobau eine attraktive Publikums-Einrichtung, die täglich von Schulklassen und vielen Interessierten besucht wird. Trotz des pandemiebedingt eingeschränkten Betriebes konnte 2020 der 300.000. Gast begrüßt werden.

Sicherungsmaßnahmen an naturschutzfachlich wertvollen Bäumen in Wiener Schutzgebieten (SiNaWeB)

Ein Bild, das Baum, draußen, Himmel, Gras enthält.

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© Mrkvicka

Alte und abgestorbene Bäume, insbesondere Eichen und Buchen, sind wertvolle Lebensräume für EU-weit streng geschützte Arten wie Juchtenkäfer, Eichen-Heldbock oder Alpenbock.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben ist es jedoch notwendig, solche Bäume, wenn sie eine Gefährdung für angebotene Wege, Straßen oder Wohngebiete darstellen, sicherheitsfachlich zu behandeln. Die Erhaltung und Behandlung naturschutzfachlich wertvoller Alt- und Totbäume ist oft sehr aufwändig und kostenintensiv.

Über das Projekt SinaweB werden 200 Bäume in den Schutzgebieten im Wiener Teil des Wienerwaldes ausgewählt und sicherheitstechnisch behandelt, um sie als Lebensraum für alt- und totholzbewohnende Organismen zu erhalten.

Weiters wurde mit einem speziell trainierten „Juchtenkäfer-Spürhund“ ein Waldbereich im Maurer Wald abgesucht, in dem 2018 ein Juchtenkäfer beobachtet worden war, um gegebenenfalls geeignete Schutzmaßnahmen planen zu können.

Pferderückung

Ein Bild, das Schnee, draußen, Baum, Pferd enthält.

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© Glanz/MA 49 – Pferderückung

In den Wäldern der Stadt Wien werden alljährlich Holzfällungen vollzogen. Abgesehen von Baumfällungen aus Sicherheitsgründen zielt der Großteil der Maßnahme darauf ab, den Strukturreichtum der jetzt noch in gewisser Weise uniformen Waldbestände zu erhöhen. Dies führt allgemein zu einer höheren Biodiversität. Diese Art der sogenannten Dauerwaldbewirtschaftung, bei der sich durch stetige kleine Eingriffe ein arten- und strukturreicher Mischwald entwickelt, ist nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gegen die kommenden Folgen des Klimawandels am besten gewappnet. Durch die selektiven Einzelstammentnahmen wird zum einen das Lichtregime am Boden erhöht, sodass bestehende bzw. aus Samen aufgehende Jungbäume sich besser entwickeln können. Diese Jungbäumchen werden nach den jetzigen Klimabedingungen natürlich ausselektiert und sind somit an Klimaextreme besser angepasst. Zum anderen entspannt sich für die verbleibenden vitalen Bäume die Konkurrenzsituation zu Nachbarbäumen, sodass diese Exemplare ihre Vitalität noch weiter stärken können.

Um den empfindliche Waldboden bestmöglich zu schützen, wird der Holzabtransport so schonend wie möglich vollzogen. Einer der schonendsten Methoden ist die Holzrückung vom Fällort zur Forststraße per Pferd. Dabei werden nicht nur Boden und Bewuchs geschont, sondern auch keine fossilen Energieträger verbrannt, was zusätzlich unser Klima schützt. Ungefähr 10% der gesamten Holzrückung werden per Pferd bewerkstelligt. Steile Gelände und weite Distanzen sind die Hauptgründe für eingeschränkte Einsatzmöglichkeiten dieser umweltschonenden Methode.

Wiesenpflege Floridsdorf „My Nature Floridsdorf“

Auf Initiative des Landschaftspflegevereins LPV konnten in Zusammenarbeit von Stadt Wien – Umweltschutz und Stadt Wien – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb wertvolle Wiesenbereiche am Bisamberg gemeinsam mit Wiener Schulkindern entbuscht und gepflegt werden.

Beweidungsprojekt Wienerwaldwiesen

Mit dem aktuellen Beweidungsprojekt mit Schafen einer Wienerwaldbäuerin konnten naturschutzfachlich wertvolle Wiesenbereiche am Kellerberg, im Paradies und auf der Himmelswiese beweidet werden. Damit können speziell die vom Waldrand einwandernden Gehölze effektiv zurückgedrängt werden.

Grünflächen-Sicherung

Mit der Übernahme des ehemaligen Afritschheimes (ca. 5 ha) und weiteren Grünflächen im Steinhofareal (18 ha) konnte die Stadt Wien – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb wichtige Naturräume in ihre Betreuung übernehmen und durch die Pflege der Wiener Bevölkerung als Erholungsräume zur Verfügung stellen. Mit der Verwaltungsübernahme konnte ein wichtiger Schritt in der langfristigen Absicherung dieser Grünräume umgesetzt werden.

Lenkung der Besucherinnen und Besucher

Der Josefsteg in der Lobau und die Marsbrücke im Schwarzenbergpark sind wichtige Schlüsselstellen sowohl für das Naturerlebnis als auch für die Lenkung des Publikumsverkehrs in diesen stark frequentierten sensiblen Erholungsräumen. Aus diesem Grund wurden 2020 diese zwei wichtigen Brückenbauwerke in Zusammenarbeit mit der MA 29 und Stadt Wien – Wiener Gewässer erneuert. Nun bieten sie wieder einen ungetrübten Einblick in die darunterliegen sensiblen und einzigartigen Gewässerlebensräume.