2. Die Wiener Wald- und Wiesen-Charta

2.2 Maßnahmen der WWWC – Aktionsplan Artenvielfalt

Umfassendere Arten- und Biotopschutzprogramme

INTERREG-SK-AT-Projekt CITY NATURE im zweiten Umsetzungsjahr

CITY NATURE war mit der Sense auf Wienerwaldwiesen, hat eine Kolonie von Mausohren gefunden und eine dreisprachige Service-Homepage eingerichtet.

Ausgangsbasis des Projektes CITY NATURE war die Tatsache, dass Wien und Bratislava zwei grüne, artenreiche Städte sind, verbunden durch das grüne Band der Donauauen. Beiden Städten wird starkes Wachstum in den nächsten Jahrzehnten vorausgesagt. Als Smart City hat sich Wien das Ziel gesetzt, 50% Grünraum zu erhalten. Durch den Bedarf an Erholungsgebieten steigt gleichzeitig der Druck auf diese Grünflächen. Lösungen zur Erfüllung aller Ansprüche, die der Erholungssuchenden und die der Natur, der Basis der Erholung, sind gefragt. Gleichzeitig befinden sich beide Städte mitten im Prozess der Verdichtung und Erneuerung. Unter diesen Voraussetzungen ist es besonders wichtig, dass die Lebendigkeit und Erlebnisfähigkeit der Natur in der Stadt erhalten und gefördert wird. Dazu bedarf es Maßnahmen an Gebäuden, in Erholungsgebieten und in der Vermittlung von Naturschutz.

Das Interreg-SK-AT-Projekt aus der Prioritätsachse 2 (Förderung des Natur- und Kulturerbes und der Biodiversität) hat eine Laufzeit von 36 Monaten und ein Gesamtbudget von 1,67 Mio. Euro. Die Stadt Bratislava fungiert mit MLB (Mestske lesy v Bratislave) als Leadpartner, die Stadt Wien – Umweltschutz ist Projektpartnerin auf österreichischer Seite. Zudem tragen auf slowakischer Seite DAPHNE (Inštitút aplikovanej ekologie) als zweiter Projektpartner und weitere acht strategische Projektpartnerinnen und
-partner zur Ergebnisoptimierung bei.

Der wesentliche Fokus des Projektes liegt auf der aktiven Einbindung der Bevölkerung. Praktische Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, deren Erlebbarkeit und deren Vermittlung sollen die Einzelne und den Einzelnen dazu ermuntern, einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten.

Eröffnung der City-Natur-Ausstellung © Houdek

Im nunmehr zweiten Umsetzungsjahr von CITY NATURE wurden weitere Projektmeilensteine erreicht, wie der Eröffnung der Ausstellung „Stadtentwicklung und Naturschutz“ (https://www.city-nature.eu/city-nature-urbane-biodiversitaet-foerdern). Mit sechs „CITY Lights“ und zwölf Schautafeln wird versucht, verschiedene Aspekte der Stadtentwicklung und das Potential für den Naturschutz darzustellen. Zur Ausstellung wurde auch ein Begleitfolder gedruckt. Ein weiterer Meilenstein war das erfolgreiche Auffinden einer Wochenstube des Großen Mausohr im 13. Wiener Gemeindebezirk. Bisher war unklar, ob es in Wien noch eine Wochenstube der größten österreichischen Fledermausart gibt – der Fund ist somit eine kleine Sensation!

Wiesenpflege © Manfred Schönwälder

Auch das Mehlschwalben-Monitoring wurde aufgenommen. Sechs Kolonien mit insgesamt 458 Mehlschwalbennestern wurden kartiert, 153 waren Kunstnester, 306 natürliche Nester. Wie auch 2019 wurden Wiesen unter Beteiligung von Freiwilligen gepflegt, wobei der Start der Wiesenpflege mit der interessierten Öffentlichkeit 2020 wegen der Corona-Pandemie erst Anfang Juli erfolgen konnte. Dennoch konnten mit 116 Freiwilligen zehn Wiesen mit einer Gesamtgröße von 12,6 ha in sieben Bezirken gepflegt werden. Die Freiwilligen haben gerecht, geschwadet, gesenst und das Schnittgut mit Heugabeln auf Anhänger geladen.

Ein Bild, das draußen, Person enthält.

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Sägeschrecke (Saga natoliae) © Manfred Schönwälder

Auch das Wiesen-Monitoring von Pflanzen, Heuschrecken und Tagfaltern wurde wieder durchgeführt und von 19 Citizen Scientists begleitet. Dabei gelang auf der CITY NATURE-Umsetzungsfläche bei der „Eisernen Hand“ der sensationelle Nachweis der spektakulär aussehenden Sägeschrecke.

Alle Infos sind auf der Homepage www.city-nature.eu nachlesbar. Die Homepage bietet unter der Rubrik „let’s do it“ zusätzlich eine vielfältige Sammlung an allerlei Wissenswertem zu Themen wie naturnahe Begrünung, Artenvielfalt oder ökologische Grünraumnutzung und -pflege. Tipps für den täglichen Gebrauch regen an, auch im eigenen, kleinen Wirkungskreis sinnvolle Maßnahmen zu setzen. Es gilt, 18 ausgewählte Lebensräume zu „erobern“, von Balkon und Terrasse bis hin zu öffentlichem Grünraum oder Schulgarten.

Ein Newsletter informiert regelmäßig über Aktuelles auf der Homepage und im Projekt.

Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm Netzwerk Natur

Die Schwerpunkte des Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramms lagen 2020 wie in den vergangenen Jahren auf den Gebieten der Wiesenpflege und Tieren an Gebäuden.

Die Wiesenpflege (ergänzend zu CITY NATURE) wurde wie in den vergangenen Jahren weitergeführt und weiterentwickelt. In diesem Zusammenhang sind neue Überlegungen und Recherchen zur Wiesenpflege durch Beweidung und mittels Pferde-Mahd zu nennen.

Abgesehen von den Wienerwaldflächen ist es dem Netzwerk Natur ein Anliegen, die Blühflächen im bebauten Gebiet zu vergrößern bzw. zu verbessern. Die im Jahr 2019 gebildete Initiative von Bewohnerinnen und Bewohnern des Rudolf-Köppel-Hofs im 22. Bezirk hat zu einem Projekt in diesem Bereich geführt (siehe „Der Gemeindebau blüht auf“ in diesem Bericht).

Calle-Libre-Wandmalerei mit 22 „gut getarnten" Mauerseglernistkästen © jollyschwarz.com
  • Bei Neubauprojekten von Schulen, Kindergärten und Amtshäusern werden in Zukunft auch Artenschutzmaßnahmen mitumgesetzt. Dies wurde in Zusammenarbeit mit den betroffenen Dienststellen im Raumbuch der Stadt Wien – Bau und Gebäudemanagement entsprechend festgelegt.

  • Mit mehreren Feuerwachen der Stadt Wien-Feuerwehr und Katastrophenschutz wurde die Montage von Nistkästen und Quartieren für verschiedene streng geschützte Arten (z.B. Mauersegler, Turmfalke, Fledermäuse) vereinbart und an einem Standort bereits umgesetzt.

  • Eine prominente Zeile von zwölf Mauerseglerkästen findet sich neu über der Grünfassade des Haus des Meeres, wo in Zukunft auch eine Informationstafel die Funktion der Nistkästen erklären wird.

  • Erstmals gab es in einer Kooperation mit Wiener Wohnen eine Liveübertragung einer Turmfalken-Brut: Von der Nistplatzwahl über die Eiablage, die Jungenaufzucht bis zum Ausfliegen der beiden Jungvögel wurde die Brut in einem Nistkasten am Karl-Marx-Hof übertragen.

  • Im Rahmen von Calle Libre, dem zeitgenössischen Graffiti- und Street-Art-Festival, hat der Künstler crazy mister sketch in der Burggasse 84 im siebten Wiener Gemeindebezirk ein überdimensionales Wandbild mit der Darstellung von drei Mauerseglern angefertigt. In das Gemälde „Apus Urbana“ wurden insgesamt 22 Mauerseglernistkästen der Stadt Wien – Umweltschutz integriert. Der Schutz des natürlichen Lebensraumes für Mauersegler wird damit auf einzigartige Weise mit urbaner Kunst verbunden, um ein Zeichen für die Zukunft zu setzen, wie auf der Homepage https://www.callelibre.at/2020 nachzulesen ist.

In Hinblick auf die Information der Wienerinnen und Wiener über die Naturschätze der Stadt wurde ein neuer Folder „Vom Singen und Springen – Heuschrecken in Wien“ herausgebracht und ein Beitrag zu dem umfassenden Werk „Insekten in Wien – Heuschrecken“ (Wöss, G. et alt. 2020, Österr. Ges. für Entomofaunistik, Wien, 288 Seiten) verfasst.

Kartierung und -monitoring

Monitoring Natura 2000

Natura 2000 ist die Chance und Verpflichtung, Arten- und Lebensraumschutz in einen europäischen und biogeographischen Zusammenhang zu stellen.

Artikel 11 der Richtlinie 92/43/EWG lautet: „Die Mitgliedsstaaten überwachen den Erhaltungszustand der in Artikel 2 genannten Arten und Lebensräume, wobei sie die prioritären natürlichen Lebensraumtypen und die prioritären Arten besonders berücksichtigen.“

Artikel 17, Absatz 1 der Richtlinie 92/43/EWG lautet: „Alle sechs Jahre nach Ablauf der in Artikel 23 vorgesehenen Frist erstellen die Mitgliedstaaten einen Bericht über die Durchführung der im Rahmen dieser Richtlinie durchgeführten Maßnahmen. Dieser Bericht enthält insbesondere Informationen über die in Artikel 6 Absatz 1 genannten Erhaltungsmaßnahmen sowie die Bewertung der Auswirkungen dieser Maßnahmen auf den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen des Anhangs I und der Arten des Anhangs II sowie die wichtigsten Ergebnisse der in Artikel 11 genannten Überwachung. Dieser Bericht, dessen Form mit dem vom Ausschuss aufgestellten Modell übereinstimmt, wird der Kommission übermittelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“

https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:1992L0043:20070101:DE:PDF

Artikel 12, Absatz 1 der Richtlinie 2009/147/EG lautet: „Die Mitgliedstaaten übermitteln der Kommission alle drei Jahre nach dem 7. April 1981 einen Bericht über die Anwendung der aufgrund dieser Richtlinie erlassenen einzelstaatlichen Vorschriften.

https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:020:0007:0025:DE:PDF

Nach Art. 11 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) der EU besteht die Verpflichtung, den Zustand von Arten und Lebensräumen zu überwachen. Gemäß Art. 17 FFH-Richtlinie sowie Art. 12 Vogelschutzrichtlinie sind über jeweils sechsjährige Zeiträume Berichte über den Erhaltungszustand der Schutzgüter vorzulegen. Derzeit beraten die Bundesländer über die kommende Berichtslegung 2025 und die Weiterführung des dazu notwendigen Monitorings. Das Monitoring soll wieder im Rahmen des Österreichischen Programms für die Entwicklung des Ländlichen Raumes 2014 bis 2020 gefördert werden.

Kartierung Kartäuserschnecke

In Wien sind 13 Schneckenarten geschützt. Eine davon, die Kartäuserschnecke, ist selten und kommt auch auf Flächen vor, auf denen gebaut werden soll. Eine gute Kenntnis ihrer Bestände und das Wissen über Managementmaßnahmen ist für den Fortbestand dieser Art von großer Bedeutung.

Seit 2007 wird der Bestand der Kartäuserschnecke und der Wiener Schnirkelschnecke systematisch erhoben. 2020 erfolgte neuerlich ein Monitoring der Kartäuserschnecke (Monacha cartusiana) mit Einschätzung des Erhaltungszustandes und gleichzeitige Miterfassung der Wiener Schnirkelschnecke Caucasotachea [Cepaea] vindobonensis. Ein weiteres Ziel der Studie waren die Charakterisierung der Standorte sowie Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen.

Nach Auswahl von 44 Untersuchungspunkten wurden Vegetation und Bodenstreu zwischen Mai und September nach Monacha cartusiana und anderen Schneckenarten abgesucht. Die Begehungen fanden sowohl bei feuchtem als auch bei trockenem Wetter statt, da die Tiere in beiden Fällen zuverlässig nachgewiesen werden können. Auf 14 Standorten in den Bezirken 10, 11, 14, 21, 22 und 23 gelang ein Nachweis der Art. Im Rahmen einer parallel laufenden Studie (Ländliche-Entwicklung-Projekt, LE-Projekt) wurde die Kartäuserschnecke darüber hinaus auch im 13. Bezirk (Lainzer Tiergarten) gefunden.

Die typischen Fundstellen im Rahmen dieser Untersuchung wurden klassifiziert als „Ruderalflächen“ (15) sowie „Hecke/Gebüsch“ (10). Weitere besiedelte Habitate waren „Grünland/Wiese“ (3) und „Böschung/Damm“ (2) (Mehrfachnennungen für einzelne Standorte waren möglich).

Eine Gefährdung einzelner Standorte besteht durch Baulandwidmung (z.B. In der Wiesen Süd) oder Verbuschung (z.B. Wienerberg). Die Anlage und Pflege von Ersatzstandorten (z.B. im Rahmen von Bewilligungsverfahren) erfordert folgende Voraussetzungen:

  • ruderale Vegetation mit nur wenigen Sträuchern und einzelnen offenen Bodenstellen

  • keine Mahd während der Vegetationsperiode

  • fallweises Ausrechnen der Streuschicht im Spätherbst oder Winter

Die untersuchten Standorte im LE-Gebiet sind weniger gefährdet. Hier waren die am häufigsten besiedelten Lebensräume „Röhricht“ (6), „Feuchtwiesen“ (5) und „Waldrand/Lichtung/Schneise“ (4), gefolgt von „Grünland/Wiesen“ (3) und „Ruderalflächen“ (2).

Der Erhaltungszustand der Kartäuserschnecke wird auf Grund dieser Studie als gut eingeschätzt und hat sich demnach verbessert. Die bisherige Bewertung war „ungünstig“. Begründet wird diese Besserstellung mit mehr Standorten mit Lebendfunden und einer besseren Konnektivität der Standorte.

Erfolgreicher Nachweis des Nachtkerzenschwärmers in Wien

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Nachtkerzenschwärmer: Fraßbild mit Raupe © Dominik Rabl

Die Raupen dieser dämmerungsaktiven, europaweit geschützten Schmetterlingsart fressen vor allem an Weidenröschen. Diese Pflanzen wachsen an seltenen Sonderstandorten – feuchte und frische, gelegentlich auch trockene, gut besonnte Standorte.

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Raupe des Nachtkerzenschwärmers © Dominik Rabl

Im Rahmen der ersten systematischen Kartierung der Reproduktionshabitate des Nachtkerzenschwärmers (Proserpinus proserpina) in Wien konnten substanzielle Erkenntnisse hinsichtlich dessen Verbreitungs- und Bestandssituation sowie Gefährdungsursachen gewonnen werden. Daraus resultierend wurden Vorschläge für ein Management an jedem Standort gemacht, um den Erhaltungszustand der gefährdeten Art zu verbessern. Der Nachtkerzenschwärmer gehört zu den Arten des Anhangs IV der FFH -Richtlinie, die regelmäßig von Eingriffen, z.B. Mahd, betroffen sind. Auch bei Planungsvorhaben kann künftig besser auf die Art Rücksicht genommen werden.

Der Nachtkerzenschwärmer wird als vagabundierende, „unstete“ Art beschrieben, die örtlich instabile Bestände bildet. Sie lebt oligophag an Wirtspflanzen der Familie Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Raupennahrungspflanzen sind Arten der Gattung Weidenröschen (Epilobium, z.B. E. hirsutum (Zottiges Weidenröschen), E. tetragonum (Vierkantiges Weidenröschen), E. angustifolium (Schmalblättriges Weidenröschen) und E. dodonaei (Rosmarin-Weidenröschen) sowie Arten der namensgebenden Nachtkerze (Oenthera). Die meisten Wirtspflanzen gehören zu den Pionierarten von Störungsflächen und werden im zunehmenden Sukzessionsverlauf von konkurrenzstärkeren Pflanzen ersetzt. Eine systematische Kartierung ist daher stets von Unsicherheitsfaktoren begleitet und setzt eine gute Kenntnis der Lage der potentiellen Raupennahrungspflanzen voraus.

Ein Bild, das Pflanze, Blume, drinnen, lila enthält.

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Nachtkerzenschwärmer © Dominik Rabl

Der Zeitraum der Kartierung ist wichtig!

Die erfolgsorientierte Kartierung der Entwicklungsstadien (Ei, Raupe, Fraßspuren und Kotballen) wird je nach Frühjahrswitterung von Mitte Juni bis Ende Juli durchgeführt. Die Kartierung von Habitatpotentialflächen und Raupenfutterpflanzen kann während der gesamten Vegetationsperiode erfolgen.

Das Bearbeitungsteam war sehr erfolgreich und konnte insgesamt 215 Raupen und 20 Eier nachweisen (z.B. Marchfeldkanal, Bade- und Schottergruben, Donauinsel, Kuchelauer Hafen, Liesing, Wienfluss, Pratergewässer, Wienerwaldbäche und Lobau).

Ein Bild, das Karte enthält.

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Bezirk

Ei

L1 - L2

L3

L4

L5

Summe

Zottiges Weideröschen

Floridsdorf

8

22

4

-

34

301

Donaustadt

12

65

1

1

4

83

208

Donaustadt

-

1

-

4

1

6

300

Döbling

-

-

-

-

-

-

60

Favoriten

-

98

-

-

-

98

3

Penzing

-

-

3

-

-

3

334

Leopoldstadt

-

-

-

-

-

-

80

Liesing

-

-

-

-

-

-

35

Donaustadt

-

-

-

-

-

-

1

Hernals Währing

-

9

1

-

1

11

310

Systematische Kartierung von Reproduktionshabitaten des Nachtkerzenschwärmers (Proserpinus proserpina) in Wien
Dominik Rabl, Christopher Rabl, Martin Strausz 2020. https://www.wien.gv.at/kontakte/ma22/studien/natur.html

Speziellere Initiativen

Schutz für unsere Bäume vor überbordenden Sicherheitsschnitten

Massive „Sicherheitsschnitte“ und Rodungen entlang öffentlich zugänglicher Waldbestände werden zu einem immer größeren Problem. Aus schmalen Waldwegen oder Forststraßen entstehen so durch massive Baumfällungen breite Schneisen und naturschutzfachlich wertvoller Baumbestand geht verloren.

Eine der Hauptursachen dafür ist die Sorge der Baum- und Wege-Erhalterinnen und -Erhalter, zivil- und auch strafrechtlich zu haften, wenn es um Schäden durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume geht. Dabei ist die wachsende Tendenz zu „Sicherheitsschnitten“ weder aus der geltenden Rechtslage noch aus der Judikatur ableitbar.

Die Plattform „Zukunft mit Bäumen – Bäume mit Zukunft" will diese „Angstschnitte" vermeiden, mehr Rechtssicherheit und Klarheit in Haftungsfragen für Baumverantwortliche schaffen und dadurch wertvolle Baumbestände schützen. Es gilt, gemeinsam mehr in Richtung Bewusstseinsbildung, Achtsamkeit, Gemeinwohl und Eigenverantwortung zu gehen.

https://baumkonvention.at

Pestizidreduktion in Wien

Die Stadt Wien – Umweltschutz hat, entsprechend einem Beschluss des Natur- und Umweltbeirats, einen Diskussionsprozess gestartet, in dem in drei Arbeitsgruppen zum Thema Pestizidreduktion mit Stakeholdern Lösungsansätze erarbeitet wurden und werden.

Die Arbeitsgruppe I befasste sich mit der Zielgruppe der privaten Anwenderinnen und Anwender. Von den insgesamt elf beteiligten Institutionen, Vereinen und NGOs wurden 16 Maßnahmenbündel gesammelt und priorisiert. An der Spitze finden sich die Forderungen nach einer Novellierung des Wiener Pflanzenschutzmittelgesetzes nach dem Vorbild von Kärnten und Vorarlberg, die Installation von Biodiversitätsberaterinnen und -beratern im Bereich Klein- und Siedlungsgärten und die Verbesserung des Schulungsangebotes sowie der Umweltbildung.

Die Arbeitsgruppe II erarbeitete Maßnahmen zur Reduktion von Pestiziden auf kommunalen und öffentlichen Flächen sowie Flächen öffentlicher Unternehmen. Die Arbeitsgruppe formulierte konkrete Maßnahmen in den Kategorien Informationsaustausch, Anwendungen auf spezifischen Flächen, Beschaffung, Sachkunde und Schulung der Anwenderinnen und Anwender.

Die Arbeitsgruppe III befasste sich thematisch mit beruflichen Verwenderinnen und Verwendern, so auch der Landwirtschaft. Ausgehend von den erarbeiteten 34 Maßnahmen wurden 15 als vorrangig eingestuft, z.B. vorbeugende, pflanzenschützende, biodiversitätserhaltende und -steigernde Maßnahmen. Auch die Finanzierung der Maßnahmen ist eine wichtige Frage, ebenso wie flankierende Maßnahmen, beispielsweise im Bereich der Heizkosten beim Gartenbau oder die Abnahme regionaler Produkte durch die Stadt.

Generell von Bedeutung bei Lösungsansätzen ist, dass die Standortfaktoren und Pflegebedürfnisse der Pflanzen schon beim Kauf bzw. Setzen berücksichtigt werden, da diese sonst zu erhöhter Anfälligkeit für Schädlinge neigen. Weiters kommt der Etablierung und dem Ausbau lokaler Bewirtschaftungskreisläufe große Bedeutung zu.

Die Ergebnisse der Umsetzungen aus den einzelnen Arbeitsgruppen werden fortlaufend weiterdiskutiert und evaluiert.

Der digitale Artenschutzkoffer als Lehrmaterial

Plakat Artenschutzkoffer

In Zeiten des „Bienensterbens“ und der Klimakrise setzt die Stadt Wien mit dem digitalen Artenschutzkoffer eine weitere Bildungsmaßnahme zum Schutz von Natur und Klima um.

Mit „Deine Supersinne für Insekten und Vögel in Wien“ sind die Unterrichtsmaterialien für die Grundstufe betitelt. „Rede mit! Deine Stimme für Insekten und Vögel in Wien“ heißen jene für die Sekundarstufe. Der digitale Artenschutzkoffer beinhaltet Basisinformation über die Artenvielfalt in Wien anhand ausgewählter Vogel- und Insektenarten. Mit diesen „Leitarten“ wird auf die Bedeutung von Habitaten und Strukturen in der Stadt aufmerksam gemacht, die für die gesamte Fauna und Flora wichtig sind. Denn ohne die Insekten, die an der Basis der Nahrungspyramide bzw. an den „Schaltstellen“ des ökologischen Netzwerkes stehen, gibt es auch weniger Vogel- und andere Arten.

Im digitalen Artenschutzkoffer finden sich Artensteckbriefe zu je sechs Vogel- und Insektenarten in zwei Versionen (Grundstufe und Sekundarstufe), begleitende Aktionshefte und ein Übersichtsposter.

Die Unterlagen vermitteln Wiener Kindern und Jugendlichen altersgerechte Informationen über Insekten mit goldfarbenen Augen (Florfliege), die Superkräfte des Mauerseglers, die wandelbare Alien-Raupe des Wiener Nachtpfauenauges, darüber, was den Graureiher vom Storch unterscheidet, dass Zuckmücken tanzen und ein wichtiger Teil der Nahrungskette sind, und Hohltaube Hanna erzählt im Interview vom Küssen. Dazu kommt allerlei weiteres Wissenswertes und Unterhaltsames über die Natur vor der Haustür in Wien. Rätsel, Aufgaben am Schreibtisch und in der Natur, Wortschatz-Checklisten, Links zum Arbeitsmaterial auf Lernplattformen und zu weiterführender Information sowie Tipps ergänzen die Steckbriefe. Ein Poster dient zur zusätzlichen Bewerbung des Lehrmaterials.

Der digitale Artenschutzkoffer findet sich auf Internetseiten der Stadt Wien. Zusätzlich ist geplant, ihn auch über Lernplattformen für Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen.

Citizen-Science-Aktion „Auf der Suche nach Spatz und Specht“

Haussperlinge © Hans-Martin Berg, Hannah Assil, Alexander Tschigele, Thomas Ranner, Michael Dvorak

Spatzen lieben Simmering! Ein erstes Zwischenergebnis der Spatzenzählung 2020

Im Auftrag der Stadt Wien – Umweltschutz hat BirdLife auf seiner Homepage ab Oktober 2020 eine Meldeplattform zu Spatzen (Haussperling und Feldsperling) eingerichtet. In der ersten Aktionswoche der Citizen-Science-Aktion wurden „Spatzen-WGs“ gesucht. Insgesamt haben die Wienerinnen und Wiener in den ersten Wochen 2.808 Haussperlinge und 621 Feldsperlinge aus 199 Spatzen-WGs gemeldet. Weitere Zwischenergebnisse der Spatzenzählung, die bis Sommer 2021 läuft: Es gab starke Unterschiede innerhalb der Wiener Bezirke. Aus dem 4. Bezirk wurden weder Haussperlinge noch Feldsperlinge gemeldet, im 11. Bezirk wurden insgesamt 43 Spatzen-WGs entdeckt. Die grünraumreichen Außenbezirke außerhalb des Gürtels sind besonders wichtig für die herbstlichen Spatzentrupps. In allen Wiener Bezirken erreichte der Haussperling gegenüber dem Feldsperling die klare Mehrheit. Lediglich im 21. und 23. Bezirk wurden größere Anteile von Feldsperlingen gemeldet. Im Durchschnitt umfasst eine Haussperlingstruppe 20 Vögel und eine Feldsperlingstruppe zwölf Vögel. Beide Spatzenarten bevorzugen klar Gebüsche und Hecken für ihren Aufenthalt.

Ein Bild, das Vogel, niedergelassen, Singvogel enthält.

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Feldsperlinge © Peter Friesser, Wolfgang Kantner, Bernhard Paces, Hans-Martin Berg

Als Dankeschön erhielt jede Melderin und jeder Melder eine kleine Überraschung (einen Bierdeckel mit Sperlingsmotiv) per Post.

Weiteren Aktionswochen zu Spechten im März 2021, wenn deren Revierklopfen besonders gut zu hören ist und die Spechte gut zu sehen sind, und zu Spatzen-Brutplätzen im April 2021 wurden vorbereitet.

Die Plakette „Naturnahe Grünoase“ – ein Beitrag zur biologischen Vielfalt in der Stadt

Ein Bild, das Baum, draußen, Gras, Pflanze enthält.

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Ob Innenhof, Kleingarten, Hausgarten oder Wohnanlage – jedes naturnahe Grün verdient seine Auszeichnung „Naturnahe Grünoase“. © Manfred Schönwälder

2007 wurde von der Stadt Wien – Umweltschutz das Projekt Naturnahe Grünoase im Rahmen des Arten- und Lebensraumschutzprojekt Netzwerk Natur konzipiert und 2008 erstmalig im 5. Bezirk umgesetzt. Das Projekt wurde in mehreren Etappen auf ganz Wien ausgerollt. Seit 2013 ist es möglich, sich wienweit für eine Plakette zu bewerben. Bis dato wurden bereits über 226 Objekte ausgezeichnet. Ca. 65% aller Auszeichnungen wurden westlich der Donau vergeben. Die beiden Bezirke mit den meisten Auszeichnungen waren Floridsdorf und Donaustadt, jene mit den wenigsten die Innere Stadt, Wieden und Ottakring. Unter den neun verschiedenen Objekttypen wurde der Hausgarten am häufigsten ausgezeichnet, gefolgt vom Kleingarten. Auch 37 Innenhofbegrünungen konnten ausgezeichnet werden. Ganz besonders ist die erstmalige Auszeichnung einer privaten Wohnhausanlage in Favoriten hervorzuheben. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten 2020 leider nicht alle angemeldeten Objekte ausgezeichnet werden. Dennoch konnte die Liste der Objekte mit der Plakette „Naturnahe Grünoase“ um zehn erweitert werden. Mit acht Auszeichnungen war der Hausgarten die häufigste Kategorie, gefolgt von einem Gemeinschaftsgarten und einem Kleingarten.

Eine Kooperation mit DIE UMWELTBERATUNG.

Biotopanlage und Biotoppflegemaßnahmen

Österreichisches Programm für die ländliche Entwicklung 2014 bis 2020 (LE 2014–2020)

Die Landwirtschaft bekommt für eine zukunftsfähige Gesellschaft in Hinblick auf Klimawandel, Biodiversität, Gesundheit und Entwicklung ländlicher Räume eine immer stärkere Rolle.

Dieses Programm stellt den Rahmen dar, in dem Projekte zur Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt in Gebieten mit hohem Naturwert oder -potential (z.B. Natura-2000-Gebiete) gefördert werden können. Folgende Maßnahmen sind förderfähig: Pläne und Entwicklungskonzepte zur Erhaltung des natürlichen Erbes; Studien und Investitionen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des natürlichen Erbes; Stärkung der Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren sowie Strukturen zur Erhaltung des natürlichen Erbes.

Als bewilligende Stelle fungiert dabei die Wiener Landwirtschaftskammer. Ein Fachbeirat Naturschutz im Magistrat der Stadt Wien ist in das Auswahlverfahren von beantragten Projekten eingebunden. Unter Vorsitz der Stadt Wien – Umweltschutz fanden 2020 zwei Fachbeiratssitzungen statt, zu acht Naturschutzprojekten wurde ein Auswahlverfahren durchgeführt.

Das Österreichische Programm für die ländliche Entwicklung für die Jahre 2021 bis 2027 wurde von den Bundesländern in Arbeitsgruppen weiter begleitet.

https://www.wien.gv.at/umweltschutz/naturschutz/laendliche-entwicklung.html

Stadtwildnispflege

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Mitten im dritten Wiener Gemeindebezirk gibt es eine Naturoase – die Erdberger Stadtwildnis mit dem Naturdenkmal Donauprallhang. © Klaus Kramer MA 22

Im Bereich der Erdberger Stadtwildnis in der Baumgasse wurden Offenlandbereiche wiederhergestellt und Wiesen angelegt. Das angrenzende Naturdenkmal Nr. 752 – ein ehemaliger Donauprallhang – wurde aufgrund seiner geomorphologischen Entstehungsgeschichte geschützt. Dieser Steilabfall zum Erdberger Mais ist eng verknüpft mit dem Lauf der Donau: In einem großen Bogen floss hier noch im 18. Jahrhundert ein Donau-Arm vorbei. Im Anströmbereich kolkte die Donau im Laufe der Zeit das relativ weiche Sediment der höhergelegenen Donauterrasse (Lösslehm) aus. Auf diese Weise entstand am Prallhang eine mehr als 10 m hohe Steilkante. Der Prallhang stellt im Wiener Stadtbereich die letzte naturnahe und erlebbare flussmorphologische Struktur dar.

Beide geschützten Flächen waren „in die Jahre gekommen“ und mehr und mehr zugewachsen. Die Pflegepläne für diese beiden geschützten Gebiete sehen vor, dass sich nicht nur Gebüsch und Bäume entfalten dürfen, sondern auch sogenanntes „Offenland“ erhalten bleibt. Dieser Begriff bezeichnet überwiegend gehölzfreie Wiesen und Ruderalstandorte, die naturschutzfachlich stark gefährdet und erhaltenswert sind. Beispielsweise sind ca. die Hälfte aller Wildbienenarten auf solche Habitate angewiesen, die meisten Tagfalterarten sind „Wiesenarten“, Reptilien wie die Zauneidechse oder die Gottesanbeterin und viele Heuschreckenarten sind Offenlandarten, der Neuntöter und viele andere Vogelarten finden ihr Futter in Offenland. Auch Königskerze und Wegwarte wachsen und blühen auf besonnten, mageren Offenlandstandorten.

Entlang der Wege und Plätze hat eine beauftragte Firma Buschwerk und Stauden maschinell entfernt und das Schnittgut abtransportiert. Waldflächen und Bäume wurden nicht gerodet. Anschließend unterstützten Studierende der Universität für Bodenkultur die Stadt Wien – Umweltschutz bei der Wiederherstellung von Mähwiesen.

An den Eingängen der Stadtwildnis informierten Informationstafeln die interessierte Öffentlichkeit über Zweck und Umfang der Maßnahmen. Die Aufregung war dennoch groß. Es hat sich gezeigt, dass Pflegemaßnahmen im dicht besiedelten Stadtgebiet sehr gut und ausführlich kommuniziert werden müssen, damit es unter Anrainerinnen und Anrainern nicht zu Unverständnis und Unmut kommt.

Der „Gemeindebau blüht auf“ – ein dreijähriges Monitoring-Projekt zur Förderung der Insektenvielfalt in Wien

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Auch der Hauchechel-Bläuling soll sich auf den Grünflächen von Gemeindebauten vom Ei bis zum Falter entwickeln können. Dazu bedarf es weniger intensiv gemähter Bereiche. © Manfred Schönwälder

Im Projekt „Der Gemeindebau blüht auf“ wird die Pflegeextensivierung („Wiese statt Rasen“) auf drei Wiener-Wohnen-Flächen begleitet und die Auswirkungen auf die Insektenvielfalt werden evaluiert.

Das unter dem Schlagwort „Insektensterben“ bekannt gewordene Phänomen ist zu einem gravierenden Problem geworden, über das auch medial immer häufiger berichtet wird. Wiener Wohnen hat es sich daher mit der Stadt Wien – Umweltschutz zum Ziel gesetzt, anhand von drei Pilotprojekten die lokale Biodiversität in städtischen Wohnhausgrünanlagen zu erhöhen (Anton-Sattler-Gasse (1220), Kongresssiedlung (1130) und Sandleitenhof (1160)). Die Ziele des bis 2022 laufenden Projektes sind:

  • Bewusstseinsbildung zum Thema Biodiversität und Naturschutz unter Mieterinnen und Mietern von Wiener Wohnen

  • Steigerung des ästhetischen Werts der Wiener-Wohnen-Grünanlagen durch Erhöhen des Blütenpflanzen-Anteiles (Arten und Individuen)

  • Messbare Steigerung der Insektenvielfalt bzw. der urbanen Biodiversität

  • Etablierung eines Vorzeigeprojektes, um eine Umsetzung in anderen Wiener-Wohnen-Anlagen zu erleichtern

Das Maßnahmen-Repertoire auf den Pilotflächen umfasst die Extensivierung (Mähen in längeren Zeitintervallen), eine Ausmagerung des Bodens durch Bodenaustausch und die Blütenanreicherung mittels Saatgutausbringung. Die Vielfalt von blütenbesuchenden Insekten wird auf Referenzflächen und den Biodiversitätsflächen gemessen. Die Kontaktaufnahme zu den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Wohnhausanlagen wird gesucht, um über Aufklärung und Bewusstseinsbildung Verständnis und Akzeptanz für insektenfreundliche Blühflächen zu schaffen.

Optimierung des Pflegemanagements von Beständen der Osterluzei (Aristolochia clematitis) zur Förderung des Osterluzeifalters in Wien

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Raupe des Osterluzeifalters © Manfred Schönwälder

Die Raupe des seltenen Osterluzeifalters lebt nur auf der Osterluzei-Pflanze. Eine Sicherung und gute Pflege der Standorte dieser Pflanze ist lebensnotwendig für den Falter.

Der Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena) gehört in Wien zu den prioritären Arten des Naturschutzes. Er ist streng geschützt, eine Art des FFH-Anhang IV, die Raupen leben monophag, d.h. nur auf einer einzigen Futterpflanze, der Osterluzei (Aristolochia clematitis). Deshalb sind der Erhalt von Beständen der Osterluzei sowie deren optimales Management unabdingbar für den erfolgreichen Schutz dieser apart aussehenden Tagfalterart.

2019 wurden in Wien bereits 132 Vorkommensstandorte der Osterluzeipflanze erfasst. Basierend auf dieser Erfassung wurden in dieser Studie zehn Standorte mit großen Vorkommen der Osterluzei (mehr als 100 Pflanzensprosse) für die Aufnahme von Raupen selektiert.

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Standorte Osterluzeipflanze © Klaus Kramer MA 22

In der Vegetationsperiode im Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang August wurden die Standorte vom Auftragnehmer (Mag. Martin Strausz) dreimal aufgesucht, um einen Einblick in die Bewirtschaftungsweisen der Standorte zu bekommen.

Die Ergebnisse zeigen grundsätzlich ein positives Bild der aktuellen Bewirtschaftungslage. Dennoch sind punktuelle Optimierungsmaßnahmen erforderlich, um ein langfristiges Bestehen der existierenden Fortpflanzungshabitate zu sichern. Einer der entscheidendsten Faktoren für eine ungestörte und erfolgreiche Entwicklung möglichst vieler Präimaginalstadien des Osterluzeifalters ist die Einhaltung eines späten Mähtermins. In dem Zeitraum ab der Eiablage (je nach Saison ab ca. Mitte April) bis zur Fertigentwicklung der Raupen (spätestens bis Mitte Juli) dürfen die Standorte mit Osterluzeibeständen nicht gemäht oder gemulcht werden.

Spezielle Artenschutzmaßnahmen

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© Martina Staufer

Schutzmaßnahmen für die Wechselkröte (Bufotes viridis) in den Gemüseanbaugebieten der Simmeringer Haide

Wechselkröten-Hotspot mitten im größten Gemüseanbaugebiet in Wien

Im Rahmen des „Aktionsplan Wechselkröte“ wurden auch 2020 wieder die Schutzmaßnahmen im Straßenverkehr fortgeführt. Insgesamt wurden an 27 Tagen ca. 134 Personenstunden für die Betreuung der neuralgischen Straßenabschnitte aufgewendet. Aufgrund der Covid-19-Pandemie gab es im Frühjahr einen deutlichen Rückgang des Verkehrsaufkommens, sodass ab Mitte März zeitweilig sogar die abendlichen „Rettungsaktionen“ entfallen konnten. Zeitgleich fanden durch das sehr trockene Frühjahr über längere Phasen hinweg kaum Wanderungen statt. Beides wirkte sich auch auf die Ergebnisse aus: In Summe wurden 666 Wechselkröten an den Straßen aufgesammelt, davon „nur“ 144 Verkehrsopfer (17%). Hinsichtlich der am häufigsten frequentierten Abschnitte bzw. der Unfall-Hotspots kam es zu keinen Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Regelmäßige Querungen wurden auch weiterhin über die Kaiserebersdorfer Straße registriert. Im Bereich der Zinnergasse wurden keine Wechselkröten gefunden – es scheint hier keinen Austausch mit den Vorkommen in Albern zu geben.

Managementmaßnahmen zum Schutz der Wechselkröte sind schwieriger zu bewerkstelligen als für andere Amphibien. Die Wanderungen der Art in ihrem Lebensraum sind großflächiger und über einen längeren Zeitraum verteilt. Seit 2016 findet zur Hauptwanderzeit von März bis Juni eine Betreuung der Straßen statt, um die Tiere vor dem Verkehrstod zu schützen und Erkenntnisse zur Gefährdung, den Hotspots an den Straßen und der Verbreitung der Wechselkröten im Gebiet zu erlangen.

Der Haupt-Lebensraum der Wechselkröte erstreckt sich in den Gemüseanbaugebieten auf einer Fläche von etwa 3,6 km2 über die Katastralgemeinden Simmering und Kaiserebersdorf. Die regelmäßig behandelten Straßenabschnitte weisen gemeinsam eine Länge von 9 km auf, insgesamt liegen bereits Informationen zur Raumnutzung der Wechselkröte (Bufotes viridis) in einem 10,8 km langen Straßennetz vor.

Die mehrheitliche Produktion von Gemüse und Zierpflanzen findet im geschützten Anbau in Glashäusern und Folientunneln statt. Im Teilgebiet der Katastralgemeinde Kaiserebersdorf werden auch noch größere Flächen ackerbaulich genutzt. Dazwischen liegen vielfach ruderale und nicht bewirtschaftete Kleinflächen, auf denen Wechselkröten gute Lebensbedingungen vorfinden. Eine Erhebung der Gewässer im Umfeld der Gärtnereibetriebe ergab 2018 neben zahlreichen temporären Lacken auch sieben künstliche Wassersammelbecken, die regelmäßig als Laichplätze genutzt werden. Eine Zusammenstellung aller bekannten Laich- und Rufgewässer in Simmering und Kaiserebersdorf ergab 16 Standorte mit gesicherter oder wahrscheinlicher Reproduktion. Mit gezielten Lenkungs- und Managementmaßnahmen wird weiterhin daran gearbeitet, die Zahl an Unfallopfern des größten Vorkommens der Wechselkröte in Wien zu reduzieren.

Wir danken an dieser Stelle der Auftragnehmerin Martina Staufer und ihrem ehrenamtlichen Team Katrin Dyballa, Robert Kinnl, Judith Kapeller, Helga Pöchhacker-Florian, Era Florian, Anna Pal, Franziska Kapeller, Anna Illedits, David Koller, Helmut Pfeifhofer, Verena Schmelz und Dieter Machura!

Boden

Die österreichweite Initiative „Gemeinsam für unseren Boden“ hat es sich zum Ziel gesetzt, den Bodenverbrauch in Österreich zu reduzieren. Derzeit werden täglich (!) 12 ha Boden verbraucht, irreversibel, für immer. Über einen fachlichen Diskurs sollen nachhaltige Lösungen erarbeitet werden, um die wertvolle Ressource Boden langfristig zu schützen und zu erhalten.

Initiiert von der Stadt Wien – Umweltschutz wird die Initiative mittlerweile von fast allen Bundesländern, der österreichischen Landwirtschaftskammer und der TU Wien sowie dem WWF Österreich getragen. Im Kernteam sind weiters die AGES, das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie und das Umweltbundesamt vertreten.

2020 fanden im Mai und Dezember zwei Online-Workshops statt sowie am 6./7. Oktober eine Tagung in Linz, bei der mit allen Teilnehmenden mögliche weitere Schritte in den Fachbereichen Raumplanung, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft/Ernährung, Finanzen und Naturschutz diskutiert wurden. Konkrete Lösungsansätze wurden gesammelt und gemeinsam ausgearbeitet. 2021 sind mehrere Online-Meetings/Workshops geplant, eine gemeinsame Tagung ist im Sommer/Herbst 2021 vorgesehen.

Link zur Initiative: https://www.bodeninfo.net

Die Boden(Gelände)versiegelung nahm von 2009 bis 2018 um 1,09% zu, während die Bevölkerung in dieser Zeit um 12,42 % angestiegen ist.

Fußnoten

  1. FFH-RL = Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union (EU). Umgangssprachlich auch als Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie bezeichnet.

  2. Oligophag bedeutet auf Deutsch „wenig fressend“; oligophage Tiere sind Nahrungsspezialisten mit geringem Nahrungswahlvermögen (Gegensatz = polyphag).