Die Wiener Wald- und Wiesen-Charta (WWWC) ist ein Bekenntnis zum Schutz der Wälder, Wiesen und Gewässer im wachsenden Wien. Sie wurde im Wiener Gemeinderat beschlossen – ergänzt durch drei Aktionspläne mit konkreten Maßnahmen für die Bereiche Wald, Artenschutz und Gewässer.

Eine neue Naturraum- und Klimaschutz-Initiative sichert, fördert und stärkt den Grüngürtel.

Der Schutz des Wiener Grüngürtels hat eine lange Tradition: Die ersten Teile des Wiener Grüngürtels wurden bereits im Jahr 1905 unter Schutz gestellt und diese Schutzgebiete wurden seither stetig erweitert. Die Charta ist ein starkes Bekenntnis zum Erhalt, zur Verbesserung und Erweiterung der großen grünen Landschaftsräume in und um Wien. Die Großregion Bisamberg, der Regionalpark DreiAnger, das Marchfeld mit dem Norbert-Scheed-Wald, der Donauraum mit dem Prater, die Terrassenlandschaften im Süden Wiens, der Wienerwald und die Schließung des Grüngürtels sollen davon nachhaltig profitieren.

Ziele in zwölf Leitsätzen und Schlüsselmaßnahmen

Die Charta bietet eine Leitlinie und Orientierungshilfe für die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung wie auch für Eigentümerinnen und Eigentümer, Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter, NGOs, NPOs sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Die Ziele sind in zwölf Leitsätzen festgehalten und betreffen die Themen nachhaltige Siedlungsentwicklung, Bodenschutz, Klimaschutz und Klimawandelanpassung, Erhaltung und Verbesserung der Biodiversität im Wald, Erhaltung und Verbesserung auf Wiesen, naturnahe Gewässer, Baumschutz/Naturgefahren und Haftung, zeitgemäßes Wildtiermanagement, gezielte Kooperationen mit privaten und Bundes-Akteurinnen und -Akteuren, Forschung und Bildung, Erholungsangebote und differenzierte Nutzung sowie Erreichbarkeit mit dem Umweltverbund.

Ackerrandstreifen © Manfred Schönwälder

Jeder der zwölf Leitsätze wird durch Schlüsselmaßnahmen ergänzt und verdeutlicht, z.B:

  • Sicherung des Grünraumanteils von Wien bei mehr als 50%

  • Fortsetzung des Schutzprogrammes Netzwerk Natur

  • Aufforstungen in den waldarmen Teilen Wiens

  • Sicherung der möglichst großen Vielfalt heimischer, standortgerechter Baumarten

  • quantitative und qualitative Sicherung und Entwicklung der Wiesenflächen

  • Renaturierung von Fließgewässern

  • Maßnahmen und Unterstützung für Baumverantwortliche zur Vermeidung nicht notwendiger Sicherungsschnitte

  • Einrichtung von Wildruhezonen in Wäldern und auf Wiesen

  • Forschungskooperationen und Intensivierung der Umweltbildung

  • Attraktivierung der Erreichbarkeit von Grünräumen mit dem Umweltverbund


Drei konkrete Aktionspläne

Die Wiener Wald- und Wiesen-Charta wird durch drei ergänzende Dokumente mit Leben erfüllt, die ein ganzes Bündel an weiteren detaillierten Maßnahmen enthalten:

1. Der Aktionsplan Artenvielfalt (siehe auch weitere Beiträge in diesem Bericht und die Beiträge der Stadt Wien – Wiener Stadtgärten) Ohne Artenschutz kein Klimaschutz – ohne Klimaschutz kein Artenschutz

Der Aktionsplan Artenvielfalt zeigt deutlich auf, wie Artenschutzmaßnahmen mit Klimaschutzmaßnahmen Hand in Hand gehen. Ziele der Maßnahmen sind die Erhaltung, Ergänzung und Erneuerung von artenreichen Grünflächen. Dazu zählen unter anderen: das Interreg-Projekt SK-AT „City Nature“ von Wien und Bratislava für die Erhaltung und Pflege von Wiesen, Hilfe für Gebäudebrüter und Naturschutz-Kommunikation. Das Artenvielfalt-Fortsetzungsprojekt Netzwerk Natur II, die Initiative zur Pestizidreduktion in Wien, die Auszeichnung naturnaher Gärten mit der Plakette „Naturnahe Grünoase“, Überlegungen zu Vertragsnaturschutz-Projekten für den Artenreichtum in der Landwirtschaft. Dazu kommt noch eine ganze Reihe von speziellen Maßnahmen von der Beweidung der Hügel am Kellerberg über die Pflege von geschützten Lebensräumen mit Freiwilligen und Schulklassen bis hin zu gezielten Maßnahmen für seltene Tierarten wie Smaragdeidechse, Wechselkröte oder Alpenbock.

2. Der Aktionsplan Wald (siehe die Beiträge der Stadt Wien – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb in diesem Bericht)

Der Aktionsplan Wald geht von einer ganzheitlichen Betrachtung dieses Ökosystems aus, wobei dessen nachhaltige Erhaltung und Erweiterung in Einklang mit den verschiedensten Nutzungs-Interessen gebracht wird. Hier geht es beispielsweise um kahlschlagfreie Baumentnahmen und einen möglichst schonenden Abtransport – etwa durch Pferde. Gleichzeitig werden auch Baumkronen bzw. Altholz als Lebensraum und Nahrungsstätte für seltene Arten im Wald belassen. Insgesamt werden 10% der gesamten Waldfläche und auch im bewirtschafteten Wald pro Hektar mindestens fünf geeignete Biotopbäume außer Nutzung gestellt. Weitere Maßnahmen sind die natürliche Verjüngung des Waldes mit Samen von vor Ort befindlichen Bäumen und die Aufforstung mit heimischen, standortgerechten Baumarten, das Verbot von Pestiziden und Mineraldüngern sowie ein modernes, zeitgemäßes Wildtiermanagement.

3. Der Aktionsplan Gewässer (siehe die Beiträge der Stadt Wien – Wiener Gewässer in diesem Bericht)

Der Aktionsplan naturnahe Gewässer hat den Erhalt, die Verbesserung und die Schaffung neuer naturnaher Lebensräume für Pflanzen und Tiere im Fokus. Dafür gibt es bereits gelungene Vorzeigeprojekte, beispielsweise am Wienfluss, am Liesingbach oder an der Alten Donau. Maßnahmen zum Schutz und zur Erhöhung der Artenvielfalt an Wiener Gewässern sind z.B. die naturnahe Ausgestaltung von Uferbereichen, das Entfernen von harten Sohl- und Uferverbauungen sowie die Pflanzung und Pflege standorttypischer heimischer Gehölzarten in den Uferbereichen. Dazu kommen die Errichtung von Kleingewässern als Lebensraum für Amphibien, Reptilien und andere Kleinlebewesen, die Herstellung der Durchgängigkeit für Fische in Fließgewässern oder auch das Einbringen oder Belassen von Totholz im Gewässer, soweit dies im Einklang mit dem Hochwasserschutz und der Nutzung möglich ist.