1. Demografie & Einwanderungsrecht

1.2 Entwicklung der Wiener Bevölkerung seit 1961

Wien hat in den letzten 60 Jahren eine äußerst dynamische Bevölkerungsentwicklung erlebt. Aus einer stagnierenden Stadt wurde innerhalb weniger Jahrzehnte zunächst eine schrumpfende und später eine stark wachsende Stadt. Gleichzeitig wurde aus einer stark gealterten Stadt – überwiegend aufgrund der internationalen Zuwanderung – eine junge Metropole.

Aus einer schrumpfenden Stadt wurde eine boomende Metropole …

Die Geburtenbilanz – also die Zahl der in einem Jahr lebend geborenen Kinder abzüglich der im selben Zeitraum gestorbenen Personen – veränderte sich in Wien seit dem Jahr 1961 nur langsam. Bis inklusive 2003 starben in Wien jedes Jahr mehr Menschen als geboren wurden. Erst seit 2004 ist die Geburtenbilanz in Wien nach vielen Jahrzehnten wieder positiv.

Der Fall des Eisernen Vorhangs, die Kriege am Balkan, der österreichische EU-Beitritt, die Osterweiterungen der EU sowie die Fluchtmigration aus Syrien und Afghanistan haben zu einem deutlichen Wachstum der Stadt Wien geführt.

Anders als die Geburtenbilanz hat sich die Wanderungsbilanz – also die Zahl der in einem Jahr aus dem Ausland oder den anderen Bundesländern nach Wien zugezogenen Menschen minus der weggezogenen Personen – sprunghafter entwickelt. Das liegt daran, dass Migration oft durch politische oder ökonomische Ereignisse geprägt wird: Solche Ereignisse waren beispielsweise die Phase der Vollbeschäftigung ab dem Jahr 1961 , die Ölkrise (1973), der Fall des Eisernen Vorhangs (1989), die Kriege am Balkan (ab 1991), der österreichische EU-Beitritt (1995), die Erweiterungen der Europäischen Union (2004, 2007 sowie 2013), das Ende der Übergangsfristen für die neuen Mitgliedstaaten der EU (2011, 2014 sowie 2020) oder die Fluchtmigration aus Syrien und Afghanistan (2015).

Wien ist infolge des Beitritts zur EU, der EU-Osterweiterungen und der Fluchtmigration um 2015 stark gewachsen

Abb. 1: Geburtenbilanz, Wanderungsbilanz und daraus entstehende Bevölkerungsveränderung in Wien seit 1961

Abb. 1: Wien ist infolge des Beitritts zur EU, der EU-Osterweiterungen und der Fluchtmigration um 2015 stark gewachsen

Geburtenbilanz, Wanderungsbilanz und daraus entstehende Bevölkerungsveränderung in Wien seit 1961

Quelle: Grafik: Stadt Wien – Integration und Diversität, Daten: Stadt Wien – Wirtschaft, Arbeit und Statistik (seit 2002) sowie Statistik Austria (bis 2001)

JahrWachstum (absolut)GeburtenbilanzWanderungsbilanz (außen & binnen)
1961-3.504-6.5153.011
1962-810-6.6455.835
1963-1.401-6.0724.671
1964-952-5.8344.882
1965-2.169-7.6815.512
19662.009-6.5518.560
19673.629-7.28910.918
19681.300-7.2468.546
1969-1.439-9.2157.776
1970-4.127-10.2846.157
1971948-11.31812.266
19724.592-10.68415.276
19732.236-10.61212.848
1974-16.165-10.682-5.483
1975-15.365-12.412-2.953
1976-14.585-13.367-1.218
1977-10.175-12.7702.595
1978-17.037-12.873-4.164
1979-14.050-11.797-2.253
1980-6.404-10.9534.549
1981-6.514-10.1303.616
1982-17.997-9.626-8.371
1983-10.768-10.172-596
1984-4.992-9.0174.025
1985-3.918-9.3745.456
1986-5.472-8.2892.817
1987-1.226-7.3666.140
19881.519-6.0777.596
19896.859-4.93411.793
199010.136-4.45414.590
199119.677-3.63723.314
199215.074-3.47118.545
199311.913-2.82014.733
1994-6.769-2.568-4.201
1995-3.665-3.522-143
19963.189-3.1046.293
1997-1.316-2.9471.631
19981.377-2.8474.224
19996.285-2.8269.111
20005.419-2.0417.460
200117.167-1.77618.943
200221.723-48821.488
200317.564-49417.094
200422.15987319.658
200519.88071317.181
20068.7971.3166.772
20079.9751.06010.809
20088.9141.6737.445
20099.8608228.878
201012.8601.70210.977
201114.2292.25211.821
201224.1621.86122.314
201325.5002.35922.711
201430.5913.24626.692
201542.8893.40539.185
201627.3564.77322.277
201721.1944.15216.791
20188.7153.1515.679
201913.7003.7859.887
Tabelle zu Abb. 1: Geburtenbilanz, Wanderungsbilanz und daraus entstehende Bevölkerungsveränderung in Wien seit 1961

Rückblickend kann die Zuwanderung nach Wien in fünf Phasen eingeteilt werden (Abb. 1):

  • Die erste Phase zwischen 1961 und 1973 war stark durch die Migration von „GastarbeiterInnen“ geprägt. Innerhalb von 12 Jahren betrug die Wanderungsbilanz der Stadt Wien 106.258 Personen. Doch diese starke Zuwanderung war gerade ausreichend, um die im selben Zeitraum stark negative Geburtenbilanz (-105.946 Personen) auszugleichen. Die Bevölkerungszahl der Stadt Wien stagnierte, während die Zahl der ausländischen StaatsbürgerInnen von 23.651 auf 95.710 Personen anstieg.
  • Mit der Ölkrise im Jahr 1973 änderte sich diese Situation: Der Ölpreisschock führt zu einer Rezession, und die Phase der „GastarbeiterInnenmigration“ kam zu einem Ende. Es folgte eine Zeit des verstärkten Familiennachzugs. Die Wanderungsbilanz für den Zeitraum zwischen 1974 und 1987 war mit insgesamt 4.160 Personen leicht positiv, doch aufgrund der mit -148.828 Personen weiter stark negativen Geburtenbilanz sank die Bevölkerungszahl der Stadt Wien deutlich. 1988 erreichte die Stadt Wien mit 1.484.258 EinwohnerInnen ihren niedrigsten Bevölkerungsstand im 20. Jahrhundert. Am Ende dieser Phase im Jahr 1987 hatten im Jahresdurchschnitt 121.932 WienerInnen eine ausländische Staatsbürgerschaft.
  • Erst ab dem Jahr 1988 begann Wien wieder zu wachsen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs kam es zu einer grundlegenden Veränderung der geopolitischen Situation der Stadt: Wien befand sich nicht mehr in einer Randlage an einer undurchlässigen Grenze, sondern wurde zu einem Tor in die ost- und mitteleuropäischen Staaten. Auch in Folge der Kriege am Balkan kam es daher zwischen 1988 und 1994 zu einer erneuten Phase der starken Zuwanderung nach Wien, die sich nun wieder in einem Wachstum des Bevölkerungsstands niederschlug. Die Wanderungsbilanz in der Höhe von 86.370 Personen führte trotz einer weiterhin noch negativen Geburtenbilanz von -27.961 Personen zu einem Bevölkerungswachstum um 58.409 Personen zwischen 1988 und 1994. Die Zahl der WienerInnen ohne österreichische Staatsbürgerschaft stieg auf 230.501 Personen.
  • Der österreichische EU-Beitritt im Jahr 1995 kann als Beginn einer bis heute andauernden Phase gesehen werden: der verstärkten Zuwanderung aus Staaten der Europäischen Union – vor allem rund um die Ost- und Südost-Erweiterungen 2004, 2007 und 2013 sowie rund um das Auslaufen der Übergangsfristen für die ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit nach diesen Erweiterungen.
  • Zusätzlich zur Zuwanderung aus europäischen Staaten führte die Fluchtmigration im Wesentlichen aus Syrien und Afghanistan rund um das Jahr 2015 zu einer starken Zuwanderung nach Wien. Im gesamten Zeitraum seit 1995 ergeben die Wanderungsbilanz und die seit 2004 nun ebenfalls positive Geburtenbilanz ein starkes Bevölkerungswachstum um 368.524 Personen bis Anfang 2020. Im Durchschnitt des Jahres 2019 hatten 579.881 WienerInnen eine ausländische Staatsbürgerschaft.

Die letzten verfügbaren Daten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts zeigen für 2019 einen leichten Anstieg der Zuwanderung nach Wien. Insgesamt liegt die Wanderungsbilanz mit dem In- und Ausland mit 9.887 Personen jedoch weiterhin niedriger als in den Jahren zwischen 2010 und 2017. Gemeinsam mit einer weiterhin positiven Geburtenbilanz führte die Wanderungsbilanz zu einem Wachstum der Wiener Bevölkerung um 13.700 Personen im Jahr 2019. Sollten sich die bisherigen Prognosen bestätigen, ist davon auszugehen, dass Wien im Jahr 2027 zu einer Metropole mit mehr als zwei Millionen EinwohnerInnen werden wird – so wie schon im Jahr 1910.

Wiener Lebensqualitätsstudie: Einstellung der Bevölkerung zum Wachstum der Stadt Wien

Wie Abbildung 2 zeigt, wird das Bevölkerungswachstum der Stadt von den WienerInnen positiv gesehen. Insgesamt rund 75 % der in der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 befragten Personen gaben an, dass sie diese Entwicklung sehr oder eher positiv sehen. Der Migrationshintergrund führt dabei zu deutlichen Unterschieden im Antwortverhalten. So stimmten der Aussage rund 87 % der Personen mit Migrationshintergrund der ersten Generation zu. Doch auch von den WienerInnen ohne Migrationshintergrund begrüßen 71 % das Wachstum der Stadt.

Antworten der in der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 befragten Wiener Bevölkerung auf die Frage: Dass Wien eine wachsende Stadt ist, sehe ich grundsätzlich positiv.
Abb. 2: Antworten der in der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 befragten Wiener Bevölkerung auf die Frage „Dass Wien eine wachsende Stadt ist, sehe ich grundsätzlich positiv.“ (in %)

Abb. 2: Das Wachstum der Stadt wird von der Wiener Bevölkerung positiv gesehen

Antworten der in der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 befragten Wiener Bevölkerung auf die Frage "Dass Wien eine wachsende Stadt ist, sehe ich grundsätzlich positiv." (in %)

Quelle: Grafik: Stadt Wien – Integration und Diversität, Quelle: Endbericht der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018

stimme sehr zustimme eher zu stimme eher nicht zustimme gar nicht zu
Gesamt4332178
Frauen4232188
Männer4332178
kein Migrationshintergrund39321910
Migrationshintergrund 1. Generation5334103
Migrationshintergrund 2. Generation4631176
Tabelle zu Abb. 2: Antworten der in der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 befragten Wiener Bevölkerung auf die Frage „Dass Wien eine wachsende Stadt ist, sehe ich grundsätzlich positiv.“ (in %)

... und aus dem ältesten das jüngste Bundesland Österreichs

Die eben beschriebene Zuwanderung hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Verjüngung der Wiener Bevölkerung geführt – absolut, aber vor allem im Vergleich zu den anderen acht Bundesländern in Österreich (Abb. 3).

Aufgrund der Zuwanderung von jungen Menschen wurde Wien vom ältesten zum jüngsten Bundesland Österreichs

Abb. 3: Entwicklung des Durchschnittsalters der Bevölkerung in den neun österreichischen Bundesländern im Jahresdurchschnitt seit 1961

Abb. 3: Aufgrund der Zuwanderung von jungen Menschen wurde Wien vom ältesten zum jüngsten Bundesland Österreichs

Entwicklung des Durchschnittsalters der Bevölkerung in den neun österreichischen Bundesländern im Jahresdurchschnitt seit 1961

Quelle: Grafik & Berechnung: Stadt Wien – Integration und Diversität, Daten: Statistik Austria (Demographische Indikatoren)

BurgenlandKärntenNiederösterreichOberösterreichSalzburgSteiermarkTirolVorarlbergWien
196134,6932,9836,7434,1433,7434,8333,2432,0842,59
196234,7433,0136,734,0833,734,8133,1231,9442,59
196334,7733,0536,6434,0133,6434,7732,9831,842,54
196434,8233,0936,5933,9433,5734,7532,8431,6842,5
196534,8833,1336,5433,933,5134,7432,7331,5642,44
196634,9733,236,5133,8633,4634,7432,6331,4842,35
196735,0833,2636,4933,8633,4234,7432,5531,4342,22
196835,1933,3536,4833,8533,3934,7532,4731,442,08
196935,2933,4336,4833,8333,3834,7632,4331,3641,96
197035,3933,5236,4733,8433,4134,832,4331,3441,87
197135,4933,6436,4633,8833,4534,8632,4831,3641,77
197235,6133,7636,533,9533,4834,9432,5531,3741,63
197335,7633,9236,5834,0733,5735,0632,6731,4341,51
197435,9234,1336,734,2133,7335,2132,8231,5541,48
197536,0934,3836,8534,3833,9135,373331,7241,53
197636,2734,6336,9934,5634,0635,5333,1731,9441,58
197736,4734,8737,1434,7534,2235,7133,3432,1541,62
197836,6635,137,334,9434,435,8933,5532,3841,67
197936,8435,3337,4635,1334,5836,0833,7832,641,74
19803735,5337,5835,334,7536,2433,9632,8141,76
198137,1335,7137,6535,4334,8836,3734,1133,0241,69
198237,2735,8837,7535,5534,9836,5134,2833,2541,65
198337,4436,0537,8835,735,0836,6634,4533,541,65
198437,6236,2638,0135,8735,236,8534,6533,7641,61
198537,8336,4838,1336,0535,3537,0434,8634,0141,54
198638,0436,6938,2536,2235,5137,2335,0734,2241,48
198738,2736,9138,3836,435,737,4435,2934,4441,46
198838,537,1538,5236,5735,937,6435,4934,6641,41
198938,7137,3538,636,736,0337,8335,6634,7641,29
199038,8937,5338,6236,7736,1138,0135,8134,8141,15
199139,0337,6638,6236,7936,1938,1535,9334,8740,95
199239,1637,7538,6236,8336,2738,2536,0134,9740,76
199339,3337,8838,6636,9136,3838,3936,1135,1440,65
199439,4938,0938,7637,0536,5938,5836,2735,3640,66
199539,6238,3238,8937,2436,8138,7836,4835,5740,76
199639,8138,5639,0437,4537,0338,9936,6935,7840,83
199740,0638,8339,2237,6837,2939,2136,9236,0340,9
199840,3439,1239,4237,9237,5539,4637,1736,340,98
199940,6239,4139,6338,1637,8239,7137,4536,5741,03
200040,9339,7239,8638,4238,139,9837,7336,8641,08
200141,2540,0540,1438,7238,4240,2638,0337,1541,12
200241,5540,3940,3938,9938,740,5338,3237,441,07
200341,8140,740,5839,238,940,7538,5737,6340,96
200442,064140,7739,4339,1640,9738,8237,8740,88
200542,3141,2840,9639,6639,4341,1939,0738,1340,85
200642,5741,5841,1739,9339,7241,4439,3538,4140,9
200742,8441,8941,440,240,0141,6939,6438,7140,96
200843,0842,241,6540,4740,2941,9439,9239,0241
200943,3242,5341,940,7640,6142,1740,2239,3341,03
201043,6242,8642,1941,0440,9142,4240,5239,6541,06
201143,8843,1842,4541,3241,242,6540,839,9541,09
201244,0843,4842,6841,5641,4442,8841,0440,2541,08
201344,343,7642,9141,7741,6843,0941,2540,5141,03
201444,5444,0343,1141,9441,8943,2841,4640,7641
201544,744,2243,2542,0542,0243,4141,640,9340,91
201644,7944,3843,342,142,1243,4841,694140,8
201745,0344,6143,4742,2442,2843,6541,8641,1740,78
201845,2744,8543,6742,3942,4643,8442,0841,3640,86
201945,5145,1143,8542,5542,6744,0342,3241,5640,98
Tabelle zu Abb. 3: Entwicklung des Durchschnittsalters der Bevölkerung in den neun österreichischen Bundesländern im Jahresdurchschnitt seit 1961

Durch die Zuwanderung von jungen Menschen aus dem In- und Ausland ist das durchschnittliche Alter der WienerInnen leicht gesunken, während die anderen Bundesländer deutlich gealtert sind.

In den 1960er und 1970er Jahren galt Wien als eine der demografisch ältesten Städte der Welt. Wichtige Gründe dafür waren Geburtenausfälle während der beiden Weltkriege und während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre. Das durchschnittliche Alter der WienerInnen betrug im Jahr 1961 rund 42,6 Jahre und lag damit um etwa sechs Jahre über dem österreichweiten Durchschnitt und etwa zehn Jahre über dem damals jüngsten Bundesland Vorarlberg. Doch während in den folgenden Jahren das durchschnittliche Alter der Bevölkerung in den anderen Bundesländern deutlich stieg, sank es in Wien sogar geringfügig. Seit 2015 ist Wien das demografisch jüngste Bundesland in Österreich. Das durchschnittliche Alter der WienerInnen lag 2019 bei 41,0 Jahren. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die Zuwanderung junger Frauen und Männer sowohl aus den anderen Bundesländern als auch aus dem Ausland.

Entwicklung der Wiener Bevölkerung seit 2002 im Detail

Seit dem Jahr 2002 ermöglichen die amtlichen Registerdaten einen weitaus detaillierteren Blick auf die Zusammensetzung der Wiener Bevölkerung als in den Jahren davor. Diese Daten werden im folgenden Abschnitt verwendet, um die Entwicklungen in den letzten Jahren abzubilden und zu zeigen, wie sich die Zuwanderung der vergangenen Jahrzehnte auf die Zusammensetzung der Bevölkerung ausgewirkt hat.

Wien ist seit langer Zeit eine Einwanderungsstadt: 30,8 % der Bevölkerung haben nicht die österreichische Staatsbürgerschaft, 36,7 % sind im Ausland geboren, und 41,3 % haben eine ausländische Herkunft.

Genauso wie Österreich ein Einwanderungsland ist, ist Wien seit langer Zeit eine Einwanderungsstadt. Unabhängig davon, welche Definitionen und Kennzahlen verwendet werden, zeigt sich, dass in Wien seit vielen Jahren der Anteil der Bevölkerung mit Migrationsbezug steigt – so wie in anderen europäische Metropolen wie Amsterdam, Stuttgart, Frankfurt am Main, London oder Brüssel auch (Abb. 4).

Anteil der Wiener Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft, mit einem ausländischen Geburtsland, mit ausländischer Herkunft oder mit Migrationshintergrund seit dem Jahr 2002
Abb. 4: Anteil der Wiener Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft, mit einem ausländischen Geburtsland, mit ausländischer Herkunft oder mit Migrationshintergrund seit dem Jahr 2002 (in %)

Abb. 4: Wien ist seit vielen Jahren eine Einwanderungsstadt – so wie viele andere europäische Metropolen auch

Anteil der Wiener Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft, mit einem ausländischen Geburtsland, mit ausländischer Herkunft oder mit Migrationshintergrund seit dem Jahr 2002 (in %)

Quelle: Grafik & Berechnung: Stadt Wien – Integration und Diversität, Daten: Stadt Wien – Wirtschaft, Arbeit und Statistik (Bevölkerungsregister) sowie STATcube – Statistik Austria (Mikrozensus Arbeitskräfteerhebung)

<
Bevölkerung mit ausländischer StaatsbürgerschaftBevölkerung mit ausländischem GeburtslandBevölkerung mit ausländischer HerkunftBevölkerung mit Migrationshintergrund
200216,424,627,2
200316,925,528
200417,226,428,7
200517,827,529,7
200618,328,330,5
200718,628,731
200819,229,231,535,1
200919,929,732,135,7
201020,53032,637,9
201121,230,333,138,4
201221,930,733,738,3
20132331,434,638,6
201424,232,235,640,7
201525,633,136,842
201627,434,538,342,8
201728,635,339,343,9
201829,63640,245,3
201930,236,340,745,9
202030,836,741,3
Tabelle zu Abb. 4: Anteil der Wiener Bevölkerung mit ausländischer Staatsbürgerschaft, mit einem ausländischen Geburtsland, mit ausländischer Herkunft oder mit Migrationshintergrund seit dem Jahr 2002 (in %)
  • Der Anteil der in Wien lebenden Personen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft ist seit dem Jahr 2002 von 16,4 % auf 30,8 % Anfang des Jahres 2020 gestiegen.
  • Der Anteil der im Ausland geborenen WienerInnen hat im selben Zeitraum von 24,6 % auf 36,7 % zugenommen.
  • Während im Jahr 2002 rund 27,2 % der WienerInnen eine ausländische Herkunft hatten, lag der Anteil Anfang 2020 bei rund 41,3 %.
  • Da in den amtlichen Registerdaten keine Informationen zu den Eltern vorliegen, kann der Migrationshintergrund erst seit dem Jahr 2008 mit der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung abgebildet werden. Seitdem kam es zu einem Anstieg von ursprünglich 35,1 % auf 45,9 % im Durchschnitt des Jahres 2019.

Der Anteil der WienerInnen aus früheren Zuwanderungsländern wie dem ehemaligen Jugoslawien oder der Türkei sinkt, während jener aus Staaten der EU/EFTA oder sonstigen Drittstaaten steigt.

Mit der Zuwanderung seit dem Jahr 2002 hat sich auch die Zusammensetzung der Wiener Bevölkerung mit ausländischer Herkunft verändert: Während der Anteil der WienerInnen aus frühen Zuwanderungsländern wie dem ehemaligen Jugoslawien bei 8,8 % stagniert und jener aus der Türkei leicht auf 4,0 % zurückgegangen ist, kam es in den vergangenen Jahren zu einer starken Zuwanderung aus den neuen und alten Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Seit 2002 ist der Anteil der WienerInnen aus Staaten der EU oder EFTA von 9,9 % auf 17,1 % gestiegen. Ebenfalls gestiegen ist der Anteil der Bevölkerung aus sonstigen Drittstaaten – er lag 2002 bei 5,2 % und stieg auf 11,5 % (Abb. 5).

Der Anteil der Wiener Bevölkerung mit Bezug zu früheren Zuwanderungsländern sinkt, jener aus EU/EFTA-Staaten und sonstigen Drittstaaten steigt

Abb. 5: Veränderung von Anteilen zusammengefasster Bevölkerungsgruppen mit ausländischer Herkunft an der gesamten Wiener Bevölkerung seit dem Jahr 2002 (in %)

Abb. 5: Der Anteil der Wiener Bevölkerung mit Bezug zu früheren Zuwanderungsländern sinkt, jener aus EU/EFTA-Staaten und sonstigen Drittstaaten steigt

Veränderung von Anteilen zusammengefasster Bevölkerungsgruppen mit ausländischer Herkunft an der gesamten Wiener Bevölkerung seit dem Jahr 2002 (in %)

Quelle: Grafik & Berechnung: Stadt Wien – Integration und Diversität, Daten: Stadt Wien – Wirtschaft, Arbeit und Statistik (Bevölkerungsregister)

EU/EFTA-Staatenehemaliges Jugoslawien (ohne EU-Mitglieder)Türkeisonstige Drittstaaten
20029,98,43,75,2
200310,18,53,95,5
200410,28,745,8
200510,68,94,16,1
200610,99,14,26,4
200711,29,14,26,6
200811,98,84,26,7
200912,28,74,27
201012,48,74,37,1
201112,78,84,37,3
201213,18,84,37,5
201313,78,84,37,8
201414,38,94,38,2
201515,18,94,28,6
201615,58,94,19,8
201715,98,94,110,5
201816,28,94,111
201916,68,8411,3
202017,18,8411,5
Tabelle zu Abb. 5: Veränderung von Anteilen zusammengefasster Bevölkerungsgruppen mit ausländischer Herkunft an der gesamten Wiener Bevölkerung seit dem Jahr 2002 (in %)

Fußnoten

  1. Ramon Bauer, Christian Fendt, Gerlinde Haydn, Wolfgang Remmel und Eva Seibold (2018). Wien in Zahlen. Bevölkerungsprognose 2018. Wien: Magistrat der Stadt Wien – Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik. https://www.wien.gv.at/statistik/pdf/bev-prog-2018.pdf (letzter Zugriff: 21. April 2020)
  2. Roland Verwiebe, Raimund Haindorfer, Julia Dorner, Bernd Liedl, Bernhard Riederer (2020). Lebensqualität in einer wachsenden Stadt: Wiener Lebensqualitätsstudie 2018. Endbericht an die Stadt Wien. Wien: Universität Wien, Institut für Soziologie, Seite 37. https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008577.pdf (letzter Zugriff: 6. Juli 2020)
  3. Ramon Bauer & Klemens Himpele (2019). Auf dem Weg zurück zur Zwei-Millionen-Stadt – die Entwicklung der Wiener Bevölkerung. Teil 2: Das Comeback einer demographisch gealterten Stadt (1910 – 2018). https://wien1x1.at/site/bev-entwicklung-2/ (letzter Zugriff: 21. April 2020)
  4. Jens Schneider, Maurice Crul sowie Frans Lelie (2015). Generation Mix. Die superdiverse Zukunft unserer Städte – und was wir daraus machen. Münster: Waxmann Verlag. https://www.waxmann.com/waxmann-buecher/?tx_p2waxmann_pi2%5bbuchnr%5d=3182&tx_p2waxmann_pi2%5baction%5d=show