1. Einleitung und Erkenntnisse

1.2 Energieprojekte und Aktivitäten für Wiens Energiezukunft

Deep Demonstration – das Programm für mehr Klimaschutz in Städten

Im Jahr 2020 unterstützte die EU-Initiative EIT Climate KIC die Stadt Wien auf dem Weg rascher klimaneutral zu werden. Als eine von 15 europäischen Städten war Wien Teil des Programms Deep Demonstration. Gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik vertiefte die Stadt bestehende Initiativen und entwickelte ambitionierte Lösungen und Ideen für ein klimagerechtes Wien. Dadurch wurden wichtige Vorbereitungsarbeiten für den European Green Deal geleistet.

Mit dem Klimaschutz-Programm Deep Demonstration des EIT Climate KICs wurden 2020 wichtige Impulse für den Weg in eine klimafreundliche Zukunft gesetzt. 2021 geht es ambitioniert weiter, denn Gesetzesanpassungen und Klimamaßnahmen müssen jetzt in Angriff genommen werden, damit das 1,5 Grad Ziel aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erreicht werden kann.

Portrait von Bernd Vogl
Bernd Vogl
Weitere Informationen zu Deep Demonstration

Vorhandene Klimaschutzbemühungen bündeln und stärken

Der Fokus des vorerst einjährigen Deep Demonstration Programms liegt auf der Vorbereitung von Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung. Dabei geht es darum, langfristig klimaschädliche Treibhausgase in der Stadt zu verringern. Und gleichzeitig müssen Konzepte und Lösungen entwickelt werden, um die sommerliche Überhitzung zu bremsen und die Stadt gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen und resilienter zu machen.

Der Austausch mit InnovatorInnen und Startups lohnt sich: gemeinsam mit über 100 unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren hat die Stadt Wien im Rahmen von Deep Demonstration in mehreren Workshops Lösungen für Dekarbonisierung und Ressourcenschonung erarbeitet.

Portrait von Sarah Haas
Sarah Haas

Gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Wirtschaft und Politik sowie Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet die Stadt Wien zukunftsfähige Lösungen und Ideen für eine klimafreundliche Stadt. Dabei liegen die Schwerpunkte auf den Themen Stadterneuerung und Energieversorgung, Stadtplanung und grüne Infrastruktur, Mobilität, Klimabudget als Steuerungseinrichtung, Innovationen und Wirtschaftsstandort sowie Partizipation und soziale Gerechtigkeit.

Die Stadt Wien setzt seit Jahren zahlreiche Aktionen und Projekte in Sachen Klimaschutz um. Deep Demonstration hat verdeutlicht, dass verstärkte Zusammenarbeit wichtig ist. Wenn alle Abteilungen an derselben Mission arbeiten und an einem Strang ziehen, kann aus jedem einzelnen Projekt und jeder einzelnen Aktion das Maximum herausgeholt werden.

Portrait von Roman Grünner
Roman Grünner
Workshops und Vernetzungstreffen
Workshops und Vernetzungstreffen
Bei Workshops und Vernetzungstreffen erarbeitet die Stadt Wien gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus größeren Unternehmen, dem Startup- und dem Innovationsbereich Lösungen für Klimaschutz.
Bei Workshops und Vernetzungstreffen erarbeitet die Stadt Wien gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus größeren Unternehmen, dem Startup- und dem Innovationsbereich Lösungen für Klimaschutz.
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Innovative Energielösungen im geförderten Wohnbau

Um Innovationen im geförderten Wohnbau im Bereich Nachhaltigkeit und Energie voranzutreiben, wurde im Jahr 2019 der Bauträgerwettbewerb 22, Waldrebengasse ausgeschrieben. Der Fokus des Bauträgerwettbewerbs liegt in der Realisierung eines leistbaren nachhaltigen Holzwohnbaus mit einem nachhaltigen Energiesystem.
Das Projekt ist Teil der Städtepartnerschaft mit der kanadischen Metropole Vancouver, die von der Energieplanung der Stadt Wien koordiniert wird. Mit dieser Kooperation initiieren beide Städte einen Knowhow-Transfer und Erfahrungsaustausch im Bereich Green Building und deren Realisierbarkeit im geförderten Wohnbau. Dabei wird in Vancouver ein Wohnbauvorhaben umgesetzt, das sich mit dem Thema des sozialen Wohnbaus in Wien und seiner Umsetzbarkeit auf die lokalen Gegebenheiten in Vancouver auseinandersetzt. Parallel dazu wird in Wien mit dem Wohnbauprojekt in der Waldrebengasse ein Vorhaben umgesetzt, das mit dem Thema Holzbau an den traditionellen Erfahrungen der kanadischen Partnerstadt anknüpft. Beide Wohnbauvorhaben werden nach höchsten Effizienzstandards gebaut und maximieren die Nutzung erneuerbarer Energien.

Nachhaltiges Energiesystem bereits in Ausschreibung verankert

Für den geförderten Wohnbau in Wien gelten spezielle Anforderungen an die Energieeffizienz und Qualität der gebäudetechnischen Anlagen. Seit 2007 dürfen nur hocheffiziente alternative Energiesysteme zum Einsatz kommen, außer sie sind in Ausnahmefällen nicht realisierbar.

Der Bauträgerwettbewerb stellte Gebäudeentwicklerinnen und -entwickler vor eine Herausforderung, die alternative Energiesysteme forciert und ohne fossile Energieträger auskommt. Am Standort in der Waldrebengasse besteht zudem kein Anschluss an die Wiener Fernwärme. Daher wurde unter Mitwirkung der Energieplanung der Stadt Wien vom Auslober, dem wohnfonds_wien, ein neuer Weg beschritten. Bereits im Ausschreibungstext wurde eine detaillierte Aufgabenstellung für „Nachhaltigkeit und alternative Energieformen“ formuliert. In ihr wurde eine erneuerbare Wärmeversorgung definitiv verlangt und der Einsatz fossiler Energieträger definitiv ausgeschlossen. In dem Zusammenhang wurde auch der Einsatz von Flächenheizungen festgeschrieben, um dadurch die Nutzung dieser Flächensysteme für eine sommerliche Temperierung der Räume zu ermöglichen.

Rüdiger Lainer + Partner Architekten ZT GmbH überzeugten die Jury mit ihrem Konzept und werden den innovativen Holzwohnbau in der Waldrebengasse umsetzen. © oln.at
Rüdiger Lainer + Partner Architekten ZT GmbH überzeugten die Jury mit ihrem Konzept und werden den innovativen Holzwohnbau in der Waldrebengasse umsetzen. © oln.at

Flipbook Bauträgerwettbewerb Waldrebengasse
Siegerprojekt

Die Vorgangsweise hat sich gelohnt. Ungewöhnlich viele Teams beteiligten sich an dem Wettbewerb. Alle zehn Projekte weisen in Punkto Nachhaltigkeit hohe Innovationskraft auf und boten eine Vielfalt an holzbautechnischen Konzepten. Bei allen Teams waren erfahrene Holzbauingenieurinnen und -ingenieure sowie Haustechnikerinnen und -techniker beteiligt. Dadurch waren sämtliche Projekte hochwertig geplant und gut umsetzbar.

Das Projekt in der Waldrebengasse zeigt umsetzbare Lösungen für zwei Mega-Themen, die zurzeit alle Städte weltweit betreffen. Das ist einerseits die Notwendigkeit leistbare Wohnungen zu bauen und andererseits die Frage, wie man Lösungen für klimaneutrale und nachhaltige Gebäude schafft.

Portrait von Bernd Vogl
Bernd Vogl

Wärmewende – Raumwärme auf klimaneutrale Beine stellen

Allein in Wien machen Raumwärme und Warmwasser rund 40% des Endenergieverbrauchs aus. Trotz bisheriger Klimaschutzerfolge in den vergangenen Jahren, steckt im Bereich Raumwärme noch viel Potenzial, um im Sinne des Pariser Klimaabkommens klimaneutral zu werden. Für die Wärmewende gilt es daher erneuerbare Energiepotenziale maximal auszuschöpfen. Sowohl die Nutzung erneuerbarer Energiequellen als auch die Entwicklung von nachhaltigen Wärmenetzen können mit den Instrumenten der Energieraumplanung maßgeblich unterstützt werden. Darüber hinaus ist auch die bestehende Infrastruktur für die Wärmeversorgung (Gas- und Fernwärmenetz) langfristig weiterzuentwickeln.

Raus aus Gas im Neubau

Wien schreibt Geschichte und setzt einen wichtigen Meilenstein für eine krisensichere und erneuerbare Energiezukunft. Mit der Verordnung der ersten Klimaschutz-Gebiete Ende Juni 2020 begann der Ausstieg aus der fossilen Gasversorgung von Gebäuden. In diesen Gebieten wird sichergestellt, dass Neubauten ausschließlich mit einem klimaschonenden Energiesystem zu errichten sind.

Die ersten Klimaschutz-Gebiete wurden für die Bezirke 2, 7 und 16 beschlossen. Ende September 2020 folgten die Bezirke 3, 8, 9, 18 und 19. Bis Ende 2021 folgen schrittweise die restlichen Bezirke. Bei Neubauten in einem Klimaschutz-Gebiet kann entweder über erneuerbare Energien oder Fern- bzw. Nahwärme geheizt und Warmwasser aufbereitet werden. Damit bleibt die Wahlfreiheit bestehen, lediglich klimaschädliche fossile Energieträger sind für die Wärmeversorgung in den Klimaschutz-Gebieten Geschichte.

Neubauten in Klimaschutz-Gebieten werden ausschließlich mit hocheffizienten Energiesystemen versorgt, wie beispielsweise erneuerbarer Sonnenenergie. © Stadt Wien/C.Fürthner
Neubauten in Klimaschutz-Gebieten werden ausschließlich mit hocheffizienten Energiesystemen versorgt, wie beispielsweise erneuerbarer Sonnenenergie. © Stadt Wien/C.Fürthner

Das wirksamste Mittel im Kampf gegen die Klimakrise ist die Eindämmung von klimaschädlichen Treibhausgasen. In den Klimaschutz-Gebieten wird gewährleistet, dass mehr als 80 Prozent aller Neubauten künftig klimafreundlich konditioniert werden. Die dadurch vermiedenen Treibhausgas-Emissionen leisten einen deutlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der Smart-City Wien.

Wir starten in ein neues Zeitalter. Gerade jetzt wo in Wien viel gebaut wird, braucht es Investitionen in klimafitte Gebäude. Wenn die Energiewende gelingen soll, braucht es die Einschränkung von fossilem Gas. Es geht darum, die drohende Klimakrise abzuwenden. Denn mit grüner Energie aus der Region stärken wir die Krisenfestigkeit Wiens in Sachen Energieversorgung.

Portrait von Andrea Kinsperger
Andrea Kinsperger

Decarb Cities Forum 2020 - Es ist an der Zeit klimaneutrale Städte zu gestalten!

Expertinnen und Experten aus Stadtplanung, Forschung und Politik versammelten sich Anfang 2020 in Wien zum Decarb Cities Forum. Die Konferenz bot eine Plattform für Austausch zwischen Städten in ganz Europa, um neue Innovationen, Lösungen, Ideen und neue Technologien für eine CO2-freie Wärmeversorgung aufzuzeigen.

Anna Ausstaller (Energieplanung Stadt Wien) präsentiert die Hitzekarte der Stadt an einem der Vernetzungstische, die Platz für anregenden Austausch und Wissenstransfer boten.
Anna Ausstaller (Energieplanung Stadt Wien) präsentiert die Hitzekarte der Stadt an einem der Vernetzungstische, die Platz für anregenden Austausch und Wissenstransfer boten.
Kooperationspartner: Das #Decarb Cities Forum 2020 wurde vom Europäischen Wärmepumpenverband, dem Netzwerk Energy Cities, dem Covenant of Mayors for Climate and Energy und dem Verband Wärmepumpe Austria veranstaltet. Die Energieplanung der Stadt Wien unterstützte die Fachtagung.
Kooperationspartner: Das #Decarb Cities Forum 2020 wurde vom Europäischen Wärmepumpenverband, dem Netzwerk Energy Cities, dem Covenant of Mayors for Climate and Energy und dem Verband Wärmepumpe Austria veranstaltet. Die Energieplanung der Stadt Wien unterstützte die Fachtagung.
Katri Kuusinen (Leiterin der Umweltabteilung der Stadt Helsinki) präsentiert den Aktionsplan für 2035 in Richtung Klimaneutralität. Damit setzt die finnische Stadt Helsinki einen Maßstab für andere Städte in Sachen Wärmewende.
Katri Kuusinen (Leiterin der Umweltabteilung der Stadt Helsinki) präsentiert den Aktionsplan für 2035 in Richtung Klimaneutralität. Damit setzt die finnische Stadt Helsinki einen Maßstab für andere Städte in Sachen Wärmewende.
Stephan Brandligt (Vizepräsident für Energiestädte und Vizebürgermeister von Delft in den Niederlanden) stellte den Weg der niederländischen Regierung vor, die Städte in die Gestaltung der Wärmestrategie stark eingebunden hat.
Stephan Brandligt (Vizepräsident für Energiestädte und Vizebürgermeister von Delft in den Niederlanden) stellte den Weg der niederländischen Regierung vor, die Städte in die Gestaltung der Wärmestrategie stark eingebunden hat.

Erneuerbare Energien rechnen sich

Die Kosten für Heizungen auf Basis erneuerbarer Energieträger sind bereits heute konkurrenzfähig mit Gasheizungen. Die Heizkosten können um bis zu 55 % niedriger sein als bei Gasheizungen. Über 20 Jahre betrachtet, sind die Gesamtkosten für erneuerbare Systeme um bis zu 30 % günstiger. Die Investitionskosten sind geringfügig (unter 10%) höher als bei Gaslösungen.

Gutachten (PDF)

Die Kosten für Heizungen auf Basis erneuerbarer Energieträger sind bereits heute konkurrenzfähig mit Gasheizungen. Die Heizkosten können um bis zu 55 % niedriger sein als bei Gasheizungen. Über 20 Jahre betrachtet, sind die Gesamtkosten für erneuerbare Systeme um bis zu 30 % günstiger. Die Investitionskosten sind geringfügig (unter 10%) höher als bei Gaslösungen.

Vor allem der Einsatz von Wärmepumpen lohnt sich. Die laufenden Betriebskosten sind im Vergleich zu Gaslösungen deutlich günstiger. Das zeigen nicht nur Praxiserfahrungen aus dem Wohn- und Schulbau, sondern unter anderem auch ein von der Energieplanung der Stadt Wien beauftragtes Gutachten. Vor allem, wenn die Möglichkeit der Kühlung durch Wärmepumpen an besonders heißen Tagen mitberücksichtigt wird, sind derartige Systeme sogar heute schon günstiger.

Besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Kranke oder Kinder, die besonders an der Hitze leiden, profitieren davon. Auch für das Stadtklima bedeutet diese Lösung eine Entlastung, da – im Gegensatz zu herkömmlichen Klimaanlagen – die Wärme nicht an die Umgebung abgegeben wird. Nach Meinung von Immobilienexpertinnen und -experten kann davon ausgegangen werden, dass die Möglichkeit einer Kühlung von Wohnungen jedenfalls einen immer größeren Einfluss auf deren Wert hat.

Abgesehen vom Thema Kühlung ergibt sich für die Bewohnerinnen und Bewohner der Vorteil, dass die Betriebskosten günstiger sind, da der Großteil der Energie aus Sonne, Grundwasser oder Erdwärme stammt, die gratis zur Verfügung steht. Zusätzlich sind diese Systeme weniger wartungsintensiv als gasbasierte Systeme.

Ein großer Pluspunkt von Energielösungen mit Wärmepumpen ist, dass mit solchen Systemen nicht nur geheizt, sondern auch im Sommer gekühlt werden kann. Ganz ohne stromfressende Klimageräte. Außerdem lassen sich Wärmepumpen mit erneuerbarem Strom betreiben, der aus Sonnenstromanlagen oder aus Windparks kommt.

Portrait von Stefan Sattler
Stefan Sattler

Gebäude als Energiespeicher nutzen

Die thermische Bauteilaktivierung ist ein wichtiges System für den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien. Denn die große Herausforderung bei der Produktion von erneuerbaren Strom aus Wind oder Sonne ist seine wechselnde Verfügbarkeit. Deshalb ist es sinnvoll, „Überschussmengen“ zwischen zu speichern und erst später zu nutzen. Geeignete Speicher können die Beton-Zwischendecken neuer Wohngebäude sein.

Bei der Wohnhausanlage Neues Leben in der Mühlgrundgasse im 22. Wiener Gemeindebezirk wurde erstmals im geförderten Wohnbau die thermische Bauteilaktivierung umgesetzt. Damit geht der Wohnbau neue Wege in Sachen klimaschonendes Bauen. 155 Wohnungen, davon ein Drittel gefördert, wurden vom gemeinnützigen Wohnbauträger Neues Leben in Kooperation mit dem Immobilienentwickler M2plus Immobilien GmbH realisiert.

Das Besondere an dem Projekt: Die Wärme- und Kälteversorgung kann fast zur Gänze mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Gekühlt und geheizt wird ausschließlich mit Vor-Ort-Umgebungswärme und Wärmepumpen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner bringt das eine angenehme Raumtemperatur zu jeder Jahreszeit.

Der Strom für die Wärmepumpen stammt aus einem Windpark in der nahen Umgebung. Der Ökostrom wird aber nur dann bezogen, wenn durch starken Wind besonders viel Strom produziert wird. Dieser „Überschussstrom“ treibt die Wärmepumpen an, die im Winter Wärme erzeugen und im Sommer zur Raumkühlung beitragen.
Ein zusätzlicher Vorteil des Systems ist, dass Wärme über Sondenfelder im Erdreich gespeichert werden kann. Dank dieses ausgeklügelten Energiekonzepts muss für den Betrieb des Heiz- und Kühlsystems nur rund ein Viertel an konventionell erzeugtem Strom bezogen werden, wenn beispielsweise im Windpark kein Strom generiert wird.

Das Geheiminis warum die Mühlgrundgasse fast ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt ist, liegt darin, dass der Verbrauch an die gerade verfügbare Energieproduktion angepasst wird. Speicher erfüllen eine wichtige Funktion, wenn es darum geht den Anteil an erneuerbaren Energien im Gebäudebereich zu erhöhen. In der Mühlgrundgasse wurde erstmals im geförderten Wohnbau die thermische Betonkernaktivierung umgesetzt. Das zeigt, dass diese Systeme bereits heute zu einem vernünftigen Preis umsetzbar sind.

Portrait von Thomas Kreitmayer
Thomas Kreitmayer
In der Mühlgrundgasse steht das erste soziale Wohnbauprojekt mit Thermischer Bauteilaktivierung zum Heizen und Kühlen. © MA20/C.Fürthner
In der Mühlgrundgasse steht das erste soziale Wohnbauprojekt mit Thermischer Bauteilaktivierung zum Heizen und Kühlen. © MA20/C.Fürthner
Hier sind die Rohrregister zu sehen, in denen je nach Heiz – oder Kühlzweck warmes oder kaltes Wasser fließt. © MA 20/A. Kromus
Hier sind die Rohrregister zu sehen, in denen je nach Heiz – oder Kühlzweck warmes oder kaltes Wasser fließt. © MA 20/A. Kromus
Erneuerbare Energiequellen in Kombination mit Beton: Mit insgesamt 30 Erdsonden wird Geothermie über Niedertemperatursysteme effizient genutzt. © MA 20/A. Kromus
Erneuerbare Energiequellen in Kombination mit Beton: Mit insgesamt 30 Erdsonden wird Geothermie über Niedertemperatursysteme effizient genutzt. © MA 20/A. Kromus

Wien fördert fossilfreie Mobilität

Der Verkehrsbereich verbraucht in der Stadt die meiste Energie und ist auch der größte Verursacher von klimaschädlichen Treibausgasen. Aus diesem Grund hat die Energieplanung der Stadt Wien Anfang 2020 zwei innovative Förderschienen im Rahmen des Wiener Ökostromfonds für energieeffiziente Mobilitätsformen ins Leben gerufen. Bis Ende 2021 stehen dafür insgesamt 2,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Wiener Betriebe schätzen die Vorteile von E-Lastenfahrrad

Die erste Förderung schafft attraktive Anreize für den Wiener Wirtschaftsverkehr und unterstützt Wiener Betriebe beim Kauf von elektrischen Lastenfahrrädern. Hier können bis zu 4.000 Euro in Anspruch genommen werden. Diese Förderung motiviert Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer, weniger Wege mit dem Firmenauto zurückzulegen. Gerade innerhalb der Stadt lassen sich auch größere Lasten mit elektrischen Fahrrädern nachhaltig und energieeffizient ans Ziel bringen.

Die Förderung wird sehr gut angenommen. Rund 90 % der Unternehmen geben an, dass sie bislang noch keine elektrischen Lastenfahrräder im Einsatz hatten. Rund 85 % der Unternehmen nennen das unkomplizierte Parken als besonders relevant, knapp gefolgt vom Umstieg auf CO2-freien Wirtschaftsverkehr. Auch die potenziellen Zeit- und Kostenersparnisse sowie eine Image-Verbesserung sieht die Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer als besonders relevant an.

Elektrisches Lastenfahrrad
Wiener Betriebe schätzen die Vorteile von elektrischen Lastenfahrrädern. Gefördert werden neben Lastenfahr-rädern auch Elektrolastenanhängern sowie Adaptierungen auf spezielle Nutzungsbedürfnisse (Aufbauten, Transportboxen usw.) und auch der Einbau von Datentrackern sowie zusätzliche Akkus. © D. Blacher / © Liebentritt (oben)
Wiener Betriebe schätzen die Vorteile von elektrischen Lastenfahrrädern. Gefördert werden neben Lastenfahr-rädern auch Elektrolastenanhängern sowie Adaptierungen auf spezielle Nutzungsbedürfnisse (Aufbauten, Transportboxen usw.) und auch der Einbau von Datentrackern sowie zusätzliche Akkus. © D. Blacher / © Liebentritt (oben)

Hier geht es zur Antragsstellung und weiteren Infos zu den Förderungen
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Alternativen zu fossiler Mobilität im Wohnbau

Die zweite Förderung kann für Sharing-Angebote beantragt werden. Unterstützt werden Projekte in größeren Wohnanlagen, wo Fahrzeuge zum Ausleihen für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung gestellt werden. Mindestens ein Elektroauto muss angeboten werden. Zusätzlich können es auch weitere Fahrzeuge sein, etwa auch elektrische Fahrräder oder Elektroroller. So kann auf das eigene Fahrzeug verzichtet werden und Energie- und CO2-Einsparungen werden ausgelöst. Die ersten Projekte dazu werden bereits umgesetzt und reichen vom Baugruppenprojekt bis hin zur großen Offensive für mehrere Wohnanlagen.

Mit den zwei neuen Förderschienen setzt Wien einen starken Impuls für eine energieeffiziente und klimafreundliche Mobilität in der Stadt. Mit dem Förderangebot decken wir viele Bedürfnisse ab, und die bisherigen Projekte zeigen was alles möglich ist. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, durch die geförderten Projekte Erfahrungen in einem neuen Themenfeld zu sammeln.

Portrait von Herbert Ritter
Herbert Ritter

Aktuelle Potenziale für erneuerbare Energien im Wiener Stadtplan

Zahlreiche erneuerbare Energiequellen sind im Wiener Stadtraum verfügbar. Welche das sind und wo sie sich befinden, zeigt der Online-Stadtplan auf wien.gv.at. Unter dem Themenstadtplan „Energie“ im Wiener Umweltgut wurden die Karten heuer überarbeitet.

Der Kataster, der das Erdwärme- und Grundwasserpotenzial anzeigt, wurde aktualisiert. Erstmal wurde auch das Abwasserpotenzial erhoben. Die Wärme aus dem Abwasser des Wiener Kanalnetzes ist eine bisher kaum beachtete Quelle zur Deckung des Energiebedarfs. Der Abwasserpotenzialkataster dient einer ersten Einschätzung für mögliche Standorte von Anlagen zur Abwasserwärmenutzung und stellt potenziell thermisch nutzbare Kanalabschnitte des Wiener Kanalnetzes dar. Diese Daten werden seit 2020 laufend in den Onlinestadtplan eingepflegt. Das Potenzial für Sonnenenergie auf Gebäuden wurde ebenfalls im Laufe des Jahres 2020 aktualisiert. Zusätzlich wird dieser Solar-Potenzialkataster auch eine Abschätzung des tatsächlich nutzbaren Potenzials basierend auf Erfahrungswerten enthalten. Der Kataster soll künftig etwa alle 5 Jahre erneuert werden.

Weitere Informationen

Hitzekarte unterstützt Klimawandelanpassung

Wetterextreme wie Hitzewellen werden durch die fortschreitende Klimakrise immer häufiger. Die zunehmend heißen Sommertage sind eine große Belastung für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt. Besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Kranke oder Kinder und auch Haustiere leiden unter hohen sommerlichen Temperaturen. Um gezielt Abhilfe zu schaffen, ist es entscheidend zu wissen, wo es besondere Problemzonen gibt. Erstmals verfügt die Stadt Wien mit der Hitzekarte über Daten, die zeigen, an welchen Orten in Wien Abkühlung am dringendsten benötigt ist.

Hitzekarte öffnen
Die Hitzekarte weist 10 Hitze-Gebiete aus, also Orte, die besonders stark von der Hitze betroffen sind. Vorwiegend befinden sich die Gebiete in dicht bebauten Gebieten in Favoriten, Ottakring und Margareten. Die rötlichen Zonen zeigen besonders hitzebelastete Gegenden mit wenig Grün- und Wasserangebot, die einen hohen Anteil an gefährdeten Personen aufweisen.
Die Hitzekarte weist 10 Hitze-Gebiete aus, also Orte, die besonders stark von der Hitze betroffen sind. Vorwiegend befinden sich die Gebiete in dicht bebauten Gebieten in Favoriten, Ottakring und Margareten. Die rötlichen Zonen zeigen besonders hitzebelastete Gegenden mit wenig Grün- und Wasserangebot, die einen hohen Anteil an gefährdeten Personen aufweisen.

Temporäre Sofortmaßnahmen geschaffen – Coole Straßen sorgen für Abkühlung

Basierend auf der Hitzekarte wurden mehrere Straßen und Plätze ausgewählt, die in den Sommermonaten zu sogenannten Coolen Straßen umgewandelt werden. In den Coolen Straßen werden im Sommer, temporär und vor allem rasch Maßnahmen gegen die Hitze ergriffen. Dadurch schafft die Stadt in den besonders heißen Gebieten kühle Oasen zum Aufhalten im Freien, zum Spielen und Abkühlen in der Nachbarschaft. In den „Wohnzimmern im Freien“ gibt es zusätzliche Sitzgelegenheiten, Spielgeräte sowie Möglichkeiten zum Abkühlen durch Sprühnebel. Die ersten Coolen Straßen wurden von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen. Aus diesem Grund wurde beschlossen, die Aktion im Sommer 2020 auf 21 Straßen auszuweiten. Darüber hinaus werden 4 Straßen bzw. Plätze dauerhaft umgestaltet und dadurch zur Coolen Straße Plus. Baumpflanzungen, helle Bodenbelege und Versickerungsflächen, sowie Sitzmöbel und Wasserelemente zeichnen diese neugestalteten Orte aus.

Coole Straße
Die „Coole Straßen“ sorgen im Sommer für Abkühlung und schaffen Wohlfühloasen in der Stadt. Fotos: © Mobilitätsagentur Wien/ C.Fürthner
Die „Coole Straßen“ sorgen im Sommer für Abkühlung und schaffen Wohlfühloasen in der Stadt. Fotos: © Mobilitätsagentur Wien/ C.Fürthner
Weitere Informationen zu Coole Straßen

Energie-Highlights aus dem Magistrat

Energiefokus beim Bildungscampus weiterführen

In der Seestadt Aspern entsteht der erste Bildungscampus der Stadt mit einem höchst nachhaltigen Energiesystem. Der Campus wird nahezu vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt. Die benötigte Energie wird direkt vor Ort durch Sonnenkraft und Erdwärme gewonnen. Der Bildungscampus wird bis Herbst 2021 fertiggestellt und bietet 1.400 Schülerinnen und Schülern einen Ausbildungs- und Betreuungsplatz.

Für das Projekt wurde vom Unternehmen „FIN - Future is Now – Kuster Energielösungen GmbH“ ein innovatives Energiekonzept erarbeitet, das auf Betonkernaktivierung in Verbindung mit Wärmepumpen und Geothermie beruht. Da der Campus auch im Sommer durchgehend betrieben wird, kam der nachhaltigen Vermeidung der sommerlichen Überwärmung eine besondere Bedeutung zu. Durch intelligente Planung und Auslegung kann das Gebäude ganzjährig und weitestgehend autark mit nachhaltiger Vor-Ort-Energie geheizt und gekühlt werden. Eine begrünte Fassade bildet einen natürlichen Sonnenschutz und rundet das Konzept des effizienten Umganges mit Ressourcen auch optisch ansprechend ab.

Für den Bildungscampus in der Seestadt Aspern Nord erfolgte im Sommer 2019 die Verlegung von insgesamt 54 Erd-Sonden.

Schritt 1: Das Baugelände im Sommer 2019. Im Hintergrund ist die U-Bahn-Trasse zu sehen. Im Vordergrund liegen auf dem Erdreich zwei schwarze Rollen, das sind die Erd-Sonden.
Schritt 1: Das Baugelände im Sommer 2019. Im Hintergrund ist die U-Bahn-Trasse zu sehen. Im Vordergrund liegen auf dem Erdreich zwei schwarze Rollen, das sind die Erd-Sonden.
Schritt 2: Aus der Nähe betrachtet: die Erd-Sonden werden in einer Rolle als elastische Rohre angeliefert.
Schritt 2: Aus der Nähe betrachtet: die Erd-Sonden werden in einer Rolle als elastische Rohre angeliefert.
Schritt 3: Das Bohrgerät befördert die Sonden stückweise ins Erdreich. Insgesamt sind über 9.000 Hebelbewegungen notwendig, um eine Sonde 150 m in den Boden zu bringen.
Schritt 3: Das Bohrgerät befördert die Sonden stückweise ins Erdreich. Insgesamt sind über 9.000 Hebelbewegungen notwendig, um eine Sonde 150 m in den Boden zu bringen.
Schritt 4: Rechts im Bild ist die Steuerkonsole, mit der das Bohrgerät händisch bedient wird. An einem Tag können pro Bohrgerät bis zu zwei Sonden ins Erdreich eingebracht werden.
Schritt 4: Rechts im Bild ist die Steuerkonsole, mit der das Bohrgerät händisch bedient wird. An einem Tag können pro Bohrgerät bis zu zwei Sonden ins Erdreich eingebracht werden.
Bohrkopf im Detail
So sieht der Bohrkopf im Detail aus. Fotos: © MA20/A.Kromus
Sonde aus dem Erdreich
Schritt 5: Fertig: Im Bild-Vordergrund ragt eine Sonde aus dem Erdreich raus und 150 in die Tiefe.

Bildungscampus mit nachhaltigem Energiekonzept macht Schule:

  • Ein weiterer Bildungscampus für ca. 1.100 Kinder und Jugendliche entsteht bis September 2022 im 23. Bezirk in Atzgersdorf. Im Sinne einer kostenoptimalen Errichtung und eines langfristig günstigen Betriebs werden insbesondere im Bereich der Energieversorgung Low-Tech-Ansätze verfolgt. Dazu sollen passive, architektonische Maßnahmen bestmöglich ausgereizt werden, um überbordenden Technologieeinsatz nach Möglichkeit zu vermeiden. Wesentliche Aspekte dabei sind etwa eine natürliche Belichtung, natürliche Belüftung, bauliche Verschattung und die Vermeidung sommerlicher Überwärmung mithilfe von Umgebungsenergie (kühle Nachtluft, kühles Erdreich etc.).
  • Auch in der Deutschordenstraße im 14. Bezirk entsteht bis 2022 ein Bildungscampus mit vergleichbarer Energieversorgung.
  • Zwei weitere Objekte, eines im 11. Bezirk in der Rappachgasse und eines im 10. Bezirk in der Landgutgasse, werden bis September 2023 umgesetzt. Auch bei diesen wird besonders auf die Aspekte der Sommertauglichkeit und der optimierten Lebenszykluskosten geachtet. Ferner kommen ausschließlich erneuerbare Energietechnologien zum Einsatz.

Energieverbrauch von Schulen optimieren

Die Energieversorgung ist ein wesentlicher Kostenfaktor bei der Errichtung eines Hauses. Viel erheblicher jedoch sind die mit der Wahl des Energiesystems einhergehenden Folgekosten eines Gebäudes, die sich unmittelbar auf seine Lebenszykluskosten und damit auf seine Wirtschaftlichkeit auswirken.

Im Rahmen einer Evaluierung wurden drei bestehende Bildungsbauten im Hinblick auf ihre energetischen Aspekte analysiert. Dabei wurden drei Objekte unterschiedlicher Größe, mit unterschiedlicher energetischer Ausstattung und mit unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen ausgewertet. Es wurde untersucht, wie die während der Planung definierten Ziele letztlich umgesetzt wurden, wie sich der Betrieb gestaltet, ob Kosten- und Einsparungsziele (in energetischer Hinsicht) erreicht werden und schließlich auch, ob die gewünschten Komfortparameter durch die jeweiligen Lösungen eingehalten werden können. Neben der Energieaufbringung und -abgabe (z. B. Radiatoren, Flächenheizung usw.) wurde auch erhoben, wie die gewünschte Raumluftqualität erreicht wird (insb. Fensterlüftung oder mechanische Lüftung) und wie zufrieden die Pädagoginnen und Pädagogen sowie Kinder mit den vorgefundenen Systemen sind. Mithilfe der Erkenntnisse werden gezielte Anforderungen für künftige Projekte formuliert.

Energieverbrauch von Magistratsgebäuden eindämmen

Falsch eingestellte Heizungen verursachen einen unnötig hohen Energieverbrauch. Sehr oft sind nur Kleinigkeiten zu beheben, die ohne hohen Kostenaufwand umgesetzt werden können, um einen energieeffizienten Betrieb der Anlagen sicherzustellen.

Um den Energieverbrauch von Magistratsgebäuden dauerhaft zu senken, lohnt es sich den Fernwärmeverbrauch genauer unter die Lupe zu nehmen. Jährlich wird bei Magistratsgebäuden, die mit Fernwärme versorgt werden, die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf und Rücklauf auf Auffälligkeiten hin überprüft. Bei einer Auffälligkeit wird im ersten Schritt nach den Ursachen gesucht und in weiterer Folge werden Maßnahmen getroffen. Schon allein durch Optimierungen an der Regelung oder dem Austausch von Temperaturfühlern, die falsche Messwerte liefern, können große Einsparungen bewirkt werden.

Kleine Aktion mit großer Wirkung

Bisher wurde der Energieverbrauch bei 150 Gebäuden optimiert. Dadurch konnten jährlich Energieeinsparungen von ca. 2.200 MWh erreicht werden. Insgesamt wurden seit 2014 Kosten in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro und 10 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart werden. Erfahrungen zeigen, dass durch einen optimierten Betrieb und durch eine regelmäßige Betreuung der Anlagen, jährliche Energieeinsparungen von 10 bis 30 Prozent erzielt werden können. Im Einzelfall lassen sich bis zu 40 % Energie (Fernwärme und Strom) durch einfache Optimierungsmaßnahmen einsparen.

Simpel: mit diesem Schalter können auch Laien eine Anlage sicher bedienen und unkompliziert in den Winter-, Sommer- oder Ferienbetrieb umschalten. Das spart Energie und Kosten. Die Volksschule in der Krottenbachstraße wurde zum Beispiel damit ausgestattet und seither ist dort ein energieeffizienter Betrieb sichergestellt.
Simpel: mit diesem Schalter können auch Laien eine Anlage sicher bedienen und unkompliziert in den Winter-, Sommer- oder Ferienbetrieb umschalten. Das spart Energie und Kosten. Die Volksschule in der Krottenbachstraße wurde zum Beispiel damit ausgestattet und seither ist dort ein energieeffizienter Betrieb sichergestellt.

Die Aktion zeigt, dass auch die unscheinbaren und kleinen Effizienz-Maßnahmen im Laufe der Zeit hohe Einsparungen bringen.

Portrait von Ursula Heumesser
Ursula Heumesser

Energiedaten im Blick

Die Stadt baut ein zentrales Energiedaten-Management auf, um Verbesserungspotenziale noch schneller erkennen und Energieverbräuche dauerhaft optimieren zu können. Ziel ist dabei der Aufbau eines Systems, mit dem die Erfassung, Analyse und jährliche Auswertung von Energieverbrauchswerten auf Gebäudeebene im Magistrat möglich ist. Mit einer soliden Datenbasis können in Zukunft gezielt Maßnahmen für einzelne Gebäude getroffen werden, etwa eine Sanierung oder Optimierung des Heizsystems. Alle erhobenen Daten werden qualitätsgeprüft im Sinne der Data Excellence Strategie gesammelt und gepflegt.

2019 wurde der erste Energie-Eckdatenbericht erstellt. Er bildet den aktuellen Stand der Erzeugung und des Verbrauchs von Strom und Wärme im Magistrat ab. Neben den Energiedaten werden Informationen zum Gebäudebestand sowie die jährlichen Energieausgaben im Magistrat dargestellt. Der Bericht leitet daraus Empfehlungen und Ansatzpunkte zur weiteren Vorgangweise bzw. zur Optimierung bei Magistratsgebäuden der Stadt Wien ab. Der Bericht dient zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Energiedatenmanagements.

Sonnenstrom im Magistrat

Die auf Magistratsgebäuden erzeugte Sonnenenergie kann sich sehen lassen: Auf Amtshäusern, Kindergärten, Schulen, Schwimmbädern, Mistplätzen und anderen Betriebsgebäuden befinden sich bereits über 80 Anlagen, die Sonnenenergie in Form von Strom oder Wärme erzeugen.

Beteiligung an nationalen und internationalen Projekten

Klimaneutrale Wärmeversorgung vorantreiben

Die Vorreiter-Regionen Wien, das Land Salzburg und die Steiermark erarbeiten neue Planungsgrundlagen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Dafür entwickeln sie gemeinsam mit Forschungspartnerinnen und -partnern aus Österreich den digitalen Wärmeatlas: Er soll ein zentrales Instrument für die räumliche Energieplanung sein, um klimaneutrale Lösungen für Raumwärme zu unterstützen. Der digitale Wärmeatlas lässt sich auch für andere Klimaschutz-Agenden heranziehen, wie etwa für die Planung von Maßnahmen zur Hitzevermeidung oder der Verbesserung der Energieeffizienz.

Der Wärmeatlas ist das Kernstück des Projekts Spatial Energy Planning for Heat Transition. Ziel des Projekts ist es, Grundlagen und Werkzeuge für den Einsatz räumlicher Wärmeplanung in Wien, Salzburg und der Steiermark zu schaffen.

Beginnend in diesen drei Bundesländern soll der Wärmeatlas den Einsatz innovativer und nachhaltiger Wärmelösungen fördern und im weiteren Verlauf als Hebel für die Wärmewende in ganz Österreich (und darüber hinaus) wirken. Das Energy Center der Urban Innovation Vienna koordiniert die Arbeiten der Projektpartner aus Wien und die Einbeziehung der Stakeholder.

Energieinformationen auf einen Blick

Der digitale Wärmeatlas wird zugänglich sein für interessierte Akteurinnen und Akteuren in- und außerhalb der Stadtverwaltung. Er soll einen schnellen und zuverlässigen Eindruck davon liefern, wie viel Energie einzelne Gebäude oder Stadtteile für Wärme und Kühlung benötigen. Außerdem soll der digitale Wärmeatlas zeigen, wo sich Möglichkeiten und Ansätze für Sanierungskonzepte, Wärmenetze oder erneuerbare Energiepotenziale bieten, um die Bevölkerung langfristig mit zuverlässiger, regionaler und leistbarer Wärme versorgen zu können.

Der Wärmeatlas soll insbesondere Planerinnen und Planern sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungträgern einen guten Einstieg ermöglichen, um energetische Quartierskonzepte (v.a. Optionen einer nachhaltigen Energieversorgung für ein Gebiet oder Grundstück), konkrete Sanierungsplanungen oder Hitzenotfallmaßnahmen entwickeln zu können. Der digitale Wärmeatlas ersetzt nicht die konkrete Vor-Ort-Planung, unterstützt diese aber maßgeblich. Dazu wird dieses Instrument auch in laufende Prozesse städtebaulicher Planung integriert.

Der digitale Wärmeatlas wird als Teil des städtischen GIS implementiert. Eine Beta-Version soll in Kürze zur Verfügung stehen und in ausgewählten Pilotgebieten im praktischen Betrieb getestet werden. Zusätzlich werden energierelevante Informationen auch für die Wiener Gemeindebezirke aufbereitet.

Der digitale Wärmeatlas wird ein weiterer Meilenstein für die erfolgreiche Verbindung zwischen Stadtplanung und Energieplanung.

Portrait von Herbert Hemis
Herbert Hemis

Solide Energiedaten für nachhaltige Planung

Strukturiert aufbereitete und fundierte Energiedaten unterstützen die Planung von nachhaltigen Energiesystemen in Städten und Gemeinden. Im Rahmen des nationalen Forschungsprojekts Enerspired Cities schafft Wien zusammen mit den Städten Salzburg, Innsbruck, dem Land Salzburg und Forschungspartnerinnen und -partnern eine gemeinsamen Datenbasis.

Der Zugang zu energierelevanten Basisdaten aus unterschiedlichsten Quellen soll für eine breite Schicht an Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Ein Schwerpunkt des Projekts war die Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen (Datenschutz, Zugriffsberechtigungen) und die einheitliche Aufbereitung der Datenbestände - allen voran akkordierte Metadaten. Daher stand die Pilotumsetzung für Wien auch eng in Verbindung mit den Aktivitäten im Rahmen von Data Excellence. Die Projektergebnisse stellen die Grundlage für das Projekt „GEL SEP“ dar, wo es um die Aufbereitung, Auswertung und Analyse von Informationen für verschiedene Zielgruppen geht.

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Besseres Service und höhere Qualität für Wohnhaus-Sanierung

Die thermisch energetische Wohnhaussanierung erhöht nicht nur die Wohnqualität für Bewohnerinnen und Bewohner, sie trägt auch wesentlich zur Reduktion des Energieverbrauchs bei.

Das EU-Projekt RenoBooster hat zum Ziel die Sanierungen im privaten Wiener Wohnbau weiter voranzutreiben und die Qualität wesentlich zu erhöhen. Dafür wurde die „Hauskunft“ als zentrale Beratungs- und Servicestelle für Sanierungsvorhaben geschaffen. Seit 1. Oktober 2020 können über die „Hauskunft“ kostenlose Beratungsangebote von Eigentümerinnen und Eigentümern beim Sanieren ihrer Wohnhäuser, Wohnungen oder Einfamilienhäuser in Anspruch genommen werden.

Bei der Entwicklung des Angebots wurden relevante Akteurinnen und Akteure aus Immobilienwirtschaft, Bauwesen, Verwaltung und Finanzierung einbezogen.

Neben dem Magistrat der Stadt Wien als Projektleitung sind der wohnfonds_wien, Urban Innovation Vienna, der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft, DIE UMWELTBERATUNG, e7 Energie Markt Analyse, 17&4 Organisationsberatung sowie das SORA Institut PartnerInnen im Konsortium. Das Projekt „RenoBooster“ wurde im Jahr 2019 gestartet und ist auf 3,5 Jahre anberaumt.

Ziel der zentralen Beratungsstelle Hauskunft ist es, Sanierungen zu erleichtern. Denn energetische Sanierungen machen ein Gebäude fit für die Zukunft und führen nicht nur zu höherem Wohnkomfort, sondern verringern dauerhaft den Energieverbrauch und somit auch Kosten.

Portrait von Caroline Stainer
Caroline Stainer

Gemeinsam die Stadt erneuern

Mit dem EU-Projekt Smarter Together – gemeinsam g’scheiter setzten Wien, München und Lyon in ausgewählten Stadtteilen Impulse für eine positive gesellschaftliche Dynamik und eine nachhaltige Stadtentwicklung. Im Fokus stehen effektive Maßnahmen zum Klimaschutz und für mehr urbane Lebensqualität – wie z.B. integrierte Gebäudesanierungen, klimaschonende Energiesysteme, E-Mobilität. Erfahrungen und Forschungsergebnisse werden auf lokaler und europäischer Ebene ausgetauscht. Santiago de Compostela, Sofia und Venedig sowie Kiew und Yokohama partizipieren ebenfalls am EU-Förderprogramm.

In Wien wird im Rahmen von Smarter Together unter der Leitung der Stadterneuerung (MA 25) der Stadt Wien ein großer Simmeringer Bezirksteil erneuert. Die Energieplanung der Stadt Wien hat in diesem Projekt die Leitung energierelevanter Themen übernommen. Darunter fallen die Aufbereitung von Energiedaten, die Weiterentwicklung der Energieversorgung, die Einrichtung einer Datenplattform sowie die Sichtbarmachung von erneuerbaren Energien im öffentlichen Raum.

2019 wurde die Sanierung von drei Wohnhausanlagen großteils abgeschlossen, der Null-Energie-Turnsaal der Neuen Mittelschulen am Enkplatz fertiggestellt und eröffnet und der erste intermodale Mobilitätsknotenpunkt Wiens an der U-Bahnstation Simmering eröffnet. Am Dach des Schulgebäudes am Enkplatz wurde eine Solarthermieanlage installiert, die in das Fernwärmenetz von Wien Energie einspeist. Im Zuge eines „Gebietsscreening“ wurden vorhandene energierelevante Daten umfassend aufbereitet, wie die aggregierte Darstellung von Energiepotenzialen auf Baublockebene oder die Berechnung des Energiebedarfs bis auf Gebäudeebene. Der Bedarf und die Potenziale wurden gegenübergestellt.

Ein umfassendes Monitoring, das bis 2021 läuft, soll die Wirksamkeit der Maßnahmen evaluieren. Darunter fällt unter anderem die aus erneuerbaren Quellen gewonnene Energiemenge oder die durch die Sanierungen eingesparte Energie.

Smarter Together ist ein spannendes Experimentierfeld, wo die Stadt über klassische Sanierungsmaßnahmen hinausgeht. Neben der Energieeffizienz der Gebäude wird auch die Energieversorgung umfassend neu gedacht.

Portrait von Andrea Kinsperger
Andrea Kinsperger
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