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6.4 Wiener Wundnetz

6. Neun Ziele – zwölf Erfolgsgeschichten

Beitrag von Birgit Kraft und Mario Kleinegger

Das Wiener Gesundheitsziel 4 sieht die Etablierung von integrierter Versorgung vor. Damit geht eine Verbesserung von Versorgungspfaden insbesondere im Bereich chronischer Erkrankungen einher. Das Wiener Wundnetz dient hierfür als ein Best-Practice-Beispiel.

Definition einer chronischen Wunde

Chronische Wunden treten meistens bei Menschen im höheren Lebensalter mit chronischen Krankheiten wie Gefäßerkrankungen und Diabetes mellitus auf. Diese Wunden sind dadurch gekennzeichnet, dass sie über einen längeren Zeitraum, das heißt über mehrere Wochen oder Monate hinweg, schlecht oder gar nicht heilen. Für Betroffene ist dies mit einer massiven Einschränkung ihrer Lebensqualität verbunden: Beschwerden wie Schmerzen oder Wundgeruch führen zu Isolation und Immobilität.

Auch der Weg zu einer fachgerechten Diagnostik und Therapie ist oftmals schwer: Die Behandlung der Wunden ist langwierig, zeitaufwendig und braucht viel Erfahrung und Wissen. Ohne optimale Therapie der Grunderkrankung besteht kaum eine Chance auf Abheilung der Wunde.

Das Wiener Wundnetz

Hier setzt das Wiener Wundnetz an: Es soll Betroffene rascher in eine fachgerechte Behandlung bringen und Versorgungsbrüche vermeiden, indem die Gesundheitsdienstleister*innen aller Versorgungsebenen – vom Spital über die Hausärztin/den Hausarzt bis zur mobilen Pflege – besser miteinander vernetzt sind.

Wundbehandlung ist multiprofessionell und interdisziplinär. Die Herausforderung besteht unter anderem darin, systembedingte Schnittstellenprobleme zwischen den einzelnen Gesundheitsdienstleistungsbereichen zu identifizieren und zu überwinden.

Das Projekt Wiener Wundnetz fördert die Kommunikation und den Austausch durch regelmäßige Netzwerktreffen von Wundbehandler*innen aller Versorgungsebenen mit Vertreter*innen der ÖGK und der Stadt Wien.

Auf- und Ausbau von neuen und niederschwelligen Versorgungsangeboten

Ziel ist der flächenmäßige Auf- und Ausbau von niederschwelligen Versorgungsangeboten und die Behandlung chronischer Wundpatient*innen am „Best Point of Service“.

Im Jahr 2019 wurde das erste Wundzentrum in Form einer chirurgischen Gruppenpraxis im 22. Bezirk eröffnet, 2024 kamen gleich zwei weitere Wundzentren hinzu: eine chirurgische Einzelpraxis in Kooperation mit und enger räumlicher Anbindung an ein Primärversorgungszentrum im 13. Bezirk sowie die Wundambulanz im Gesundheitszentrum Landstraße der Österreichischen Gesundheitskasse im 3. Bezirk. Eine weitere chirurgische Einzelpraxis konnte 2025 im 10. Bezirk eröffnen, um die Versorgung im Süden Wiens zu verbessern. Diese Wundzentren arbeiten eng mit regionalen Partner*innen – Spitalsambulanzen, PVE (Primärversorgungseinheiten) und Allgemeinmediziner*innen, mobiler Hauskrankenpflege sowie Vereinen und Institutionen wie neunerhaus oder Gesundheitshotline 1450 – im Wiener Wundnetz zusammen.

Durch ihren hohen Spezialisierungsgrad sind die Wundzentren das koordinierende und steuernde Bindeglied zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich und stellen die kontinuierliche und fachgerechte Behandlung für die Betroffenen sicher. Sie übernehmen die Weiterbehandlung von Patient*innen nach einem Spitalsaufenthalt oder unterstützen die Hausärzt*innen mit ihrer Expertise bei der Wundbehandlung. Somit können auch komplexere Fälle optimal und effizient behandelt werden.

Birgit Kraft ist im Bereich Bundes-Zielsteuerung und Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem & Qualität der Österreichischen Gesundheitskasse tätig.

Mario Kleinegger ist Referent der Gruppe Zielsteuerung und Gesundheitsplanung der Abteilung Strategische Gesundheitsversorgung der Stadt Wien (MA 24).