6.7 #darüberredenwir: Gemeinsam gegen das Stigma
Wie Wiens Anti-Stigma-Kampagne seit 2019 psychische Gesundheit in die Mitte der Gesellschaft rückt
Beitrag von Heike Hromatka
Die Anti-Stigma-Kampagne #darüberredenwir trägt wesentlich zur Umsetzung der Wiener Gesundheitsziele bei – von Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche (Wiener Gesundheitsziel 1) über die Stärkung der Gesundheitskompetenz (Wiener Gesundheitsziel 5) bis hin zur Optimierung von Prävention und Behandlung (Wiener Gesundheitsziel 6) und zur Förderung der psychosozialen Gesundheit der Wiener Bevölkerung (Wiener Gesundheitsziel 7).
Die Stigmatisierung, die Menschen mit psychischen Erkrankungen erfahren, hat teils dramatische Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf: Vorurteile, mangelndes Wissen und Scham verhindern den Zugang zu professioneller Hilfe und verschlechtern Behandlungschancen erheblich. Das zeigen nicht nur Studien, sondern auch die tägliche Arbeit der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD-Wien) mit Patient*innen und Angehörigen.
Die Kampagne #darüberredenwir bietet eine niederschwellige Plattform für Austausch, Sensibilisierung und Aufklärung. Mit dem offenen Gespräch über psychische Gesundheit gemeinsam mit Fach- und Erfahrungsexpert*innen wird eine breite Zielgruppe in den unterschiedlichsten Alltagssituationen erreicht. Die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen muss in der Mitte der Gesellschaft stattfinden, denn: Psychische Gesundheit betrifft uns alle.
Seit dem Start der Anti-Stigma-Kampagne 2019 hat sich einiges getan. Neben der aktiven Aufarbeitung psychosozialer Belastungen während der Covid-19-Pandemie und der Auszeichnung mit dem Österreichischen Staatspreis für „Digitale Kommunikation“ entwickeln sich die Schwerpunkte weiter. Im Fokus steht die Zielgruppe junge Wiener*innen und deren Umfeld: Die Zusammenarbeit mit Content-Creator*innen, ein neues Design, zusätzliche Online-Kanäle wie zum Beispiel TikTok sowie zielgruppenspezifische Out-of-Home-Werbung sind Ausdruck davon. Dabei sind eine kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Selbstoptimierung unter dem Schlagwort #selfcare, Online-Diagnosen und damit verbundene Risiken sowie die zielgruppengerechte Aufbereitung von Informationen zentrale Aktivitäten. Materialien und Veranstaltungen im Rahmen der Feminale – 30 Tage Frauengesundheit, der Wiener Frauenwoche, der Vienna Pride sowie Kooperationen mit Sportvereinen, Interessenvertretungen, öffentlichen Einrichtungen bis hin zu Künstler*innen und Aktivist*innen helfen dabei, das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.
Die multiplen Krisen haben psychische Gesundheit zuletzt stärker in den breiten gesellschaftlichen Diskurs gebracht. Dennoch brauchen schwere Erkrankungen und ihre sozialen Dimensionen weiterhin mehr Sichtbarkeit. Ziel bleibt, das Stigma aufzuzeigen und zu entkräften, stets begleitet von der Kommunikation konkreter Hilfsangebote und der Nummer des Sozialpsychiatrischen Notdienstes bzw. des First Level Supports (FLS) für Kinder und Jugendliche: 01/31330.
Social-Media-Links:
instagram.com/darueberredenwir
Heike Hromatka ist stellvertretende kaufmännische Leiterin der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD-Wien), leitet dort den Bereich Koordination und Kommunikation und ist Mitinitiatorin der Anti-Stigma-Kampagne #darüberredenwir.